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Otto Mörike

lutherischer Pfarrer und Widerstandskämpfer im Dritten Reich

Otto Emil Mörike (* 7. April 1897 in Dürrwangen; † 9. Juli 1978 in Schorndorf) war ein evangelischer Pfarrer in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und Widerstandskämpfer im Dritten Reich. Er wurde gemeinsam mit seiner Ehefrau Gertrud für seinen Mut bei der Rettung von Juden mit dem Titel Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet.

LebenBearbeiten

Otto Mörike war ein Sohn des Pfarrers Hermann Mörike (1859–1927). Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg studierte er Evangelische Theologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und wurde im Jahr 1925 Pfarrer in Oppelsbohm und am 4. September 1935 in Kirchheim unter Teck.

Anfangs wurde das neue Regime der Nazis durch das Ehepaar wegen der scheinbaren sozialen Leistungen und der Idee der Volksgemeinschaft begrüßt. Wenig später schloss sich das Ehepaar Mörike jedoch der Bekennenden Kirche an mit der Begründung, Adolf Hitler wolle sich an die Stelle Gottes setzen.

Auf Grund seiner nunmehr entschiedenen Gegnerschaft gegen die Nazis und verschiedener Zusammenstöße mit den neuen Machthabern, zum Beispiel anlässlich einer Sympathiekundgebung für den unter Hausarrest gestellten Landesbischof Theophil Wurm, für die er einen staatlichen Verweis erhielt, wurde ihm die Lehrerlaubnis für den Religionsunterricht entzogen. Konkreter Anlass hierfür war die Reichstagswahl vom 29. März 1936. In seinem Schlussgebet am Wahltag bat er,

dass Gott dem Führer die Zucht seines Geistes nicht entziehen möge.

Daraufhin entzog ihm der Kultusminister Christian Mergenthaler am 8. Oktober 1936

wegen dieser unerhörten Entgleisung das Recht zur Erteilung des Religionsunterrichts an allen Schulen des Landes.

Bei der Abstimmung zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im April 1938 warf er anstelle des Wahlzettels eine ausführliche Erklärung ein, in der er und seine Frau Adolf Hitler seine Zustimmung zum Anschluss verweigerten. Otto Mörike nannte als Gründe dafür den

Kampf gegen die Kirche und den christlichen Glauben sowie die Auflösung von Recht und Sittlichkeit.

Seine Frau Gertrud begründete ihre Ablehnung damit, dass der

Nationalsozialismus als Weltanschauung […] zum Fluch und ewigen Verderben unseres Volkes gereicht.

Daraufhin wurde er durch eine von der SA aufgehetzten Menge schwer misshandelt. Außerdem wurde er zu zehn Monaten Gefängnis mit Bewährung verurteilt und erhielt im Kirchheimer Dekanat Rede- und Aufenthaltsverbot.[1]

Im Jahre 1939 übernahm er die Gemeinden Weissach und Flacht im Kreis Leonberg. In seinem Pfarrhaus versteckte er verfolgte Juden und organisierte ihnen auch Verstecke an anderen Orten. Außerdem organisierte er Hilfsaktionen für von den Nazis verfolgte Pfarrer.

Nach dem Krieg wurde Otto Mörike nach Stuttgart-Weilimdorf versetzt und 1953 zum Dekan des Kirchenbezirks Weinsberg ernannt. Nach seinem Ruhestand 1959 engagierte er sich in der Friedensbewegung und war Vorsitzender der Aktion Sühnezeichen in Württemberg.

Für ihre Verdienste um die Rettung von Juden vor dem Terror der Nazis wurde dem Ehepaar Mörike im Jahr 1971 die Yad Vashem-Medaille verliehen. 1975 wurden sie mit der Pflanzung eines Baumes in der Allee der Gerechten und der Aufnahme unter die „Gerechten unter den Völkern“ geehrt.

Seit November 2006 ist der Weg durch den ehemaligen Pfarrgarten und an dem ehemaligen Pfarrhaus in Stuttgart-Weilimdorf, in dem die Familie Mörike damals wohnte, amtlich als „Gertrud-und-Otto-Mörike-Weg“ bezeichnet. Dies ist offenbar die erste öffentliche Benennung hierzulande, in der auch Gertrud Mörike genannt wird.

LiteraturBearbeiten

  • Ingrid Helber: Neues zu Otto Mörike, dem stillen Helden. In: Heimatkundliche Blätter Zollernalb. Heimatkundliche Vereinigung Zollernalb e.V. Jahrgang 65 vom 30. September 2018, Nr. 9, S. 2100f.
  • Ingrid Helber: Ein stiller Held. Otto Mörike kam in Balingen-Dürrwangen zur Welt. In: Heimatkundliche Blätter Zollernalb. Hrsg. von der Heimatkundlichen Vereinigung Zollernalb e.V. Beilage im Zollern-Alb Kurier. Jahrgang 64 vom 31. Juli 2017, Nr. 7, S. 2044ff.
  • Werner Raupp: Gelebter Glaube. Erfahrungen und Lebenszeugnisse aus unserem Land. Ein Lesebuch, Metzingen 1993, S. 361–368 („Otto und Gertrud Mörike – im Kampf für die Gerechtigkeit“ – mit Quellenauszügen).
  • Werner RauppMörike, Otto Emil. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 6, Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1, Sp. 6–8.
  • Werner RauppMörike, Otto. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 672 f. (Digitalisat).
  • Werner Raupp: Mörike, Otto Emil. In: Baden-Württembergische Biographien, Bd. III (2002), S. 256–258.
  • Elisabeth Stiefel: Sie waren Sand im Getriebe. Frauen im Widerstand. Francke, Marburg 2015, ISBN 978-3-86827-493-6 (darin ein Kapitel über Gertrud Mörike)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Fritz Grünzweig (Zeitzeuge): Zu rühmen Seinen Ruhm: Erfahrungen und Erkenntnisse aus langem Dienst, S.40–41, SCM R. Brockhaus, Witten 1988, 2. Aufl. 1989, ISBN 978-3-417-24098-6.