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Nikodem Caro

Nikodem Caro (* 23. Mai 1871 in Łódź, Russisches Kaiserreich; † 27. Juni 1935 in Rom) war ein deutscher Chemiker und Industrieller.

LebenBearbeiten

Nikodem Caro stammte aus einer jüdischen Familie mit bekannten Rabbinern unter den Vorfahren[1], sein Vater war ausgebildeter Rabbiner und arbeitete als Kaufmann in Łódź, wo er auch Vizekonsul des Deutschen Reiches war.

Caro studierte Chemie an der Technischen Hochschule Charlottenburg bei Carl Liebermann und an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Seine Diplomarbeit fertigte er 1893 bei Liebermann "Ueber Oxyaurine und Oxyaurincarbonsäuren"[2][3][4] Er wurde von Adolf Pinner[5] an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin 1895 mit Arbeiten "Ueber die Einwirkung von Hydrazin auf Imidoäther"[6][7] promoviert.[8]

Danach gründete er einen eigenen chemisch-technischen Laborbetrieb in Berlin.

Gemeinsam mit Adolph Frank entwickelte er 1895 das nach ihm benannte Frank-Caro-Verfahren zur industriellen Herstellung von Kalkstickstoff, als sie an der Herstellung von Cyanverbindungen aus Carbiden forschten. Im selben Jahr erhielten sie ein Patent für die Synthese von Cyaniden.

Das führte zunächst 1899 zur Gründung der Cyanidgesellschaft unter Beteiligung von Caro, Adolph Frank, Fritz Rothe[9], Siemens, der Deutschen Bank und der Degussa.

1901 schlugen Albert Frank und Hermann Freudenberg vor, Calciumcyanamid (Kalkstickstoff) als Düngemittel zu verwenden. Das erste Werk wurde 1905 in Piano d´Orta in Italien errichtet. 1908 erfolgte – nach Trennung von der Degussa – die Gründung der Bayerischen Stickstoffwerke (ab 1939 Süddeutsche Kalkstickstoffwerke AG, SKW, noch später SKW Trostberg AG) mit einer Fabrik in Trostberg, deren Generaldirektor Caro ab 1907 war. Finanziert wurde das durch ein Bankenkonsortium unter Leitung der Deutschen Bank. Caro baute auch die Wasserkraftwerke im Süden Bayerns aus. Im Ersten Weltkrieg folgte die Gründung großer Kalkstickstoffwerke in Piesteritz und Chorzów. Er entwickelte auch ab 1914 das Ostwaldverfahren der katalytischen Oxidation von Ammoniak in industriellem Maßstab (zusammen mit der Berlin-Anhaltischen Maschinenfabrik, BAMAG). Das Frank-Caro-Verfahren war eigentlich ungünstiger (höherer Energieverbrauch) als das hierzu in Konkurrenz stehende Haber-Bosch-Verfahren, trotzdem gelang es Caro insbesondere durch Ausnutzung billiger Energiequellen (Wasserkraft) sein Verfahren konkurrenzfähig zu halten.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde Caro als „Jude“ verfolgt und musste in die Schweiz nach Zürich emigrieren. Er starb in Rom, wurde aber in Zürich begraben.

Nach ihm wurde das Wasserkraftwerk III der SKW bei Hirten 1921 benannt. Außerdem war er Ehrenbürger von 18 bayerischen Gemeinden, Ehrensenator verschiedener Universitäten, zweifacher Ehrendoktor und Generalkonsul. Er erhielt den Professorentitel und war Geheimer Regierungsrat. Er war Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Wie Fritz Haber, der mit Caro in harter Konkurrenz in der Stickstoffindustrie war, war er im Ersten Weltkrieg an Giftgasforschung beteiligt.

Er veröffentlichte und forschte auch über die katalytische Oxydation von Ammoniak, die Teilverflüssigung von Wassergas und die Torfvergasung.

Die Carosche Säure ist nach seinem Namensvetter Heinrich Caro benannt. Dieser ist aber nicht näher mit Nikodem Caro verwandt, wenn er auch wie Nikodem Caro seine Abstammung auf die oben erwähnten bekannten Rabbinervorfahren zurückführte.[10] Beide hatten Anteil an den Forschungsergebnissen von Carl Liebermann.

PorträtBearbeiten

  • 1925 Bronzegussmedaille, 118,8 mm. Medailleur: Theodor Georgii (1883–1963). Literatur: Sammlung Paul Julius Nr. 174 (12. Auktion 16.–17. September 1959 durch die Münzhandlung Richard Gaettens jun. in Heidelberg)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Yeshiva University, Caro Family
  2. N. Caro: Ueber Oxyaurine und Oxyaurincarbonsäuren. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. 25, 1892, S. 939, doi:10.1002/cber.189202501147.
  3. N. Caro: Ueber Oxyaurine und Oxyaurincarbonsäuren. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. 25, 1892, S. 2671, doi:10.1002/cber.18920250290.
  4. N. Caro: Ueber das Trioxyaurin aus Brenzkatechin. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. 26, 1893, S. 254, doi:10.1002/cber.18930260155. Auf S. 941: "… veranlasste mich Hr. Prof. Liebermann zu der im Folgenden mitgetheilten Untersuchung, welche auch das vorgesteckte Ziel im Ganzen erreicht hat."
  5. Technische Hochschulen hatten vor 1900 im Gegensatz zu Universitäten kein Promotionsrecht. - siehe auch Nachruf C. Liebermann Seite 1147.
  6. A. Pinner, N. Caro: Ueber die Einwirkung von Hydrazin auf Imidoäther. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. 27, 1894, S. 3273, doi:10.1002/cber.189402703122.
  7. A. Pinner, N. Caro: Ueber die Einwirkung von Hydrazin auf Imidoäther. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. 28, 1895, S. 465, doi:10.1002/cber.189502801113.
  8. Walther Jaenicke: 100 Jahre Bunsen-Gesellschaft 1894 – 1994. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-93680-7, S. 220 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche), Vita Nikodem Caro.
  9. Ein Mitarbeiter von Frank und Caro, der wichtige Beiträge zur Entwicklung des Frank-Caro-Verfahrens leistete
  10. Kurzbiografien bei der Royal Society of Chemistry