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Ludger Lütkehaus

deutscher Literaturwissenschaftler

LebenBearbeiten

Lütkehaus – viertes Kind des Angestellten Eduard Lütkehaus und seiner Ehefrau Ida Lütkehaus – besuchte von 1950 bis 1954 die Volksschule Cloppenburg und von 1954 bis 1963 den altsprachlichen Zweig des Clemens-August-Gymnasiums Cloppenburg. Sein anschließendes Studium der Germanistik, Philosophie, Pädagogik und Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg beendete er 1968 als M.A. Mit seiner Dissertation über Friedrich Hebbel wurde er 1976 an der Universität Freiburg bei Hans Peter Herrmann zum Dr. phil. promoviert. Lütkehaus habilitierte sich in Neuerer Germanistik an der Universität Siegen bei Helmut Kreuzer mit einer weiteren Arbeit über Hebbel und lehrte in den 1980er Jahren an der Universität Siegen sowie an der Emory University in Atlanta. An der Universität Freiburg lehrte Lütkehaus als Honorarprofessor Neuere deutsche Literaturwissenschaft.

1997 war Lütkehaus Max Kade Distinguished Visiting Professor an der University of Wisconsin in Madison. Er war Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und Herausgeber der Gesammelten Werke Arthur Schopenhauers.[2]

Große Beachtung fand sein Buch Nichts (Zürich 1999).[3] Lese man das Inhaltsverzeichnis dieses Buches, so urteilte Tobias Nagl, „bekommt man den Eindruck, da witzelt sich einer nihilistisch durch die Philosophiegeschichte. In Anlehnung an Heidegger spricht Lütkehaus von der Nichtsvergessenheit als abendländischer Krankheit, die es zuvorderst zu heilen gelte, macht das Prinzip Nichts gegen Ernst Bloch stark und titelt Pathodizee des Kerkers oder Von der Ontologie zur Ontoerotik: Die Frau als Nichts und Loch.“[4] Die Studie sei „eher literarisch ausgerichtet und verbleibt philosophisch oberflächlich“, meinte Günther Neumann.[5] 2001 veröffentlichte Lütkehaus einen „biographischen Essay“ über Nietzsches Freund Paul Rée.[6] Zu den Philosophen, die ihn beeinflusst haben, zählen Friedrich Nietzsche und Günther Anders.[7]

Lütkehaus bekannte sich zum Atheismus und war Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Giordano Bruno Stiftung.[8]

Lütkehaus starb im November 2019 im Alter von 75 Jahren nach langer schwerer Krankheit in Freiburg. In seiner Würdigung für die Neue Zürcher Zeitung schreibt der Philosoph Andreas Urs Sommer: „Lütkehaus hat sich selbst dem Nihilin entzogen, das er bei seinen Denkerlieblingen ebenso reichlich dosiert fand wie auf abschreckende Weise in seinem engen katholischen Herkunftsmilieu. Er war keineswegs der gallige Schwarzseher und Seinsbestreiter, für den das Nichts die wünschbar bessere Alternative gewesen wäre. Vielmehr zeigte er sich, nach dem Durchschwimmen der nihilistischen Meere, durchaus dieser Welt, ihren Genüssen und Glücksverheissungen zugetan. Dabei wurden ihm Literatur (gerade diejenige Chinas und Japans) und Musik die eigentlichen Garantinnen für die Lebenswürdigkeit des Lebens.“[9]

VeröffentlichungenBearbeiten

MonografienBearbeiten

  • 1992: »O Wollust, o Hölle«. Die Onanie. Stationen einer Inquisition. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main. ISBN 3-596-10661-3.

Als Herausgeber (Auswahl)Bearbeiten

  • 1991: Die Schopenhauers. Der Familien-Briefwechsel von Adele, Arthur, Heinrich Floris und Johanna Schopenhauer. Haffmans Verlag, Zürich, ISBN 3-251-20115-8
  • 1996: Das Buch als Wille und Vorstellung. Arthur Schopenhauers Briefwechsel mit Friedrich Arnold Brockhaus. C. H. Beck, München, ISBN 3-406-40956-3
  • 2002: Günther Anders: Übertreibungen in Richtung Wahrheit. Stenogramme, Glossen, Aphorismen. Hrsg. und mit einem Vorwort von Ludger Lütkehaus. Verlag C. H. Beck, München, ISBN 3-406-47612-0
  • 2003: Hannah Arendt: Der Liebesbegriff bei Augustin. Versuch einer philosophischen Interpretation. Philo, Berlin Wien 2003, ISBN 3-86572-343-8, Vorwort S. 7–18, zweite Auflage 2005
  • 2003: Arthur Schopenhauer. Über Schriftstellerei und Stil. Alexander Verlag Berlin
  • 2006: Genug von meinen Schweinereien. Freud zum Vergnügen Reclam-Verlag Ditzingen, ISBN 978-3-15-018331-1
  • 2007: Mythos Medea. Texte von Euripides bis Christa Wolf. Wie vor, ISBN 978-3-15-020006-3
  • 2010: Arthur Schopenhauer. Ich bin ein Mann, der Spaß versteht. Einsichten eines glücklichen Pessimisten. DTV München, ISBN 978-3-423-13910-6.

Ehrungen und AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ein Denken, das noch Schopenhauer weniger griesgrämig macht Nachruf in der NZZ von 25. November 2019 abgerufen am 27. November 2019
  2. literaturkritik.de Nr. 1, Januar 2007
  3. Vgl. Rüdiger Safranski: Das reine Nichts, das nackte Dass. In: Die Zeit, 14. Oktober 1999.
    Ulrich Wanner: Man sieht leider immer noch, dass es Bäume sind. Holzfällen, eine Ernüchterung: Ludger Lütkehaus ist der Hans Hackebeil im Wald des Seins. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Oktober 1999.
  4. Tobias Nagl: Nichtendes Nichts. In: taz Hamburg, 2. September 1999, S. 23.
  5. Günther Neumann: Der Anfang der abendländischen Philosophie. Berlin 2006. S. 62.
  6. Vgl. Hubert Treiber: Der heilige Immoralist. Ludger Lütkehaus macht Friedrich Nietzsches Freund Paul Rée von der Deichsel los. In: Süddeutsche Zeitung, 7. Juni 2002.
  7. L. Lütkehaus: Die Geburt des Philosophen. Geglückter Auftakt zum Nietzsche-Jahr: Die frühen Schriften des jungen Friedrich Nietzsche. In: Die Zeit Nr. 12, 18. März 1994.
    L. Lütkehaus: Die grausame Wiederkehr des Dionysos. Friedrich Nietzsche liest Euripides – und antizipiert sein eigenes Geschick. Ein Deutungsversuch aus Anlass seines 100. Todestages. In: Neue Zürcher Zeitung, 26. August 2000.
    L. Lütkehaus: Nicht antiquiert. Vor hundert Jahren wurde Günther Anders geboren. In: Neue Zürcher Zeitung, 12. Juli 2002.
  8. Giordano Bruno Stiftung: Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung, abgerufen am 12. Dezember 2012
  9. [1]: Andreas Urs Sommer: Philosophie, auch für Flachländer. Zum Tod des Philosophen Ludger Lütkehaus. Der Philosoph, Literaturwissenschaftler und Kritiker Ludger Lütkehaus ist verstorben. In: Neue Zürcher Zeitung, Jg. 240, 25. November 2019, abgerufen am 25. November
  10. Badische Zeitung, 20. August 2008, Oliver Pfohlmann: Alle haben „Ja“ gesagt (15. Mai 2015)
  11. perlentaucher.de