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Niehuus (dänisch Nyhus) ist ein kleines Dorf im Kreis Schleswig-Flensburg an der deutsch-dänischen Grenze bei Padborg (deutsch Pattburg) und Bov (Bau), nordwestlich von Flensburg. Der Ort ist Teil der Gemeinde Harrislee.

Niehuus
Gemeinde Harrislee
Koordinaten: 54° 49′ 35″ N, 9° 22′ 46″ O
Höhe: 22 m ü. NHN
Einwohner: 140[1]
Eingemeindung: 1. Oktober 1938
Postleitzahl: 24955
Vorwahl: 0461
Niehuus (Schleswig-Holstein)
Niehuus

Lage von Niehuus in Schleswig-Holstein

Ortsschild von Niehuus
Ortsschild von Niehuus

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

1371 wurde das Dorf Niehuus erstmals erwähnt.[2] Es erhielt seinen Namen nach der Burg Niehuus, die dort im Mittelalter im Krusau-Tunneltal stand.[3] Der beim Dorf liegende See erhielt den Namen Niehuussee.[4]

17. bis 19. JahrhundertBearbeiten

Seit 1741 soll erstmals in Niehuus Schulunterricht gegeben worden sein. Als Schulungsort soll ein „Hirtenkate“ gedient haben.[5]

Mit der Schaffung der Provinz Schleswig-Holstein wurde Niehuus, genauso wie auch Harrislee und Kupfermühle eine eigenständige Gemeinde. Der Landkreis Flensburg wurde eingerichtet, diesem wurde bald drauf der Amtsbezirk Bau unterstellt, dem wiederum die Gemeinde Niehuus zugeordnet wurde.[6]

Zwischen 1887 und 1895 betrieb Niehuus mit dem Dorf Bau zusammen eine Freiwillige Feuerwehr.[7]

 
Der Burghügel der Burg Niehuus links im Bild und der Ort Niehuus rechts mit dem See. In der Ferne die Stadt Flensburg mit der Flensburger Förde (2016).

20. JahrhundertBearbeiten

1904 wurde die Freiwillige Feuerwehr Niehuus gegründet, welche heute noch existiert.[8][9] Im Jahr 1912 brannte die Niehuuser Schule auf Grund eines Schornsteinbrandes ab.[10] Im darauffolgenden Jahr wurde das heute noch erhaltene Schulgebäude, unweit des alten Schulstandortes, in Betrieb genommen.[11]

Bis zur Volksabstimmung in Schleswig im Jahr 1920 gehörte Niehuus (inklusive Wassersleben und einem Teil von Klues), wie auch das benachbarte Kupfermühle zum Kirchspiel Bau.[12] In Folge der Abstimmung entstand die heutige deutsch-dänischen Grenze mit der östlich von Niehuus gelegenen Zollsiedlung auf deutscher Seite.[13][14]

1938 erfolgte auf Befehl des Oberpräsidenten der Provinz Schleswig-Holsteins die Eingemeindung der Ortschaften Niehuus (mit 380 Menschen) und Kupfermühle (mit 500 Menschen) in die Gemeinde Harrislee (mit zuvor 2000 Einwohnern). Die in einem Schreiben vom 28. Februar 1938 befohlene Maßnahme führte zur Abschaffung der ehrenamtlichen Bürgermeister der drei betroffenen Orte zum 1. Oktober 1938. Die ehrenamtlichen Bürgermeister und Bürger vor Ort wurden zur Eingemeindung nicht befragt. Die im Rahmen der Gleichschaltung vollzogene Zusammenlegung der Ortschaften zur Großgemeinde Harrislee führte dazu dass ein hauptamtlicher Bürgermeisterposten ermöglicht wurde, der anschließend an das NSDAP-Parteimitglied, dem SA-Standartenführer Peter Ingwersen vergeben wurden, der das Amt bis zur Kapitulation ausübte. Die Gebietsreform wurde nach dem Krieg nicht zurückgenommen, so dass seit dieser Zeit Niehuus keinen separaten Bürgermeister mehr besitzt.[15][16]

Am Volkstrauertag 1955 wurde das Ehrenmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges eingeweiht. (Die heute noch existierende Anlage steht in Verbindung mit dem dortigen Mahnmal des Ersten Weltkrieges sowie der Schlacht von Bau.)[17][18] Mitte der 1950er Jahre entstand zudem die Kapelle Niehuus mit zugehörigen Friedhof.[19] 1967 wurde die Niehuuser Schule geschlossen.[8][20] Das Dorfjubiläum zum 600-jährigen Bestehen wurde 1971 gefeiert. Dabei wurde ein Gedenkstein im Dorfzentrum aufgestellt.[8] Die ungefähr seit dem Sommer 1987 bestandene Buslinie 8 des städtischen Verkehrsunterhemens, die Niehuus mit dem ZOB verband, wurde schon am 31. Dezember 1988 wieder eingestellt.[21] 1996 wurde das 625-jährige Bestehen des Dorfes gefeiert.[8]

GegenwartBearbeiten

Niehuus ist über einige wenige kleine Straßen erreichbar. Wichtigste Verkehrsstraße ist die Niehuuser Straße, die bis zur Flensburger Bau’er Landstraße führt. Kurz vor Flensburg zweigt die Straße Slukefterbogen ab, welche weiter bis zum Flensburger Vorort Harrislee führt. Verschiedene Wanderwege wie der Jakobsweg führen durch das Dorf.[22] Ferner führt der Gendarmenweg an Niehuus vorbei.[23]

Abgelegen vom Dorf an der Niehuuser Straße befindet sich die kleine Friedhofskapelle[24] mit dem dazugehörigen Friedhof, welche als Kulturdenkmal eingetragen ist. Die Niehuuser Feuerwehr pflegt seit 50 Jahren eine Kooperation mit dänischen Nachbarort Bov.[25]

Die genaue Einwohnerzahl ist nicht ausgewiesen und wird der Gesamteinwohnerzahl der Gemeinde Harrislee hinzugerechnet.[26]

VerschiedenesBearbeiten

  • Die zu Niehuus gehörige, Bebauung an der Niehuuser Straße, ab Nr. 22 aufwärts sowie am Alten Kirchenweg, gehört zum sogenannten „Niehuusfeld“. Die Bebauung zeigt sich weitläufiger und liegt im Feldbereich des Ortes.[27]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  2. Harrislee, Geschichte; abgerufen am 10. Juni 2014
  3. Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Flensburg 2009, Artikel: Niehuus
  4. Harrislee Geschichte; abgerufen am 29. April 2014
  5. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 437
  6. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 440
  7. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 440
  8. a b c d 'Freiwillige Feuerwehr Niehuus; abgerufen am 29. April 2014
  9. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 441
  10. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 441
  11. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 441
  12. Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Stadtgeschichte aus Zeitungsperspektive. Kiel/Hamburg 2016, S. 108
  13. Harrislee. Zeittafel, abgerufen am: 6. März 2018
  14. Friesenanzeiger: [1], vom Februar 2014, S. 63.
  15. Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Stadtgeschichte aus Zeitungsperspektive. Kiel/Hamburg 2016, S. 108 f.
  16. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 443
  17. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 446 f.
  18. Vgl. Onlineprojekt Gefallenendenkmäler. Von Ahnenforscher für Ahnenforscher. Harrislee-Niehuus, abgerufen am: 11. März 2018
  19. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 447
  20. Thomas Pantléon, Gemeinde Harrislee (Hrsg.): Chronik – 650 Jahre Harrislee – 1352-2002. Horst Dieter Adler 2002, S. 441
  21. Aktivbus. Unternehmensentwicklung, abgerufen am: 16. März 2018
  22. Naturschutzgebiet Schäferhaus bei fernwege.de; abgerufen am: 29. April 2014
  23. Burg Niehuus (Memento des Originals vom 4. August 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.krusaa-tunneldal.dk; abgerufen am: 27. April 2014
  24. Vgl. jol: Kirchgang über die Grenze, Pastoren aus Harrislee und Bau laden zu einer grenzüberschreitenden Andacht, in: Flensburger Tageblatt, 25. September 2013 ; abgerufen am: 29. April 2014
  25. Vgl. Felicitas Gloyer : Freundschaft unter Feuerwehrleuten, Vor 50 Jahren übten die Freiwilligen Wehren aus Niehuus und Bau erstmals gemeinsam / Schlagbaum diente 1963 als Tresen, in: Flensburger Tageblatt, 13. August 2013; abgerufen am: 29. April 2014
  26. Harrislee, Daten und Fakten; abgerufen am: 29. April 2014
  27. Vgl. Karte der Gemeinde Harrislee, abgerufen am: 27. Januar 2019

WeblinksBearbeiten

  Commons: Niehuus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien