Notre-Dame-de-la-Nativité (Saverne)

Kirchengebäude in Saverne, Frankreich
Notre Dame de la Nativité
Holzflößmaß an der Fassade

Die ehemalige Stiftskirche Notre-Dame-de-la-Nativité ist das zentrale Kirchengebäude in der Altstadt von Saverne im Département Bas-Rhin in Frankreich. Heute fungiert sie als Pfarrkirche. Seit 1977 ist sie als Baudenkmal geschützt.[1]

GeschichteBearbeiten

Im zwölften Jahrhundert erbaut, diente die Kirche zunächst nur der Pfarrei, ab dem späten 13. Jahrhundert, mit dem Patrozinium St. Bartholomäus, auch als Klosterkirche der Steigerherren. Bei Auflösung dieses Ordens, 1482, wurde sie Stiftskirche der Augustiner-Chorherren.[1]

Am Eingangsportal fallen vor allem die eisernen Türbeschläge und das altertümliche Eichmaß ins Auge. Die Inschrift DIES IST DI HOLTZ DAU bezeichnet die durch Eisenstifte im Mauerwerk bestimmte Länge des auf der Zorn zu flößenden Holzes.

Architektur und AusstattungBearbeiten

Die ältesten Teile der romanischen Kirche sind der Glockenturm sowie ein Großteil der Außenwände.[1]

Im Innern gehört die Kanzel von 1495 zu den ältesten erhaltenen Ausstattungsgegenständen. Das Steinmetzzeichen stammt von Hans Hammer, der Baumeister am Münster von Straßburg war und dort bereits neun Jahre früher ebenfalls die Kanzel geschaffen hat.

Aus der gleichen Zeit ist die holzgeschnitzte Muttergottesstatue mit dem Jesuskind, die wahrscheinlich von Niklaus von Hagenau stammt. Im Chor hängt ein Kruzifix aus dem 16. Jahrhundert.

Nördlich, parallel zum Hauptschiff, befindet sich die Muttergotteskapelle. Sie wurde 1493 auf Wunsch von Albrecht von Pfalz-Mosbach, der 1478 bis 1506 zugleich Bischof von Straßburg war, als Grabkapelle angelegt. Die Gräber wurden während der Säkularisation geschändet und zerstört. Im Chor der Kapelle steht eine Pietà aus dem 15. Jahrhundert. Außerdem befindet sich hier eine Skulptur aus Lindenholz. Sie ist Teil einer Himmelfahrt Marias, der wahrscheinlich von einem Altaraufsatz von 1486 stammt. Es ist dargestellt, wie die Apostel das leere Grab entdecken. Die Marien- und die Engelsfiguren sind nicht mehr existent. Die Fenster sind die Überreste der früheren Stiftskirche, die hier zusammengefasst und 1986 durch zeitgenössische Fenster ergänzt wurden.

Die Fenster im Chor und im Hauptschiff wurden bei einem Bombenangriff in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 1918 nahezu vollständig zerstört. Die im Chor wurden 1920/1930 von der Firma Ott frères aus Straßburg neu angefertigt; die modernen Fenster im nördlichen Seitenschiff sind von Adeline Hebert-Stevens[2]

OrgelBearbeiten

Bereits Ende des 17. Jahrhunderts befand sich an der Westfassade eine Orgel, die 1700 renoviert und 1717 mit anderen Pfeifen ersetzt worden ist. Das Instrument hatte 22 Register. Auf der Westempore befindet sich die Orgel von Sebastian Krämer aus Mutzig aus dem Jahre 1784, eine Stilmischung aus Neoklassizismus und Rokoko. Eine Orgelpfeife trägt die Inschrift: AETATIS SUAE XIII MEN. XAVE. FRANCIS. FILIA FRAN ADAMI MEYER ORGANISTAE ET MARIA MAGDA. DE WATTEVILLE HANC IMAM FISTULAM POSUIT DIE IMA XBRIS 1784 ET KRAEMER ORGANUM FECIT. Die Orgel wurde mehrfach restauriert, zunächst 1827 von der Orgelbauerfamilie Stiehr, 1844 von Nicolas-Antoine Lété (1793–1872) und 1863/64 wieder von Stiehr, beide aus Seltz. Dabei erhielt das Instrument im Pedal einen Tonumfang von 20 statt bisher dreizehn Tasten. 1921 erfolgte eine umfassende Erneuerung von Edmond Alexandre Roethinger (1866–1953) aus Straßburg, der den Tonumfang des Pedals auf jetzt 32 Tasten erweiterte und den der Manuale von 51 auf 56. Die Anzahl der Register wurde von 22 auf 39 erhöht. Die Windmaschine wurde in den Turm versetzt und von mechanisch auf elektrisch-pneumatisch umgestellt. Der Spieltisch wurde von Auguste Stieber restauriert und angepasst.[3] 1984/85 wurde die Orgel durch Alfred Kern & fils aus Straßburg umfassend erneuert, nachdem 1983 ein Teil der Decke auf das Instrument gestürzt war.

I Grand’orgue C–g3
1. Bourdon 16′
2. Montre 8′
3. Dulcian 8′
4. Bourdon 8′
5. Flûte de concert 8′
6. Gambe 8′
7. Prestant 4′
8. Doublette 2′
9. Nazard 223
10. Tierce 135
11. Cornet 5 rgs.
12. Trompette 8′
II Positiv expressif C–g3
13. Montre 8′
14. Flûte à cheminée 8′
15. Salicional 8′
16. Unda maris 8′
17. Flûte pastorale 4'
18. Octav 2'
19. Clarinette 8′
Tremblant
III Récit expressif C–g3
20. Quintaton 16′
21. Principal 8′
22. Viola 8′
23. Voix céleste 8′
24. Bourdon 8′
25. Flûte octaviante 4′
26. Octavin 2′
27. Plein jeu 5 rgs.
28. Basson 16′
29. Trompette 8′
30. Basson hautbois 8'
31. Voix humaine 8′
32. Clairon 4′
Tremblant
Pedal C–g1
33. Soubasse 16′
34. Flûte 16′
35. Violon 16′
36. Basse 8′
37. Violoncelle 8′
38. Flûte 4′
39. Bombarde 16′
  • Normalkoppeln: I/II, I/III, II/III, I/P, II/P, III/P
  • Suboktavkoppeln: I/II, I/III, II/III
  • weitere Spielhilfen

WeblinksBearbeiten

Commons: Notre-Dame-de-la-Nativité (Saverne) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

LiteraturBearbeiten

  • Henri Heitz: À propos de l’église de la Nativité de Notre-Dame. In: Saverne notre ville. Nr. 18, 1987.
  • Antoine Irlinger: Les vitraux de l’église Notre-Dame-de-la-Nativité de Saverne. Societe d’histoire et d’Archeologie de Saverne et environs, Saverne, 2002.
  • Les obsèques d’Adrien Zeller: Église Notre Dame de la Nativité de Saverne, 26 août 2009: recueil des interventions publiques à l’occasion de l’hommage national et des obsèques d’Adrien Zeller. Région Alsace, Strasbourg, 2009.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Collégiale Notre-Dame-de-la-Nativité in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  2. Antoine Irlinger: Die Pfarrkirche Notre-Dame-de-la-Nativite Saverne, undatiertes Faltblatt.
  3. Brigitte Parent, Hélène Fenninger: Orgue, Eglise de Saverne. 11. Dezember 1980. (PDF)

Koordinaten: 48° 44′ 28,2″ N, 7° 21′ 50,4″ O