Nietzsche-Kommentar

Nietzsche-Kommentar ist die Kurzbezeichnung für den Historischen und kritischen Kommentar zu Friedrich Nietzsches Werken (Sigle: NK). Es handelt sich um ein 2008 begonnenes Langzeitprojekt (Laufzeit: zunächst 15 Jahre bis Ende 2022) im Rahmen des Akademienprogramms von Bund und Ländern; es ist an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften angesiedelt. Der Dienstsitz ist am Deutschen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

ZielsetzungBearbeiten

Das Ziel des Nietzsche-Kommentars ist es, erstmals sämtliche von Nietzsche publizierte oder zur Publikation vorbereitete Werke umfassend zu kommentieren. Trotz der enormen und weltweiten Ausstrahlung von Nietzsches Denken gab es bisher keinen umfassenden Kommentar zu Nietzsches Werken, sondern nur Studien zu einzelnen seiner Publikationen. Diesem Desiderat will der Nietzsche-Kommentar abhelfen, indem er Nietzsches Werke in ihrem historischen Kontext philosophisch und geistesgeschichtlich erschließt.

Aufbau, Gliederung und OrganisationBearbeiten

„Der Kommentar soll die bereits vorhandenen Forschungsergebnisse zusammenführen, systematisieren und erweitern. Die auf einzelne Textpartien bezogenen Erläuterungen werden durch einleitende Überblickskommentare in einen konzeptionellen, strukturellen sowie entstehungs- und wirkungsgeschichtlichen Zusammenhang gestellt. Intensive Kontext- und Quellenforschungen sind dafür unerlässlich.“[1]

Die Kommentar-Bände sind nach Werk-Komplexen chronologisch gegliedert und erscheinen im Verlag Walter de Gruyter (Berlin / Boston):

  • Bd. 1/1: Die Geburt der Tragödie, kommentiert von Jochen Schmidt, erschienen 2012 (ISBN 978-3-11-028692-2)
  • Bd. 1/2: Unzeitgemässe Betrachtungen I: David Strauss der Bekenner und der Schriftsteller. II: Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben, kommentiert von Barbara Neymeyr, erscheint 2020
  • Bd. 1/3: Ueber Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne, kommentiert von Sarah Scheibenberger, erschienen 2016 (ISBN 978-3-11-045873-2)
  • Bd. 1/4: Unzeitgemässe Betrachtungen III: Schopenhauer als Erzieher. IV: Richard Wagner in Bayreuth, kommentiert von Barbara Neymeyr, erscheint 2020
  • Bd. 2/1: Menschliches, Allzumenschliches I, kommentiert von Andreas Urs Sommer, erscheint vorauss. 2023
  • Bd. 2/2: Menschliches, Allzumenschliches II, Vermischte Meinungen und Sprüche, kommentiert von Katharina Grätz, erscheint vorauss. 2023
  • Bd. 2/3: Menschliches, Allzumenschliches II, Der Wanderer und sein Schatten, kommentiert von Sebastian Kaufmann, erscheint vorauss. 2023
  • Bd. 3/1: Morgenröthe, kommentiert von Jochen Schmidt; Idyllen aus Messina, kommentiert von Sebastian Kaufmann, erschienen 2015 (ISBN 978-3-11-029303-6)
  • Bd. 3/2 u. 3/3: Die fröhliche Wissenschaft, kommentiert von Sebastian Kaufmann, erscheint vorauss. 2020
  • Bd. 4/1: Kommentar zu Nietzsches Also sprach Zarathustra I und II, erscheint vorauss. 2022 (ISBN 978-3-11-029305-0)
  • Bd. 4/2: Kommentar zu Nietzsches Also sprach Zarathustra II und IV, erscheint vorauss. 2022 (ISBN 978-3-11-029306-7)
  • Bd. 5/1: Jenseits von Gut und Böse, kommentiert von Andreas Urs Sommer, erschienen 2016 (ISBN 978-3-11-029307-4)
  • Bd. 5/2: Zur Genealogie der Moral, kommentiert von Andreas Urs Sommer, erschienen 2019 (ISBN 978-3-11-029308-1)
  • Bd. 6/1: Der Fall Wagner. Götzen-Dämmerung, kommentiert von Andreas Urs Sommer, erschienen 2012 (ISBN 978-3-11-028683-0)
  • Bd. 6/2: Der Antichrist. Ecce homo. Dionysos-Dithyramben. Nietzsche contra Wagner, kommentiert von Andreas Urs Sommer, erschienen 2013 (ISBN 978-3-11-029277-0)[2]

Am Nietzsche-Kommentar arbeiten mehrere wissenschaftliche Kommentatoren sowie zusätzlich wissenschaftliche Hilfskräfte.[3] Initiiert und von 2008 bis 2014 geleitet wurde der Nietzsche-Kommentar von dem Germanisten Jochen Schmidt, seit 2014 leitet der Philosoph Andreas Urs Sommer die Forschungsstelle; Teilprojektleiter sind die Literaturwissenschaftler Katharina Grätz und Sebastian Kaufmann. Den Vorsitz in der zuständigen wissenschaftlichen Kommission hat der Theologe Gerd Theißen.[4]

Bisher publizierte BändeBearbeiten

  • Jochen Schmidt: Kommentar zu Nietzsches Geburt der Tragödie = Historischer und kritischer Kommentar zu Friedrich Nietzsches Werken, Bd. 1/1. XXI + 456 Seiten. Berlin / Boston: Walter de Gruyter 2012, ISBN 978-3-11-028683-0.
  • Sarah Scheibenberger: Kommentar zu Nietzsches Ueber Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne = Historischer und kritischer Kommentar zu Friedrich Nietzsches Werken, Bd. 1/3. XV + 137 Seiten. Berlin / Boston: Walter de Gruyter 2016, ISBN 978-3-11-045873-2.
  • Jochen Schmidt und Sebastian Kaufmann: Kommentar zu Nietzsches Morgenröthe. Idyllen aus Messina = Historischer und kritischer Kommentar zu Friedrich Nietzsches Werken, Bd. 3/1. XIII + 611 Seiten. Berlin / Boston: Walter de Gruyter 2015, ISBN 978-3-11-029303-6.
  • Andreas Urs Sommer: Kommentar zu Nietzsches Jenseits von Gut und Böse = Historischer und kritischer Kommentar zu Friedrich Nietzsches Werken, Bd. 5/1. XVII + 939 Seiten. Berlin / Boston: Walter de Gruyter 2016, ISBN 978-3-11-029307-4.
  • Andreas Urs Sommer: Kommentar zu Nietzsches Zur Genealogie der Moral = Historischer und kritischer Kommentar zu Friedrich Nietzsches Werken, Bd. 5/2. XVII + 723 Seiten. Berlin / Boston: Walter de Gruyter 2019, ISBN 978-3-11-029308-1.
  • Andreas Urs Sommer: Kommentar zu Nietzsches Der Fall Wagner. Götzen-Dämmerung = Historischer und kritischer Kommentar zu Friedrich Nietzsches Werken, Bd. 6/1. XVII + 698 Seiten. Berlin / Boston: Walter de Gruyter 2012, ISBN 978-3-11-028683-0.
  • Andreas Urs Sommer: Kommentar zu Nietzsches Der Antichrist. Ecce homo. Dionysos-Dithyramben. Nietzsche contra Wagner = Historischer und kritischer Kommentar zu Friedrich Nietzsches Werken, Bd. 6/2. XXI + 921 Seiten. Berlin / Boston: Walter de Gruyter 2013, ISBN 978-3-11-029277-0.[5]

RezeptionBearbeiten

Die bisher erschienenen Bände des Nietzsche-Kommentars sind in der Presse und in der Fachwelt wohlwollend aufgenommen worden: „Drei Bände eröffnen einen neuen Kommentar zu Friedrich Nietzsches Werken und setzen damit Maßstäbe. […] So bildet der Kommentar ein unentbehrliches Instrument nicht nur für die Europäische Religionsgeschichte, für die Wissenschaftsgeschichte, sondern für die Religionswissenschaft insgesamt.“[6] „Erstmals gibt es einen wissenschaftlich hochrangigen, präzise beschreibenden, seriös informierenden und hochinformativen Nietzsche-Kommentar aus konsequent humanistischer, aufklärungs- und demokratiebejahender Perspektive.“[7] „Die enorme wissenschaftliche Leistung des Kommentars ist exemplarisch an der Erschließung der «Geburt der Tragödie» abzulesen, Nietzsches wirkungsmächtigem, aber auch hochgradig verwirrendem, höchst erläuterungsbedürftigem Frühwerk. Der Kommentar erschließt hier präzise und konturenscharf die Zusammenhänge, die im dionysischen Rausch Nietzsches sonst gerne verschwimmen.“[8] „Sollte das bisherige Niveau beibehalten werden können, würde bereits die gründliche Lektüre eines einzigen dieser vermutlich 12 Teilbände fast jeden Interpreten, geschweige denn ,normalen‘ Leser, im Informations-, Reflexions- und Kritikniveau erheblich fördern: Nietzsche würde anders und bei weitem scharfsinniger gelesen werden. So könnten die Bände dieses Kommentars auch als Stimulanzien zu sorgsamerer und weniger naiver, affirmativer Lektüre wertvolle Dienste leisten; übrigens nicht nur im Blick auf Nietzsches Texte.“[9] „Wie auch der Kommentar der Morgenröthe [...] überzeugt der Idyllen-Kommentar durch differenzierte, historisch weit ausgreifende Argumentation sowie die [...] Fähigkeit, gedankliche Zusammenhänge sensibel nachzuzeichnen und sich nicht durch Tricks und Ablenkungsmanöver Nietzsches auf falsche Fährten locken zu lassen.“[10] „Der Kommentar [...] ist zu einem unerlässlichen Forschungswerkzeug für diejenigen geworden, die sich streng wissenschaftlich mit Nietzsches Philosophie beschäftigen.“[11]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Nietzsche-Kommentar an der Universität Freiburg
  2. Gliederung
  3. Liste der Mitarbeiter
  4. NK an der Heidelberger Akademie
  5. Verlagsseite
  6. Christoph Auffarth, in: Zeitschrift für Religionswissenschaft, Bd. 21 (2013), Heft 2, S. 273–279.
  7. Humanistischer Pressedienst 15. Oktober 2013
  8. Ludger Lütkehaus, Aus dem Geiste der Kritik geboren. Der erste umfassende historische und kritische Nietzsche-Kommentar, in: Neue Zürcher Zeitung, 7. März 2013
  9. Hermann Josef Schmidt, Rezension zu Bd. 3.1, Teil I, S. 3
  10. Hermann Josef Schmidt, Rezension zu Bd. 3.1, Teil II, S. 96f.
  11. Jorge Luiz Viesensteiner und Antonio Edmilson Paschoal, Rezension zu Bd. 6/2, in: Nietzsche-Studien 45 (2016), S. 263–265

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Cord-Friedrich Berghahn: Rezension zu NK 6/1 und NK 6/2, in: Zeitschrift für Germanistik. Neue Folge, Bd. 23 (3/2013), S. 625 f.
  • Leonore Bazinek: Rezension zu NK 3/1, in: Das Kursbuch der Luftschifffahrer des freien Geistes, in: Nietzscheforschung 24 (2017), S. 407–410.
  • Paul Bishop: Rezension zu NK 1/1, 6/1 und 6/2, in: Journal of Nietzsche Studies 46 (1/2015), S. 132–137.
  • Paul Bishop: Rezension zu NK 3/1, in: Journal of European Studies 47/2 (2017), S. 229–231.
  • Jeffrey Church: Historical and Critical Commentaries on Nietzsche, in: Nietzsche-Studien 47 (2018), S. 458–464, hier S. 463 f.
  • Soichiro Itoda: Bericht u. a. über die Vorträge von Katharina Grätz und Sebastian Kaufmann auf der Naumburger Tagung "Nietzsche und die Lyrik" (15.–18.10.2015) sowie über Andreas Urs Sommers Kommentarbände NK 6/1 und NK 6/2 (auf Japanisch), in: BUNGAKU Iwanami 5,6 (2016), S. 277–287.
  • Till Kinzel: Rezensionen in IFB zu NK 1/1, NK 1/3, NK 6/1 und NK 6/2.
  • Andreas R. Klose: Rezension zu NK 6/2, in: literaturkritik.de (10.2013).
  • Ludger Lütkehaus: Sammelrezension zu NK 1/1, NK 6/1 und NK 6/2, in: Badische Zeitung (31.08.2013).
  • Eduardo Nasser: Rezension zu NK 5/1, in: Discurso 48/2 (2018), S. 203–205.
  • Christian Niemeyer: Rezension zu NK 6/1, in: Nietzscheforschung 21 (2014), S. 367–370.
  • Christian Niemeyer: Der Heidelberger Nietzsche-Kommentar – Zwischenbilanz zu einem Mammutprojekt (Teil 1), in: Philosophische Rundschau 64 (2017), S. 163–188.
  • Aleš Novák: Sammelrezension (auf Tschechisch) zu NK 1/1, NK 3/1, NK 5/1, NK 6/1 und NK 6/2, in: Filosofický časopis 65/5 (2017), S. 793–802.
  • Luis Enrique de Santiago Guervós: Rezension (auf Spanisch) zu NK 6/1, in: El Caminante (11.05.2013).
  • Luis Enrique de Santiago Guervós: Rezension (auf Spanisch) zu NK 3/1, in: Estudios Nietzsche 16 (2016), S. 247–250.
  • Rainer Schäfer: Rezension zu NK 1/1, in: Nietzsche-Studien 42 (2013), S. 375–383.
  • Hermann Josef Schmidt: Rezension zu NK 1/1, in: f-nietzsche.de (05.09.2013). Kurzfassungen: Aufklärung und Kritik 20 (3/2013) und hpd.de (15.10.2013).
  • Hermann Josef Schmidt: Rezension zu NK 6/1 und NK 6/2, in: f-nietzsche.de. Kurzfassungen: Aufklärung und Kritik 21 (1/2014) und hpd.de (18.03.2014).
  • Hermann Josef Schmidt: Rezension zu NK 3/1. Teil I, in: f-nietzsche.de (28.04.2016). Teil II, in: f-nietzsche.de (18.06.2016). Kurzfassung: hpd.de (22.06.2016).
  • Magnus Striet: Rezension, in: Theologische Revue 110 (2/2014), S. 142–144.