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Olivia Vieweg

deutsche Comiczeichnerin und -autorin
Olivia Vieweg (2014)

Olivia Vieweg (* 3. Oktober 1987 in Jena) ist eine deutsche Comiczeichnerin und -autorin, außerdem Cartoonistin und Herausgeberin von Comicanthologien. Von ihr stammen die Comicromane Huck Finn und Antoinette kehrt zurück.

BiographieBearbeiten

Olivia Vieweg verbrachte ihre ersten zehn Lebensjahre in einem Plattenbau an der Autobahn. Ihr erster Berührungspunkt mit dem Medium Comic ist unsicher, sie selbst gibt aber das Lustige Taschenbuch als wahrscheinlich an. Prägender war für sie Sailor Moon, ihre ersten kürzeren Comicwerke entstanden in der von Manga stark beeinflussten sogenannten „Germangaka“-Szene.[1] Bereits als Schülerin gestaltete sie Plakatmotive für die Jenaer Philharmonie, die veröffentlicht wurden.[2] Im Schulunterricht in Jena zeichnete sie viel, vor allem Katzen. Dieses Thema setzte sie während des Studiums (Visuelle Kommunikation an der Bauhaus-Universität Weimar) in einer Reihe Cartoons fort, die im Carlsen Verlag erschienen sind.[3] 2009[4] –2010 erfolgte ihre erste Ausstellung, gemeinsam mit Katja Klengel, im Stadtmuseum Gera.[5] 2011 schloss sie ihr Studium mit dem Zombie-Comic Endzeit ab.[3]

Olivia Vieweg lebt in Weimar. Sie arbeitete als Illustratorin der Kinderbuchreihe Vampirinternat Schloss Schauerfels und Coloristin der Comicserie Silberpfeil.[3] Auch in der Werbung ist sie tätig.[6] Im Dezember 2012 brachte sie einen Sohn zur Welt.[3] 2014 wurde sie in der Drehbuchwerkstatt München aufgenommen. Sie übernahm zudem am 6. Juli 2014 die durch das Ausscheiden von Arne Bellstorf vakant gewordene Stelle des Comicstrips auf der Rückseite der Sonntagsbeilage des Tagesspiegels an, welchen sie alle vier Wochen im Wechsel mit Flix, Mawil und Tim Dinter veröffentlicht.[7] Sie hat ein besonderes Faible für Perserkatzen.[3]

WerkBearbeiten

Obwohl Olivia Vieweg zunächst von einer Serie geprägt wurde, die Mädchen ab ca. 6 Jahren als Zielpublikum haben (Sailor Moon wird demographisch den Shōjo-Manga zugeordnet), nennt sie als zeichnerische Vorbilder heute eher Mangaka, die sich an ältere Leser („Seinen“) richten: Naoki Urasawa, Inio Asano und Mohiro Kitoh.[1] Auch Shōnen-Titel wie Death Note und Bakuman. von Takeshi Obata sowie westliche Comickünstler wie Bastien Vivès, Manu Larcenet, Mark Kalesnikos und Ralf König schätzt sie sehr,[3] gibt aber dennoch an, das Meiste für ihre Comics, insbesondere was Erzähltempo und Figurendesign betrifft, beim Manga gelernt zu haben.

Durch ihr Studium distanzierte sie sich jedoch vom etwas steifen Perfektionismus der „Germangaka“-Szene und begann skizzenhafter zu arbeiten.[6] Ihre drei Langcomics Endzeit, Huck Finn und Antoinette kehrt zurück zeichnete sie ausschließlich mit Bleistift,[8] davor tuschte sie ihre Arbeiten üblicherweise. Nachbearbeitet und koloriert wird von ihr am Computer.[3] Bei den Geschichten ist ihr eine regionale Verortung wichtig. Sie beschränkt sich auf Gegenden, die sie gut kennt und die sie deshalb nicht aus Sekundärquellen recherchieren muss,[9] auch wenn beispielsweise der Ort Harzberg aus Antoinette kehrt zurück fiktiv ist. Andreas Platthaus sieht als weitere wichtige Einflüsse Gothic-Elemente und die Kunst des frühen 20. Jahrhunderts an.[5]

Frühe ComicsBearbeiten

Erste Amateurcomics im „Mangastil“ (sogenannte Dōjinshi) veröffentlichte Vieweg im Onlineportal von Animexx unter dem Pseudonym VenusKaiô. Einige davon wurden in den Anthologiereihen Manga-Mixx, Manga Spot (Verlag jeweils Animexx) und Paper Theatre (Verlag Schwarzer Turm) veröffentlicht. Dabei fungierte sie teilweise erstmals auch als Herausgeberin, eine Aufgabe, die sie später bei den Subway to Sally Storybooks erneut übernahm. Die beiden Bände mit Kurzgeschichten nach Liedtexten der gleichnamigen Gruppe erschienen 2008 bei Egmont Manga & Anime sowie 2012 bei Schwarzer Turm.

2010 bekam sie für die Herausgabe von Paper Theatre einen „Sonderpreis der Jury für eine besondere Leistung oder Publikation“ im Rahmen des ICOM Independent Comic Preises.[1]

Dicke KatzeBearbeiten

Von 2009 bis 2011 erschienen drei Bücher mit Cartoons über eine getigerte Perserkatze bei Carlsen. Der erste Band Warum Katzen besser sind als Männer erschien 2009 und lag 2011 in dritter Auflage vor.[10] Dazu gestaltete sie diverse Merchandisingartikel wie Plüschtiere und Buttons.[11] Zu der Figur zeichnete sie auch drei einseitige Gagcomics, die im Magazin Comix abgedruckt wurden.[12]

EndzeitBearbeiten

In Endzeit versuchen zwei junge Damen, nachdem sie mit dem Zug auf halber Strecke stecken geblieben sind, sich zu Fuß durch eine von Zombies bevölkerten Welt nach Jena durchzuschlagen. Der 72 Seiten umfassende Comic wurde als Diplomarbeit 2011 für die Bauhaus-Universität geschaffen. Er erschien 2012 zunächst ummontiert auf 46 Seiten im größeren Format A4 und gespiegelt auf japanische Leserichtung in drei Fortsetzungen im Magazin Comix,[13] sowie im selben Jahr in Originalform bei Schwarzer Turm als Buch. Einige Jahre später nahm sich Vieweg der Story wieder an, verwandelte sie in ein Drehbuch (verfilmt von Arte und ZDF, geplante Veröffentlichung 2019[14]) und erneut in einen Comic, der 2018 wieder unter dem Titel Endzeit im Carlsen Verlag erschienen und mit 288 Seiten deutlich umfangreicher als die ursprüngliche Fassung ist. Koloriert wurde die Fassung von 2018 durch Ines Korth und Adrian vom Baur.[15]

Huck FinnBearbeiten

Die Adaption von Die Abenteuer des Huckleberry Finn entstand aus der Vorgabe des Suhrkamp Verlages, für deren von Andreas Platthaus kuratierten neuen Graphic-Novel-Schiene zunächst ausschließlich Werke aus dem eigenen Programm als Comic umzusetzen.[16][3] Olivia Vieweg verlegte das Werk ins 21. Jahrhundert und vom Mississippi an die Saale. Den Sklavenjungen Jim machte sie zur asiatischen Zwangsprostituierten Jin.

Antoinette kehrt zurückBearbeiten

Das 2012 erstmals von Ehapa vergebene Comic-Stipendium stand unter dem Motto „Heimat 2.0“ und war mit 5000 € Vorschuss und einer fixen Veröffentlichung im Verlag dotiert.[17] Vieweg gewann den Preis mit ihrem Exposé über eine junge Frau, die nach Rache sinnt und aus Los Angeles in ihre alte Heimat kommt. Die Geschichte zitiert Der Besuch der alten Dame, verarbeitet aber auch das Motiv „Mobbing unter Jugendlichen“ aus Mohiro Kitos Manga Naru Taru.[1][18]

PreiseBearbeiten

BibliographieBearbeiten

Comics

Cartoons

Anthologiebeiträge

  • Lowschool. In: Manga Spot 2006. Animexx, München 2006, S. 49–67.
  • Gevatter Tot. In: Es war keinmal (= Turm-Manga spezial). Band 1. Schwarzer Turm, Hünfeld 2006, ISBN 3-934167-30-6.
  • Alle Wege führen nach Rom. In: Paper Theatre. Nr. 2. Schwarzer Turm, Weimar 2006, ISBN 3-934167-29-2, S. 51–72.
  • Die Flut. In: Manga-Mixx. Nr. 3. Animexx, München 2007, DNB 1047275058, S. 70–88 (frei nach Herr Keuner und die Flut von Bertolt Brecht).
  • Prinzessin auf der Erbse. In: Subway to Sally Storybook. Band 1. Egmont Manga & Anime, Köln 2008, ISBN 978-3-7704-6938-3, S. 181–188.
  • Morgen bin ich weg. In: Paper Theatre. Nr. 6. Schwarzer Turm, Weimar 2009, ISBN 3-934167-29-2, S. 167–183.
  • Kein Plan! In: Comix & Beer. 100 ganz legale Comicrightverletzungen. Comicstammtisch Leipzig, Leipzig 2009, S. 21.
  • Das schwarze Meer. In: Subway to Sally Storybook. Band 2. Schwarzer Turm, Weimar 2012, ISBN 978-3-934167-58-2, S. 107–116.

Als Herausgeberin

  • (mit Vicky Danko und Beatrice Beckmann): Paper Theatre Band 6 und 7[20]
  • Subway to Sally Storybook 1 und 2
  • Blütenträume 2 (= Turm-Manga spezial. Band 7). Schwarzer Turm, Weimar 2009, ISBN 978-3-934167-45-2.
  • Blütenträume 3 (= Turm-Manga spezial. Band 9). Schwarzer Turm, Weimar 2010, ISBN 978-3-934167-49-0.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Olivia Vieweg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Bernd Hinrichs: Made in Germany. Das Alfonz-Zeichnerporträt. Folge 5: Olivia Vieweg. In: Alfonz – Der Comicreporter. Nr. 2 (April–Juni). Edition Alfons, Verlag Volker Hamann, 2014, ISSN 2194-2706, S. 44 f.
  2. Simone Xie, Anne Plätzke (Hrsg.): Paper Theatre. Nr. 2. Schwarzer Turm, Weimar 2006, ISBN 3-934167-29-2, S. 52.
  3. a b c d e f g h Matthias Hofmann: „Die Jungs und ich haben beschlossen eine Bande zu gründen.“ Auf den Spuren von Huckleberry Finn. In: Zack. Nr. 171. Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag, September 2013, ISSN 1438-2792, S. 34–36 (Interview mit Olivia Vieweg).
  4. Christian Werner: Zeichnende Studentin. Dicke Katzen überall. Die Zeit, 5. November 2009, S. 2, abgerufen am 2. Juni 2014: „Ab 12. Dezember 2009 zeigt das Stadtmuseum Gera […]“
  5. a b Andreas Platthaus: Vom Mangafan zur Comicmeisterschaft. 5. März 2010, abgerufen am 31. Mai 2014.
  6. a b Lars von Törne: Comiczeichnerin Olivia Vieweg im Porträt. Die Weltenwandlerin. Der Tagesspiegel, 29. Juli 2013, archiviert vom Original am 27. Mai 2014; abgerufen am 14. August 2014.
  7. Lars von Törne: Neuer Tagesspiegel Comic-Strip. Die fabelhafte Welt der Olivia Vieweg. Der Tagesspiegel, 1. Juli 2014, abgerufen am 14. August 2014.
  8. Olivia Vieweg: Antoinette kehrt zurück. 1. Auflage. Egmont Graphic Novel, Köln 2014, ISBN 978-3-7704-5500-3, S. 89.
  9. Ebendort, S. 93
  10. Porträt: Olivia Vieweg. In: Comix. Nr. 3/2011. JNK, Verlag Jurgeit, Krismann & Nobst, Berlin 2011, DNB 1014791847, S. 23.
  11. Schwarzer Turm auf der Leipziger Buchmesse 2011. Schwarzer Turm, 14. März 2011, abgerufen am 28. Mai 2014.
  12. Olivia Vieweg: Dicke Katze. Spring. In: Comix. Nr. 3/2011. JNK, Verlag Jurgeit, Krismann & Nobst, Berlin 2011, DNB 1014791847, S. 22., Olivia Vieweg: Dicke Katze. Neue Konkurrenz. In: Comix. Nr. 5/2011. JNK, Verlag Jurgeit, Krismann & Nobst, Berlin 2011, S. 20., Olivia Vieweg: Dicke Katze. Böse Tricks. In: Comix. Nr. 7/2011. JNK, Verlag Jurgeit, Krismann & Nobst, Berlin 2011, S. 4.
  13. in Ausgabe 04/2012 bis 06/2012; jeweils JNK, Verlag Jurgeit, Krismann & Nobst, Berlin
  14. Christine Reißing: "Endzeit": Zombie-Apokalypse zwischen Weimar und Jena. mdr.de 2018
  15. Barbara Buchholz: „Endzeit“ revisited Auf Leben und Tod in der Zombie-Zone. tagesspiegel.de 2018
  16. Matthias Hofmann: Suhrkamp goes Graphic Novel: »Gute Comics brauchen ihre Zeit «. Comic Report, 2011, abgerufen am 29. Mai 2014 (Interview mit Andreas Platthaus).
  17. Steffen Hautog: Das Comic-Stipendium 2012. Aus dem Tagebuch eines Costima. In: Alfonz – Der Comicreporter. Nr. 1 (Januar–März). Edition Alfons, Verlag Volker Hamann, 2012, ISSN 2194-2706, S. 13–16 (Costima für Comic-Stipendium-Macher).
  18. Anna Mayrhauser: Trauerwurst und Racheengel. In: Süddeutsche Zeitung. 2. Juni 2014, S. 12 (Rezension zu Vieweg und zu Britt/Arsenault)
  19. Super User: 2014/15. Abgerufen am 13. September 2017 (deutsch).
  20. Felix Giesa (Interview): Preisträger 2010 Sonderpreis der Jury für eine besondere Leistung oder Publikation: Vicky Danko, Beatrice Beckmann und Olivia Vieweg für das Engagement beim Independent Manga. In: Comic! Jahrbuch 2011. Interessensverband Comic e.V. ICOM, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-88834-941-6, S. 210, 212 (comic-i.com – nur in Auszügen, zu belegende Information aber komplett).