Marinehaus

Gebäude in Berlin, Bezirk Mitte
Marinehaus
Marinehaus an der Ecke Märkisches Ufer und Am Köllnischen Park

Marinehaus an der Ecke Märkisches Ufer und
Am Köllnischen Park

Daten
Ort Berlin-Mitte
Architekt Otto Liesheim
Bauherr Berliner Kriegerverein
Baustil Neorenaissance
Baujahr 1908/1909
Koordinaten 52° 30′ 50,5″ N, 13° 24′ 56″ OKoordinaten: 52° 30′ 50,5″ N, 13° 24′ 56″ O
Besonderheiten
bereits mehrfach baulich verändert

Das Marinehaus ist ein historisches Gebäude in Berlin, Bezirk Mitte, in der Luisenstadt, Am Köllnischen Park 4/4a / Märkisches Ufer 48/50. Der unter Denkmalschutz stehende Putzbau wurde 1908/1909 nach Plänen des Architekten Otto Liesheim errichtet.

ArchitekturBearbeiten

 
Marinehaus, 1909

Die ursprünglich durch Risalite stark gegliederte und im Stil der Neorenaissance dekorierte Fassade wird durch Rundbogenöffnungen unterbrochen. 1984 wurde das Gebäude durch Umbauten stark in seiner Substanz verändert, dabei wurde der markante Turmaufsatz entfernt. An der eingezogenen Gebäudeecke befindet sich ein Brunnen.

GeschichteBearbeiten

Das Gebäude wurde für die Berliner Kriegerheim GmbH errichtet und besaß zuerst die Adresse Am Köllnischen Park 9 / Brandenburger Ufer 1.[1] Nachdem aus dem Kriegerverein der Marineverein geworden war, diente das Gebäude bis 1918 als Vereinshaus einer kaiserlichen Marineeinheit. Nach diesem Verein erhielt das Haus seinen Namen.[2]

 
Gedenktafel am Marinehaus

Während der Novemberrevolution hatte im Jahr 1919 der Stab der Volksmarinedivision im Marinehaus seinen Sitz. Darauf weist eine Gedenktafel am Gebäude hin.

Das Marinehaus wechselte im Verlauf seiner Geschichte mehrfach den Besitzer. Die Berliner Landesversicherungsanstalt als neuer Eigentümer ließ es in den 1920er Jahren zum Bürogebäude umbauen. Ab 1945 war es Sitz der Verwaltung der Sozialversicherung in der SBZ, später der DDR. Nach der Verstaatlichung der Versicherungen gelangte das Gebäude in den Besitz des FDGB, der ab 1951 Träger der DDR-Sozialversicherung war.

Nach dem Mauerfall und der deutschen Wiedervereinigung wurde der FDGB aufgelöst und das Haus leergezogen, es ging an seinen Vorkriegsbesitzer zurück. Im Jahr 1993 hatte das Land Berlin Gebäude von der Landesversicherungsanstalt gekauft. Es sollte zu Verwaltungszwecken umgebaut werden, woraus jedoch nichts wurde. So erhielt der Liegenschaftsfonds Berlin das Gebäude zum Weiterverkauf, Kaufinteressenten fanden sich allerdings nicht. Schließlich entschied der Senat im Jahr 2007, den nun mehr als 20 Jahre ungenutzten großen Saal in den oberen Etagen als Erweiterungsbau an das Märkische Museum anzuschließen. Es sollte ein Forum Zeitgeschichte beherbergen. Für den Umbau fand im Jahr 2008 ein Architektenwettbewerb statt, den das Londoner Büro Stanton Williams gewonnen hatte.[3][4] Die Bausumme für die 5.000–7.000 Quadratmeter große Ausstellungsfläche sollte 23,4 Millionen Euro betragen. Nach Detailplanungen und Maßnahmen zur Entkernung des Gebäudes stellte sich 2011 heraus, dass der Saal im Marinehaus „wider Erwarten nur begrenzte Möglichkeiten für die Umnutzung zum Museum im geforderten Flächen- und Nutzungsprofil“ biete. Das Projekt musste deshalb abgesagt werden, obwohl bereits Planungskosten von mindestens 2,8 Millionen Euro entstanden waren.

2018 wurde ein weiterer Wettbewerb mit dem gleichen Nutzungsziel ausgeschrieben, aus dem das Kopenhagener Architekturbüro Adept als Sieger hervorging.[2] Im September 2017 wurde eine Finanzierungsvereinbarung zwischen der Bundesregierung, dem Senat von Berlin und der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin unterzeichnet.[5] Das Marinehaus wird zusammen mit dem Märkischen Museum den Kern eines Museums- und Kreativquartiers am Köllnischen Park bilden und als Zentrum musealer und kultureller Aktivitäten die Angebote des Märkischen Museums ergänzen und erweitern.[6] Die Bauarbeiten sollen 2022 beginnen.

 
Blick in den Schankraum des Marinehauses, 1977

Seit den 1930er Jahren befindet sich am Märkischen Ufer im Erdgeschoss des Gebäudes eine öffentliche Gaststätte.[7] In der DDR-Zeit betrieb der Konsum die Gaststätte „Marinehaus“, die mit passenden Dekorationen ausgestaltet wurde. Sie wird nach der Wiedervereinigung unter dem traditionellen Namen weitergeführt.

LiteraturBearbeiten

  • Berliner Architekturwelt, 12. Jahrgang 1909/1910, Heft 6 (September 1909), S. 228–233. (Fassaden, Innenräume und Grundrisse des fertiggestellten Gebäudes)

WeblinksBearbeiten

 Commons: Marinehaus Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Am Köllnischen Park. In: Berliner Adreßbuch, 1910, Teil 3, S. 411.
  2. a b Neues Konzept für das Marinehaus kommt aus Kopenhagen. In: Der Tagesspiegel, 17. November 2018
  3. Millionen für das Marinehaus. Erweiterung des Stadtmuseums. In: Berliner Zeitung, 18. Oktober 2007
  4. Entscheidung des Architektenwettbewerbs zur Erweiterung des Berliner Stadtmuseums auf stadtentwicklung.berlin.de
  5. Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet. Website des Stadtmuseum Berlin
  6. Das Marinehaus. Website des Stadtmuseum Berlin
  7. Sens, A. In: Berliner Adreßbuch, 1935, II, S. 223.