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Neithard Bulst

deutscher Historiker

Neithard Bulst (* 14. Juli 1941 in Berlin) ist ein deutscher Historiker.

Neithard Bulst ist der Sohn von Walther Bulst und Marie Luise Bulst-Thiele. Er studierte Geschichte, Romanistik und politische Wissenschaft an den Universitäten Heidelberg, Kiel, Lyon und Gießen. Das Staatsexamen erfolgte 1965. Im Jahr 1968 wurde Bulst in Gießen promoviert bei Peter Classen über die Klosterreformen Wilhelms von Dijon im 10. und 11. Jahrhundert. Bulst war wissenschaftlicher Assistent und Universitätsdozent in Heidelberg. Dort erfolgte 1976 die Habilitation über die französischen Generalstände von 1468 und 1484. Von 1978 bis zu seiner Emeritierung 2008 lehrte er an der Universität Bielefeld zunächst bis 1998 als Professor für Allgemeine Geschichte mit Schwerpunkt Sozial- und Verfassungsgeschichte des späten Mittelalters und anschließend für Allgemeine Geschichte mit dem Schwerpunkt Geschichte des Mittelalters.

In den Jahren 1981, 1985, 1988, 1998 und 2003 war er Directeur d'Études associé am Centre de Recherches Historiques der École des Hautes Études en Sciences Sociales. Bulst nahm Gastprofessuren an der Central European University in Budapest (1994, 1995 und 1996) und an der Universität Paris 7 (Université Denis Diderot, 1994 und 2003) wahr. Von 1994 bis 1995 war er Mitglied des Institute for Advanced Study in Princeton. Er ist Initiator und war von 1998 bis 2008 Koordinator des Integrierten Deutsch-Französischen Studiengangs für Geschichte Bielefeld-Paris 7.

Im Jahr 1993 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen gewählt. Von der französischen Regierung wurde er 2013 zur Würdigung seines wissenschaftlichen Werks sowie seiner erfolgreichen Bemühungen um Studien- und Wissenschaftskontakte zwischen Deutschland und Frankreich zum Offizier des „Ordre des Palmes Académiques“ ernannt.[1]

Seine Forschungsschwerpunkte sind Krankheit und Gesellschaft, Sozial- und Kulturgeschichte der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Pest, Aufwands- und Luxusordnungen in Mittelalter und Früher Neuzeit (Deutschland / Frankreich), Geschichte der Repräsentationsversammlungen mit dem Schwerpunkt auf Frankreich, mittelalterliche Demographie, Prosopographie, Rechtsnormen im Wandel, Kirchengeschichte im Hochmittelalter sowie die Grafschaft Lippe in der Frühen Neuzeit.

SchriftenBearbeiten

Monografien

  • Untersuchungen zu den Klosterreformen Wilhelms von Dijon (962–1031) (= Pariser historische Studien. Bd. 11). Röhrscheid, Bonn 1973, ISBN 3-7928-0315-1
  • Die französischen Generalstände von 1468 und 1484. Prosopographische Untersuchungen zu den Delegierten (= Francia. Bd. 26). Thorbecke, Sigmaringen 1992, ISBN 3-7995-7326-7. (Online auf perspectivia.net)
  • Recht, Raum und Politik. Von der spätmittelalterlichen Stadt zur Europäischen Union (= Das Politische als Kommunikation. Bd. 6). Wallstein, Göttingen 2015, ISBN 978-3-8353-1150-3.

Herausgeberschaften

  • Gewalt im politischen Raum. Fallanalysen vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert (= Historische Politikforschung. Bd. 15). Campus, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-593-38730-7.
  • mit Karl-Heinz Spieß: Sozialgeschichte mittelalterlicher Hospitäler (= Vorträge und Forschungen. Bd. 65). Thorbecke, Ostfildern 2007, ISBN 3-7995-6865-4.
  • Die Grafschaft Lippe im 18. Jahrhundert. Bevölkerung, Wirtschaft und Gesellschaft eines deutschen Kleinstaates (= Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe. Bd. 40). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 1993, ISBN 3-927085-59-6.
  • Bevölkerung, Wirtschaft und Gesellschaft. Stadt-Land-Beziehungen in Deutschland und Frankreich 14. bis 19. Jahrhundert. Auenthal-Verlag, Trier 1983, ISBN 3-89070-004-7.
  • Familie zwischen Tradition und Moderne. Studien zur Geschichte der Familie in Deutschland und Frankreich vom 16. bis zum 20. Jahrhundert (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Bd. 48). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1981, ISBN 3-525-35706-0.

LiteraturBearbeiten

  • Andrea Bendlage (Hrsg.): Recht und Verhalten in vormodernen Gesellschaften. Festschrift für Neithard Bulst. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89534-773-3.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Pressestelle der Universität Bielefeld: Hohe französische Auszeichnung für Neithard Bulst, 4. September 2013.