Cappel (Marburg)

Stadtteil von Marburg
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Cappel ist ein Stadtteil der Universitätsstadt Marburg im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Cappel
Stadt Marburg
Ehemaliges Gemeindewappen von Cappel
Koordinaten: 50° 46′ 40″ N, 8° 46′ 18″ O
Höhe: 209 m ü. NHN
Fläche: 14,85 km²[1]
Einwohner: 6902 (31. Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 465 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35043
Vorwahl: 0 64 21
Karte
Lage von Cappel in Marburg

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Cappel liegt im Süden Marburgs auf der linken Seite der Lahn und am Fuße des Frauenberg-Westhanges. Im Norden geht Cappel in den Stadtteil Richtsberg über, östlich befinden sich die geographisch im Ebsdorfergrund liegenden Dörfer Moischt (Stadt Marburg) und Beltershausen-Frauenberg (Gemeinde Ebsdorfergrund). Südlich von Cappel liegen die Marburger Ortsteile Ronhausen (hinter dem Frauenberg) und Gisselberg (auf der gegenüber liegenden Lahnseite im Westen).

WohngebietBearbeiten

Cappel ist als Vorort bzw. inzwischen als Ortsteil von Marburg seit den frühen 1960er Jahren sehr beliebt, wovon auch die etwas höheren Mietpreise zeugen. Dies erkennt man auch an den diversen zeittypischen Neubaugebieten, die überwiegend mit Einfamilienhäusern bebaut sind.

Cappel verfügt über einen Teich mit einem kleinen Rundweg.

GeschichteBearbeiten

Cappel wurde im Jahr 1138 oder 1139 erstmals in einer Urkunde des Erzbischofs Arnold I. von Köln für Kloster Siegburg erwähnt („de Capela“: zur Kapelle).[3] Im Salbuch (Erbregister) des Amtes Marburg von 1374 ist Cappel neben Ockershausen, Wehrda und Marbach als Hausdorf der Landgrafen von Hessen erwähnt. Dies bedeutet, dass die Einwohner dieser vier dem Marburger Schloss am nächsten gelegenen Dörfer dem Landesherren zu zusätzlichen Hand- und Spanndiensten verpflichtet waren.

Die wappenbildende Steinmühle lässt sich bis ins Jahr 1299 zurückverfolgen.

Die spätgotische Pfarrkirche St. Martin aus dem 14. Jahrhundert wurde 1900 im Kirchenschiff neugotisch erneuert und verbreitert.

Am 1. Juli 1974 wurde die ehemals selbständige Gemeinde im Zuge der Gebietsreform in Hessen zusammen mit Bauerbach, Cyriaxweimar, Dilschhausen, Elnhausen, Ginseldorf, Gisselberg, Haddamshausen, Hermershausen, Marbach, Schröck, Wehrda und Wehrshausen durch Landesgesetz in die Stadt Marburg eingemeindet.[4] Die am 31. Dezember 1971 nach Cappel eingegliederten Ortsteile Bortshausen, Moischt und Ronhausen wurden ebenfalls eigene Stadtteile.[5] Die Gemeinde Cappel hatte zu diesem Zeitpunkt einschließlich der am 31. Dezember 1971 eingemeindeten Orte Bortshausen, Moischt und Ronhausen 6822 Einwohner. Ortsvorsteher ist Peter Hesse (SPD).[6]

Im Juli 2015 wurde auf einem Sportplatz in Cappel eine Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen für Geflüchtete errichtet. Nachdem die ursprünglichen Zelte durch Holzhäuser ersetzt wurden, wurde die Flüchtlingsunterkunft am 20./21. September 2016 geschlossen. Es dient künftig als Jugendausbildungszentrum der Landesfeuerwehrschule.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Cappel lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[7][8]

Gerichte seit 1821Bearbeiten

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Kreisen übernommen. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Cappel zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[13]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Marburg. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[14] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[15]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[7]

• 1577: 23 hausgesessene Mannschaften
• 1630: 21 Mannschaften (3 vierspännige, 2 dreispännige, 1 zweispännige, 1 einspännige Ackerleute, 9 Einläuftige)
• 1681: 22 hausgesessene Mannschaften
• 1744: 44 Haushalte
• 1838: 636 Einwohner (Familien: 56 nutzungsberechtigte, 47 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 12 Beisassen).
Cappel: Einwohnerzahlen von 1748 bis 2015
Jahr  Einwohner
1748
  
213
1800
  
?
1834
  
593
1840
  
648
1846
  
706
1852
  
797
1858
  
761
1864
  
775
1871
  
764
1875
  
772
1885
  
810
1895
  
789
1905
  
865
1910
  
1.010
1925
  
1.195
1939
  
1.602
1946
  
2.275
1950
  
2.450
1956
  
2.759
1961
  
3.543
1967
  
5.176
1987
  
5.974
1991
  
6.538
1993
  
6.588
1995
  
6.538
2000
  
6.600
2005
  
6.619
2007
  
6.897
2010
  
7.057
2011
  
6.686
2015
  
7.142
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [7]; 1987–1998[16], 1999–2003[17]; 2005–2010[18]; Zensus 2011: 2011–2015[2]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[7]

• 1861: 0617 evangelisch-lutherische, 156 evangelisch-reformierte, ein römisch-katholischer Einwohner
• 1885: 0802 evangelische (= 99,50 %), ein katholischer (= 0,12 %), 3 andere Christen (= 0,37 %)
• 1961: 2987 evangelische (= 84,31 %), 433 römisch-katholische (= 12,22 %) Einwohner
• 1987: 4075 evangelische (= 68,2 %), 901 katholische (= 15,1 %) Einwohner[16]

ErwerbstätigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[7]

• 1748: Erwerbspersonen: 1 Tuch- und Wollhändler, 2 Schmiede, 3 Schneider, 1 Bender, 9 zünftige Leineweber, 2 Wagner, 1 Glashändler, 1 Wirt, 1 Branntweinbrenner, 13 Tagelöhner.
• 1838: Familien: 50 Ackerbau, 13 Gewerbe, 46 Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 91 Land- und Forstwirtschaft, 520 Produzierendes Gewerbe, 322 Handel und Verkehr, 460 Dienstleistungen und Sonstiges.

WappenBearbeiten

Das Cappeler Wappen zeigt ein gelbes Mühlrad auf blauem Grund und geht auf die Steinmühle an einem Seitenarm der Lahn im Süden Cappels zurück. Das Wappen wurde 1962 verliehen.[19]

KulturdenkmälerBearbeiten

 
St. Martin
 
Kreisverwaltung

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Cappel.

InfrastrukturBearbeiten

BildungBearbeiten

Cappel hat zwei Schulen:

VerwaltungBearbeiten

Ansässige UnternehmenBearbeiten

  • Im Norden von Cappel befinden sich mehrere größere Einkaufszentren (u. a. Tegut, Lidl, Aldi, DM und Heimtex)
  • Im Industriegebiet Süd befinden sich unter anderen BMW, Ford, eine Autowaschanlage, ein Getränkegroßmarkt und ein Ärztehaus.

SportBearbeiten

  • Am Köppel in Cappel befindet sich ein Fußballstadion, wo regelmäßig der FSV Cappel seine Spiele austrägt

VerkehrBearbeiten

Nach oder durch Cappel fahren die Stadtbuslinien 2, 3, 12, 13 der Stadtwerke Marburg, die Regionalbuslinien MR-81 und MR-86, sowie freitag- und samstagnachts der N8-Express.

Von 1905 bis 1956 wurde der Haltepunkt Cappel an der Bahnstrecke Marburg Süd–Dreihausen im Personenverkehr bedient.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Zwischen 1879 und 1884 hat der Maler Otto Piltz (1846–1910) viele Motive in Cappel gefunden.
  • Konrad Elmshäuser (1906–1992), Abgeordneter des Provinziallandtages der preußischen Provinz Hessen-Nassau

WeblinksBearbeiten

Commons: Cappel (Marburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Marburger zahlen von 2009-2010 auf der Website der Stadt Marburg (pdf; S. 4)
  2. a b Einwohnerzahlen von 2011 bis 2016. (PDF;  46 kB) In: Webauftritt. Stadt Marburg, S. 4 ff., abgerufen im Januar 2019.
  3. Urkunde mit Erstbeleg von Cappel. Erzbischof Albert I. von Köln für Kloster Siegburg
  4. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 1 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 387.
  6. Ortsbeirat Cappel. In: Internetauftritt. Stadt Marburg, abgerufen im Oktober 2018.
  7. a b c d e Cappel, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 21. November 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  8. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 370 (online bei HathiTrust’s digital library).
  10. Die Zugehörigkeit des Amtes Marburg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  11. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 100 (online bei Google Books).
  12. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  13. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  14. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  15. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  16. a b Einwohnerzahlen von 1995 bis 1998. (PDF;  3,7  MB) In: Webauftritt. Stadt Marburg, S. 9 ff., abgerufen im Januar 2019.
  17. Einwohnerzahlen von 1999 bis 2003. (PDF;  7,75  MB) In: Webauftritt. Stadt Marburg, S. 8 ff., abgerufen im Januar 2019.
  18. Einwohnerzahlen von 2005 bis 2010. (PDF;  1,13  MB) In: Webauftritt. Stadt Marburg, S. 10 ff., abgerufen im Januar 2019.
  19. Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Cappel im Landkreis Marburg (Punkt 1154) vom 9. Oktober 1962. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1962 Nr. 42, S. 1410 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,1 MB]).