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Martin Burckhardt (Autor)

deutscher Autor und Kulturtheoretiker

Martin Burckhardt (* 28. Juli 1957 in Fulda) ist ein deutscher Autor und Kulturtheoretiker.

A photograph of the author Martin Burckhardt

LebenBearbeiten

Burckhardt wuchs in einer ostwestfälischen Kleinstadt auf. Nach Abitur und Zivildienst studierte er Germanistik, Theaterwissenschaft und Geschichte in Köln. Nach dem Studium begann er mit schriftstellerischer Arbeit, zunächst vor allem im Bereich des Hörfunks und der Klangkunst. In Zusammenarbeit mit dem Audio-Künstler Hans Peter Kuhn, später mit dem Musiker Johannes Schmoelling, entstanden diverse experimentelle Hörstücke, die als Hörspiele firmierten, aber vor allem die Übergangszone von Geräusch, Musik und Sprache explorierten.[1] Die frühe Auseinandersetzung mit der sich anbahnenden Computerwelt, die sich ihm vor allem über die Regie und Arbeit im Tonstudio vermittelte, weckte sein Interesse an Fragen der Künstlichen Intelligenz, aber vor allem der kulturgeschichtlichen Bedeutung des Computers. In diesem Kontext entstanden seine ersten theoretischen Arbeiten (Digitale Metaphysik, 1988[2]; Die Universale Maschine, 1990). Gemeinsam mit dem Journalisten und Redakteur Wolfgang Bauernfeind hielt er zwischen 1988 und 1994 ein Seminar an der Hochschule der Künste, Berlin, wo mit den Lehrenden des Schauspiel-Jahrgangs, später auch den Tonmeistern, ein Hörstück erarbeitet wurde. Parallel entstanden weitere Hörstücke und Hörspiele, vor allem der mehrstündige Audio-Zyklus Die Geschichte der Dinge (gemeinsam mit Johannes Schmoelling).

SchaffenBearbeiten

Wichtig in dieser Zeit war eine doppelte Auseinandersetzung: mit der Geschichte der Psychoanalyse und ihrem Bezug zur digitalen Kultur einerseits[3] und andererseits mit den Grundlagen des Alphabets.

Im Jahr 1995 gründete er mit seinem jüngeren Bruder Wolfram den Kulturverlag Kulturverlag Kadmos, in dem verschiedene Werke zur Frühgeschichte des Computers, aber auch zu medialen Fragen herausgegeben wurden, unter anderem von Charles Babbage, Ada Lovelace, Pierre Klossowski, Guy Lenôtre (Pseudonym von Théodore Gosselin), Daniel Paul Schreber, Alfred Kallir und Nikolaus von Oresme.

Ab 1995 – im Zusammenhang mit der Diskussion um das „Metamorphosen“-Buch – kam es zu verstärkter Lehrtätigkeit, zunächst an der Humboldt-Universität (Kulturwissenschaft), danach an der FU Berlin (Theaterwissenschaft). Daneben entstanden diverse Essays in Zeitschriften (Lettre International[4], Arch+) sowie die Vorbereitung eines neuen Buches, das vom „Geist der Maschine“ erzählte (1999).

Von 1998 bis 2000 betreute er die Interface V[5] für die Kulturbehörde Hamburg, ein Symposion sowie eine Ausstellung zur Computerkultur.

Ab 2000 beschäftigte er sich zunehmend mit Fragen der Programmierung und des Game-Design[6], nicht bloß in theoretischer, sondern auch in praktischer Absicht. Dieses neu hinzugekommene Arbeitsfeld fand erstmals im Jahr 2008/2009 im Rahmen der „USER –Ausstellung“ im Zentrum für Kunst und Medien mit der Arbeit Das virtuelle Museum einen Niederschlag.

WerkBearbeiten

1994 erschien die Monographie Metamorphosen von Raum und Zeit. Eine Geschichte der Wahrnehmung[7]. Hier wurde die Geschichte der universalen Maschine, vom Räderwerkautomaten des Mittelalters bis zum Computer als sukzessive Mentalitäts-Verschiebung erzählt. Mit dem Erscheinen des Buches begann die Arbeit an einem neuen Buch, das die Frage der Genealogie der Maschine noch weiter zurückdatierte und an das Alphabet, die Gnosis und das Dogma der unbefleckten Empfängnis koppelte: Die künstliche Mutter (Lettre International, 1994).

Im Jahr 2005 schrieb er die Erzählung Brandlhuber. Eine Fiktion[8], in der er dem Architekten Arno Brandlhuber alle erdenklichen Dinge andichtete, um mit diesem Text später als Brandlhuber dessen Werkschau im deSingel in Antwerpen zu eröffnen und sich anschließend in Burckhardt zurückzuverwandeln – ein Spiel mit einem realen Avatar.

Neben Herausgebertätigkeiten (Charles Fourier, Joseph de Maistre) und diversen Lehrverpflichtungen (Ästhetik und Architektur an der Kunstakademie Nürnberg, Mediengeschichte an der Universität für angewandte Kunst in Wien und der Hochschule für Kunst und Gestaltung in Zürich, HTW Berlin, Kulturjournalismus an der UdK) entstanden weitere Hörstücke, Essays, vereinzelt auch Übersetzungen.

Mit Scham der Philosophen[9] wurde das Projekt zur Genealogie der Maschine fortgesetzt und mit dem Band 68. Die Geschichte einer Kulturrevolution[10] abgeschlossen.

Das Büchlein Die kleine Geschichte der großen Gedanken[11] war eine heitere und auf ein breites Publikum zugeschnittene Zusammenfassung des lang verfolgten kulturgeschichtlichen Projekts.

Im Jahr 2010 gründete er die Firma[12], die im Jahr 2011 das transmediale Browser-Game „TwinKomplex“ veröffentlichte. Mit einem Cast von Schauspielern (u. a. Irm Hermann, Christian Brückner, Gerd Wameling) entstanden dafür Filmsequenzen, die, mit einem quasi-dokumentarischen Anstrich, in eine Rahmenhandlung um eine „Dezentrale Informations-Agentur“ eingereiht wurden. In der Folgezeit widmete er sich Programmierungsfragen, die in verschiedene Arbeiten mündeten, zuletzt einer „Feature-Maschine“ für den rbb (ein Werkzeug, das Audiostücke neu kombiniert).

2014 erschien im Metrolit-Verlag das Buch Digitale Renaissance. Manifest für eine neue Welt[13]. Das Werk ist nicht nur als Beitrag zur aktuellen politischen Lage gedacht, sondern wurde auch in der Form des Social writing verfasst.

2015 erschien der Roman Score. Wir schaffen das Paradies auf Erden[14], eine Dystopie, die im Jahr 2039 angesiedelt ist und bereits absehbare gesellschaftliche und technologische Entwicklungen fortschreibt.

2018 erschien bei Matthes & Seitz die "Philosophie der Maschine"[15], in der Burckhardt seine Gedanken zur Genealogie der Maschine in philosophischer Hinsicht fortschreibt.

Burckhardts Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung verfasste Burckhardt zwischen 2016 und 2017 eine 13-teilige-Serie zu Pionieren der Computerkultur. Diese gab Anlass zu dem Buch Eine kurze Geschichte der Digitalisierung[16], das 2018 bei Penguin erschien.

SchriftenBearbeiten

Hörstücke (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Michael Lissek: featuregespräche – martin burckhardt
  2. Digitale Metaphysik – in Merkur 4/1988 In: martin-burckhardt.de (PDF; 60 kB). Abgerufen am 10. August 2019.
  3. Die Wunschmaschinen sind tot! Es leben die Wunschmaschinen (PDF; 72 kB) (Memento vom 12. März 2014 im Internet Archive)
  4. Liste aller Beiträge bei Lettre International In: lettre.de. Abgerufen am 10. August 2019.
  5. Interface 1-5, Hans-Bredow-Institut (Memento vom 12. März 2014 im Internet Archive)
  6. Ästhetik der Ganzkörperzeichen. In: FAZ. Abgerufen am 4. Juni 2009.
  7. Metamorphosen von Raum und Zeit – Eine Geschichte der Wahrnehmung. In: burckhardt.ludicmedia.de. Abgerufen am 10. August 2019.
  8. Brandlhuber. Eine Fiktion. In: burckhardt.ludicmedia.de. Abgerufen am 10. August 2019.
  9. Scham der Philosophen. In: burckhardt.ludicmedia.de. Abgerufen am 10. August 2019.
  10. 68. Die Geschichte einer Kulturrevolution. In: burckhardt.ludicmedia.de. Abgerufen am 10. August 2019.
  11. Die kleine Geschichte der großen Gedanken. In: burckhardt.ludicmedia.de. Abgerufen am 10. August 2019.
  12. Ludic Philosophy
  13. Digitale Renaissance. Manifest für eine neue Welt. In: burckhardt.ludicmedia.de. Abgerufen am 10. August 2019.
  14. Score. Wir schaffen das Paradies auf Erden. In: burckhardt.ludicmedia.de. Abgerufen am 10. August 2019.
  15. Philosophie der Maschine. In: burckhardt.ludicmedia.de. Abgerufen am 10. August 2019.
  16. Eine kurze Geschichte der Digitalisierung. In: burckhardt.ludicmedia.de. Abgerufen am 10. August 2019