La Gendronnière

Buddhistischer Tempel und Schloss im Département Loir-et-Cher, Frankreich

Der 1980 gegründete Tempel La Gendronnière in der Nähe von Blois ist einer der europäischen Haupttempel der Sōtō-Schule des Zen-Buddhismus.[1] La Gendronnière ist ein Schloss und ein Besitz von 75 Hektar in einem Wald am Rand der Sologne gelegen, im Loire-Tal, 15 Kilometer südlich von Blois.

Das Schloss

Geschichte und LageBearbeiten

 
Große Glocke (Bonsho) und links der Eingang zum großen Dojo

Der Tempel wurde 1980 von Meister Taisen Deshimaru gegründet, der das Sōtō-Zen von Japan nach Frankreich brachte. Sein vollständiger Name ist Zendonien Tai Sei Bukkyo Dai Ichi, was soviel bedeutet wie: "Haupt-Soto-Dojo des Westens für die Lehre des Buddha". Ein Schild an der großen Glocke bezeichnet den Ort als "La Gendronnière, der Haupttempel des Zen im Westen". Schloss ohne Furcht[2][3]

In der Folge wurde der Sōtō-Tempel zum Versammlungsort für die verschiedenen Sanghas im Zusammenhang mit Meister Deshimaru. Alljährlich findet in dort ein Sommerlager (Sesshin) statt und aller 2 bis 3 Jahre werden Kolloquien mit mehreren Hundert Teilnehmern abgehalten. Das Sommerlager steht in der Tradition des Ango (der Zeit des sommerlichen Rückzugs), die durch Siddhartha Gautama gegründet wurde und durch Meister Deshimaru aktualisiert und an usere Zeit angepasst wurde. Zum Ango finden sich Praktizierende aus aller Welt zusammen.[4]

Jeden Monat werden im Tempel Sesshins organisiert. Die Unterweisung wird wie beim Sommerlager von den ältesten Schülern des Gründers gegeben. Gleichzeitig finden andere Arten von thematischen Retreats und Workshops (z. B. Shodō, Kalligraphie; Sumi-e, Pinsel- und Tuschemalerei; Ikebana, Blumenarrangements) statt, welche das Erlernen einer Kunst oder Disziplin mit der Zen-Meditation kombinieren: Retreats wie „Goldene Hände“, „Der Geist der Geste“, „Künste und Gesundheit“ usw.[5]

Heute ist der Tempel La Gendronnière der Mittelpunkt der großen Sangha, die die Association Zen Internationale darstellt. Hunderte Schüler aus allen Nationen, jeden Alters und sehr verschiedener Herkunft versammeln sich dort, um in der größten Konzentration Zazen, Zeremonien, meditative Arbeit (Samu) für die Sangha zu praktizieren und eine Unterweisung zu empfangen, die es erlaubt, das Verständnis der Lehre Buddhas zu vertiefen. Das ganze Jahr hindurch werden dort zahlreiche Sesshins (intensive Übungsperioden) organisiert.

Nach dem Tod von Deshimaru (1982)[6] wurde ein Teil seiner Asche auf La Gendronnière beigesetzt.

GebäudeBearbeiten

Taisen Deshimaru ließ von seinen Schülern zusätzlich zum Schloss aus dem 19. Jahrhundert und den bestehenden Nebengebäuden ein großes Dōjō errichten, das bis zu 400 Praktizierende aufnehmen kann. Eine völlig neue Infrastruktur (Sanitäranlagen, Küche, Unterkünfte) wurde ebenfalls unter seiner Leitung gebaut.

Mehrere Gebäude bilden den Tempelkomplex. Das Nervenzentrum ist das große 400 m² umfassende Dojo (Meditationshalle), in dem Zazen (Sitzmeditation), Kinhin (Gehmeditation) und Zeremonien stattfinden. Später wurde ein kleineres Dojo, das an das große Dojo angrenzt, für das tägliche Leben gebaut. Der gesamte Komplex befindet sich in einem 80 Hektar großen Anwesen, in einem großen Wald, der mit kleinen Seen durchsetzt ist.[7]

 
Innenansicht des großen Dojos

Meister und Lehrer (Auswahl)Bearbeiten

 
Meister Olivier Wang-Genh. La Gendronnnière (1994)

Philippe Reiryu Coupey (geb. 1937) kam 1968 aus der USA nach Frankreich, praktizierte ab 1972 Zazen im Pariser Dojo bei Meister Deshimaru. leitet seit 1980 Sesshins in Europa und ist seit 1982 einer der Lehrer des Pariser Dojos. Seit 1994 leitet er jedes Jahr eines der Sommerlager auf der Gendronnière. Philippe Coupey ist derzeit der spirituelle Leiter für etwa dreißig Dojos und Gruppen in Frankreich, Deutschland und der Schweiz.[8] Seit 1994 leitet er jedes Jahr eine der Sommerlager Seshins auf der Gendronnière.[9]

Jiko Simone Wolf (geb. 1940) begann im Pariser Dōjō Pernety mit Deshimaru Zazen zu üben. Nach seinem Tod gründete sie 1982 das Zen-Zentrum von La Chaux-de-Fonds in der Schweiz. 2004 erhielt sie die Dharma-Übertragung von Yuko Okamoto Rōshi und gründete 2009[10] den Ryokuinzan-Kōsetsu-ji-Tempel in der Nähe von La Chaux-de-Fonds, verbreitet Sōtō-Zen hauptsächlich in der Schweiz sowie auf der La Gendronnière und ist eine der Verantwortlichen der AZI.[11]

Roland Yuno Rech (geb. 1944) war von 1972 bis 1982 Schüler von Taisen Deshimaru. Seit dem Tod seines Meisters widmet sich Roland Y. Rech der Praxis und der Unterweisung des Zen bei der AZI. 1984 erhielt er die Dharma-Übertragung von Niwa Rempo Zenji. Er leitet den Tempel Gyobutsu-ji in Nizza (Frankreich) und Sesshins in mehreren Ländern, vor allem in Frankreich, Belgien, Deutschland und Italien.[12]

Laure Hosetsu Scemama (geb. 1948) praktiziert seit 1977. Sie hat sich aktiv in den Dōjōs von Marrakesch und Toulon engagiert, war Gründungsmitglied des Klosters Kanshoji (Dordogne) und gründete 2003 das Zen-Zentrum Limoges. Sie unterrichtet in Frankreich sowie anderen Ländern und erhielt 2008 die Dharma-Übertragung von Donin Minamizawa Rōshi. Sie ist ein Kyoshi (zertifizierter Lehrer), stellvertretende Äbtissin des Klosters Kanshoji und eine der Verantwortlichen der AZI.[13]

Olivier Reigen Wang-Genh (geb. 1955) praktiziert seit 1973. Er erhielt die Ordination zum Mönch von seinem Meister 1977 und folgte ihm bis zu dessen Tod. Das von Ihm geleitete Dōjō von Straßburg wurde zum regionalen Zentrum, das große Retreats in den Vogesen organisierte. Er gründete 1999 den Tempel Kosan Ryumon Ji in Weiterswiller (Elsass). 2001 erhielt er die Übertragung des Dharma von Meister Dosho Saikawa. Seit 2007 ist er Präsident der Buddhistischen Union Frankreichs. Er ist einer der Verantwortlichen der AZI.[14]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. La lignée du bouddhisme Zen Sôtô de Denshinji. Abgerufen am 14. Juli 2021 (englisch, französisch, japanisch).
  2. Shikantaza, seulement s’asseoir, Evelyn Reiko De Smedt, DVD
  3. Xavier Ternisien: Être zen, entre spiritualité et effet de mode. Abgerufen am 18. Juli 2018 (französisch).
  4. Der Tempel "La Gendronnière" Ein Versammlungsort für Zen-Praktizierende aus aller Welt... Temple Zen Ryumonji, abgerufen am 15. Juli 2021 (deutsch, französisch).
  5. Activities at La Gendronnière. Association Zen Internationale (AZI), abgerufen am 4. August 2021 (englisch, französisch).
  6. Pierre Dōkan Crépon: Meister Taisen Deshimaru und die Verbreitung des Zen in Europa. Temple Zen Ryumon-ji, abgerufen am 15. Juli 2021 (deutsch, französisch, englisch).
  7. Présentation du monastère Le temple zen de La Gendronnière. AZI, abgerufen am 14. Juli 2021 (englisch, französisch).
  8. Philippe Reiryu Coupey. In: Association Zen Internationale. Abgerufen am 8. August 2021 (englisch, französisch).
  9. Reiryu Philippe Coupey. Association Zen Internationale, abgerufen am 8. August 2021 (französisch, englisch).
  10. Une communauté ouverte ancrée dans une tradition. Qui sommes-nous. In: Monastère bouddhique de la tradition zen Sôtô. Abgerufen am 24. Februar 2020 (französisch).
  11. Association zen internationale – Simone Jiko Wolf. Abgerufen am 8. August 2021 (französisch).
  12. Zen-Meister | Roland Yuno Rech. In: Zen-Guide Deutschland. Abgerufen am 5. August 2021 (deutsch).
  13. Laure Hosetsu Scemama. In: Association Zen Internationale. Abgerufen am 12. Februar 2021 (französisch).
  14. Olivier Reigen Wang-Genh. Abgerufen am 5. August 2021 (englisch, französisch).

Koordinaten: 47° 28′ 45″ N, 1° 15′ 24″ O