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Sailes Grabstein

Olaf Saile (* 27. August 1901 in Weitingen, Oberamt Horb, Königreich Württemberg; † 29. Juni 1952 in Esslingen am Neckar) war ein deutscher Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

WerdegangBearbeiten

Als Redakteur der „Rathenower Zeitung“ und Sozialdemokrat wurde Olaf Saile auf Grundlage der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 am 22. Juni 1933 verhaftet und in das KZ Oranienburg gebracht, weil er sich öffentlich in Wort und Schrift gegen die Naziherrschaft ausgesprochen hatte. Seine spätere zweite Frau Käthe Lambert konnte mit Hilfe ihres Presseausweises in das Lager gelangen und veröffentlichte einen stark geschönten Bericht über die dortigen Zustände, woraufhin Olaf Saile entlassen wurde. Er erhielt aber Berufsverbot, zog nach Stuttgart-Bad Cannstatt, gründete Ende 1933 die bis 1937 bestehende Süddeutsche Kulturkorrespondenz[1] und hielt sich und seine Familie mit literarischen Arbeiten über Wasser. Als freier Schriftsteller konnte er dann auch am Süddeutschen Rundfunk Stuttgart tätig werden. Das im November 1935 gedruckte Gedicht Chor der Gefallenen liegt dabei ganz auf der Linie der vom NS-Regime seit März 1935 mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht betriebenen Militarisierung Deutschlands. Der Dichter läßt darin tote Soldaten des Ersten Weltkriegs über ihren Massengräbern und Särgen ein Dröhnen wie vom Marsch von Kolonnen, die doch noch die Schlacht gewonnen, vernehmen und schließlich – vom Tode erwacht – verkünden:

„Marschiert, Kameraden, wir kommen, wir kommen!
Noch hat uns der Tod nicht die Liebe genommen,
Soll Deutschland, soll Deutschland verderben?
Wir kommen – noch einmal zu sterben!“[2]

Sailes Roman Und wieder wird es Sommer wurde 1937 bei der feierlichen Verleihung des Schwäbischen Dichterpreises durch den württembergischen Ministerpräsidenten und Kultminister Christian Mergenthaler öffentlich gelobt.[3] Die von ihm im gleichen Jahr herausgegebene Anthologie Schwäbische Erzähler, von der ein Exemplar vom Verlag Fleischhauer & Spohn, Stuttgart, mit der Bitte um freundliche Förderung an die Privatkanzlei von Adolf Hitler übersandt worden war,[4] fand auch in der NS-Presse positive Resonanz.[5] Vor Kriegsausbruch 1939 zog er nach Esslingen, wo er sich ein Haus baute. Nach 1945 wurde er in Unteruhldingen/Bodensee zum Bürgermeister ernannt. Bei den ab Ende 1946 erscheinenden Stuttgarter Nachrichten leitete er bis zur Ablösung durch Kurt Honolka im Juli 1949 die Feuilletonredaktion.[6] Er starb in seinem Arbeitszimmer in Esslingen, am Schreibtisch sitzend. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Sankt Bernhardt in Esslingen.

Seine fiktive Kepler-Biographie kann als verkappter Protest gegen das Naziregime verstanden werden. Das Buch wurde 1940 unter dem Titel Troubadour of the Stars in New York veröffentlicht. Übersetzt hatte es James A. Galston.

WerkeBearbeiten

  • (Hrsg.) Schwäbische Erzähler, Fleischhauer & Spohn, Stuttgart 1937
  • Und wieder wird es Sommer. Fleischhauer & Spohn, Stuttgart 1937
  • Kepler. Roman einer Zeitenwende, Fleischhauer & Spohn, Stuttgart 1938
  • Über den Umgang mit Schwaben, E.G. Seeger, Stuttgart 1950

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Zeitungs-Verlag. Fachblatt für das gesamte Zeitungswesen 38 (1937), S. 657.
  2. Olaf Saile: Chor der Gefallenen. In: Württemberg. Monatsschrift im Dienste von Volk und Heimat. Hrsg. von August Lämmle und Georg Schmückle. Jg. 7, 1935, S. 489.
  3. Der Schwäbische Dichterpreis 1937. In: Salzburger Volksblatt. Folge 265 vom 18. November 1937, S. 7–8, S. 8 (online bei ANNO).
  4. Thomas Garke-Rothbart: »… für unseren Betrieb lebensnotwendig …« Georg von Holtzbrinck als Verlagsunternehmer im Dritten Reich (Archiv für Geschichte des Buchwesens. Studien Bd. 7). München 2008 ISBN 978-3-598-24906-8, S. 166 Abb. 23 (online als PDF).
  5. Wilhelm Gall: Schwäbische Erzähler (Rezension). In: Völkischer Beöbachter. Wiener Ausgabe. Nr. 283 vom 10. Oktober 1939, S. 4 (online bei ANNO).
  6. Peter Köpf: Schreiben nach jeder Richtung. Goebbels-Propagandisten in der westdeutschen Nachkriegspresse. Berlin 1995 ISBN 3-86153-094-5, S. 67.