Marihuana

Blüten der weiblichen Hanfpflanze

Marihuana (umgangssprachlich auch Gras, Weed, Pot, Ganja oder Mary Jane) bezeichnet die getrockneten, harzhaltigen Blüten und die blütennahen, kleinen Blätter der weiblichen Hanfpflanze (Cannabis).[1][2]

Marihuana
In voller Blüte geerntete weibliche Hanfpflanzen (zum Trocknen aufgehängt)

Marihuana und Haschisch sind beides Cannabisprodukte; Haschisch besteht jedoch meist aus dem gepressten Harz der weiterverarbeiteten Pflanzenteile.

Verwendung

Marihuana wird sowohl als Rauschmittel wie auch als Arzneimittel genutzt. Es wird meist nach unvollständiger Verbrennung geraucht oder nach Verdampfung inhaliert, seltener wird es auch oral aufgenommen (z. B. mit Lebensmitteln).[3]

THC-Gehalt

Die berauschende Wirkung von Marihuana ist hauptsächlich auf den psychoaktiven Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) zurückzuführen. Der THC-Gehalt kann stark variieren: Für 2015 gab die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD), basierend auf nationalen Durchschnittswerten, einen THC-Wirkstoffgehalt in Marihuana von 3 % als Mindestwert, von 22 % als Höchstwert und einen Quartilabstand von 7 bis 11 % an.[4]

Ein Wirkstoffgehalt von bis über 30 % ist mit bestimmten Cannabissorten unter optimalen Bedingungen möglich. Aktuell bietet medizinisches Cannabis in Deutschland je nach Sorte THC-Werte zwischen unter 1 und bis zu 22 %. Der CBD-Gehalt liegt bei offiziellem medizinischem Cannabis in Deutschland zwischen unter 0,05 und 10,2 %.[5]

Zum Begriff

Im Gesetzestext des Betäubungsmittelgesetzes ist der Name Marihuana als Trivialname für die gesamte Pflanze verankert. Es heißt dort: Cannabis (Marihuana, Pflanzen und Pflanzenteile der zur Gattung Cannabis gehörenden Pflanzen).[6] Der Name Marihuana kam ursprünglich aus den USA nach Deutschland und spielte dort bei dem Verbot der Cannabispflanze eine wichtige Rolle.

Das Wort marihuana, teilweise auch mariguana geschrieben, stammt aus dem mexikanischen Spanisch. Die weitere Herleitung ist ungewiss, möglicherweise stammt das Wort aus einer Indianersprache. Die häufig kolportierte Herleitung vom spanischen Vornamen María Juana („Mary Jane“) ist eine irrige Volksetymologie, die nach der Entlehnung des Wortes ins Englische wohl in den USA aufkam. So erklärt sich auch die Schreibvariante marijuana, die erst im englischen Sprachraum entstand und im Spanischen nur selten anzutreffen ist.[7] Marihuana wird im Englischen Sprachraum auch als „Mary Jane“ bezeichnet.[8]

Gras ist eine der geläufigsten umgangssprachlichen Bezeichnungen für Marihuana. Weed ist ein auch in deutschsprachigen Ländern benutzter Begriff.

In Jamaika und der restlichen Karibik wird Marihuana nach der aus der Sprache Sanskrit stammenden Bezeichnung für Hanf auf Hindi und Urdu[9] auch als Ganja bezeichnet.[10]

Sinsemilla (span. sin semilla: ‚ohne Samen‘) – abgewandelt, vor allem im jamaikanischen Sprachraum, auch Sensimilla – besteht ausschließlich aus weiblichen, unbestäubten Blütenständen, die keine Samen enthalten. Sinsemilla gewinnt man, indem die männlichen Pflanzen entfernt werden, sobald das Geschlecht erkennbar ist, sodass die weiblichen Pflanzen nicht bestäubt werden.

Hasch, Haschisch, Marihuana und Cannabis werden auch fälschlicherweise synonym verwendet. Cannabis ist der lateinische Name der Gattung Hanf.

Rechtliche Situation

 
Die weltweit rechtliche Situation von medizinischem Cannabis · Stand: Mai 2021
  • legal (verschreibungspflichtig)
  • legal auch für den Freizeitgebrauch
  • Der Besitz, Handel und Konsum von Marihuana und anderen Cannabisprodukten wie Haschisch und Haschischöl ist in den meisten Ländern verboten. Allerdings werden in Deutschland Strafverfahren, wegen des Erwerbs von geringen Mengen, die für den offenkundigen Eigenbedarf sind, in der Regel auf Grund eines 1994 gefällten Urteils des Bundesverfassungsgerichts von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Nach jahrelanger uneinheitlicher Definition der zulässigen Höchstmenge zwischen 6 und 15 Gramm in den einzelnen Bundesländern beschlossen die Justizminister der deutschen Bundesländer im Juni 2018, eine einheitliche Obergrenze für den Eigenbedarf an Cannabis festzulegen. Beim Besitz von bis zu sechs Gramm können Strafverfahren eingestellt werden.[11]

    Die Ampelkoalition, die sich nach der Bundestagswahl 2021 in Deutschland gebildet hat, hat in ihrem am 24. November 2021 veröffentlichten Koalitionsvertrag festgelegt, dass die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften legalisiert werden soll.[12] Am 26. Oktober 2022 einigte sich das Bundeskabinett auf Eckpunkte der geplanten Legalisierung. Die Obergrenze für den legalen Besitz von Cannabis soll danach bei 20 bis 30 Gramm liegen. Eine Obergrenze für den Gehalt an Tetrahydrocannabinol soll es nicht geben – lediglich für Personen unter 21 Jahren wird erwogen, Cannabis nur bis zu einer bestimmten Obergrenze an Tetrahydrocannabinol abzugeben. Der Eigenanbau von bis zu drei weiblichen Cannabispflanzen pro Person soll erlaubt werden. Der Verkauf soll in lizenzierten Fachgeschäften und eventuell Apotheken ermöglicht werden. Werbung für Cannabisprodukte wird untersagt. Neben der obligatorischen Umsatzsteuer auf Verkäufe ist eine gesonderte Cannabissteuer geplant, die sich nach dem THC-Gehalt richtet.[13]

    Das Parlament Maltas hat als erstes EU-Land am 14. Dezember 2021 die teilweise Legalisierung von Cannabis beschlossen. Das Gesetz trat am 18. Dezember 2021 mit der Unterschrift des maltesischen Präsidenten George Vella in Kraft.[14] Dadurch wird für Erwachsene unter anderem das Mitführen von bis zu sieben Gramm Cannabis und der begrenzte Anbau legalisiert. Die Abgabe von Cannabis soll über Vereine (Cannabis Associations) zum gemeinsamen Cannabisanbau erfolgen. Der Konsum in der Öffentlichkeit bleibt verboten.[15]

    Uruguay beschloss 2013 als erstes Land der Welt die vollständige Legalisierung von Cannabis. Start des regulären Cannabishandels war jedoch erst der 1. Juli 2017.[16]

    Kanada beschloss am 19. Juni 2018 die Freigabe von Cannabis. Seit dem 17. Oktober 2018 dürfen THC-haltige Produkte in Kanada in kleinen Mengen legal angebaut, konsumiert und verkauft werden.[17]

    Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass auch die Niederlande Cannabis völlig legalisiert hätten. Legal ist nur der Besitz von bis zu fünf Gramm Cannabis sowie der Verkauf nach engen Regeln an private Abnehmer durch Coffeeshops.[18]

    In den Vereinigten Staaten von Amerika haben inzwischen 21 Bundesstaaten sowie der Regierungssitz Washington, D.C. Cannabis zum Freizeitgebrauch komplett legalisiert.[19][20] Weitere Staaten haben den privaten Gebrauch dekriminalisiert. Außerdem haben 37 der 50 US-Bundesstaaten und Washington, D. C. Cannabis als Medikament erlaubt.[20] Die legalen Cannabisverkäufe in der USA beliefen sich nach einer Untersuchung der amerikanischen Cannabis-Webseite Leafly im Jahr 2020 auf insgesamt 20 Milliarden Dollar und die legale Marihuana-Industrie beschäftigt inzwischen (2021) fast 430.000 Menschen.[20]

    Auch in vielen anderen Staaten ist Cannabis mittlerweile für medizinische Zwecke zugelassen (siehe Weltkarte).

    In Mexiko wurde der Anbau von Cannabis 2021 durch das Verfassungsgericht freigegeben – eine Regelung durch den Gesetzgeber steht jedoch noch aus.[21]

    In Südafrika wurde der Anbau von Cannabis und der Konsum außerhalb der Öffentlichkeit 2018 vom Verfassungsgericht legalisiert.[22]

    In Thailand wurde der Anbau und Besitz von Marihuana am 9. Juni 2022 entkriminalisiert. Das Rauchen von Marihuana der Öffentlichkeit wird jedoch immer noch als Belästigung angesehen und kann mit einer dreimonatigen Haftstrafe sowie einer Geldstrafe von umgerechnet rund 675 Euro geahndet werden.[23] Nach Presseberichten eröffneten zahlreiche Läden, die Marihuana verkaufen.[24] Der Verkauf an Personen unter 20 Jahren, Schwangere und stillende Mütter wurde untersagt.[25]

    Schadstoffe

    Zur Bestimmung von Schadstoffen im Marihuana eignen sich chromatographische Verfahren, wie z. B. die Kopplung der Gaschromatographie mit der Massenspektrometrie.[26]

    Weblinks

    Commons: Marihuana – Bilder und Mediendateien
    Wiktionary: Marihuana – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

    Einzelnachweise

    1. A. Thierbach: Lexikon der Notfallmedizin. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-56305-8, S. 287.
    2. Dudenredaktion: Duden - Wörterbuch medizinischer Fachbegriffe. Bibliographisches Institut GmbH, 2014, ISBN 978-3-411-90267-5, S. 484 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
    3. Hans-Dieter Klimm: Allgemeinmedizin. Georg Thieme Verlag, 2004, ISBN 3-13-155424-X, S. 86.
    4. Europäischer Drogenbericht 2017. (PDF) Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, S. 21, abgerufen am 12. November 2017.
    5. Avoxa Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH: Cannabis als Medizin: Was kommt auf die Apotheken zu? In: Pharmazeutische Zeitung online. Abgerufen am 12. November 2017.
    6. Anlage I BtMG - (zu § 1 Abs. 1) „nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel“ und Gesetzesbeschluss des Deutschen Bundestages – Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften Bundesrat Drucksache 21/17 20. Januar 2017, Abruf 17. Februar 2017.
    7. Dudenredaktion: Das Herkunftswörterbuch: Etymologie der deutschen Sprache. Bibliographisches Institut, 2015, ISBN 978-3-411-90539-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
    8. Vgl. auch den Refrain in Sugar Man von Sixto Rodríguez: „Silver magic ships you carry Jumpers, coke, sweet Mary Jane“.
    9. ganja. In: merriam-webster.com. Merriam-Webster, abgerufen am 16. November 2013 (englisch).
    10. Report of the National Commission on Ganja (Jamaika). In: cannabislegal.de. Verein für Drogenpolitik, abgerufen am 4. August 2016 (englisch).
    11. Einheitliche Cannabis-Obergrenze – nicht mit Berlin. In: Der Tagesspiegel. 7. Juni 2018, abgerufen am 10. April 2022.
    12. Martin Nefzger: Cannabis-Legalisierung: Die Pläne im Ampel-Koalitionsvertrag. Berliner Morgenpost, 24. November 2021, abgerufen am 24. November 2021 (deutsch).
    13. Cannabis-Legalisierung: Lauterbach präsentiert Details. Süddeutsche Zeitung, 26. Oktober 2022, abgerufen am 26. Oktober 2022.
    14. Kyle Jaeger: Malta Officially Legalizes Marijuana With President’s Signature, Becoming First In Europe To End Cannabis Prohibition. In: Marijuana Moment. 18. Dezember 2021, abgerufen am 19. Dezember 2021 (amerikanisches Englisch).
    15. Through the smoke: What you need to know about new cannabis rules. Times of Malta, 14. Dezember 2021, abgerufen am 15. Dezember 2021 (britisches Englisch).
    16. Cannabis in Uruguay: offizieller Verkauf startet endlich am 1. Juli - Highway – Das Cannabismagazin. 7. April 2017, abgerufen am 30. Mai 2017.
    17. Cannabis in Kanada - Was die Legalisierung gebracht hat. Deutschlandfunk Kultur, 24. April 2019, abgerufen am 20. September 2021 (deutsch).
    18. Maximilian Plenert: Ist Cannabis in den Niederlanden legal? In: Deutscher Hanfverband. 6. November 2014 (hanfverband.de [abgerufen am 30. Mai 2017]).
    19. Legal Recreational Marijuana States and DC - Recreational Marijuana - ProCon.org. Abgerufen am 20. Mai 2021 (amerikanisches Englisch).
    20. a b c Cannabis-Legalisierung: Werden die USA zum Kifferparadies? In: t-online. Ströer Media, 9. April 2022, abgerufen am 10. April 2022.
    21. How Mexico Has Legalized But Still Not Regulated Cannabis. In: Filter. 30. Juli 2021, abgerufen am 20. September 2021 (amerikanisches Englisch).
    22. Südafrika legalisiert privaten Anbau und Konsum von Marihuana. ZEIT ONLINE, 18. September 2018, abgerufen am 15. November 2021.
    23. Deutsche Welle (www.dw.com): Thailand legalisiert Anbau und Besitz von Cannabis | DW | 09.06.2022. Abgerufen am 9. Juni 2022 (deutsch).
    24. Here’s where to buy cannabis right now in Bangkok (Weed Map). Coconuts Bangkok, 15. Juni 2022, abgerufen am 20. Juni 2022 (amerikanisches Englisch).
    25. Thailand issues regulations on cannabis, forbidding public smoking and use by minors. In: ABC News. 17. Juni 2022 (net.au [abgerufen am 20. Juni 2022]).
    26. N. Sullivan, S. Elzinga, J. C. Raber: Determination of pesticide residues in cannabis smoke. In: J Toxicol. 12. Mai 2013, S. 378168. PMID 23737769