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Wappen derer von der Lühe

Lühe ist der Name eines alten nordostdeutschen Adelsgeschlechts. Die Herren von der Lühe gehören zum mecklenburgischen Uradel. Zweige der Familie bestehen bis heute.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

HerkunftBearbeiten

Die Vorfahren der Familie kamen höchstwahrscheinlich aus der heutigen Samtgemeinde Lühe entlang der gleichnamigen Lühe, einem Nebenfluss der Unterelbe im Alten Land. Sie waren vermutlich mit den von Zesterfleth, die an der Lühe einen Bergfried besaßen, stammesgleich, da der Vogt und Ritter Otto von der Lühe, dessen Schenkung zugunsten des Klosters Doberan am 6. Dez. 1305 Fürst Heinrich von Mecklenburg beurkundete, noch das gleiche Wappen wie die von Zesterfleth führte.  

Nach der ungesicherten Familienüberlieferung gelangten sie im Gefolge von Heinrich dem Löwen nach Mecklenburg. Sie hatten den Auftrag, Bauern aus Niedersachsen und Westfalen anzusiedeln.[1]

Erstmals urkundlich erwähnt wird das Geschlecht am 28. Juni 1240 mit den Ordensrittern Reinhardus, Olricus, Johannes, Heidenricus, Hermannus und Heinricus de Lu.[2] Die ununterbrochene Stammreihe beginnt mit Heinrich von der Lühe, der ab 1366 in Urkunden erscheint.[3]

Der älteste Stammsitz der Lühes war Kölzow, heute ein Ortsteil der Gemeinde Dettmannsdorf bei Ribnitz-Damgarten im Landkreis Vorpommern-Rügen. Sie errichteten eine Wehrturmanlage mit Ringgraben auf einer Insel. Die dortige neben dem Gutshof erbaute Feldsteinkirche Kölzow gehört zu den ältesten Kirchenbauten in Mecklenburg-Vorpommern. Der 1233 geweihte Chorraum ist romanischen Ursprungs. Bei Sanierungsarbeiten 1987 wurden eindrucksvolle Freskenbilder aus dieser Zeit wiederentdeckt und freigelegt. Sie zeigen die Wahl einer Prinzessin und sind die frühesten Familienbilder derer von der Lühe.[1]

Ausbreitung und PersönlichkeitenBearbeiten

Nach Kneschke waren auch die 1301 erschienenen Heinricus und Otto de Lü Familienmitglieder. 1523 gehörten die Herren von der Lühe zu den Mitunterzeichnern der Union der Landstände. Im 16. Jahrhundert wurden Angehörige der Familie auch in Braunschweig sesshaft. Georg von der Lühe begleitete 1530 den Herzog von Braunschweig auf dem Reichstag zu Augsburg. Heinrich von der Lühe, herzoglich Braunschweiger Rat, wurde 1570 wegen der Konkordienformel vom Braunschweiger Hof zu Kurfürst August von Sachsen entsendet.[4]

Joachim von der Lühe war zunächst herzoglich mecklenburgischer Oberst und später Hofmarschall und Geheimrat. Er starb 1588 unverheiratet. Heinrich († 1591) wurde Stiftshauptmann zu Halberstadt und Paschen von der Lühe Präsident des Landgerichts zu Sternberg und Klosterhauptmann des Klosters Dobbertin. Er starb 1653 ohne Nachkommenschaft. Dietrich von der Lühe († 1673) war erst herzoglich güstrowscher Prinzenhofmeister und später Geheimrat und Präsident aller Kollegien. Er hinterließ aus zwei Ehen vier Söhne. Sohn Jacob Friedrich von der Lühe wurde königlich dänischer Generalleutnant und ab 1730 Kommandant des Leibregiments der Königin. Einer seiner Brüder war königlich dänischer Oberlanddrost. Curt Heinrich von der Lühe, kurbraunschweiger Oberappellationsgerichtsrat, wurde 1738 fürstlich ostfriesischer Geheimrat.[4]

Zahlreiche, während des 18. Jahrhunderts in königlich dänischen Diensten stehende Angehörige, erhielten dänische Adelsnaturalisationen. So am 15. Februar 1776 der königlich dänische Kammerherr, Geheime Konferenzrat und Oberpräsident von Kopenhagen Volrad Augustin von der Lühe. Ebenso Andreas Augustin von der Lühe, königlich dänischer Generalmajor der Infanterie, am 7. März 1776, sowie dessen Bruder Julius Didrik von der Lühe, königlich dänischer Premierleutnant am 22. Mai 1776. Der königlich dänische Kammerjunker Friedrich Carl Aemilius von der Lühe erhielt am 25. Juni 1777 die dänische Adelsnaturalisation und im gleichen Jahr Augustin von der Lühe sowie dessen Bruder Hans Otto, der spätere königlich württembergische Justizminister.[3]

Als Offiziere in kurbrandenburgischen bzw. königlich preußischen Diensten standen unter anderem Friedrich Matthias von der Lühe († 1792) als Rittmeister und Eckars von der Lühe starb 1843 als Hauptmann. Dessen gleichnamiger Sohn war Leutnant im 21. Infanterie-Regiment.

Ein Geschlechtsverband wurde 1886 gegründet.

BesitzungenBearbeiten

 
Herrenhaus Kölzow
 
Herrenhaus Pütnitz

Der Stammsitz Kölzow war noch bis 1768 in Familienbesitz und ging dann an die Familie von Prollius auf Stubbendorf. 1925 erwarb es Prinz Friedrich Sigismund von Preußen, der es bis 1945 behielt. 1997 wurde es von Detlef und Ute von der Lühe erneut übernommen und ist seit dem Jahre 2000 in deren Besitz. Nach einer gründlichen Sanierung erhielt die Familie im September 2009, in Anerkennung der Verdienste um den Erhalt kulturellen Erbes, die Denkmalplakette des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Im Schloss werden Ferienzimmer und Festräume vermietet.

2011 erwarben Nikolaus und Diana von der Lühe das unweit von Damgarten gelegene Gutshaus Pütnitz, in dem ebenfalls Ferienwohnungen und Festsäle bewirtschaftet werden.

Weitere frühe Besitzungen in Mecklenburg waren seit 1433 Panzow, seit 1450 Marlow und Sülten; Gut Kneese-Hof bei Marlow war von 1516 bis 1824 im Besitz der Familie. Nahe Panzow befinden sich die ehemals Lühe'schen Güter im heutigen Amt Neubukow-Salzhaff: Rakow, Teßmannsdorf und Klein Strömkendorf (Ortsteile von Am Salzhaff) sowie Spriehusen, Drüschow, Steinbrink und Buschmühlen (alle in der Gemeinde Neubukow).[5]

Im 16. Jahrhundert konnten Güter in Braunschweig erworben werden, später auch in Pommern. Dort waren Angehörige zu Stöwen, Marsow, Hechthausen, Sellnow, Sorge, Zarnefanz, Birkholz, Grüneberg und Kanzig besitzlich.

Während des 19. Jahrhunderts war in Mecklenburg ein Major von der Lühe zu Redderstorf begütert und ein Herr von der Lühe auf Schabow. In Pommern besaßen Angehörige der Familie Mitte des 19. Jahrhunderts die Güter Naffin und Zarnefanz im ehemaligen Landkreis Belgard und Grochnow im Landkreis Sternberg. Friedrich Carl Johann von der Lühe war Herr auf Stöwen im Landkreis Dramburg.

WappenBearbeiten

 
Wappen derer von der Lühe an einer Grabplatte in der Dorfkirche Woosten

FamilienwappenBearbeiten

Das Wappen zeigt in Silber eine aufsteigende fünfmal gezinnte blaue Spitze. Auf dem Helm mit blau-silbernen Decken eine wachsende goldgekleidete und goldgekrönte Jungfrau mit offenem goldenen Haar, mit beiden Händen einen goldenen Ring mit Stein vor sich haltend.[3]

WappensageBearbeiten

Zwei Brüder de Lu, beide Ritter in Diensten von Heinrich dem Löwen, befreiten eine wendische Prinzessin aus einer brennenden Burg, vermutlich der Burg Ilow bei Wismar, eine der Hauptburgen des Wenden-Fürsten Niklot, die dieser brennend aufgab, bevor er sich vor den Truppen Heinrichs des Löwen auf seine letzte Festung, Burg Werle, zurückzog. Beide Brüder waren von der Schönheit der Prinzessin verzaubert und begehrten sie zur Frau. Die Prinzessin, die beiden zugetan war, traf die Wahl. Schließlich gab sie einem Bruder einen Strauß, der andere bekam einen goldenen Reif. Dieser war der auserwählte Gatte. Seit dieser Zeit ziert eine gekrönte Prinzessin das Wappen der Familie von der Lühe. Die Wappen der Nachfahren beider Brüder sind identisch – mit einer Ausnahme: Bei den Nachkommen des Bruders, der die Prinzessin heiratete, hält sie einen Ring in ihren Händen, bei den Nachfahren des anderen einen Blumenstrauß. Beide Familienzweige existierten bis in das 18. Jahrhundert. Die Familie mit dem Strauß starb dann aus. Die heute lebenden Namensträger haben den Ring im Wappen.

Bekannte FamilienmitgliederBearbeiten

 
Bildwappen an der Gebetsloge auf der Nonnenempore in der Klosterkirche Dobbertin

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b www.schloss-koelzow.de (Memento des Originals vom 27. Januar 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schloss-koelzow.de
  2. Mecklenburgisches Urkundenbuch Bd. 1 Nr. 511
  3. a b c Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band VIII, Band 113 der Gesamtreihe, S. 100–101.
  4. a b Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 6, S. 40–41.
  5. Walter Haak: Neubukow, Zur Geschichte einer kleinen Mecklenburgischen Stadt. HrsG Stadt Neubukow 2000 Seiten 69 bis 75
  6. Louis Bobé: v. d. Lühe, Adolph Andreas. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537–1814. 1. Auflage. Band 10: Laale–Løvenørn. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1896, S. 500 (dänisch, runeberg.org).
  7. H. W. Harbou: v. d. Lühe, Andreas Augustin. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537–1814. 1. Auflage. Band 10: Laale–Løvenørn. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1896, S. 500–501 (dänisch, runeberg.org).
  8. J. Bloch: v. d. Lühe, Frederik Carl Emil. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537–1814. 1. Auflage. Band 10: Laale–Løvenørn. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1896, S. 501 (dänisch, runeberg.org).
  9. Louis Bobé: v. d. Lühe, Hartnack Otto. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537–1814. 1. Auflage. Band 10: Laale–Løvenørn. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1896, S. 502 (dänisch, runeberg.org).
  10. Louis Bobé: v. d. Lühe, Joachim Christoph. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537–1814. 1. Auflage. Band 10: Laale–Løvenørn. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1896, S. 502 (dänisch, runeberg.org).
  11. Louis Bobé: v. d. Lühe, Volrad August. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537–1814. 1. Auflage. Band 10: Laale–Løvenørn. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1896, S. 502–503 (dänisch, runeberg.org).