Walter Benjamin

deutscher Schriftsteller, Kritiker und Philosoph

Walter Bendix Schoenflies Benjamin (* 15. Juli 1892 in Charlottenburg; † 26. September 1940 in Portbou, Spanien) war ein deutscher Philosoph, Kulturkritiker und Übersetzer der Werke von Honoré de Balzac, Charles Baudelaire und Marcel Proust. Als undogmatisch positionierter Denker wird er durch die enge Freundschaft zu Theodor W. Adorno zum assoziierten Wirkungskreis der Frankfurter Schule gerechnet. Ebenso prägend für sein Denken und Schreiben erwies sich die Freundschaft und Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht.

Walter Benjamin, 1928

LebenBearbeiten

Walter Benjamin wurde als Sohn des Antiquitäten- und Kunsthändlers Emil Benjamin (1856–1926) und dessen Frau Pauline (1869–1930) (geborene Schoenflies) in Charlottenburg geboren. Seine Familie gehörte dem assimilierten Judentum an. Walter Benjamin war der Älteste von drei Geschwistern, Dora (1901–1946) und Georg Benjamin (1895–1942) und damit Schwager von Hilde Benjamin, zudem Cousin von Gertrud Kolmar und Günther Anders (→ Familien Schoenflies und Hirschfeld). Benjamins Onkel William Stern war ein bekannter deutscher Kinderpsychologe, der das Konzept des Intelligenzquotienten (IQ) entwickelte. Seine Kindheit, deren Erinnerungen in der Berliner Kindheit um neunzehnhundert festgehalten sind, verbrachte Benjamin überwiegend in Berlin. Das Wohnhaus der Familie, Delbrückstraße 23 in Berlin-Grunewald, ist heute nicht mehr erhalten.[1][2]

 
Walter Benjamin (rechts) mit seinen Eltern Emil und Pauline Benjamin und Bruder Georg, 1896

SchulzeitBearbeiten

In den Jahren 1905 bis 1907 besuchte Benjamin die Hermann-Lietz-Schule Haubinda, ein reformpädagogisches Internat in Thüringen. Dort lernte er neben Martin Luserke[3] den Lehrer Gustav Wyneken kennen, der ihn tief beeindruckte und zu einem Engagement in der Jugendbewegung veranlasste. In der Folge arbeitete er neben Siegfried Bernfeld, Georg Gretor (Pseudonym Georges Barbizon), Otto Gründler, Erich Krems, den Brüdern Hans und Peter Kollwitz sowie Wyneken an der ebenso legendären wie berüchtigten Jugendzeitschrift Der Anfang mit.[4] Diese wurde in Bayern an allen Schulen verboten.[5] Wynekens These, dass eine neue Jugend einem revolutionären kulturellen Wandel den Weg bereiten müsse, wurde zum Hauptthema aller Veröffentlichungen des Studenten Benjamin.[6] 1912 legte er am Kaiser-Friedrich-Gymnasium in Charlottenburg das Abitur ab.[7]

Studium und JugendbewegungBearbeiten

Benjamins Studium ist, auch kriegsbedingt, von Diskontinuität gekennzeichnet. Er studierte in Freiburg und Berlin (1912–1915), München (1915–1917) und Bern (1917–1919). Bis zum Kriegsausbruch widmete er einen Großteil seiner Zeit der Organisierung von Studentengruppen auf der Grundlage von Wynekens Schriften, die eine unabhängige Jugendkultur im Hochschulbereich propagierten.[8]

Er begann das Studium der Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität im Sommersemester 1912 in Freiburg im Breisgau. Philosophie hörte er bei dem Neukantianer Heinrich Rickert.In Freiburg schloss er Freundschaft mit den expressionistischen Dichtern Philipp Keller und Christoph Friedrich Heinle. Im Wintersemester 1912/13 setzten Benjamin und Heinle ihre Studien in Berlin fort. Aber im Sommersemester 1913 kehrte Benjamin nach Freiburg zurück, zu seinem Dichterfreund Philipp Keller. Nach Wynekens Wunsch sollte er dort die Abteilung für Schulreform unter seine Kontrolle bringen, die im Wintersemester 1911/12 nach einem Aufruf Wynekens im Rahmen der Freideutschen Bewegung gegründet worden war.[9] Sie hatte sich unterdessen in einen literarischen Zirkel von sieben bis neun Studenten unter der „despotischen“ Leitung von Philipp Keller entwickelt. Benjamins persönliche Beziehung zu Keller kühlte sich ab, wenngleich er dessen expressionistische Schriften unverändert wertschätzte.[10] Im Wintersemester 1913/14 studierte er wieder in Berlin und ließ sich zum Präsidenten der Berliner Freien Studentenschaft wählen[11] Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs löste der Suizid Heinles am 8. August 1914 tiefe Bestürzung bei Benjamin aus. Er widmete dem verstorbenen Freund 30 Sonette und bemühte sich vergeblich, für dessen hinterlassenes Werk einen Verleger zu finden.[12]

Benjamin gehörte zusammen mit Hans Blüher, Ernst Joël, Fritz Klatt, Erich Krems, den Brüdern Hans und Walter Koch, Hans Kollwitz, Alfred Kurella und Alexander Rüstow dem so genannten Westender Kreis an,[13] der den linken Flügel der bürgerlichen Jugendbewegung zusammenführte.[14] Klatt war wahrscheinlich der geistige und publizistische Motor dieses Bundes.[13]

Bruch mit Wyneken, Freundschaft mit ScholemBearbeiten

Der Kriegsausbruch beendete jegliche Mitarbeit in der Jugendbewegung und führe zu einem endgültigen Bruch mit dem kriegsbegeisterten Wyneken. Im November hatte Wyneken in München in einem Vortrag, „Der Krieg und die Jugend“, die männliche Jugend aufgerufen, sich freiwillig zur Verteidigung des Vaterlandes zu melden.[15] In seinem letzten Berliner Seminar, im Sommer 1915 lernte den sechs Jahre jüngeren Mathematik- und Philosophiestudenten Gershom Scholem kennen. Der Pazifist, Sozialist und engagierte Zionist Scholem wurde einer seiner engsten Freunde und beständigsten Briefpartner.[16] Scholem gegenüber äußerte Benjamin, dass er vollständig auf dem Standpunkt des radikalen Kriegsgegners Karl Liebknecht stünde.[17]

Heirat und StudienabschlussBearbeiten

1917 heiratete Benjamin Dora Sophie Kellner, geschiedene Pollak (1890–1964), eine aus Wien stammende Studentin der Philosophie und Chemie, Tochter des Anglisten Leon Kellner (1859–1928) und dessen Ehefrau, der Schriftstellerin und Übersetzerin Anna Kellner geborene Weiß (1862–1941).[18] Die Ehe hielt 13 Jahre und brachte den gemeinsamen Sohn Stefan Rafael (11. April 1918 bis 6. Februar 1972) hervor. Noch im Jahr der Eheschließung (auch, um einer drohenden Einberufung zum Militär zu entgehen) wechselte Benjamin in die Schweiz, wo er sich nach Sommeraufenthalten in St. Moritz und Zürich in Bern niederließ. Dort pflegte er freundschaftlichen Umgang mit Ernst Bloch, der sich, wie andere Intellektuelle (Hermann Hesse, Hugo Ball) ebenfalls dem kriegsführenden Deutschland entzogen hatte. In den nächsten zwei Jahren widmete er sich intensiv seiner Dissertation mit dem Titel Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik. Als deren Doktorvater fungierte der Philosoph Richard Herbertz. Am 27. Juni 1919 verteidigte er seine Doktorthese und bestand mit der Bestnote summa cum laude.[19] Nach den Plänen seines Vaters sollte er nach Abschluss des Studiums einen bürgerlichen Beruf ergreifen. Benjamin wollte hingegen sein Leben als Privatgelehrter fortsetzen und erwartete die weitere finanzielle Unterstützung seines Vaters so lange dies eben nötig sei.[20] Im März 1920 sah er sich gezwungen, mit der Familie nach Berlin in die elterliche Villa zurückzukehren, weil der Vater die akademischen Ambitionen seines Sohnes nur unter der Bedingung weiter unterstützen wollte, wenn die junge Familie mit im Elternhaus wohnen würde.[21] Möglicherweise waren es auch, worauf Bernd Witte verweist, die durch die Inflation beeinträchtigten Vermögensverhältnisse des Vaters, die eine Unterstützung außerhalb des Elternhauses nicht mehr zuließen.[22] Nach ständigen Auseinandersetzungen kam es zu einem vollständigen Zerwürfnis mit den Eltern, die dazu führten, dass er mit Frau und Kind im Mai 1920 eine Wohnung im Haus des befreundeten Schriftstellers Erich Gutkind am Stadtrand in Berlin-Grünau bezog.[23] Im Dezember gaben sie stillschweigend klein bei und kehrten ins elterliche Domizil zurück.[24]

 
Angelus Novus von Paul Klee (1920)

Freier Schriftsteller in BerlinBearbeiten

Wieder zurück in Berlin, arbeitete Benjamin als freier Schriftsteller und Publizist unter zunehmend prekärer werdenden privaten Lebensumständen. Seine Suche nach einem Weg, ein ausreichendes Einkommen für sich und seine Familie zu verdienen und gleichzeitig genügend Zeit für sein Schreiben zu haben, war von beruflichen Misserfolgen und persönlichen Schwierigkeiten überschattet.[25] Zwar sicherte der Verdienst seiner Frau jahrelang den Familienunterhalt zunächst als Übersetzerin, dann als Journalistin und Redakteurin für den Rundfunk und für verschiedene Ullstein-Blätter. Doch die ehelichen Beziehungen gestalteten sich äußerst konfliktreich mit beiderseitigen Liebesaffären außerhalb der Ehe: Benjamin verliebte sich in die Bildhauerin Jula Cohn, seine Frau ging mit Benjamins Freund, dem Komponisten Ernst Schoen, ein Liebesverhältnis ein. Ab Frühjahr 1921 führten sie getrennte Leben.[26] Zum endgültigen Bruch führte schließlich Benjamins Liaison mit der lettischen Schauspielerin Asja Lācis,[27] die er während seines Sommeraufenthalts 1924 auf Capri kennengelernt hatte und in einem Brief an Scholem als „russische Revolutionärin aus Riga“ bezeichnete.[28] Nach einem erbitterten Scheidungskrieg im April 1930 wurden die beiden Geschiedenen bald wieder Freunde und blieben bis zum Lebensende von Benjamin in intensiver Korrespondenz, die größtenteils unveröffentlicht ist.

In den frühen 1920er Jahren verfasste er die philosophische Schrift Zur Kritik der Gewalt (erschienen 1921 im Archiv für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik), die verschiedene Gewaltformen – rechtsetzende und rechtserhaltende, rechte und gerechte (‚göttliche‘) Gewalt – diskutiert; zudem übersetzte er Baudelaire-Gedichte, die 1923 als zweisprachige Ausgabe (Charles Baudelaire, Tableaux Parisiens) im Heidelberger Verlag von Richard Weißbach mit seinem selbstbewussten Aufsatz Die Aufgabe des Übersetzers erschienen. Auch begann er mit der Niederschrift des großen Essays über Goethes Wahlverwandtschaften, „eines der einflussreichsten und schwierigsten Werke Benjamins“[29] (erschienen 1924/25 in: Neue Deutsche Beiträge, herausgegeben von Hugo von Hofmannsthal).

Nach dem Besuch einer Paul-Klee-Ausstellung erwarb er im April 1921 für 1000 Mark das von Klee 1920 gemalte Aquarell Angelus Novus, das zu Benjamins kostbarsten Besitz wurde.[30] Benjamins Versuch, eine Zeitschrift gleichen Namens herauszugeben, scheiterte. 1923/24 ging nach Frankfurt am Main, um sich dort zu habilitieren. Hier lernte er Theodor W. Adorno und Siegfried Kracauer kennen, mit denen er und Alfred Sohn-Rethel im September 1925 einen mehrwöchigen Aufenthalt am Golf von Neapel hatte,[31] wo ihm Jakob Johann von Uexküll sein Sommerhaus auf Capri zur Verfügung stellte.[32] Seine Habilitationsschrift Ursprung des deutschen Trauerspiels erwies sich jedoch als zu unorthodox für den akademischen Betrieb. Um sich eine offizielle Ablehnung zu ersparen, zog Benjamin sein Habilitationsgesuch 1925 zurück.

1926 und 1927 hielt Benjamin sich in Paris auf, wo er, teilweise gemeinsam mit Franz Hessel, an der Übersetzung der Werke von Marcel Proust (insbesondere Auf der Suche nach der verlorenen Zeit) arbeitete. Sein im Jahr 1924 beginnendes Interesse für den Kommunismus führte Benjamin im Winter 1926/27 nach Moskau, wo er seine Freundin, die lettische Schauspielerin und Regisseurin Asja Lacis besuchte. Siehe: Moskauer Tagebuch, und der Aufsatz Moskau, in der Zeitschrift Die Kreatur.[33] Trotz seiner zunehmenden Sympathie für die kommunistische Bewegung bewahrte sich Benjamin zeit seines Lebens ein, wie er es nannte, „linkes Außenseitertum“.

Zu Beginn der 1930er Jahre verfolgte Benjamin gemeinsam mit Bertolt Brecht publizistische Pläne und arbeitete für den Rundfunk. 1932 begann er, an einem Buch über seine Kindheit und Jugend zu arbeiten, das zunächst den Titel Berliner Chronik trug und dann zur Berliner Kindheit um neunzehnhundert umgearbeitet wurde. Zu Benjamins Lebzeiten erschienen jedoch nur wenige Kapitel daraus in der Frankfurter Zeitung.

 
Sa Punta des Moli, Haus, in dem Walter Benjamin während seiner Ibiza-Aufenthalte lebte

In den Jahren 1932 und 1933 verbrachte Benjamin den Sommer auf der Baleareninsel Ibiza. Bei seinem ersten Aufenthalt lernte er Jean Selz kennen, mit dem er Drogenerfahrungen austauschte und der später über ihre gemeinsame Zeit publizierte. Während des Sommers 1933 verliebte er sich auf Ibiza in die niederländische Malerin Anna Maria Blaupot ten Cate, für die er Agesilaus Santander verfasste. Des Weiteren schrieb er auf Ibiza Reiseerzählungen wie Die Fahrt der Mascotte, Das Taschentuch, Der Reiseabend oder Die Kaktushecke. Spanien 1932, In der Sonne, Ibizenkische Folge entstanden aus den Reflexionen Benjamins zur Kunst des Erzählens.

 
Benjamins Pariser Wohnung, 10 rue Dombasle (1938–1940)
 
Walter Benjamins Leserausweis für die Bibliothèque nationale de France, Paris 1940

Exil und TodBearbeiten

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten zwang Benjamin, im September 1933 nach Paris ins Exil zu gehen. Hier traf er auch Hannah Arendt, die den fast mittellosen Benjamin unterstützte. Von beiden ist ein reger Briefwechsel überliefert.[34] Finanzieren konnte sich Benjamin fast ausschließlich durch Zuwendungen seiner Ex-Frau und seiner Schwester, der Sozialforscherin Dora Benjamin, sowie durch ein schmales Mitarbeitergehalt, das ihm das inzwischen nach New York emigrierte, von Max Horkheimer geleitete Institut für Sozialforschung überwies. In den Pariser Exiljahren arbeitete Benjamin vor allem an seinem Fragment gebliebenen Passagen-Werk. Außerdem verfasste er den Aufsatz Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, 1936 in der Zeitschrift für Sozialforschung veröffentlicht, und Studien zu Baudelaire.

Die Jahre bis 1939 verbrachte er auf Reisen, in Paris, in der von seiner Ex-Frau betriebenen Pension „Villa Verde“ in Sanremo oder bei Bertolt Brecht.

Von 1937 bis 1939 war Benjamin Mitglied des von Georges Bataille, Michel Leiris und Roger Caillois gegründeten Collège de Sociologie sowie Batailles Geheimgesellschaft Acéphale, obgleich er den Bestrebungen des Collège, den Faschismus mit seinen eigenen Mitteln zu bekämpfen, kritisch gegenüberstand. Ein geplanter Vortrag Benjamins über die Mode konnte wegen des Kriegsausbruchs nicht mehr stattfinden. Benjamin wurde für drei Monate mit anderen deutschen Flüchtlingen im Lager Château de Vernuche in Varennes-Vauzelles interniert.

Nach der Rückkehr aus dieser Haft im November 1939 schrieb Benjamin seinen letzten Text, die Thesen Über den Begriff der Geschichte. Benjamin flüchtete nach Lourdes, von wo er zunächst weiter nach Marseille reiste, bevor er im September 1940 mit Hilfe von Lisa Fittko den Versuch unternahm, nach Spanien zu gelangen und von dort über Portugal mit seinem USA-Visum auszureisen.[35] Im spanischen Grenzort Portbou, wo er trotz erfolgreichen Grenzübertritts die Auslieferung an die Deutschen noch immer befürchtete, nahm er sich in der Nacht vom 26. auf den 27. September 1940 das Leben. Die wichtigste Quelle für seinen Suizid ist ein Abschiedsbrief[36] an Theodor W. Adorno, den er seiner Mitflüchtenden Henny Gurland übergab. Gurland vernichtete den Brief, nachdem sie ihn gelesen hatte und schrieb die heute erhaltene Fassung später aus dem Gedächtnis nieder. Den Gefährten wurde nach Benjamins Tod die Weiterflucht ermöglicht. Hannah Arendt berichtete Gershom Scholem in einem Brief vom 17. Oktober 1941 über Benjamins letzte Monate wie auch seinen Tod und erwähnte, Benjamin habe ihr gegenüber wiederholt Selbstmordabsichten geäußert.[37]

Der Dokumentarfilm Wer tötete Walter Benjamin… von David Mauas aus dem Jahr 2005 äußert Zweifel an der Selbstmordtheorie. Der Film untersucht die Umstände des Todes Walter Benjamins und greift dabei in seiner Erzählweise nach benjaminschem Vorbild die Problematik des historischen Diskurses und seiner Konstruktion auf. Gleichzeitig wirft der Film Licht auf die Grenzsituation jener Zeit, indem er den „Anonymen“ der Geschichte das Wort gibt.[38]

WerkBearbeiten

Über den Werkcharakter von Benjamins Schriften befand der Literaturwissenschaftler und Avantgarde-Theoretiker Peter Bürger, dass er „a-systematisch“ sei. Anders als bei Adorno, bei dem die Widersprüche in seinem „Anti-System“ dialektisch vermittelt seien, stehen sie bei Benjamin „nebeneinander, ohne dialektische Vermittlung“. Benjamin habe „das avantgardistische Prinzip der Montage auf den Essay zu übertragen versucht. Montage aber ist Zusammenfügung von Heterogenem mit dem Ziel, dass eben daraus etwas ‚aufblitzen‘ möge, das in keinem der montierten Teilstücke enthalten ist“.[39] Nicht als „a-systematisch“, sondern als „fragmentarisch“ charakterisierte der Literaturwissenschaftler Detlev Schöttker die Formbestimmheit von Benjamins Werk.[40] In seiner Habilitationsschrift wählte er dafür die Bezeichnung „konstruktiver Fragmentarismus“.

Zu Benjamins Lebzeiten erschienen von ihm vier Bücher und drei Bände mit Übersetzungen von Baudelaire und Proust. Sie wurden nach der Erkenntnis Schöttlers „zu Lebzeiten nicht zitiert, sie haben keine Debatten hervorgerufen und ihrem Verfasser keine Anerkennung im Literaturbetrieb der Zeit eingebracht“.[41]

Benjamins philosophische Lehrjahre galten neben dem Studium Kants und des Neukantianismus sowie intensiver Beschäftigung mit der Literatur der deutschen Romantik, deren Ergebnisse in seiner Dissertation Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik vorliegen, vor allem der Auseinandersetzung mit jüdischer Religiosität, die ihm in der Freundschaft mit Scholem nahekam. Durch die emphatische Beziehung der Philosophie auf die Sprache versuchte Benjamin, den herrschenden naturwissenschaftlich orientierten Erkenntnisbegriff derart umzubilden, dass dieser wieder der Erfahrungen der Theologie mächtig werde.

In den zwanziger Jahren verschob sich die Thematik der Texte Benjamins immer stärker von sprachphilosophischen Gegenständen auf solche der Ästhetik, so mit den Abhandlungen Goethes Wahlverwandtschaften und Ursprung des deutschen Trauerspiels. Nachdem der letztgenannte Text als Habilitationsschrift von der Frankfurter Universität zurückgewiesen worden war, widmete er sich mit Vorrang literaturkritischen Arbeiten. In dieser Wendung drückt sich der antiidealistische, gegen philosophische Systematik überhaupt gerichtete Charakter seines Denkens aus, dessen Intention aufs Konkrete den Werken von Ernst Bloch, Franz Rosenzweig und Florens Christian Rang verwandt ist.

Zunächst zögernd, seit Anfang der dreißiger Jahre immer entschiedener, vertrat Benjamin die Positionen des dialektischen Materialismus. In dieser letzten Phase fanden seine Freundschaften mit Adorno und Brecht einen produktiven Niederschlag. Seine marxistischen Schriften enthalten theologische Motive, vorab solche des jüdischen Messianismus, dies betrifft auch seine Konzeption einer „Dialektik im Stillstand“. Mit dieser Konzeption, die sich den offiziellen Versionen der Dialektik als universaler Vermittlung nie beugte, beschreibt Benjamin seine Anschauung der sich im Fluss befindlichen Geschichte: Aus den isolierten Details lasse sich die Physiognomie der Wahrheit entziffern.

Das Insistieren auf der einzelnen Person, dem einzelnen Daseienden, macht das Spezifische von Benjamins Philosophie aus. Der Autor hat dies in verschiedenen literarischen Formen gestaltet: In der Einbahnstraße (1928) bediente Benjamin sich des Aphorismus, in Deutsche Menschen. Eine Folge von Briefen (1936) des Kommentars zu überlieferten Texten, in der Berliner Kindheit um neunzehnhundert (1934) der autobiographischen Skizze. Die Form einer surrealistischen Zitatmontage hatte er zeitweilig der unvollendeten Studie über die Pariser Passagen zugedacht, einer Geschichtsphilosophie des 19. Jahrhunderts, an der Benjamin seit 1927 arbeitete und die als Hauptwerk geplant gewesen war.

Bei allem Wandel von Methode und Gegenstand, der sich in Benjamins Œuvre dokumentiert, bewahrt es doch seine Kontinuität. Es versucht auf allen Stufen, sich von der Hegemonie des Allgemeinbegriffs zu lösen und der Vergötzung des Wesens gegenüber dem Unwesentlichen, des Bleibenden gegenüber dem Vergänglichen und Nichtigen Widerstand zu leisten.

Positiv möchte Benjamin dem von der Philosophie immer Vergessenen, dem Unwiederholbaren, intentionslosen Konkreten gerecht werden, es, wo möglich, „retten“. Wichtige Einsichten in Benjamins Denken verdanken sich der Kritik vorliegender Theoreme. Im Gegensatz zu dem positivistischen, an den Einzelwissenschaften orientierten Modell von Philosophie opponiert die benjaminsche Philosophie gegen die ubiquitäre Verdinglichung der Sprache zum bloßen Zeichensystem; ihre Erkenntnistheorie, die wesentlich Sprachphilosophie ist, will das in Begriffen nicht Fixierte, überhaupt begrifflich nicht Fixierbare dennoch einholen.

Anders aber auch als die neueren Ontologien, die unabhängig von wissenschaftlicher Verpflichtung zu ausweisbarer Wahrheit das Sein selber ausdenken zu können beanspruchen, ist der Philosophie Benjamins das Bewusstsein wesentlich, dass keine ewigen Wahrheiten existieren. „Entschiedene Abkehr vom Begriffe der ‚zeitlosen Wahrheit‘ ist am Platz. Doch Wahrheit ist nicht – wie der Marxismus es behauptet – nur eine zeitliche Funktion des Erkennens, sondern an einen Zeitkern, welcher im Erkannten und Erkennenden zugleich steckt, gebunden. Das ist so wahr, dass das Ewige jedenfalls eher eine Rüsche am Kleid ist als eine Idee“.[42] Das Besondere, Nichtbegriffliche erweist sich als Substantielles nur, wo es in Konstellationen mit dem Allgemeinen, als ein gesellschaftlich Vermitteltes aufgesucht wird.

„Ausdruck“ ist Benjamin zufolge dasjenige Medium, in dem Sprache über die bloße Signifikation hinausgeht; Sprache als Ausdruck ist – in Benjamins theologischer Terminologie – der Versuch, den „Namen“ zu nennen; ein Versuch, der am ehesten noch in der Kunst hin und wieder gelungen ist. In den Kunstwerken sind Wahrheitsgehalt und Sachgehalt unlöslich aneinander gebunden; Wahrheit gelangt durch sie zur Erscheinung, darin liegt die Provokation der Kunst für die Philosophie, der Benjamin sich immer wieder mit ästhetischen und kunstsoziologischen Arbeiten gestellt hat.

Ein wichtiger Beitrag zur Theorie der Fotografie ist der 1931 erschienene Aufsatz Kleine Geschichte der Photographie von Benjamin. Er greift darin die lang geführte Diskussion auf, ob Fotografie überhaupt Kunst sei. Fotografie lasse sich nach Benjamin aber nicht mit einem „antitechnischen Begriff von Kunst“ analysieren. Er möchte Fotografie als Kunst vor allem vor dem Hintergrund von Technik und ihrer Entwicklung verstehen.[43] Anlass für den Aufsatz waren einige Veröffentlichungen zur historischen und zeitgenössischen Fotografie. So stellt er auch die Eigenheiten der neuen Technik an frühesten Fotografien heraus. Diese besäßen einen magischen Wert, den ein gemaltes Bild nicht unbedingt erreichen könne.[44] Auch wird in dem Aufsatz bereits der Begriff der Aura erläutert, der später im Kunstwerkaufsatz von Benjamin eine exponierte Rolle spielt. Aura verweist hier wie dort vor allem auf die Einmaligkeit von Zeit- und Raumerfahrungen. Für die Fotografie sieht Benjamin die Aura dennoch ambivalent. Zum einen haben die frühen Fotografien einen magischen, auratischen Mehrwert, der transzendent ist. Zum anderen lobt Benjamin aber auch ausdrücklich Fotografien, die ihr Objekt von der Aura befreit haben.[45] Fotografien ohne solche auratischen Momente können demnach das Verhältnis von Mensch und Umwelt differenzierter darstellen und dienen so einem ideologiefreien politischen Diskurs. Nicht zuletzt aufgrund dieses Aufsatzes wird Benjamin heutzutage als der bedeutendste Fotografietheoretiker der Weimarer Republik bezeichnet.[46]

Bedeutend ist vor allem seine Beschäftigung mit dem Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Der Titel dieser Arbeit von 1935 ist zu einer Art geflügeltem Wort geworden. Die unbegrenzte Vervielfältigung von Musik, Malerei, ja aller bildenden Künste führt nach Benjamin zum Verlust ihrer Aura. Damit ist auch der veränderte Rezeptionszusammenhang gemeint: Mussten sich die Kunstliebhaber früher in ein Konzert oder in eine Galerie begeben, um ihrer Leidenschaft nachzugehen, so kam es durch die technischen Reproduktionen, seien es Schallplatten-, Radioaufnahmen oder Kunstdrucke, zu einer „Entwertung des Originals“. Sieht Benjamin diese Entwicklung vor allem positiv, so sieht Adorno sie kritisch und stellt in dialektischer Wendung insbesondere auf die Regression des Hörens und den Fetischcharakter in der Massenkunst ab.[47]

Beruhten in der traditionellen Kunst die utopischen Gehalte auf dem schönen Schein, der „Aura“ von Kultwerten, so analysiert Benjamin an der modernen Kunst seit Baudelaire (vgl. Charles Baudelaire. Ein Lyriker im Zeitalter des Hochkapitalismus [1969]) einen fortschreitenden Verfall des Auratischen, mit dem die Kunst – vor allem der Surrealismus und das epische Theater Brechts (vgl. Versuche über Brecht [1966]), auf andere Art der Film (vergleiche Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit) – in den Dienst einer materialistischen Entmythologisierung eintritt und unmittelbar eine Funktion im Emanzipationskampf der Gesellschaft übernimmt. Mit seiner positiven Orientierung auf die Massen geht Benjamin über die kritische Theorie von Adorno und Horkheimer hinaus, weil er weder deren Vorbehalte, noch deren Klage teilt, „dass die Massen Zerstreuung suchen, die Kunst aber vom Betrachter Sammlung“[48] verlangt. Durch Fotografie und Film wird laut Benjamin das Ende der traditionellen Kunst eingeläutet, ein Vorgang, in dem er das Wirken geschichtsbildender Kräfte am Werke sah.[49]

 
Über den Begriff der Geschichte

Dieser Thematik gelten auch Benjamins Beiträge zur Geschichtsphilosophie. Seine letzte Arbeit, die Thesen Über den Begriff der Geschichte, ist ein Zeugnis seines „Erwachens aus dem Schock des Hitler-Stalin-Paktes(Scholem). Besonders bekannt geworden ist die erste These: Die Theologie sei heute klein und hässlich und habe sich deshalb unter dem Schutzmantel des historischen Materialismus zu verbergen. Wenn der historische Materialismus die Theologie in seinen Dienst nehme, könne er es ohne weiteres mit jedem aufnehmen. Gegenüber der Geschichtsphilosophie des Idealismus mit ihrer vom Marxismus geteilten Fetischisierung des Fortschrittsbegriffs, demzufolge der immanente Verlauf der Geschichte ein bereits fortschreitender sein, selbsttätig und unaufhaltsam aus dem Grauen der „Vorgeschichte“ in menschliche Verhältnisse einmünden soll, fordert Benjamin eine Kopernikanische Wende, die der jüdischen Lehre des „Eingedenkens“ zu ihrem Recht verhelfen würde.

Philosophie habe den Blick auf die „Trümmer der Geschichte“ und die geschichtlichen Katastrophen zu lenken, auf all das, „was verraten, unterdrückt und vergessen“ wurde. Während die traditionelle Geschichtsphilosophie, zumal in der Hegelschen Gestalt, ihr Movens, also ihre Antriebskraft, in der Verklärung des Untergangs hat, im Tode des Endlichen das Unendliche, Absolute feiert, ist Benjamins Gegenstand gerade das „Unzeitige, Leidvolle, Verfehlte“, mit dem Bestehen darauf, dass Geschichte immer noch in bloßer Naturgeschichte verharre. Weit entfernt von jeder Apologetik, wird das Denken Benjamins grundiert durch die Trauer des Allegorikers. „Solange es noch einen Bettler gibt, solange gibt es noch Mythos“, heißt es in einem Fragment des Passagen-Werks.

Den „Neuen Medien“ in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg näherte sich Benjamin nicht nur theoretisch, sondern er hat in zahlreichen Rundfunksendungen seine Spuren hinterlassen. Voller Experimentierfreude gestaltete er Sendungen für den Kinderfunk, die Bücherstunde sowie Erzählungen und Hörspiele.

Dass ‚Übersetzen‘ weltweit zu einem Schlüsselbegriff interkultureller Theoriebildung werden konnte, geht nicht zuletzt auf Walter Benjamins bahnbrechenden Aufsatz „Die Aufgabe des Übersetzers“ zurück.

Rezeption und WürdigungBearbeiten

Nachdem Adorno und Scholem nach dem Zweiten Weltkrieg Benjamins Schriften neu, zum größeren Teil erstmals ediert hatten, vor allem von 1970 bis 1989 eine umfangreiche, praktisch vollständige Ausgabe seiner Gesammelten Schriften erschienen war, verkehrte sich Benjamins Wirkung in das Gegenteil der Erfolglosigkeit, die sein Schaffen zu Lebzeiten erfahren hatte. Seine Dissertation im Jahr 1920 war von der Fachöffentlichkeit kaum wahrgenommen, seine Habilitationsschrift von der Frankfurter Universität sogar abgelehnt worden. Nach seinem Tod wurde Benjamin zum Anreger verschiedener geistes- und sozialwissenschaftlicher Fächer, die seinen gesellschaftskritischen Impetus wiederaufnahmen. Hans Ulrich Gumbrecht meint, dass Benjamins „ungebrochene Popularität in den Geisteswissenschaften“ eine Folge dessen ist, dass er von der instrumentalen Beziehung zwischen dem Subjekt und verschiedenen Technologien überzeugt war, „was einer der Gründe dafür sein [könnte], warum die meisten seiner Prophezeiungen sich als falsch erwiesen haben.“[50]

Laut Jürgen Habermas gehört Benjamin „zu jenen unübersichtlichen Autoren, deren Werk auf eine disparate Wirkungsgeschichte angelegt ist“ und an das man nicht „unbillige Konsistenzanforderungen“ stellen sollte.[51] In seiner „Gruppenbiographie“ der Frankfurter Schule bezeichnet Stuart Jeffries Benjamin als den „wohl originellsten mit der Frankfurter Schule verbundenen Denker“.[52]

In den USA wurde Benjamin der akademischen Öffentlichkeit Anfang 1969 durch den von Hannah Arendt herausgegebenen, bearbeiteten und mit einem Vorwort versehenen Sammelband unter dem Titel Illuminations. Walter Benjamin: Essays and Reflections, bekannt.

Seit 2015 existiert an der Universität Bern das Walter Benjamin Kolleg (WBK), in welchem sich Doktorierende, Junior Fellows und andere Nachwuchsforschende in disziplinübergreifenden Projekten „Grundfragen der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften“ widmen. Das Kolleg orientiert sich dabei an Benjamins Konzept, „verschiedenste disziplinäre Ansätze in den Geisteswissenschaften kreativ miteinander zu verbinden“.[53]

GedenkenBearbeiten

 
In diesem Haus in Portbou starb Walter Benjamin
 
Gedenkstein für Walter Benjamin auf dem Friedhof von Portbou, Spanien
 
Sicht aus dem Inneren des begehbaren Walter-Benjamin-Memorials „Passagen“ des Künstlers Dani Karavan am Friedhof von Portbou

Am Berliner Wohnhaus Benjamins in den Jahren von 1930 bis 1933 (Prinzregentenstraße 66, Berlin-Wilmersdorf) befindet sich eine Gedenktafel. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat am 12. Mai 2001[54] einem von Hans Kollhoff neugeschaffenen Stadtplatz (Leibniz-Kolonnaden) in der Nähe des Kurfürstendamms den Namen „Walter-Benjamin-Platz“ gegeben. Für Hans und Lisa Fittko wurde im Januar 2001 in Banyuls-sur-Mer eine Gedenkstätte errichtet, die daran erinnert, dass sie, obwohl selbst in Lebensgefahr, vielen von den Nazis verfolgten Menschen die Flucht nach Spanien ermöglichten. Am Fuße dieser Gedenkstätte beginnt ein Wanderweg, auf dem man in etwa fünf Stunden den alten Fluchtweg nachgehen kann, die ehemals nach den Fittkos benannte „F-Route“ von Banyuls über Cerbère in das spanische Portbou. Seit dem 24. Juni 2007 ist dieser Weg offiziell „Chemin Walter Benjamin“ benannt und als historischer Wanderweg markiert.[55][56][57]

Diesen Weg beschritt Walter Benjamin unter dramatischen Umständen auf der Flucht vor den Nationalsozialisten am 25. und 26. September 1940. Die spanischen Behörden ließen den Flüchtenden wegen eines neuen Dekrets nicht einreisen, sondern wollten ihn zurück nach Frankreich schicken, worauf sich Benjamin in der Nacht vom 26. auf den 27. September 1940 im Hotel Francia de Portbou das Leben nahm, um seiner Auslieferung zu entgehen. Daran erinnert die in Portbou errichtete begehbare Landschaftsskulptur Passagen des israelischen Künstlers Dani Karavan. Auch befindet sich auf dem Friedhof von Portbou ein Gedenkstein zur Erinnerung an Walter Benjamin.

Wie aktuell die Auseinandersetzungen um Walter Benjamin sind, hat die Hans-Mayer-Gesellschaft in einer Veranstaltung zum 80. Todestag von Walter Benjamin aufgezeigt. Seit 2013 gibt es in Perpignan ein Kulturzentrum mit dem Namen Walter Benjamin. Dieses "Centre d’Art Contemporain Walter Benjamin" (CACWB) hat sich nach einem glorreichen Start 2014 allerdings nicht zu einem renommierten Museum für zeitgenössische Kunst entwickelt. Louis Aliot von der rechtsextremen Rassemblement National (RN) hat im Mai 2020 als neuer Bürgermeister des Ortes bekannt gegeben, es mit einer neuen Konzeption wiederzubeleben. Er will es zu einem Ort machen, der „der Schöpfung und der Pflicht zur Erinnerung gewidmet ist, mit Einrichtung von Ausstellungen, Konferenzen, Künstlerresidenzen, Schöpfungen vor Ort.“ Zusätzlich will er es zu einem Zentrum machen, das dem jüdischen Gedächtnis, dem Schicksal der Zigeuner und der tragischen Geschichte der spanischen „Retirada“ dient.[58] Bei der Gedenkveranstaltung Für Walter Benjamin – Erinnern und Eingedenken[59] am 23. Oktober 2020 wurde hierüber ausführlich berichtet.

Im Zentrum von Straßburg gibt es eine kleine Straße mit dem Namen Passage Walter Benjamin. In Freiburg im Breisgau, wo Benjamin studiert hatte, befindet sich im Stadtteil Rieselfeld die Walter-Benjamin-Straße und in der Wiehre gibt es eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus in der Kirchstraße 49.

In Barcelona wurde die Gartenanlage Jardins de Walter Benjamin nach ihm benannt.

Seit 2019 fördert das Walter-Benjamin-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft Postdocs bei der Umsetzung eines eigenen Forschungsvorhabens.

VertonungenBearbeiten

Musikalisch wie szenisch wurde Benjamins Tod in der Oper Shadowtime von Charles Bernstein (Libretto) und Brian Ferneyhough (Komposition) verarbeitet. Die Oper Port Bou von Elliott Sharp hat die letzten Momente im Leben Walter Benjamin zum Thema. Helmut Oehrings dreiteiliger Zyklus Angelus Novus bezieht sich auf das Leben und die Schriften Walter Benjamins in Bezug auf Paul Klees Zeichnung Angelus Novus.

SchriftenBearbeiten

Buchausgaben zu LebzeitenBearbeiten

  • Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik. Verlag A. Francke, Bern 1920.
  • Charles Baudelaire, Tableaux Parisiens. Deutsche Übertragung mit einem Vorwort über die Aufgabe des Übersetzers, französisch und deutsch, Verlag von Richard Weißbach, Heidelberg 1923.
  • Einbahnstraße. Rowohlt, Berlin 1928.
  • Ursprung des deutschen Trauerspiels. Rowohlt, Berlin 1928.
  • Deutsche Menschen. Eine Folge von Briefen. Auswahl und Einleitungen von Detlef Holz [Pseudonym]. Vita Nova Verlag, Luzern 1936.

WerkausgabenBearbeiten

  • Schriften. Hrsg. von Theodor W. Adorno und Gretel Adorno unter Mitwirkung von Friedrich Podszus. 2 Bände. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1955.
  • Briefe. Hrsg. und mit Anmerkungen versehen von Gershom Scholem und Theodor W. Adorno. 2 Bände. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1966.
  • Illuminations. Walter Benjamin: Essays and Reflections. Vorwort, Bearbeitung und Hrsg. Hannah Arendt. Schocken Verlag, New York 1969, ISBN 0-8052-0241-2.
  • Über Haschisch: Novellistisches, Berichte, Materialien. 1. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972.
  • Gesammelte Schriften. Unter Mitwirkung von Theodor W. Adorno und Gershom Scholem hrsg. von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser. Bände I–VII, Suppl. I–III (in 17 Bänden gebunden). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972–1999. Revidierte Taschenbuch-Ausgabe: Bände I–VII (in 14 Bänden gebunden), Suhrkamp, Frankfurt am Main 1991.
    • Band I/1: Abhandlungen. S. 1–430.
      Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik; Goethes Wahlverwandtschaften; Ursprung des deutschen Trauerspiels; Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Erste und Dritte Fassung
    • Band I/2: Abhandlungen, S. 435–796.
      Charles Baudelaire. Ein Lyriker im Zeitalter des Hochkapitalismus, 3 Teile: Das Paris des Second Empire bei Baudelaire, Über einige Motive bei Baudelaire, Zentralpark; Über den Begriff der Geschichte; Selbstanzeige der Dissertation; L’œuvre d’art à l’époque de sa reproduction mécanisée; Notes sur les Tableaux parisiens de Baudelaire.
    • Band I/3: Abhandlungen, S. 797–1272. Anmerkungen der Herausgeber
    • Band II/1: Aufsätze, Essays, Vorträge, S. 1–406.
    • Band II/2: Aufsätze, Essays, Vorträge, S. 407–813.
    • Band II/3: Aufsätze, Essays, Vorträge, S. 815–1526.
    • Band III: Kritiken und Rezensionen.
      Kritiken und Rezensionen 1912–1939/1940; Anhang: Entwürfe zu Rezensionen; Vorschläge für den Besprechungsteil der Zeitschrift für Sozialforschung
    • Band IV/1: Kleine Prosa/ Baudelaire Übertragungen, S. 1–605.
    • Band IV/2: Kleine Prosa/ Baudelaire Übertragungen, S. 607–1108.
      Illustrierte Aufsätze; Hörmodelle; Geschichten und Novellistisches; Miszellen
    • Band V/1: Das Passagen-Werk, S. 1–654.
    • Band V/2: Das Passagen-Werk, S. 655–1350.
    • Band VI: Fragmente, Autobiographische Schriften
      Zur Sprachphilosophie und Erkenntniskritik; Zur Geschichtsphilosophie und Erkenntniskritik; Lebensläufe; Aufzeichnungen 1906–1932; Berliner Chronik um Neunzehnhundert; enthält u. a. das Fragment Kapitalismus als Religion
    • Band VII/1: Nachträge, S. 1–519.
    • Band VII/2: Nachträge, S. 525–1024.
    • Supp. I: Kleinere Übersetzungen: Tristan Tzara, D’Annunzio, Louis Aragon, Proust, Léon Bloy, Adrienne Monnier, Saint-John Perse, Honoré de Balzac, Jouhandeau
    • Supp. II: Proust, Im Schatten der jungen Mädchen
    • Supp. III: Übersetzung (mit Franz Hessel): Proust, Guermantes
  • Écrits français. Présentés et introduits par Jean-Maurice Monnoyer. Gallimard, Paris 1991.
  • Gesammelte Briefe. Hrsg. vom Theodor-W.-Adorno-Archiv. 6 Bände, hrsg. von Christoph Gödde und Henri Lonitz. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995–2000.
  • Arendt und Benjamin: Texte, Briefe, Dokumente, hrsg. von Detlev Schöttker und Erdmut Wizisla. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-29395-8.
  • Werke und Nachlaß. Kritische Gesamtausgabe. Herausgegeben von Henri Lonitz und Christoph Gödde. 21 Bände (geplant), Suhrkamp, Frankfurt am Main/Berlin seit 2008.
    • Band 3: Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik. Herausgegeben von Uwe Steiner. 2008, ISBN 978-3-518-58501-6.
    • Band 7: Charles Baudelaire Tableaux Parisiens. Herausgegeben von Antonia Birnbaum und Michel Métayer. 2017. ISBN 978-3-518-58704-1.
    • Band 8: Einbahnstraße. Herausgegeben von Detlev Schöttker unter Mitarbeit von Steffen Haug. 2009, ISBN 978-3-518-58524-5.
    • Band 9: Rundfunkarbeiten (zwei Teilbände). Herausgegeben von Thomas Küpper und Anja Nowak. 2017, ISBN 978-3-518-58610-5.
    • Band 10: Deutsche Menschen. Herausgegeben von Momme Brodersen. 2008, ISBN 978-3-518-58510-8.
    • Band 11: Berliner Chronik. Berliner Kindheit um neunzehnhundert (zwei Teilbände). Herausgegeben von Burkhardt Lindner und Nadine Werner. 2019, ISBN 978-3-518-58728-7.
    • Band 13: Kritiken und Rezensionen (zwei Teilbände). Herausgegeben von Heinrich Kaulen. 2011, ISBN 978-3-518-58560-3.
    • Band 16: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Herausgegeben von Burkhardt Lindner. 2012, ISBN 978-3-518-58589-4.
    • Band 19: Über den Begriff der Geschichte. Herausgegeben von Gérard Raulet. 2010, ISBN 978-3-518-58549-8.

Einzelveröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

Vollständiges WerkverzeichnisBearbeiten

AusstellungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

EinführungenBearbeiten

  • Momme Brodersen: Walter Benjamin. Leben, Werk, Wirkung. (= Suhrkamp BasisBiographie. 4). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-518-18204-8.
  • Sven Kramer: Walter Benjamin zur Einführung. 3. vollst. überarb. Aufl. Junius, Hamburg 2010, ISBN 978-3-88506-683-5.
  • Burkhardt Lindner (Hrsg.): Benjamin-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Metzler, Stuttgart und Weimar 2006, ISBN 3-476-01985-3.
  • Ansgar Lorenz, Antonio Roselli: Walter Benjamin. Philosophie für Einsteiger. Wilhelm Fink, Paderborn 2017, ISBN 978-3-7705-6163-6.
  • Bernd Witte: Walter Benjamin. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. (=Rowohlts Monographien). Rowohlt, Reinbek 1985, ISBN 978-3-499-50341-2.

BiographienBearbeiten

ZeitzeugenBearbeiten

Forschung und RezeptionBearbeiten

Philosophiebibliographie: Walter Benjamin – Zusätzliche Literaturhinweise zum Thema

  • Julia Abel: Walter Benjamins Übersetzungsästhetik. Die Aufgabe des Übersetzers im Kontext von Benjamins Frühwerk und seiner Zeit. Aisthesis, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8498-1094-8.
  • Wolfgang Bock: Vom Blickwispern der Dinge. Sprache. Erinnerung und Ästhetik bei Walter Benjamin. Vorlesungen in Rio de Janeiro 2007. Königshausen & Neumann, Würzburg 2010, ISBN 978-3-8260-4179-2.
  • Peter Bulthaup (Hrsg.): Materialien zu Benjamins Thesen „Über den Begriff der Geschichte“, Beiträge und Interpretationen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975, ISBN 3-518-07721-X.
  • Jacques Derrida: Gesetzeskraft. Der „mystische Grund der Autorität“. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-518-13331-4 (Auseinandersetzung um Benjamins Zur Kritik der Gewalt).
  • Jacques Derrida: Des tours de Babel. In: J. Derrida: Psyché. Inventions de l'autre. Éditions Galilée, Paris 1987, S. 203–237. (in Zusammenhang mit Benjamins: Die Aufgabe des Übersetzers. 1923).
  • Sophia Ebert: Walter Benjamin und Wilhelm Speyer. Freundschaft und Zusammenarbeit. Aisthesis, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-8498-1231-7 (Moderne-Studien Band 21).
  • Justus Fetscher: Nach Port Bou. Walter Benjamin in der Literatur. In: literaturkritik.de. Nr. 9, September 2006 – Schwerpunkt: Walter Benjamin (Volltext)
  • Dominik Finkelde: Benjamin liest Proust. Mimesislehre – Sprachtheorie – Poetologie. W. Fink Verlag, München 2004, ISBN 3-7705-3932-X.
  • Stefan Gandler: Materialismus und Messianismus. Zu Walter Benjamins Thesen „Über den Begriff der Geschichte“. Aisthesis, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89528-695-7.
  • Claude Haas; Daniel Weidner (Hrsg.): Benjamins Trauerspiel. Theorie – Lektüren – Nachleben. Berlin: Kulturverlag Kadmos 2014. LiteraturForschung Band 21, ISBN 978-3-86599-237-6.
  • Jürgen Habermas: Bewußtmachende oder rettende Kritik. Die Aktualität Walter Benjamins. (1972). In: Jürgen Habermas: Politik, Kunst und Religion. Essays über zeitgenössische Philosophen. Reclam, Stuttgart 1978 (aktuelle Neuauflage 2006) ISBN 3-15-009902-1, S. 48–95.
  • Anselm Haverkamp (Hrsg.): Gewalt und Gerechtigkeit. Derrida–Benjamin. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-518-11706-8.
  • Werner Hamacher: Die Geste im Namen. Benjamin und Kafka. In: Werner Hamacher: Entferntes Verstehen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-12026-3, S. 280ff.
  • Michael Hofmann: »Die Vergangenheit führt einen heimlichen Index mit, durch den sie auf die Erlösung verwiesen wird«. Geschichtsphilosophie, Religion und Interkulturalität bei Walter Benjamin. In: »Transkulturelle Hermeneutik I«. Vorträge auf Einladung des Walter Benjamin-Lehrstuhls für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Herausgegeben von Michael Fisch und Christoph Schmidt. Berlin: Weidler 2020, S. 193–208. (Beiträge zur transkulturellen Wissenschaft. Band 12.) ISBN 978-3-89693-750-6
  • Andreas Jacke: Traumpassagen – eine Filmtheorie mit Walter Benjamin. Königshausen & Neumann, Würzburg 2013, ISBN 978-3-8260-5046-6.
  • Eric Jacobson: Metaphysics of the Profane: The Political Theology of Walter Benjamin and Gershom Scholem. Columbia University Press, New York 2003, ISBN 0-231-12657-3, S. 352ff.
  • Sascha Kirchner, Vivian Liska, Karl Solibakke, Bernd Witte (Hrsg.): Walter Benjamin und das Wiener Judentum zwischen 1900 und 1938. Königshausen & Neumann, Würzburg 2009, ISBN 978-3-8260-4246-1.
  • Ralf Konersmann: Erstarrte Unruhe. Walter Benjamins Begriff der Geschichte. Fischer, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-596-10962-0.
  • Isabel Kranz: Raumgewordene Vergangenheit. Walter Benjamins Poetologie der Geschichte. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2011, ISBN 978-3-7705-5108-8.
  • Rudolf Maresch: GespensterVerkehr. Derrida liest Benjamins „Zur Kritik der Gewalt“. E-Text als PDF.
  • Burkhardt Lindner: Studien zu Benjamin, hg. v. Jessica Nitsche u. Nadine Werner, Berlin 2016.
  • Horst Nitschak: Walter Benjamin in Lateinamerika. Eine widersprüchliche Erfolgsgeschichte. In: Peter Birle, Friedhelm Schmidt-Welle (Hrsg.): Wechselseitige Rezeptionsprozesse Deutschlands und Lateinamerikas im 20. Jahrhundert. Vervuert, Frankfurt am Main 2007, S. 47–77.
  • Jessica Nitsche: Walter Benjamins Gebrauch der Fotografie, Berlin 2010.
  • Jessica Nitsche / Nadine Werner (Hrsg.): Entwendungen. Walter Benjamin und seine Quellen. Paderborn: Fink 2019, ISBN 978-3-7705-6352-4.
  • Michael Opitz, Erdmut Wizisla (Hrsg.): Benjamins Begriffe. 2 Bände. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-518-12048-4.
  • Jean-Michel Palmier: Walter Benjamin – Lumpensammler, Engel und bucklicht Männlein. Ästhetik und Politik bei Walter Benjamin. Herausgegeben und mit einem Vorwort von Florent Perrier. Aus dem Französischen von Horst Brühmann, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-518-58536-8.
  • Sandro Pignotti: Walter Benjamin – Judentum und Literatur. Tradition, Ursprung, Lehre mit einer kurzen Geschichte des Zionismus. Rombach, Freiburg 2009, ISBN 978-3-7930-9547-7.
  • Birgit Recki: Aura und Autonomie. Zur Subjektivität der Kunst bei Walter Benjamin und Theodor W. Adorno. Würzburg 1988, ISBN 3-88479-361-6.
  • Detlev Schöttker: Konstruktiver Fragmentarismus. Form und Rezeption der Schriften Walter Benjamins. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-518-29028-2.
  • Hermann Schweppenhäuser: Zum Geschichtsbegriff Walter Benjamins. In: Geschichte denken. Lit, Münster 1999, ISBN 3-8258-4176-6, S. 95ff.
  • Rolf Tiedemann: Studien zur Philosophie Walter Benjamins. Mit einer Vorrede von Theodor W. Adorno. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1965 (2. Aufl.: Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-518-00644-4).
  • Rolf Tiedemann: Dialektik im Stillstand. Versuche zum Spätwerk Walter Benjamins. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-518-28045-7.
  • Walter Benjamin Archiv (Hrsg.): Walter Benjamins Archive. Bilder, Texte, Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-41835-1.
  • Lienhard Wawrzyn: Walter Benjamins Kunsttheorie. Kritik einer Rezeption. Luchterhand, Darmstadt 1973, ISBN 3-472-77016-3.
  • Daniel Weidner: »Das epische Element in der Geschichte preisgeben«. Walter Benjamins Historisierung. In: »Transkulturelle Hermeneutik I«. Vorträge auf Einladung des Walter Benjamin-Lehrstuhls für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Herausgegeben von Michael Fisch und Christoph Schmidt. Berlin: Weidler 2020, S. 211–227. (Beiträge zur transkulturellen Wissenschaft. Band 12.) ISBN 978-3-89693-750-6
  • Sigrid Weigel: Walter Benjamin. Die Kreatur, das Heilige, die Bilder. Fischer, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-596-18018-9.
  • Sigrid Weigel, Daniel Weidner (Hrsg.): Benjamin-Studien 3. München, Fink 2014.
  • Daniel Weidner: Traduction et survie. Walter Benjamin lit Marcel Proust. Übersetzen und Überleben. Walter Benjamin liest Marcel Proust. Éditions de l'éclat/'éclats, 2015, ISBN 978-2-84162-358-7.
  • Nadine Werner: Archäologie des Erinnerns. Sigmund Freud in Walter Benjamins „Berliner Kindheit“, Göttingen: Wallstein 2015.
  • Jan Urbich: Darstellung bei Walter Benjamin. Die „Erkenntniskritische Vorrede“ im Kontext ästhetischer Darstellungstheorien der Moderne. De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-026515-6.
  • Libero Federici: Il misterioso eliotropismo. Filosofia, politica e diritto in Walter Benjamin. Ombre Corte, Verona 2017, ISBN 978-88-6948-062-1.
  • Hans J. Vermeer: Übersetzen als Utopie. Die Übersetzungstheorie des Walter Bendix Schoenflies Benjamin. (Reihe Wissenschaft, Bd. 3) Textcontext-Verlag, Heidelberg 1996, ISBN 3-9805370-2-1.
  • Jessica Nitsche, Nadine Werner (Hrsg.): Entwendungen. Walter Benjamin und seine Quellen, Paderborn 2019, ISBN 978-3-7705-6352-4.

Sonstige Artikel und VeröffentlichungenBearbeiten

FilmeBearbeiten

  • Wer tötete Walter Benjamin… (OT: Quién mató a Walter Benjamin…) Dokumentarfilm, Spanien, Niederlande, 2005, 53 Min., Buch: David Mauas und Joan Ripollès, Regie: David Mauas, Produktion: Milagros producciones, Televisió de Catalunya, Filmseite mit Vorschau.
  • Geschichten der Freundschaft. Walter Benjamin zum Gedächtnis. Dokumentarfilm, Frankreich, Deutschland, 2010, 53 Min., Buch und Regie: David Wittenberg, Produktion: Navis Film, WDR, arte, Erstsendung: 20. September 2010 bei arte, Inhaltsangabe von arte.

WeblinksBearbeiten

Commons: Walter Benjamin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Walter Benjamin – Quellen und Volltexte
Wikibooks: Walter Benjamin – Lern- und Lehrmaterialien

Zur Person

Zum Werk

Zum Gedenken

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Werner Kraft: Zeit aus den Fugen. Aufzeichnungen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1968, S. 201.
  2. Hainer Weißpflug: Benjamin Walter. In: Hans-Jürgen Mende, Kurt Wernicke (Hrsg.): Berliner Bezirkslexikon, Charlottenburg-Wilmersdorf. Luisenstädtischer Bildungsverein. Haude und Spener / Edition Luisenstadt, Berlin 2005, ISBN 3-7759-0479-4 (luise-berlin.de – Stand 7. Oktober 2009).
  3. Florian Telsnig: Das Aufbegehren der Jugend gegen die Kriegsbegeisterung ihrer Lehrer: Benjamin – Wyneken, Scholem – Buber, Kraft – Borchardt. In: Yearbook for European Jewish Literature Studies. Walter de Gruyter, Berlin 2014. ISSN 2196-6249
  4. Peter Kollwitz: 1914 mit nur 18 Jahren gefallen. In: vrtNWS, 22. Oktober 2014, auf: vrt.be
  5. Ulrich Grober: Das kurze Leben des Peter Kollwitz. Bericht einer Spurensuche. In: Die Zeit, 22. November 1996, auf: zeit.de
  6. Howard Eiland, Michael W. Jennings: Walter Benjamin. Eine Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, S. 47.
  7. Ein Schulfreund aus dieser Zeit war Ernst Schoen, mit dem er in Briefkontakt blieb. Schoen verschaffte Benjamin später die Möglichkeit, das Hörspiel Radau um Kasperl (1932) zu realisieren, zu dem Schoen die Musik schrieb.
  8. Bernd Witte: Walter Benjamin mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1985, S. 18.
  9. Bernd Witte: Walter Benjamin mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1985, S. 18.
  10. Howard Eiland, Michael W. Jennings: Walter Benjamin. Eine Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, S. 77.
  11. Bernd Witte: Walter Benjamin mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1985, S. 23 f.
  12. Eine erste selbstständige Buchveröffentlichung von Heinles literarischen Werken erfolgte 2016 unter dem Titel „Christoph Friedrich Heinle. Lyrik und Prosa“ durch Johannes Steizinger. Das heute bekannte Werk Heinles umfasst vor allem Lyrik, daneben einige Prosastücke. Neun Briefe sind erhalten. Vgl. Johannes Steizinger (Hrsg.): Christoph Friedrich Heinle. Lyrik und Prosa. Mit einem Geleitwort von Giorgio Agamben. Kadmos, Berlin 2016. ISBN 978-3-86599-257-4
  13. a b Ulrike Koch: „Ich erfuhr es von Fritz Klatt“ – Käthe Kollwitz und Fritz Klatt. In: Käthe Kollwitz und ihre Freunde: Katalog zur Sonderausstellung anlässlich des 150. Geburtstages von Käthe Kollwitz. Hrsg. vom Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, Lukas Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-86732-282-9, S. 65.
  14. Anna M. Lazzarino Del Grosso: Armut und Reichtum im Denken Gerhohs von Reichersberg. C. H. Beck, München 1973. S. 83.
  15. Howard Eiland, Michael W. Jennings: Walter Benjamin. Eine Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, S. 107.
  16. Howard Eiland, Michael W. Jennings: Walter Benjamin. Eine Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, S. 109.
  17. Howard Eiland, Michael W. Jennings: Walter Benjamin. Eine Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, S. 108.
  18. Maya Nitis: A Woman’s Many Names – Dora Sophie Kellner. (englisch). In: aviva-berlin.de. 5. November 2012, abgerufen am 1. Dezember 2015.
  19. Jean-Michel Palmier: Walter Benjamin. Lumpensammler, Engel und bucklicht Männlein. Ästhetik und Politik bei Walter Benjamin. 2009, S. 235.
  20. Howard Eiland, Michael W. Jennings: Walter Benjamin. Eine Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, S. 158.
  21. Howard Eiland, Michael W. Jennings: Walter Benjamin. Eine Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, S. 166.
  22. Bernd Witte: Walter Benjamin mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1985, S. 38.
  23. Howard Eiland, Michael W. Jennings: Walter Benjamin. Eine Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, S. 166 f.
  24. Howard Eiland, Michael W. Jennings: Walter Benjamin. Eine Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, S. 173.
  25. Howard Eiland, Michael W. Jennings: Walter Benjamin. Eine Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, S. 161.
  26. Howard Eiland, Michael W. Jennings: Walter Benjamin. Eine Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, S. 193.
  27. Bernd Witte: Walter Benjamin mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1985, S. 81.
  28. Howard Eiland, Michael W. Jennings: Walter Benjamin. Eine Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, S. 275.
  29. Howard Eiland, Michael W. Jennings: Walter Benjamin. Eine Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, S. 201.
  30. Howard Eiland, Michael W. Jennings: Walter Benjamin. Eine Biographie. Suhrkamp, Berlin 2020, S. 188.
  31. Martin Mittelmeier: Adorno in Neapel. Wie sich eine Sehnsuchtslandschaft in Philosophie verwandelt. Siedler, München 2013.
  32. Giorgio Agamben: Das Offene. Der Mensch und das Tier. Frankfurt am Main 2002, S. 49.
  33. Cornelia Niedermeier: Die Bibliothek der Diaspora. In: Der Standard. 7. März 2009.
  34. Hannah Arendt/Walter Benjamin Briefwechsel (1936-1940). In: Arendt und Benjamin. Texte, Briefe, Dokumente. Herausgegeben von Detlev Schöttker und Erdmut Wizisla. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, S. 121-141.
  35. Benjamin kannte ihren Mann Hans Fittko, seit die beiden 1939 von den Franzosen im selben Lager inhaftiert worden waren
  36. Originaltext im Französischen und deutsche Übersetzung.
  37. Der Briefwechsel. Hannah Arendt, Gershom Scholem. Berlin 2010, S. 17f. Es gibt auch – stark angezweifelte – Spekulationen über eine Ermordung Benjamins, welche von einem aufgezwungenen Selbstmord bis zur Tötung durch Agenten Stalins reichen: Ein Tod mit vielen Zwischenstufen. In: Die Tageszeitung. 7. November 2005; Vgl. The Missing Briefcase. (Memento vom 15. Dezember 2005 im Internet Archive) In: Frankfurt Allgemeine Zeitung. 25. Juni 2001. (engl. Übersetzung).
  38. Sterben in Port Bou. Spanischer Dokumentarfilm beleuchtet den mysteriösen Tod des Philosophen Walter Benjamin
  39. Peter Bürger: Literaturwissenschaft heute. In: Jürgen Habermas (Hrsg.): Stichworte zur „Geistigen Situation der Zeit“. 2. Band: „Politik und Kultur“. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979, S. 781−795, hier S. 187 f.
  40. Detlev Schöttker: Konstruktiver Fragmentarismus. Form und Rezeption der Schriften Walter Benjamins. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999, S. 9.
  41. Detlev Schöttker: Konstruktiver Fragmentarismus. Form und Rezeption der Schriften Walter Benjamins. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999, S. 19.
  42. GS V, 578.
  43. Eckhardt Köhn: Kleine Geschichte der Photographie. In: Burkhardt Lindner (Hrsg.): Benjamin-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart 2006, S. 400.
  44. GS II, 371.
  45. GS II, 378.
  46. Herbert Molderings: Fotografie in der Weimarer Republik. Berlin 1988, S. 23.
  47. Theodor W. Adorno: Über den Fetischcharakter in der Musik und die Regression des Hörens. In: Zeitschrift für Sozialforschung. Jg. 7 (1938), H. 3, S. 321–355.
  48. Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Drei Studien zur Kunstsoziologie. Frankfurt am Main, 1963, S. 45f.
  49. Vgl. Thomas Neumann/Natias Neutert: Walter Benjamin und die Fotografie. In: Tendenzen. Nr. 86, 13. Jahrg. Dez./Jan., München 1973, S. 21–23.
  50. Hans Ulrich Gumbrecht: Ein Abschiedsgruß an die Interpretation. [1994], In: Präsenz. Suhrkamp, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-29542-7, S. 171–189, darin S. 187 und Fußnote.
  51. Jürgen Habermas: Bewußtmachende oder rettende Kritik – Die Aktualität Walter Benjamins 1972. In: ders.: Kultur und Kritik. Verstreute Aufsätze. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973, S. 304.
  52. Stuart Jeffries: Grand Hotel Abgrund. Die Frankfurter Schule und ihre Zeit. Klett-Cott, Stuttgart 2019, S. 137.
  53. Leitbild. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.wbkolleg.unibe.ch. 11. September 2016, archiviert vom Original am 26. November 2016; abgerufen am 25. November 2016.
  54. Stadtplatz aus Stein: Eröffnung der Leibniz-Kolonnaden in Berlin. auf baunetz.de, 14. Mai 2001.
  55. Claudia Diemar: Passagen in die Freiheit. Der "Chemin Walter Benjamin" erinnert an die Flucht des Philosophen über die Pyrenäen vor genau siebzig Jahren. Berliner Zeitung, 4. September 2010, abgerufen am 13. August 2014.
  56. "reiser": Chemin Walter Benjamin, der F-Weg. uebersmeer.at, 19. Mai 2012, abgerufen am 13. August 2014.
  57. Chemin Walter Benjamin: Multimediaguide mit reichhaltigen Hintergrundinformationen. 26. Februar 2015, abgerufen am 5. September 2015.
  58. Heinrich Bleicher: Es ist niemals ein Dokument der Kultur, ohne ein solches der Barbarei zu sein, Hans-Mayer-Gesellschaft
  59. Dokumentation. »Für Walter Benjamin – Erinnern und Eingedenken«. http://www.hans-mayer-gesellschaft.de, 11. Mai 2020, abgerufen am 11. Mai 2020.
  60. Exposition: Walter Benjamin Archives, Musée d’art et d’histoire du Judaïsme
  61. adk.de
  62. adk.de
  63. adk.de
  64. Ehefrau Benjamins, zur Unterscheidung von der Schwester gleichen Vornamens oft zusätzlich mit "Sophie". Beide Frauen sind in diesem Buch vertreten