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N.W.A (Abkürzung für Niggaz Wit Attitudes)[1][2] war eine Hip-Hop-Crew aus Compton (Los Angeles). Die Gründungsmitglieder der Band waren Arabian Prince, Dr. Dre, Eazy-E und Ice Cube, später kamen DJ Yella sowie MC Ren dazu.

N.W.A
NWA-Logo.png

Allgemeine Informationen
Herkunft Compton, Kalifornien, Vereinigte Staaten
Genre(s) Gangsta-Rap, Westcoast-Hip-Hop
Gründung 1986
Auflösung 1991
Website www.nwaworld.com (ịnoffiziell)
Gründungsmitglieder
Arabian Prince (bis 1988)
DJ, Rapper
Dr. Dre
Rapper
Eazy-E († 1995)
Rapper
Ice Cube (bis 1989)
Letzte Besetzung
DJ, Rapper
Dr. Dre
Rapper
Eazy-E
Rapper
MC Ren (seit 1987)
DJ
DJ Yella (seit 1987)

N.W.A trugen entscheidend zur Popularisierung des Gangsta-Raps bei und gelten als wichtige Vertreter des Westcoast-Hip-Hop. Weltweit bekannt wurden sie insbesondere durch den Song Fuck tha Police vom Album Straight Outta Compton (1988).

2015 wurde der Film Straight Outta Compton veröffentlicht, der eine Filmbiografie von N.W.A darstellt.

Inhaltsverzeichnis

AnfängeBearbeiten

Die Gruppe wurde 1986 gegründet. Ihr erstes Album N.W.A and the Posse erschien 1987 und fand wenig öffentliche Beachtung. Erst mit dem Album Straight Outta Compton gelang ein grandioser, wenn auch erschwerter Durchbruch. Die Platte entstand in sechs Wochen, die Produktion kostete etwa 8.000 US-Dollar. Die meisten Radio-Stationen weigerten sich, das Album zu spielen, und auch MTV, das damals ein wichtiger Gatekeeper für Popkultur war, spielte keine Titel aus dem Album. Trotzdem verkauften sich über drei Millionen Exemplare. Obwohl das Album zum größten Teil aus eher simplen Partysongs besteht, sorgten vor allem die ersten drei Tracks für den tiefgehenden Eindruck, der sowohl den Erfolg als auch eine durch die breite Öffentlichkeit getragene Verdammung der Gruppe ergab: Straight Outta Compton, Fuck tha Police und Gangsta, Gangsta. Ähnlich wie im frühen Hip Hop beschrieb das Album das von Gangs geprägte Leben auf der Straße, anders als früher aber nicht mehr kritisch, sondern entweder nihilistisch oder gar es hedonistisch preisend. Dabei stehen sie allerdings in der Tradition der Musik aus Südkalifornien von den Beach Boys, den Eagles oder Jefferson Airplane. Alle Gruppen besangen vor allem den hedonistischen Lebensstil, Geld und Frauen, nur dass die früheren Gruppen nicht aus dem von Gangs geprägten Stadtteil Compton kamen.

Ice Cube schrieb den größten Teil der Texte zu Straight Outta Compton, Dr. Dre und Yella sind als Produzenten ausgewiesen, wobei der größte Teil der Produktion wohl faktisch von Dre geleistet wurde. Musikalisch hat das Album aber wenig gemein mit Dres früheren schnellen, elektronischen Upbeat-geprägten Veröffentlichungen in der World Class Wreckin’ Cru. Straight Outta Compton ist musikalisch wesentlich langsamer, dunkler mit starken Funk-Einflüssen, eingebettet in eine Soundcollage aus Schüssen, Sirenen, Autogeräuschen, Schreien und Flüchen.

Das Album, obwohl zuerst ohne Werbung und Medienöffentlichkeit betrieben, wurde ein enormer Verkaufserfolg. Maßgeblich dafür war zuerst das Netzwerk der afroamerikanischen Community und insbesondere deren Plattenläden. Die Verkäufe entwickelten sich von Region zu Region. Gelang es erst einmal Plattenläden zu überzeugen das Album zu führen, verkaufte es sich durch Mundpropaganda fast automatisch. Es wechselte deutlich sichtbar von der afroamerikanischen in die weiße Community, wo es insbesondere bei Jugendlichen großen Anklang fand.

KontroverseBearbeiten

1989 beschwerte sich das FBI mit einem Brief beim Vertrieb Priority Records, dass Fuck tha Police zur Gewalt gegen die Polizei aufrufe und forderte die Firma auf, die Platte zurückzuziehen.[3] Das Label verbreitete den Brief, woraufhin der Markterfolg neue Dimensionen erreichte. Bryan Turner von Priority Records sagt rückblickend: The [letter] was like a nuclear explosion. Once we circulated that, everybody wanted to hear the record the FBI wanted to suppress. Das Album, das bisher etwa 100.000 Exemplare verkauft hatte, kam national in die Nachrichten. MTV spielte es zwar immer noch nicht, aber dafür erschienen zahlreiche Fernsehsendungen und Zeitungsartikel über das Album. Die Verkaufszahlen verdreißigfachten sich danach.

AuflösungBearbeiten

Ice Cube, einer der Hauptrapper und Texter der Band, verließ die Gruppe 1989. Die beiden Alben 100 Miles And Runnin’ (1990) und Niggaz 4 Life (1991, in den USA als Efil4zaggin’ erschienen) wurden ebenfalls internationale Erfolge, unter anderem durch den unterlegten G-Funk-Sound von Dr. Dre. Wegen finanzieller Streitigkeiten zwischen Eazy-E und dem Rest der Gruppe kam es 1991 schließlich zur Auflösung von N.W.A.

Nach N.W.ABearbeiten

Dr. Dre bildete mit Suge Knight das Label Death Row Records und veröffentlichte Alben wie The Chronic oder Snoop Doggy Doggs Doggystyle, die aufgrund des G-Funk-Sounds erfolgreich wurden. Eazy-E konnte zwar nicht an die besten Zeiten anknüpfen, aber er hatte weiterhin Erfolg, auch wenn dieser nicht mit dem von Dr. Dre zu vergleichen ist. Auf The Chronic und Doggystyle beleidigten (dissten) Snoop und Dre Eazy-E, woraufhin dieser mit dem Album It’s On (Dr. Dre) 187um Killa (187 ist der Polizeicode für Mord) mit den Tracks Real Muthaphuckkin G's und It’s On konterte. Nach der Trennung startete Dr. Dre als Produzent für andere Rapper, darunter Snoop Doggy Dogg und Eminem. Ice Cube war erfolgreich als Rapper und Schauspieler. Eazy-E starb 1995 an den Folgen von AIDS. Die sehr expliziten und häufig nihilistischen Lyrics der N.W.A-Spätphase dienten, insbesondere an der Westküste, vielen Rappern als Vorbild. Auch auf die Ostküste haben die Inhalte der Texte eine gewisse Auswirkung gehabt. The D.O.C. brachte sein Album No One Can Do It Better heraus. Nach dem Album hatte er einen Autounfall, welcher seine Stimme erheblich schädigte.

WürdigungBearbeiten

N.W.A waren das zentrale Element einer ganzen Reihe von unbekannteren Hip-Hop-Bands, die bei der Plattenfirma Ruthless Records unter Vertrag waren, darunter King T, CPO, Above the Law und Kokane. N.W.A war eine der ersten Gangsta-Rap-Gruppen. Als Vorreiter des Gangsta Raps wird darüber hinaus vor allem auch Schoolly D angesehen. Viele Künstler aus diesem Bereich ziehen ihren Einfluss aus dem Straight Outta Compton-Album. Die Texte von Ice Cube und MC Ren sind nicht genretypisch, sie deuteten das Genre erst. Die Qualität des Rap-Stils (besser gesagt des MCings) der einzelnen N.W.A-Mitglieder war insbesondere in der Anfangszeit sehr unterschiedlich. Im Vergleich zu den großen MCs der Ostküste, die insbesondere in der zweiten Hälfte der 1980er die Qualität der Lyrics und des Flows stark verbesserten, klingen insbesondere die Releases aus der Anfangszeit der Gruppe ('88 und früher) noch qualitativ sehr einfach. Vielmehr machte die explizite Ausdrucksweise auf die Gruppe aufmerksam und die Energie und Wut mit der Ice Cube seine Texte vortrug. Insbesondere während seiner Solokarriere entwickelte sich Ice Cube zu einem, auch an der Ostküste, angesehenen MC. MC Rens Solokarriere nahm, trotz bemerkenswerter Fähigkeiten, hingegen nie Fahrt auf. Bei Dr. Dre und Eazy-E ist zu erwähnen, dass beide den Großteil ihrer Lyrics nicht selbst geschrieben haben. Während anfangs vor allem Ice Cube Ghostwriter war, übernahm später hauptsächlich der befreundete Rapper The D.O.C. diese Rolle. Nach dem N.W.A-Split wechselte er mit Dr. Dre zusammen zu Death Row Records und schrieb einen Großteil der Lyrics für The Chronic.

2016 wurden N.W.A. in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Die Gruppe ist nach Grandmaster Flash & the Furious Five (2007), Run-D.M.C. (2009), Beastie Boys (2012) und Public Enemy (2013) erst der fünfte Hip Hop-Act, dem diese Ehrung zuteil wurde.[4]

MitgliederBearbeiten

DiskografieBearbeiten

StudioalbenBearbeiten

Jahr Titel Chartplatzierungen[5] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK Vereinigte Staaten  US
1988 Straight Outta Compton
361
(5 Wo.)
551
(3 Wo.)
661
(5 Wo.)
352
 Gold

(14 Wo.)
43
 Dreifachplatin

(110 Wo.)
Erstveröffentlichung: 9. August 1988
Verkäufe weltweit: 3.500.000
1991 Niggaz4Life
300! 300! 300! 25
(2 Wo.)
1
 Platin

(44 Wo.)
Erstveröffentlichung: 28. Mai 1991
Verkäufe weltweit: 2.150.000
1 Straight Outta Compton erreichte die Charts in Deutschland, Österreich und der Schweiz erst nach Veröffentlichung des gleichnamigen Films im Jahr 2015.
2 Straight Outta Compton erreichte die Höchstposition im Vereinigten Königreich erst im Jahr 2003. 1989 war es auf Platz 41 gewesen.
3 Straight Outta Compton erreichte die Höchstposition in den Vereinigten Staaten erst nach Veröffentlichung des gleichnamigen Films im Jahr 2015. 1989 war es auf Platz 37 gewesen.

KompilationenBearbeiten

Jahr Titel Chartplatzierungen[5] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK Vereinigte Staaten  US
1987 N.W.A. and the Posse
300! 300! 300! 300! 300!
 Gold
Erstveröffentlichung: 6. November 1987
Verkäufe US: 500.000+
1996 Greatest Hits
300! 300! 300! 494
 Gold

(5 Wo.)
48
 Gold

(13 Wo.)
Erstveröffentlichung: 2. Juli 1996
Verkäufe US: 500.000+
1999 The NWA Legacy, Vol. 1: 1988–1998
300! 300! 300! 300! 77
 Platin

(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: 23. März 1999
Verkäufe US: 1.000.000+
2002 The NWA Legacy, Vol. 2
300! 300! 300! 300! 154
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 27. August 2002
2006 The Best of N.W.A: The Strength of Street Knowledge
300! 300! 300! 300!
 Gold
72
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 26. Dezember 2006
2008 N.W.A and Their Family Tree
300! 300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 30. September 2008
4 Greatest Hits erreichte die Höchstposition im Vereinigten Königreich erst im Jahr 2015. 1996 war es auf Platz 56 gewesen.

EPsBearbeiten

Jahr Titel Chartplatzierungen[5] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK Vereinigte Staaten  US
1987 Panic Zone
300! 300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 13. August 1987
1990 100 Miles and Runnin’
300! 300! 300! 38
(4 Wo.)
27
 Platin

(25 Wo.)
Erstveröffentlichung: 14. August 1990
Verkäufe US: 1.000.000+

SinglesBearbeiten

Jahr Titel
Album
Chartplatzierungen[5] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK Vereinigte Staaten  US
1988 Straight Outta Compton
Straight Outta Compton
300! 300! 300! 665
 Platin

(3 Wo.)
385
 Platin

(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 10. Juli 1988
Gangsta Gangsta
Straight Outta Compton
300! 300! 300! 70
(2 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: 5. September 1988
1989 Express Yourself
Straight Outta Compton
300! 300! 300! 26
 Silber

(9 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: 27. März 1989
1991 Appetite for Destruction
Niggaz4Life
300! 300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 1991
Alwayz into Somethin’
Niggaz4Life
300! 300! 300! 60
(2 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: 15. April 1991
feat. Admiral D.
1999 Chin Check
Soundtrack zum Film Next Friday
300! 300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 23. August 1999
feat. Snoop Dogg
2015 Fuck tha Police
Straight Outta Compton
300! 300! 300! 97
 Silber

(1 Wo.)
300!
keine Singleveröffentlichung,
nur durch Downloads und Streaming in den Charts
5 Straight Outta Compton erreichte die Charts im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten erst nach Veröffentlichung des gleichnamigen Films im Jahr 2015

VideoalbenBearbeiten

Jahr Titel Anmerkungen
1992 Niggaz4Life: The Only Home Video Erstveröffentlichung: 2. November 1992

StatistikBearbeiten

ChartauswertungBearbeiten

Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK Vereinigte Staaten  US
Nummer-eins-Alben 1
Top-10-Alben 2
Alben in den Charts 1 1 1 4 7
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK Vereinigte Staaten  US
Nummer-eins-Singles
Top-10-Singles
Singles in den Charts 5 1

Auszeichnungen für MusikverkäufeBearbeiten

Anmerkung: Auszeichnungen in Ländern aus den Charttabellen bzw. Chartboxen sind in ebendiesen zu finden.

Land/Region   Silber   Gold   Platin Verkäufe Quellen
Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten (RIAA) 0! S 2 7 7.500.000 riaa.com
Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich (BPI) 1 3 1 1.100.000 bpi.co.uk
Insgesamt 1 5 8

QuellenBearbeiten

  1. Potter, Russell A. Spectacular Vernaculars: Hip-Hop and the Politics of Postmodernism. State University of New York Press, 1995. p50. ISBN 0-7914-2626-2
  2. Ice Cube produces N.W.A biopic
  3. Steve Hochman: FBI Claims Song by N.W.A. Advocates Violence on Police In: Los Angeles Times, 5. Oktober 1989. Abgerufen am 24. Juli 2015
  4. Inductees 2016
  5. a b c d Chartquellen: DE AT CH UK US

WeblinksBearbeiten