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Verwaltungsamt Uato-Lari
Heilige Häuser in Vessoru
Uato-Lari (Verwaltungsamt) (Osttimor)
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Verwaltungssitz Uato-Lari
Fläche 287,94 km²[1]
Einwohnerzahl 18.908 (2015)[1]
Sucos Einwohner (2015)[1]
Afaloicai 3.980
Babulo 2.187
Macadique 5.391
Matahoi 4.492
Uaitame 1.339
Vessoru 1.519
Übersichtskarte
Verwaltungsgliederung von Viqueque

Uato-Lari (Watu-Lari, Watulari, Hato-Lari, Uatolari, Uatolári, Uatulari, Uatu-Lari) ist ein osttimoresisches Verwaltungsamt (portugiesisch Posto Administrativo) in der Gemeinde Viqueque.

GeographieBearbeiten

 
Blick von Babulo in Richtung des Matebian

Das Verwaltungsamt Uato-Lari liegt im Osten der Gemeinde Viqueque an der Timorsee. Im Westen grenzt es an die Verwaltungsämter Viqueque und Ossu, im Norden an die Gemeinde Baucau und im Osten an das Verwaltungsamt Uatucarbau. Der Fluss Bebui fließt durch das Verwaltungsamt, bevor er bei Uaitame in die Timorsee mündet. Uato-Lari liegt südlich des Matebians und weiterer östlich gelegener Berge, die sich in ein fruchtbares Hügelland in eine breite Küstenebene ausdehnen. Noch bis in die 1960er Jahre hinein lebte die einheimische Bevölkerung nur in den Hügeln, um der Malaria in der teils sumpfigen Ebene zu entgehen.[2]

Bis 2014 wurden die Verwaltungsämter noch als Subdistrikte bezeichnet. Vor der Gebietsreform 2015 hatte Uato-Lari eine Fläche von 294,13 km².[3] Nun sind es 287,94 km².[1]

Uato-Lari teilt sich in sechs Sucos: Afaloicai, Babulo (Babolu), Macadique, Matahoi (Mata Ohi), Uaitame und Vessoru.

Der Verwaltungssitz befindet sich seit der indonesischen Besatzungszeit in Matahoi im Ort Uato-Lari.[4] Davor war er seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Uato-Lari (auch Uato-Lari Leten) im Suco Babulo.[5]

EinwohnerBearbeiten

 
Frauen aus Babulo beim Baha-Liurai-Fest in traditionelle Tais gekleidet

Das Verwaltungsamt Uato-Lari hat 18.908 Einwohner (2015), davon sind 9.461 Männer und 9.447 Frauen. Die Bevölkerungsdichte beträgt 65,7 Einwohner/km².[1] Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher der Nationalsprache Makasae. Um den Ort Uato-Lari herum wird Naueti gesprochen, das zu den Kawaimina-Sprachen gehört. Der Altersdurchschnitt beträgt 18,2 Jahre (2010,[3] 2004: 19,4 Jahre[7]). Sowohl Naueti als auch die im Laufe der Zeit friedlich aus dem zentralen Bergland eingewanderten Makasae folgen demselben System der Bündnisbildung durch Heiraten. So gibt es eine gewisse Durchmischung der beiden Ethnien, in manchen Dörfern werden Naueti und Makasae gleichzeitig als Muttersprachen verwendet.[2]

GeschichteBearbeiten

Von der lokalen vorkolonialen Geschichte gibt es nur mündliche Überlieferungen. Die Portugiesen bauten erst im 20. Jahrhundert eine dauerhafte Präsenz in der Region auf. Demnach war das Reich von Babulo der Naueti die dominierende Macht. Es stand im Konflikt mit dem Reich von Builo. Die portugiesische Kolonialmacht entsandte schließlich Mitte der 1910er Jahre Tomas dos Reis Amaral, einen Abkömmling der Herrscherfamilie von Luca als Herrscher von Uaitame und Vessoru und setzte ihn als Administrator von Uato-Lari hierarchisch über den Herrscher von Babulo. Der Herrscher aus Luca sorgte für eine Beendigung des Konflikts. Weitere Makasae wanderten in mehreren Wellen ab den 1930er Jahren in Uato-Lari und Uatucarbau ein. Entsprechend leben Nachkommen von Makasae-Einwanderern aus Luca an der Küste westlich und östlich der Naueti-Zentren Babulos und Vessorus.[5][8]

Seit 1942/1945 ist die Region immer wieder ein Ort der Unruhen und gewalttätiger Ausschreitungen (1959, 1975, 1999, 2006, 2007). Vordergründig geht es um politische Auseinandersetzungen, über die Jahrzehnte hat sich der Konflikt allerdings selbständig gemacht und wird durch generationenalte Feindschaften verkompliziert. Bisher scheiterten Landesregierung und kommunale Führung daran, im Konflikt zu vermitteln.[9]

Als die Japaner 1943 die Region besetzten, war die koloniale Administration noch jung und die Christianisierung noch nicht weit fortgeschritten. Uato-Lari litt unter den Folgen der Kämpfe zwischen japanischer Armee und australischen Guerilla-Einheiten im Berg- und Hügelland. Die Japaner forderten Unterstützung durch die einheimischen Führer ein und zwangen ganze Dörfer zum Beispiel zum Straßenbau. Andere unterstützten die alliierten Soldaten, so dass Animositäten zwischen den Clans entstanden, die noch Jahrzehnte später zu spüren sind. Nach Ende des Krieges bestraften die Portugiesen hart „Kollaboration“ mit den Japanern, was unter einigen lokalen Adligen zu Groll gegen die Kolonialverwaltung führte.[2]

1959 war Uato-Lari der Ausgangspunkt für die Viqueque-Rebellion, eine der letzten großen Rebellionen gegen die portugiesische Kolonialherrschaft, die sich schnell auf die benachbarten Gebiete ausdehnte. Nachdem die Rebellen in Baguia geschlagen wurden, zogen sie sich nach Uato-Lari und Uatucarbau zurück. Hier wurden sie von portugiesischen Hilfstruppen aus benachbarten Regionen endgültig besiegt. Sieben Rebellen wurden am 17. Juni am Fluss Bebui hingerichtet, die Rädelsführer bis 1968 nach Afrika verbannt. Geschürt worden war die Rebellion durch Indonesier, die in Portugiesisch-Timor Asyl gefunden hatten und dann in Uato-Lari angesiedelt worden waren. Ob es sich bei ihnen um indonesische Separatisten oder Agenten handelte, ist nicht gesichert geklärt.[10][11][12] Nach der Viqueque-Rebellion verloren viele Naueti Land und Vieh. Die portugiesische Verwaltung gab es an loyale Timoresen, die hauptsächlich der Ethnie der Makasae angehörten.[10]

Uato-Lari war ein Rückzugsgebiet der FALINTIL, die ab 1975 gegen die indonesischen Invasoren kämpfte. Hier gründete sie eine Base de apoio, eine Widerstandsbasis, die Zuflucht für Flüchtlinge aus Ossu, Viqueque, Uato-Lari und Uatucarbau bot. Später wurde die Basis von den Indonesiern zerstört.[13] Ende 1976 begannen die Indonesier von Beaco aus auch in Uato-Lari einzudringen.[14]

 
Flüchtlinge in Osttimor nach der Parlamentswahl 2007.[15]

Zwischen 1976 und 1979 kam es zu massiven Zwangsumsiedlungen in Uato-Lari.[14] Nach der Vernichtung der letzten Widerstandsbasis der FALINTIL am Matebian im November 1978 wurden im Ort Uato-Lari jene interniert, die sich den indonesischen Besatzern dort ergeben hatten. Jeden Tag starben hier Menschen. Zwei Wochen später wurden die Internierten zu Fuß oder mit dem Lastwagen nach Viqueque verlegt.[13] Weitere Umsiedlungslager gab es Ende 1979 noch in Afaloicai (Suco Babulo) und Vessoru. Zwischen November 1978 und März 1979 wurden in der Internierung in Uato-Lari mindestens 140 Personen ermordet beziehungsweise verschwanden. Die meisten Hinrichtungen fanden im März/April 1979 an verschiedenen Orten in Uato-Lari statt. Durch die Internierten und Flüchtlinge stieg die Zahl der Einwohner Uato-Laris zwischen 1970 und 1980 von 13.911 auf 14.683 um 5,5 %. 1981 wurden mehrere hundert Familien aus Uato-Lari und anderen Teilen Viqueques nach Atauro deportiert. Viele von ihnen starben dort, bis das Rote Kreuz 1982 begann Hilfe zu leisten. 1985/86 durften die Deportierten nach Timor zurückkehren.[13][16]

Während der indonesischen Besatzung wurde ein großer Teil dieser Zwangsenteignungen aus der Zeit nach der Viqueque-Rebellion rückgängig gemacht, so dass die Naueti als Profiteure der Okkupation galten.[10] Im Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor 1999 unterstützten viele ehemalige Rebellen und ihre Familien die Autonomielösung innerhalb des indonesischen Staates. Nach der Entscheidung für die Unabhängigkeit zogen viele von ihnen ins indonesische Westtimor. Mit Abzug der Indonesier brachen die ethnischen Konflikte zwischen den Einwohnern in Uato-Lari wieder hervor. Dörfer, die die Unabhängigkeitsbewegung unterstützten (zumeist Makasae aus Macadique und Matahoi), forderten Land und Eigentum zurück, das Naueti während der indonesischen Besatzung erhalten hatten. Die UNTAET versuchte mit einem „Mediation Council“ ab Juni 2000 den Konflikt zu lösen, aber man kam mit den 130 registrierten Streitfällen nur langsam voran. Ende Oktober 2002 brach Gewalt zwischen den Gruppen aus. Vieh wurde gestohlen. Auch weitere Vermittlungsversuche durch die osttimoresische Regierung, Parlamentarier und verschiedene UN-Missionen blieben wenig erfolgreich.[10]

Im Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen und Parlamentswahlen in Osttimor 2007 eskalierte die Gewalt erneut. Ende März kam es zu Zusammenstößen zwischen FRETILIN-Anhängern, die hauptsächlich zu den Makasae gehörten, und Unterstützern des späteren Präsidenten José Ramos-Horta und des späteren Premierministers Xanana Gusmão. Ab Mitte April nahm die Gewalt weiter zu und mehrere hundert Bewohner der Naueti-Dörfer Vessoru, Babulo, Afaloicai und Kadilale (Uatucarbau) flohen in die Hügel. Mehrere FRETILIN-Anhänger wurden daraufhin verhaftet.[10] Nach dem Amtsantritt Gusmãos als neuer Premierminister kam es in der zweiten Augustwoche erneut zu Unruhen durch Anhänger der unterlegenen FRETILIN. 200 Häuser wurden niedergebrannt. Eine unbekannte Anzahl von Menschen floh aus ihren Häusern zum Berg Babulo. Über 900 Einwohner Uato-Laris, zumeist Naueti, flohen nach Uatucarbau, andere in die Stadt Viqueque.[15][9] Der ehemalige FRETILIN-Premierminister Marí Alkatiri sah im Konflikt zwischen Makasae und Naueti die wahre Ursache der Unruhen.[10]

Nach einer weiteren Gewaltwelle im Januar 2009 wurde am 28. Februar ein Nahe biti in der Stadt Viqueque abgehalten, ein traditionelles Treffen, um die Spannungen zu reduzieren und Flüchtlinge zu reintegrieren.[10]

Anfang Juli 2010 wurden 95 Häuser im Dorf Aliambata (Suco Babulo) durch Überflutungen zerstört. Chefe de Suco Costodio Silveiro Fernandes[17] forderte die Regierung auf, für eine Umsiedlung der Betroffenen zu sorgen.[18]

Nach den Präsidentschaftswahlen in Osttimor 2012 wurde ein Haus in Uato-Lari niedergebrannt und ein Polizeiwagen in Macadique mit Steinen beworfen.[9] Am 10. Unabhängigkeitstag, am 20. Mai, wurden die Feiernden überfallen. Ein 20-Jähriger wurde getötet und sieben Häuser niedergebrannt. Vier Verdächtige wurden festgenommen.[19] Nach den Parlamentswahlen 2012 kam es zunächst in Dili zu Ausschreitungen, bei denen ein Student aus Uato-Lari von einem Polizisten erschossen wurde. Als sein Leichnam in seine Heimat gebracht wurde, wurde die Polizeistation in Uato-Lari angegriffen und vier Polizeiwagen verbrannt.[20][21][22]

PolitikBearbeiten

Der Administrator des Verwaltungsamts wird von der Zentralregierung in Dili ernannt. 2015 war dies Tomás Soares da Silva.[23]

1959 hatte das Amt der Mestize Eduardo Caeiro Rodrigues inne.[24]

WirtschaftBearbeiten

52 % der Haushalte besitzen Kokosnusspalmen, 59 % bauen Maniok an, 58 % Mais, 49 % Reis, 44 % Gemüse und 9 % Kaffee.[25]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Uato-Lari – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.
  2. a b c Janet Gunter: Communal Conflict in Viqueque and the ‘Charged’ History of '59, 8:1, S. 27–41, 2007, The Asia Pacific Journal of Anthropology, ISSN 1444-2213, doi:10.1080/14442210601177977, S. 29.
  3. a b Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (Memento des Originals vom 12. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dne.mof.gov.tl (PDF; 2,5 MB)
  4. Jornal da República: Diploma Ministerial n.o 24/2014 de 24 de Julho – Orgânica dos Postos Administrativos (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  5. a b Susana Barnes: Origins, Precedence and Social Order in the Domain of Ina Ama Beli Darlari, In: Land and life in Timor-Leste, S. 33 & 34.
  6. a b Seeds of Life
  7. Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (Memento vom 13. November 2012 im Internet Archive) (PDF; 14 MB)
  8. Susana Barnes: Origins, Precedence and Social Order in the Domain of Ina Ama Beli Darlari. In: Land and life in Timor-Leste. S. 29 & 32.
  9. a b c Fundaisaun Mahein: The Everlasting Trouble in Uatulari, 24. April 2012
  10. a b c d e f g Ernest Chamberlain: The 1959 Rebellion in East Timor: Unresolved Tensions and an Unwritten History, abgerufen am 7. September 2013.
  11. Australian Department of Defence, Patricia Dexter:Historical Analysis of Population Reactions to Stimuli – A case of East Timor (Memento vom 13. September 2007 im Internet Archive) (PDF; 1,1 MB)
  12. History of Timor (Memento des Originals vom 24. März 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/pascal.iseg.utl.pt (PDF; 824 kB) – Technische Universität Lissabon
  13. a b c „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  14. a b Susana Barnes: Origins, Precedence and Social Order in the Domain of Ina Ama Beli Darlari. In: Land and life in Timor-Leste. S. 35.
  15. a b Internal Displacement Monitoring Centre (Memento des Originals vom 24. September 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.internal-displacement.org (PDF; 464 kB)
  16. „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ (Memento des Originals vom 25. März 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cavr-timorleste.org (PDF; 2,5 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  17. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2009 – Resultados (Memento vom 4. August 2010 im Internet Archive)
  18. Televizaun Timor-Leste, 6. Juli 2010, Ninety five houses destroyed by flood
  19. Diario Nacional: One person killed and seven houses set on fire, 23. Mai 2012.
  20. East Timor Legal Blogspot: Police officer who shot dead Armindo Pereira Alves suspended, 20. Juli 2012, abgerufen am 21. Juli 2012.
  21. East Timor Legal Blogspot: Uatulari Police station attacked, 20. Juli 2012, abgerufen am 21. Juli 2012.
  22. Radio Timor-Leste: PNTL and UN Police cars destroyed in Uatulari, 20. Juli 2012.
  23. Ministério da Administração Estatal: Administração Municipal (Memento des Originals vom 1. Juni 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.estatal.gov.tl
  24. Janet Gunter S. 30.
  25. Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (Memento des Originals vom 9. April 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dne.mof.gov.tl (PDF; 9,8 MB)

Koordinaten: 8° 49′ S, 126° 32′ O