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Legion (Dämon)

ein im Neuen Testament genannter Dämon
Illustration von Julius Schnorr von Carolsfeld, 1860
Straßburger Münster, Glasmalerei (14. Jahrhundert)

Legion, auch der Dämon von Gadara, oder (übersetzt) Viele, bezeichnet eine im Neuen Testament der Bibel erwähnte dämonische Erscheinung, die auch als „Schweineepisode“ bezeichnet wird. In den Evangelien nach Markus und Lukas wird ein Mann beschrieben, besessen von vielen Dämonen. Im Gegensatz dazu berichtet das Evangelium nach Matthäus von zwei Besessenen, außerdem wird nicht der Name „Legion“ verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Die GeschichteBearbeiten

Nach der biblischen Erzählung bereiste Jesus „das Gebiet von Gadara“ (lt. Matthäus, in Markus und Lukas „das Gebiet von Gerasa“), traf dort den/die Besessenen und sprach mit den Dämonen.

Im Evangelium nach Markus ist zu lesen:

Und er fragte ihn: Was ist dein Name? Und er spricht zu ihm: Legion ist mein Name, denn wir sind viele. (Mk 5,9 ELB)

Ähnlich im Evangelium nach Lukas:

Jesus fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete: Legion. Denn er war von vielen Dämonen besessen. (Lk 8,30 ELB)

Die Dämonen identifizieren Jesus als „Sohn Gottes“ und bitten ihn, sie nicht in die Hölle (Lk 8,31 EU) zu schicken. Tatsächlich aber steht in den griechischen Urtexten kein Wort für das Jenseits, wie zum Beispiel sheol, Gehenna, Hades oder Tartaros. In Markus 5,10 wird das griechische Wort choras verwendet, das mit ‚Gegend‘ übersetzt wird, aber genauer eigentlich einen leeren Raum beschreibt. In Lukas 8,31 steht abyssos, eine bodenlose Tiefe.

Jesus trieb die Dämonen aus (Apopompe) und kam gleichzeitig ihrer Bitte nach: Er erlaubte ihnen, in eine Schweineherde einzufahren. Die 2000 Schweine stürmten daraufhin in den See Genezareth, wo sie ertranken. Die Schweinehirten flohen und erzählten das Vorkommnis in der Stadt, woraufhin die Bürger den Geheilten und Jesus aufsuchten, „sich fürchteten“ und Jesus baten, ihr Gebiet der Dekapolis zu verlassen. Der Geheilte wollte sich Jesus anschließen, aber Jesus schickte ihn aus, diese Geschichte bekannt zu machen.

Parallelen zur OdysseeBearbeiten

Der Theologe Dennis MacDonald erklärt einige erzählerische Elemente des Markusevangeliums damit, dass Homers Odyssee und Ilias zu Grunde liegen.[1] Für die Geschichte mit Jesus und dem Besessenen können Parallelen mit Odysseus und dem Zyklop Polyphem gezogen werden:

Parallelen zwischen Homers Odyssee und der Geschichte vom besessenen Gerasener[2]
Homers Odyssee Markus-Evangelium
Odysseus erreicht mit mehreren Schiffen und seinen 12 Gefolgsleuten das Land der Zyklopen Jesus erreicht mit mehreren Schiffen und den 12 Jüngern die Gegend der Gerasener
Odysseus geht mit 12 Gefährten an Land. Seine anderen Männer sollen im Schiff auf seine Rückkehr warten Jesus geht an Land, seine Gefährten sollen im Schiff auf seine Rückkehr warten
Er trifft auf einen übernatürlichen Gegner, den Zyklop Polyphemos er trifft auf einen übernatürlichen Gegner, die Dämonen, die einen Mann besetzt haben
der in einer Höhle lebt der in "Gräbern" lebt
Der Zyklop fragt Odysseus nach seinem Namen. Jesus fragt den Mann nach seinem Namen
Odysseus antwortet mit einem Wortspiel, eine Mengenangabe: "Niemand" Der Mann antwortet mit einem Wortspiel, eine Mengenangabe: "Legion heiße ich; denn wir sind unser viele."
Odysseus besiegt den Zyklopen Jesus besiegt die Dämonen
Odysseus Männer entkommen über eine Viehherde (klammern sich an die Bäuche von Schafen) Die Dämonen entkommen über eine Viehherde. "Und die Teufel baten ihn alle und sprachen: Laß uns in die Säue fahren!"
Odysseus kehrt auf sein Schiff zurück und ruft dem Zyklopen zu, wer er wirklich sei, Odysseus, König von Ithaka Jesus kehrt auf sein Schiff zurück und ruft dem Mann zu, diese Wohltat Gottes zu loben.

DeutungenBearbeiten

John Dominic Crossan glaubt, die Geschichte könne eine Parabel für den Widerstand gegen die römische Herrschaft sein. Das wäre eine Erklärung, warum in den Evangelien jeweils Gadara, Gerasa und Gergesa als Ort der Handlung angegeben werden: Alle drei stehen synonym für Caesarea, den Ort des tatsächlichen Geschehens jener Zeit. Diese Deutung entbehrt nicht einer gewissen Originalität, aber sie ist alles andere als plausibel: Alle drei Synoptiker lokalisieren das Ereignis am See von Genesareth, dem „Galiläischen Meer“ – Caesarea Maritima liegt aber an der Küste, und zwar in Samarien. Auch dürfte es keinem griechisch Sprechenden unterlaufen, Caesarea zu meinen und Gerasa (so bei Mk und Lk) bzw. Gadara (so bei Mt) zu schreiben.

In seinem Buch Das Messias-Rätsel beschreibt Joseph Atwill eine andere Deutung. Die Geschichte könnte demnach eine Darstellung von Titus Flavius Vespasianus (als der Messias) sein, seinen römischen Legionen im Kampf gegen die Zeloten und deren Aufstand in Caesarea Maritima (siehe auch Jüdischer Krieg). Die Schweine könnten auch eine Anspielung auf die Legio X Fretensis sein, die Jerusalem ab dem Jahr 70 besetzte und unter anderem einen Eber als Symbol trug.

Erwähnungen in der Popkultur (Auswahl)Bearbeiten

  • William Peter Blattys Romanvorlage zu Der Exorzist III trägt den Namen Legion.
  • In der Comicverfilmung Ghost Rider nennt sich der Charakter Blackheart selbst Legion, nachdem er am Ende des Films 1000 Seelen absorbiert hat. Er verwendet auch die Worte „… denn wir sind viele.“
  • Der Endboss des Videospiels Shadow Man aus dem Jahr 1999 heißt Legion. Er benutzt häufig die Phrase „Denn unser sind viele“; es wird innerhalb des Spiels auch auf die Bibelstelle Mk 5,9 verwiesen.
  • Eine Textzeile des Songs I vom Black Sabbath-Album Dehumanizer lautet „I am wicked/I am Legion“.
  • Die deutsche Band Tocotronic veröffentlichte 2007 auf ihrem Album Kapitulation den Song Wir sind viele mit der Textzeile „Wir sind viele / Unser Name ist Legion“.
  • Der Song Ich bin viele der deutschen Metal-Band Eisregen enthält die Zeile „Denn ich bin viele, mein Name ist Legion“.
  • Das zweite Studioalbum der antichristlichen Death-Metal-Band Deicide trägt den Titel Legion.
  • Der Refrain des Songs "United in Hate" vom Album Phantom Antichrist der deutschen Thrash-Metal-Band Kreator lautet "We are legion/ We are legion united in Hate".
  • Der Song Fürst der Finsternis des deutschen Musikprojekts E Nomine beinhaltet die Textzeile "Mein Name ist Legion, denn wir sind viele".
  • Ein Charakter in der Videospielreihe Mass Effect nennt sich selbst "Legion". Er zitiert aus der Bibel: "I am Legion, for we are many" und findet den Namen passend, da er die repräsentierende Gestalt eines Kollektivs aus tausenden KIs ist.

LiteraturBearbeiten

  • Joseph Atwill: Caesar’s Messiah: The Roman Conspiracy to Invent Jesus. Ulysses Press, 2005, ISBN 1-56975-457-8.
  • Joseph Atwill: Das Messias Rätsel. Allegria, Ullstein Buchverlage GmbH, 2008, ISBN 978-3-7934-2091-0.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Macdonald, Dennis R.: Homeric epics and the gospel of mark. Yale University Press, 2010, ISBN 0-300-17261-3 (worldcat.org [abgerufen am 31. März 2019]).
  2. Markus-Evangelium. 14. November 2016, abgerufen am 31. März 2019 (deutsch).