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Olaf Dinné (2005)

Olaf Dinné (* 16. Dezember 1935) ist Architekt und Politiker in Bremen. Er war einer der ersten vier Abgeordneten einer grünen Partei in einem deutschen Landesparlament.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Dinné wuchs auf dem Gut seines Bremer Großvaters in Schlesien auf. Nachdem sein Vater 1942 bei Stalingrad gefallen war, kam er mit seiner Mutter Anfang 1945 nach Bremen. 1956 machte er am Gymnasium Barkhof Abitur. Dinné war nach dem Studium der Architektur an der TU Berlin als freier Architekt in Bremen tätig. Er ließ sich zusammen mit Künstlern zunächst in der Altstadt, im Schnoorviertel, nieder.[1]

1964 übernahm Dinné mit einem Kollektiv das Lokal Lila Eule in Bremen. Dieses Lokal wurde als ein Jazz-Lokal mit politischem Anspruch betrieben. Dinné holte am 27. November 1967 persönlich Rudi Dutschke aus Berlin ab, der in der Lila Eule noch am selben Abend eine Rede hielt. Im Laufe der Unruhen um 1968 wurde es Ausgangs- und Treffpunkt der bremischen Außerparlamentarischen Opposition. Insbesondere die Demonstrationen im Rahmen der Bremer Straßenbahnunruhen 1968 wurden hier vorbereitet.

PolitikBearbeiten

Bürgerinitiative gegen die MozarttrasseBearbeiten

Als außerparlamentarischer Politiker wurde Dinné als Mitglied des SPD-Ortsvereins Altstadt (OVA) besonders bekannt im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um die sogenannte Mozarttrasse, die nach den Plänen des Senats und der SPD-Fraktion der Bremischen Bürgerschaft als Umgehungsstraße das Viertel durchschneiden sollte.

Die ersten Überlegungen dazu wurden im November 1971 durch den Senat der Freien Hansestadt Bremen in einem "Sanierungskonzept Ostertorviertel" konkretisiert. Der anschließende Kampf um die Mozarttrasse dauerte mehrere Jahre. Für die Trasse stritt der sozialdemokratische Bremer Senat der Freien Hansestadt Bremen mit Unterstützung der SPD-Fraktion und der Neuen Heimat als geplantem Bauträger, gegen die Trasse vor allem der SPD-Ortsverein Altstadt. Zum Gebiet des Ortsvereins gehörten damals sowohl die Altstadt als auch das Ostertorviertel. Bereits 1969 hatte der Ortsverein Altstadt in einer großen Befragung die Bevölkerung zu dringenden Problemen des Ortsteils befragt. Die Ergebnisse waren für die Fragesteller eher überraschend: zu 95 Prozent lehnte die Bevölkerung die geplante Trasse und Bebauung ab. Daraufhin änderte der Ortsverein seine Strategie. Er gründete den parteiunabhängigen Arbeitskreis Ostertorsanierung (AKO). Auf diese Weise erreichte man völlig unterschiedliche Bürger aus dem Ortsteil. Durch regelmäßige Publikationen des Ortsvereins Altstadt und eine sachorientierte Zusammenarbeit aller Parteien im Beirat Mitte wurde der Protest organisiert. Am 4. November 1973 kam es zu einer SPD-Fraktionssondersitzung, in der es eine Mehrheit von 26 zu 24 Stimmen für das Projekt Mozarttrasse gab. Dieses knappe Ergebnis führte zu weiteren Diskussionen innerhalb der SPD-Führungsriege; der Beschluss wurde am nächsten Tag zurückgenommen. Die mit einer eigenen Mehrheit in der Bremischen Bürgerschaft ausgestattete SPD-Fraktion stimmte einstimmig bei 11 Enthaltungen gegen die Mozarttrasse und rettete damit eines der heute schönsten und beliebtesten Wohnquartiere Bremens.

Am 16. Januar 2009, rund 40 Jahre nach diesen Ereignissen, erhielt der Arbeitskreis Ostertorsanierung die Bremer Auszeichnung für Baukultur. Mit diesem Preis ehrten der Bremer Bausenator und das Bremer Zentrum für Baukultur (BZB) Menschen, „die sich durch ihr Engamement für das historische Stadtbild, für die städtebauliche und baukünstlerische Entwicklung und für die Vermittlung baukünstlerischer Werte -insbesondere in Bremen- verdient gemacht haben“. Mit Dinné gehören zu den Ausgezeichneten die folgenden Mitglieder des Arbeitskreises: Dieter Decker, Hanna Ehmcke, Hans-Jürgen Kahrs, Ursel Kerstein, Thomas Kerstein, Wolfgang Linder, Uwe Martin, Karsten Schwerdtfeger, Gert Settje, Hans-Martin Sixt, Ulrike Schellpeper und Herbert Wulfekuhl.[2] Vgl. zum Ganzen auch den Dokumentarfilm "Trassenkampf" von Konstanze Radziwill[3].

Kampf gegen das Atomkraftwerk EsenshammBearbeiten

Nach dem erfolgreichen Kampf gegen die Mozarttrasse war Olaf Dinné und der Ortsverein Altstadt am den Kampf gegen das Kernkraftwerk Unterweser (KKU) in Esenshamm beteiligt. Man initiierte, mit Unterstützung der Bevölkerung vor Ort (Wesermarsch) und aus Bremen einen Musterprozess. Dessen wissenschaftliche Unterstützung erfolgte durch Professoren der neu gegründeten Bremer Universität (Manfred Hinz, Gerd Winter, Jörn Bleck-Neuhaus u. a.). Der Prozess ging zwar verloren, aber die radioaktiven Abgabewerte mussten um 80 % gesenkt werden.

Bremer Grüne ListeBearbeiten

Die Mitarbeit in der Anti-Atomkraftbewegung, weitere negative Erfahrungen mit der SPD usw. führten 1978 zum Austritt von Dinné und weiterer Mitstreiter aus der SPD und zur Gründung der Bremer Grünen Liste (BGL) um Dinné[4]. Bei der Wahl zur Bremischen Bürgerschaft im Jahre 1979 gelang es der BLG 5,1 % der Stimmen in der Stadt Bremen zu erreichen und als erste grüne Partei in einem Landesparlament vertreten zu sein. Zu den neuen Abgeordneten gehörten, neben Dinné, Peter Willers, Delphine Brox und Axel Adamietz.

Auf dem Gründungsparteitag der Grünen im März 1980 sprach sich Dinné deutlich gegen die Doppelmitgliedschaft bei der Partei aus. Er begründete dies unter anderem mit wahlstrategischen Überlegungen. Eine Abgrenzung zu den Kommunisten sei notwendig, damit nicht der Eindruck entstünde, die neue Partei wäre kommunistisch unterwandert. Hierfür wurde er besonders von linken Mitgliedern kritisiert.[5]

Weitere AktivitätenBearbeiten

Dinné ist außerparlamentarisch, im Rahmen von Bürgerinitiativen, weiterhin politisch aktiv.[6] Das gilt für den Kampf gegen Atomanlagen, aber auch für eine bürgerfreundliche Stadtplanung und die Kritik an einer rücksichtslosen Verkehrsplanung ("Wahnsinn wütet weiter").

Zur Bürgerschaftswahl 2019 plante Dinné, mit einer gemeinsamen Liste von verschiedenen Bürgerinitiativen anzutreten.[7] Auf Grund von Meinungsverschiedenheiten zog sich Dinné Mitte Mai 2018 aus dem Projekt zurück. Im Oktober 2018 beteiligte er sich an der Gründung der Landesvereinigung Bremen der Freien Wähler, deren erster Landesvorsitzender und Spitzenkandidat zur Bürgerschaftswahl am 26. Mai 2019 er Mitte November wurde.[8]

VeröffentlichungenBearbeiten

  • 15 Jahre SPD in Bremen, dann Grün. Ein Beitrag zur bremischen Geschichte jüngerer Vergangenheit. Klartext-Verlag, Bremen 1979
  • mit Hans-Werner Lüdke (Hrsg.): Die Grünen. Personen, Projekte, Programme. Seewald, Stuttgart 1980, ISBN 3-512-00603-5
  • Das grüne Manifest. Robinson, Frankfurt 1985, ISBN 3-88592-006-9
  • mit Jochen Grünewaldt & Peter Kuckuk (Hrsg.): 1968. Anno dunnemals in Bremen. WMIT Druck-und-Verlags-GmbH, Bremen 1998, ISBN 3-929542-10-2
  • mit Konstanze Radziwill (Hrsg.): Trude Rosner-Kasowski. Ausstellungskatalog. WMIT Druck-und-Verlags-GmbH, Bremen, 2002, ISBN 3-929542-22-6

WeblinksBearbeiten

  Commons: Olaf Dinné – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 5. November 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.digitales-heimatmuseum.de
  2. 2. Bremer Auszeichnung für Baukultur, Text auf der Webseite des Bremer Zentrum für Baukultur
  3. Filmbüro Bremen
  4. Johannes Kühner: Lederäpfel und ein Terrorakt. Abgerufen am 4. August 2016 (deutsch).
  5. Die Rote Fahne: Zur Gründung der Grünen Partei; KPD-Mitglieder zum Beschluß über das Verbot der Doppelmitgliedschaft. 28. Januar 1980; reproduziert in trend onlinezeitung. 01/05, abgerufen am 9. November 2016
  6. Interview im Weserkurier, abgerufen am 13. März 2011.
  7. https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-neue-partei-freie-waehler-nun-auch-in-bremen-_arid,1771795.html
  8. https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/politik/freie-waehler-landesvorstand-bremen-100.html