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Naueti aus Babulo beim Fest auf dem Baha Liurai (2004)

Die Naueti sind eine Menschengruppe beziehungsweise Ethnie im Südosten des südostasiatischen Staates Osttimor. Übersetzt bedeutet „Nau eti“ auf Deutsch „jetzt“, beziehungsweise „zu diesem Zeitpunkt“. Das Wort wurde willkürlich von den Makasae aufgegriffen, um ihre Nachbarethnie zu bezeichnen, und wird auch für deren Sprache verwendet.[1]

Inhaltsverzeichnis

ÜbersichtBearbeiten

 
Anteil von Naueti-Muttersprachlern in den Sucos Osttimors (2010)[2]

Die Naueti bilden die Bevölkerungsmehrheit in den Verwaltungsämtern Uato-Lari und Uatucarbau (Gemeinde Viqueque) und im Südwesten des Verwaltungsamtes Baguia (Gemeinde Baucau). Weitere Naueti leben im Osten des Verwaltungsamtes Viqueque in der Umgebung des Ortes Beaco (Beasu).[3][4][5] Bei der Volkszählung 2015 gaben 16.507 Osttimoresen an, Naueti als Muttersprache zu verwenden. 13.898 davon lebten in der Gemeinde Viqueque, 1.489 in Baucau und 1.019 in Dili. Die restlichen 101 verteilten sich auf die übrigen Gemeinden des Landes.[6] Die Sprache wird zusammen mit anderen zu den malayo-polynesischen Kawaimina-Sprachen zusammengefasst, wobei die Siedlungsgebiete der Naueti von jenen der anderen Sprachgruppen weiter westlich durch die Makasae abgetrennt sind, die auch Einfluss auf Sprache und Kultur der Naueti haben.[5]

Die Ethnie bildet keine homogene Gruppe. Sprachliche und kulturelle Unterschiede kann man zwischen den Naueti in Uato-Lari und jenen in Uatucarbau und Baguia feststellen.[7] Die Menschen fühlen sich mehr ihren Sucos oder Clans zugehörig, auch weil andere Ethnien in der Region leben. Bündnisse, die auch mit Eheschließungen bekräftigt werden, verbinden die Clans der verschiedenen Ethnien in den Sucos miteinander, so zum Beispiel in Babulo.[8] Trotzdem kommt es in Uato-Lari immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Naueti und Makasae, da sich die Ethnien oft auf verschiedenen politisch konkurrierenden Seiten befanden.[9]

Traditionell ist der Anbau von Reis (Nass- und Trockenreis), Mais und Gemüse und die Haltung von Ziegen, Schweinen, Hühnern, Wasserbüffeln und Pferden.[10]

 
Ein Wai Malu (Wasser und Betelnuss): Ein Geschenk der Braut- oder Lebengeberfamilie an die Brautnehmerfamilie, anlässlich der Einweihung eines heiligen Hauses. Es symbolisiert den Segen der Brautgeber.

Vor den Umsiedlungen während der indonesischen Besatzung (1975–1999) wurden Siedlungen von Familien von Brüdern gebildet. Die traditionellen Siedlungen werden baha genannt, was auch das Wort für „Berg“ ist. Frauen, die heiraten, ziehen in das Dorf ihres Ehemannes und bringen einen Brautpreis mit. Der Großteil des Erbes von Verstorbenen geht an die männlichen Verwandten. Die Indonesier siedelten die Bevölkerung zwecks besserer Kontrolle an die Hauptstraßen und nach Uato-Lari Leten um. Seit der Unabhängigkeit gibt es vor allem bei dem älteren Teil der Bevölkerung den Trend, die alten Dörfer wieder neu zu besiedeln, während die jungen Leute in den indonesischen Siedlungen bleiben, weil es hier meist einen besseren Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung gibt. Viele wohnen auch in temporären Unterkünften nahe den Pflanzungen, während der Pflanz- und Erntezeit. Die verschiedenen Familien bilden Clans, die sich in den administrativen Aldeia wiederfinden. Die Beziehung zwischen den Familien im Clan wird durch die Beschreibung „älter“ (kaka) und „jünger“ (wari) festgelegt. Die „älteren“ Häuser sind näher mit dem Ahnherrn verwandt und haben daher einen höheren Rang gegenüber den „jüngeren“.[8][10]

 
Heiliges Haus von Borulaisoba

Zentrum des Dorfes bildet das heilige Haus (Uma Luli). In ihm werden sakrale Gegenstände aufbewahrt, Hinterlassenschaften der Ahnen, die den Herrschaftsanspruch auf das Land dokumentieren sollen. Dazu gehören zum Beispiel Schwerter, Bruchstücke heiliger Krüge oder portugiesische Flaggen, die einst den Dorfvorstehern von der Kolonialmacht überreicht wurden. Die Indonesier brannten die meisten Uma Luli nieder, andere verfielen, weil die Bewohner des Dorfes zwangsumgesiedelt wurden. Mit ihrer Rückkehr in das „Land der Ahnen“ wurden die heiligen Häuser wieder aufgebaut. Die sakralen Gegenstände überlebten meist vergraben.[11]

Heutzutage bekennen sich die meisten Naueti zum römisch-katholischen Glauben, die animistischen Traditionen leben aber im Alltag weiter. Ahnen wird geopfert, Regen gezaubert und der Ritus „das Krokodil rufen“ wird praktiziert. Die Ahnen sichern die reiche Ernte und schützen vor Unheil. Missachtung bringt Unglück, Krankheit oder Tod. Bei Krankheit oder bei Vorbereitungen von Hochzeiten soll daher ein Malu rae zu Rate gezogen werden, ein Experte für die Rituale, der auch Prophezeiungen abgeben und die Ursachen von Leiden auffinden kann.[8][11]

Traditionell werden die gesellschaftlichen Führungspositionen von Männern bekleidet. Die Ämter sind dabei bestimmten Familien zugeordnet und der durch die Herkunft bestimmte Status entscheidet über den Amtsinhaber. Die höchste Position hat der Mann, der am nächsten mit dem Ahnherrn des Clans in einer männlichen Erblinie verwandt ist.[10] Bei den Naueti im Osten der Gemeinde Viqueque können jedoch auch Frauen Lian Nain werden. Sie erhalten dann den Titel Nain Feto (in etwa „Herrin“).[12]

BegräbniszeremonienBearbeiten

Prominente NauetiBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Susana Barnes: Customary renewal and the pursuit of power and prosperity in post-occupation East Timor: a case-study from Babulo, Uato Lari, Monash University, 2017.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Naueti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

BelegeBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. G. Saunders: Comparative vocabulary of the Naueti dialect. In: Studies in Languages and Cultures of East Timor (2003).
  2. Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 2 English (Memento des Originals vom 5. Januar 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dne.mof.gov.tl (Census 2010; PDF-Datei; 21,53 MB)
  3. Hicks, S. 245.
  4. Statistisches Amt Osttimors, Ergebnisse der Volkszählung von 2010 der einzelnen Sucos (Memento vom 23. Januar 2012 im Internet Archive)
  5. a b The Languages of East Timor: Some Basic Facts (Memento vom 19. Januar 2008 im Internet Archive)
  6. Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.
  7. Veloso, Alexandre: A grammar sketch of Naueti, a language of East Timor, Universität Leiden (2016).
  8. a b c Susana Barnes: Origins, Precedence and Social Order in the Domain of Ina Ama Beli Darlari. In: Land and life in Timor-Leste. S. 23–46.
  9. Fundaisaun Mahein: The Everlasting Trouble in Uatulari, 24. April 2012
  10. a b c Hicks, S. 246
  11. a b Hicks, S. 247
  12. “The Timorese are the ones who will choose whether or not they want to use Traditional Justice” aus SCIT Info: UNMIT/Serious Crimes Investigation Team (SCIT) newsletter • issue 5•December 2009 (Memento des Originals vom 24. November 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/unmit.unmissions.org (PDF; 321 kB)
  13. Tempo Semanal: Political Earthquake: Major General Taur Matan Ruak to Run for President, 14. Juli 2011.