Liliane Weissberg

deutsch-amerikanische Literaturwissenschaftlerin

Liliane Weissberg (* 1953 in Wien) ist eine amerikanische Literaturwissenschaftlerin. Ihre Forschungsinteressen richten sich vornehmlich auf die Wiederentdeckung einer deutsch-jüdischen literarischen und kulturellen Tradition vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert, aber auch die Aufklärung und die europäische und amerikanische Romantik. Sie arbeitete über Edgar Allan Poe, Walter Benjamin, Sigmund Freud, Hannah Arendt und Schriftstellerinnen des frühen 19. Jahrhunderts, wie Henriette Herz, Dorothea Schlegel und Rahel Varnhagen.[1]

Leben und WerkBearbeiten

Liliane Weissberg studierte Komparatistik und Philosophie in Berlin und Harvard. 1984 wurde sie an der Harvard University mit einer Dissertation über das Thema der Allegorie bei Edgar Allan Poe zum Doctor of Philosophy promoviert.[2] Sie lehrte von 1983 bis 1989 an der Johns Hopkins University und wechselte anschließend an die University of Pennsylvania, wo sie seitdem als Christopher H. Browne Distinguished Professor in Arts and Sciences deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft unterrichtet.[3]

Liliane Weissberg lehrte als Gastprofessorin an den Universitäten Hamburg und Potsdam, der Ruhr-Universität Bochum, der Humboldt-Universität Berlin, der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und der Princeton University. 2001 lehrte sie als Ernst Cassirer Gastprofessorin erneut in Hamburg, 2007 als Kurt-David-Brühl-Gastprofessorin für Jüdische Studien am Centrum für Jüdische Studien in Graz. 2009 war sie Gastprofessorin für interdisziplinäre Holocaustforschung am Fritz Bauer Institut der Universität Frankfurt,[4] 2010, 2013 und 2018 Fellow am Center for Advanced Studies der LMU München[5] und hatte 2011 eine Fulbright-Gastprofessur am Sigmund Freud Museum in Wien inne.[6] 2012 übergab die Universität Kassel die Franz-Rosenzweig-Gastprofessur an Liliane Weissberg.[7] 2013 lehrte sie als Gastprofessorin an der ETH Zürich, 2014 an der Universität Stuttgart und 2016 an der RWTH Aachen und der Universität Innsbruck. 2019 war sie Humboldt Fellow am Dubnow Institut der Universität Leipzig.

Sie kuratierte in den USA und in Deutschland mehrere Ausstellungen, darunter für die Slought Gallery in Philadelphia, das Jüdische Museum Frankfurt[8], das Deutsche Literaturarchiv Marbach[9] und sie ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Historischen Museums.

Für ihre Forschung und Lehrtätigkeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem amerikanischen Preis der John Simon Guggenheim Memorial Foundation, dem deutschen Humboldt-Forschungspreis[10] und dem Lindback Award for Distinguished Teaching der University of Pennsylvania.[11] 2020 war sie Anna-Maria Kellen Fellow an der American Academy in Berlin.

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

Einzelwerke

  • Geistersprache. Philosophischer und literarischer Diskurs im späten achtzehnten Jahrhundert. Königshausen & Neumann, Würzburg 1990, ISBN 3-88479-480-9.
  • Edgar Allan Poe (= Sammlung Metzler, Band 204). Metzler, Stuttgart 1991, ISBN 3-476-10204-1.
  • Hannah Arendt, Charlie Chaplin und die verborgene jüdische Tradition (= Vorlesungen des Centrums für Jüdische Studien, Band 1). Leykam, Graz 2009, ISBN 978-3-7011-0165-8.
  • Über Haschisch und Kabbala. Gershom Scholem, Siegfried Unseld und das Werk von Walter Benjamin (= Marbacher Magazin, 140). Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 2012, ISBN 978-3-937384-94-8.
  • Münzen, Hände, Noten, Finger: Berliner Hofjuden und die Erfindung einer deutschen Musikkultur (= Vorlesungen des Centrums für Jüdische Studien Graz 12). Graz: Clio Verlag, 2018, ISBN 978-3902542717.

Editionen

  • Weiblichkeit als Maskerade. Fischer, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-596-11850-6.
  • Hannah Arendt: Rahel Varnhagen. The Life of a Jewess. The Johns Hopkins University Press, 2000, ISBN 0-8018-6335-X.
  • mit J. Gerald Kennedy: Romancing the Shadow. Poe and Race. Oxford University Press, 2001, ISBN 0-19-513710-8.[12]
  • Affinität wider Willen? Hannah Arendt, Theodor W. Adorno und die Frankfurter Schule (= Jahrbuch zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, 2011). Campus Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-593-39490-9.
  • mit Fritz Backhaus und Raphael Gross: Juden. Geld. Eine Vorstellung. Campus Verlag, Frankfurt/ New York 2013, ISBN 978-3593399232.
  • mit Karen Beckman: On Writing with Photography. University of Minnesota Press, 2013, ISBN 978-0-8166-7729-0.
  • mit Andreas Kilcher, Nachträglich, grundlegend: Der Kommentar als Denkform in der jüdischen Moderne von Hermann Cohen bis Jacques Derrida, 2018, ISBN 978-3835333697.

Artikel und Buchbeiträge (Auswahl)

  • „Der Jude als Paria: Stationen in der Geschichte einer Idee im Diskurs der Assimilation“. In: Was war das deutsche Judentum? hrg.v. Christina von Braun (ser.) Europäisch-jüdische Studien: Beiträge 24 (Oldenbourg: DeGruyter, 2015), 117-133.
  • „Rückkehr im Widerstand“. In: Rückkehr in Feindesland? Fritz Bauer in der deutsch-jüdischen Nachkriegsgeschichte, hrg. v. Katharine Rauschenberger, Jahrbuch des Fritz Bauer-Instituts 2013 (Frankfurt/M.: Campus Verlag, 2013), 15-37.
  • „Sehnsucht nach Goethe. Sigmund Freud und der Sommer 1931“. In: Deutsche Sprachkultur von Juden und die Geisteswissenschaften, hrg.v. Stephan Braese und Daniel Weidner (Berlin: Kadmos Verlag, 2015), 201-214.
  • „Das Unbewußte der Bundesrepublik: Alexander Mitscherlich popularisiert die Psychoanalyse“. Zeitschrift für Geistes- und Ideengeschichte V, 3 (2011): 45-64.
  • „Karl Löwiths Weltreise.“ „Ich staune, dass Sie in dieser Luft atmen können“. In: Jüdische Intellektuelle in Deutschland nach 1945, hrg.v. Monika Boll und Raphael Gross (Frankfurt/M.: Fischer Verlag, 2013), 126-170.
  • "Postcards from the Avant-Garde". MLN 132. Special Issue: Else Lasker-Schüler and the Avantgarde (2017): 575-601.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Franz-Rosenzweig-Professur geht an Prof. Dr. Liliane Weissberg, Universität Kassel (Memento des Originals vom 4. Juli 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www1.uni-kassel.de
  2. Liliane Weissberg: The heart of the letter. Allegory in Edgar Allan Poe, Thesis (Ph. D.), Harvard University, 1984.
  3. Liliane Weissberg an der University of Pennsylvania
  4. Prof. Dr. Liliane Weissberg, Gastprofessur zur Erforschung des Holocaustund der deutsch-jüdischen Geschichte, Website des Fritz Bauer Instituts
  5. Vortrag von Prof. Liliane Weissberg, Ph.D. - "Ariadnes Faden: Sigmund Freud, die Textilindustrie und die Erfindung der Psychoanalyse", LMU München 7. Juli 2009
  6. Fulbright-Freud Visiting Lecturer of Psychoanalysis (Memento des Originals vom 15. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.freud-museum.at
  7. Antrittsvorlesung zum Thema „Franz Rosenzweig und das Freie Jüdische Lehrhaus“ am 25. April 2012, als Tondokument abrufbar vom Hochschulschriftenserver KOBRA
  8. Juden. Geld. Eine Vorstellung (2013)
  9. Über Haschisch und Kabbala. Gershom Sholem, Siegfried Unseld und das Werk von Walter Benjamin (2012)
  10. Humboldt-Forschungspreis für Liliane Weissberg (University of Pennsylvania) (Memento des Originals vom 15. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.uni-stuttgart.de
  11. Selected Awards and Honors to Penn Faculty: Christian R. and Mary F. Lindback Awards for Distinguished Teaching
  12. Review