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Rolf Böhme (rechts) empfängt die Landesregierung unter Ministerpräsident Lothar Späth (links) im Freiburger Rathaus (1987)

Rolf Böhme (* 6. August 1934 in Konstanz; † 12. Februar 2019 in Freiburg im Breisgau)[1] war ein deutscher Jurist und Politiker der SPD.

Er war von 1978 bis 1982 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen und von 1982 bis 2002 Oberbürgermeister der Stadt Freiburg im Breisgau.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung und BerufBearbeiten

Böhme studierte Rechtswissenschaft in München und Freiburg. 1965 trat er in die baden-württembergische Steuerverwaltung ein, 1968 wurde er als Fachanwalt für Steuerrecht zugelassen. 1969 erfolgte seine Promotion zum Dr. jur. an der Universität Freiburg mit der Arbeit Die Beschränkung der Amtshaftung auf die Hoheitsverwaltung.

Von 2003 bis 2015 war Böhme Partner im Freiburger Büro der Rechtsanwaltskanzlei Graf von Westphalen und insbesondere im Bereich Öffentliches Recht und Projektentwicklung tätig. Mit Aufgabe seiner Anwaltstätigkeit verzichtete er bei der Rechtsanwaltskammer Freiburg auch auf seine Zulassung als Rechtsanwalt. Er war außerdem von 2002 bis 2005 ehrenamtlicher Berater des ehemaligen Bundesinnenministers Otto Schily.[2]

AbgeordneterBearbeiten

Seit 1959 gehörte Böhme der SPD an. 1970 wurde er in den SPD-Parteirat delegiert.[3] 1971 wurde Böhme Freiburger Stadtrat.[1] Von 1972 bis zu seiner Mandatsniederlegung am 2. Dezember 1982 war Böhme Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist stets über die Landesliste Baden-Württemberg in den Bundestag eingezogen.

Öffentliche ÄmterBearbeiten

Am 16. Februar 1978 wurde er als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen in die von Bundeskanzler Helmut Schmidt geführte Bundesregierung berufen. Anlässlich einer Kabinettsumbildung schied er am 28. April 1982 aus dem Amt.

 
Rolf Böhme auf einer Wahlkampfveranstaltung am Bertoldsbrunnen (September 1982)

Am 16. November 1982 wurde er im zweiten Wahlgang – Gegenkandidat war Sven von Ungern-Sternberg – zum Oberbürgermeister der Stadt Freiburg im Breisgau gewählt und damit zum Nachfolger von Eugen Keidel. Als er 2002 nicht mehr kandidierte, wurde der Grüne Dieter Salomon sein Nachfolger. Die Stadt Freiburg benannte den Großen Saal des von Böhme maßgeblich geförderten Konzerthauses nach ihm. In seine Amtszeit fiel der Bau der B 31 Ost, welche mit einer Tunnelstrecke große Teile des Freiburger Ostens vom Durchgangsverkehr entlastet. Durch eine Landesgartenschau erhielt der Stadtteil Betzenhausen neue Impulse. Wirtschaft, Tourismus, Energieversorgung und öffentlicher Nahverkehr wurden durch Zweckbetriebe gestärkt. Ebenfalls am Herzen lag Rolf Böhme die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, z. B. durch die Gründung der Freiburger Regiogesellschaft, durch gemeinsame Gemeinderatssitzungen mit der Nachbarstadt Mülhausen und durch seine Mitarbeit im trinationalen Beirat des EuroAirports Basel Mulhouse Freiburg. Rolf Böhme war an der Gründung des Zelt-Musik-Festivals und des Jazzhaus Freiburg beteiligt.[4]

LebenBearbeiten

Rolf Böhme war der Enkel des Sozialdemokraten Heinrich Delp, der bis 1931 Präsident des Hessischen Landtags und bis 1933 Bürgermeister der Stadt Darmstadt war. Heinrich Delp starb im KZ Dachau 1945 wenige Tage nach der Befreiung.[5]

Im Sommer 2016 erlitt Böhme einen Schlaganfall und war seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen.[6] Seit 2017 lebte er in einem Pflegeheim in der Wiehre.[7] Er starb im Februar 2019 im Alter von 84 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Freiburger Hauptfriedhof.[8]

EhrungenBearbeiten

2002 wurde Böhme Ehrenbürger der Stadt Freiburg.[1] Am 27. April 2002 wurde ihm in Stuttgart die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg und am 27. Juni 2005 von Otto Schily in Berlin das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. Am 29. November 2012 erhält er die Ehrendoktorwürde durch die Medizinische Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg für seine Verdienste um die Weiterentwicklung der Stadt Freiburg, insbesondere im Hinblick auf ihre Attraktivität als Lebensraum sowie als Standort für medizinische Fachtagungen und Kongressveranstaltungen.

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Je mehr wir haben, desto mehr haben wir zu wenig. Bemerkungen aus dem politischen Alltag. (= Politik im Taschenbuch, Band 8) Dietz, Bonn, 3. Auflage, 1994. ISBN 3-8012-0199-6.
  • Orte der Erinnerung – Wege der Versöhnung. Vom Umgang mit dem Holocaust in einer deutschen Stadt nach 1945. Herder, Freiburg 2007. ISBN 978-3-451-23117-9.

LiteraturBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Joachim Röderer: Freiburgs Alt-Oberbürgemeister Rolf Böhme ist tot. In: Badische Zeitung. 12. Februar 2019, abgerufen am 12. Februar 2019.
  2. Barbara Mayer: Dr. Rolf Böhme: Abschied in den Ruhestand. In: Friedrich Graf von Westphalen & Partner. 7. Januar 2016, abgerufen am 15. April 2017.
  3. Redaktionsbüro Harenberg: Knaurs Prominentenlexikon 1980. Die persönlichen Daten der Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Mit über 400 Fotos. Droemer Knaur, München/Zürich 1979, ISBN 3-426-07604-7, Böhme, Rolf, S. 48.
  4. Weggefährten erinnern sich: „Rolf Böhme war ein Hochkaräter“. In: Badische Zeitung. 12. Februar 2019, abgerufen am 13. Februar 2019.
  5. Dem Enkel hat er nie von Dachau erzählt. In: Echo-Online. 19. Januar 2013, archiviert vom Original am 6. Januar 2014; abgerufen am 13. Februar 2019.
  6. Joachim Röderer: Rolf Böhme: Zurück in Freiburg. In: Badische Zeitung. 15. April 2017, archiviert vom Original am 15. April 2017; abgerufen am 13. Februar 2019.
  7. Joachim Röderer: Alt-OB Rolf Böhme sprach bei der Gedenkfeier zur Zerstörung Freiburgs. In: Badische Zeitung. 30. November 2017, abgerufen am 30. November 2017.
  8. Joachim Röderer: Abschied von Rolf Böhme – ein Homo Politicus und leidenschaftlicher Europäer. Badische Zeitung, 22. Februar 2019, abgerufen am 24. Februar 2019.
VorgängerAmtNachfolger
Eugen KeidelOberbürgermeister von Freiburg im Breisgau
1982–2002
Dieter Salomon