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Mittelalterliche Stadt von Rhodos

Burg in Griechenland

Die mittelalterliche Stadt von Rhodos ist die Altstadt von Rhodos, welche 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt wurde. Die Altstadt ist geteilt in das Kollachium, das türkische Viertel und das jüdische Viertel.

Mittelalterliche Stadt von Rhodos
UNESCO-Welterbe
UNESCO-Welterbe-Emblem

Marientor Rhodos.jpg
Das Marientor am Hafen
Staatsgebiet: GriechenlandGriechenland Griechenland
Typ: Kultur
Kriterien: ii, iv, v
Referenz-Nr.: 493
UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 1988  (Sitzung 12)

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und StrukturBearbeiten

Die Stadt wurde 408 v. Chr. als Hauptstadt der griechischen Insel Rhodos aus drei Städten gegründet. Die jetzige Altstadt ist eine Burg des Johanniterordens aus dem 14. Jahrhundert. Sie liegt zum Teil auf einem Hügel und ist von einer über vier Kilometer langen Festungsmauer umgeben, die bis an den Hafen reicht. Diese Mauer ist in acht Verteidigungsabschnitte eingeteilt:

  • im Norden die französische Mauer mit dem d' Amboise Tor, der Amboise-Bastion, dem Plaignes-Turm, dem St. Peter-Turm, dem Freiheitstor, der Paulus-Bastion und dem Naillac-Turm am Hafen
  • im Westen die deutsche Mauer mit dem Georgsturm und der Georgsbastion
  • südlicher die Mauer der Ritter aus der Auvergne
  • südwestlich die Mauer Krone Aragon mit der spanischen Bastion
  • im Süden zwischen Marienturm mit Marienbastion und dem Johannesturm mit Johannesbastion die englische Mauer mit dem St. Athanasios-Turm
  • südöstlich die Mauer der Ritter der Provence
  • östlich zum Meer die Mauer der Italiener mit dem Akandia-Tor
  • im Norden um die Hafenanlage die Mauern von Kastilien mit dem Mühlentor, dem Marientor, dem Marine-Tor, dem Hospitaltor und dem Arsenaltor sowie dem Engelsturm
  • Zur Verstärkung wurde an der westlichen Landseite der Stadtmauer zwischen 1421 und 1431 die St. Georgs-Bastion errichtet

Die Altstadt wurde durch eine Innenmauer in zwei ungleiche Bereiche geteilt. Im Norden durch das "Kollachium" (auch Castello), dem Wohn- und Verwaltungsbereich der Ritter, sowie dem größeren südlichen Teil der "Chora" (auch Burgum), dem Handelszentrum und Siedlungsbereich der Griechen und Westeuropäer. Die Juden bewohnten ein eigenes Viertel im Osten der Altstadt. Neben der dominierenden mittelalterlichen Architektur sind auch mehrere Bauwerke aus der Zeit der osmanischen Besetzung zwischen 1523 und 1912 erhalten, die Altstadt enthält aber wenige heidnische oder frühchristliche Bauwerke.

Nach dem Eingang durch das erst 1924 durch die Italiener eingezogene Freiheitstor (Eleftherias-Tor), erreicht man den Symi-Platz, wo sich rechts die Reste eines hellenistischen Aphroditetempels befinden. Am Argyrokastro-Platz liegt zentral ein Brunnen, der aus einem byzantinischen Taufbecken und einer Säule aus dem 7. bis 8. Jahrhundert besteht, weiters findet sich hier das Volkskundemuseum und das Institut für Geschichte und Archäologie. Am Museums-Platz liegt das zwischen 1440 bis 1489 errichtete große Hospital des Ritterordens, wo heute das Archäologische Museum eingerichtet ist. Gegenüber liegt die byzantinische Kirche Panagia tou Kastrou aus dem 11. Jahrhundert, die nach Ankunft des Ritterordens von 1319 bis 1334 in die dreischiffige katholische Kirche Santa Maria del Castello umgebaut wurde.

An der von den Italienern restaurierten und mit Kieselsteinen gepflasterten Ritterstraße (griechisch Odos Ippoton) liegen die „Herbergen der Zungen“ der ritterlichen Landsmannschaften des Johanniterordens. Ursprünglich bestand der Johanniterorden aus sieben „Zungen“: Provence, Auvergne, Frankreich, Italien, Aragon, England und Deutschland. 1461 wurde Aragon geteilt und Kastilien die achte „Zunge“. Bergauf in Richtung Westen reihen sich die Herbergen an der rechten Seite aneinander. Lediglich die Herberge der Spanier liegt an der linken Seite ungefähr in der Mitte der Ritterstraße. Die Herberge der Auvergne befindet sich auf der Platia Argyrokastrou („Argyrokastro-Platz“), die der Engländer auf der Platia Mouseiou („Museumsplatz“). Die Unterkunft des deutschen Kontingents ist nicht erhalten, ihre Existenz wird teilweise auch bezweifelt.

 
Großmeisterpalast nach der italienischen Rekonstruktion

Die etwa 200 Meter lange Ritterstraße endet am Kleobulos-Platz, wo am höchsten Punkt der Altstadt, der 80 mal 75 Meter große Bau des Großmeisterpalastes des Johanniterordens aufragt. In der Antike befand am Standort des Großmeisterpalastes die untere Akropolis der Stadt mit dem Haupttempel des Sonnengottes Helios, am Platz vor diesem Heiligtum wird der eigentliche Standort des Koloss von Rhodos vermutet. Am gleichen Standort befand sich in byzantinischer Zeit vor dem um 1350 einsetzenden Baubeginns des Großmeisterpalastes die Burg des kaiserlichen Gouverneurs. Nach der osmanischen Eroberung der Insel im Jahre 1522 diente der Palast unter den Osmanen als Gefängnis und Pulvermagazin. 1856 wurde der Palast durch Explosion des Pulverlagers zerstört. 1937 bis 1940 wurde der Palast von den Italienern wieder aufgebaut und 1988 nochmals restauriert. Der Wiederaufbau geriet nicht originalgetreu, es wurden z.B. antike Mosaik-Fußböden von der Insel Kos eingesetzt, da im Vordergrund der Wunsch des Königs von Italien und später von Benito Mussolini stand, hier eine Residenz zu haben[1]. Es werden hier zwei Ausstellungen über das Leben im Altertum und im Mittelalter gezeigt.

1507 entstand am Hippokrates-Platz die "Kastellania", ein Gebäude das als Strafgerichtshof der Ordensritter fungierte. Die Kirche Ágios Fandoúrios stammt vermutlich noch aus dem 9. Jahrhundert, die Kahal-Shalom-Synagoge von 1577. Die Mischung aus gotischer und osmanischer Architektur zwischen den Gassen und Plätzen aus Kopfsteinpflaster ergibt ein nur durch den Tourismusrummel getrübtes Altstadtflair.

BilderBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Schätze der Welt - Erbe der Menschheit Bd.3, Chronik Verlag, 2000

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mittelalterliche Stadt von Rhodos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Rhodos, Marco Polo, ISBN 978-3-8297-0532-5.

Koordinaten: 36° 26′ 37″ N, 28° 13′ 39″ O