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Krankenpfleger ist eine im deutschsprachigen Raum verkürzt verwendete Berufsbezeichnung für Personen, die einen Heilberuf im Gesundheitswesen ausüben. Grundlage dafür ist eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege. Die ältere und häufig noch im allgemeinen Sprachgebrauch verwendete Bezeichnung für in diesem Bereich tätige Frauen ist Krankenschwester, die zum Teil weiter verkürzt wird zu Schwester.

Die verschiedenen Ausbildungsgesetze für Pflegeberufe in Deutschland, Österreich und in der Schweiz sehen jeweils neue geschützte Berufsbezeichnungen vor, wobei in Deutschland die alten Berufsbezeichnungen Krankenpfleger und Krankenschwester weiterhin geschützt sind, aber gegen die neuen ausgewechselt werden können.

Inhaltsverzeichnis

Zum Begriff der KrankenschwesterBearbeiten

Pflegerinnen mit und ohne eine staatliche Anerkennung ihrer Berufsausbildung werden zwar oft als „Schwester“ angesprochen, jedoch ist diese Anrede keine offizielle Berufsbezeichnung, sondern traditionell aus der Anrede von Angehörigen religiöser Gemeinschaften, von Nonnen/Ordensschwestern bzw. Diakonissen, als Schwester (englisch sister, lateinisch soror) entstanden.[1] Die Anrede und die Selbstbezeichnung als Krankenschwester ist eine in Deutschland seit 1953 gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Pflegepersonen ohne die entsprechende abgeschlossene Ausbildung dürfen sie nicht verwenden.

Einige Daten zur Herausbildung einer „weltlichen“ KrankenpflegeBearbeiten

Die folgenden Daten stehen für eine historische Entwicklung der Tätigkeiten von Krankenschwestern, die fast ausschließlich in kirchlichen Diensten tätig waren hin zu einem Erwerbsmodell von zunächst ehelosen und dann einfach zu überwiegend weiblichen Berufstätigen in einer Dienstleistungsgesellschaft.

Kirchliche Mutterhäuser, deren „Schwestern“ ja längst nicht alle in der Krankenpflege tätig waren oder sind, wurden im Laufe der Jahre zum Teil zu Krankenhausbetreibern, denen sich in einigen Fällen selbst Chefärzte als Angestellte unterordneten. Diese Mutterhäuser haben Pflege auch als Form der Nächstenliebe und als Gelegenheit zur Bekehrung religionsloser Menschen ausgeübt. Von diesen kirchlich verorteten Frauengemeinschaften trennten sich, so zeigt es die Berufsgeschichte der Krankenpflege, später Einzelpersonen und Gemeinschaften ohne kirchliche Bindungen. Die bekanntesten Gruppen sind darunter die Rot-Kreuz-Schwesternschaften (in Deutschland seit 1882[2]) und der Agnes-Karll-Verband (seit 1903)

Markant ist der Einschnitt in der englischen Gesellschaft, der hier mit 1860 angegeben wird. Das Nightingalsche Ausbildungsmodell existiert in Europa erstmals in dem Beruf ohne eine feste Verbindung zu kirchlichen Strukturen.

  • 1859: Die Ecole La Source wurde in der Schweiz als erste Laien-Krankenpflegeschule der Welt gegründet und ist inzwischen ein Zentrum für die Geschichte der Krankenpflege. Darüber hinaus ist sie in der Forschung und Entwicklung des Berufes tätig. Träger ist das SRK, Gründerin: Valérie de Gasparin, die sich explizit gegen das Diakonissen-System wandte.
  • 24. Juni 1860: in London wird die Nightingale School of Nursing mit 15 weiblichen Auszubildenden in einem Alter zwischen 25 und 35 Jahren am St. Thomas’ Hospital (London) eröffnet
  • 1885: In Berlin wird die Krankenpflegeschule Viktoriahaus gestiftet (Kronprinzessin Viktoria). Es stand beim Krankenhaus Friedrichshain. Die Pflegerinnen von hier wurden Viktoriaschwestern genannt und wurden nach dem englischen Vorbild für den Hospitaldienst, besonders an armen und kinderreichen Familien, ausgebildet.
  • ab 1906: Die "Vorschriften über die staatliche Prüfung von Krankenpflegepersonen" wurde eingeführt, die Schwestern und Wärter legten künftig staatliche Prüfungen ab. In Anlehnung an die Vorschriften von Preußen folgten die einzelnen Länder zu verschiedenen Zeitpunkten: Württemberg, Hessen und Lippe 1908, Sachsen und Bremen 1909, Mecklenburg-Schwerin 1915, Baden 1919, Hamburg 1921, Thüringen 1922, Bayern 1924. Die Regelungen für die allgemeine Krankenpflege galten nicht für die Irrenpflege (Wärter). Hier blieb der Status erhalten, dass die einzelnen Direktoren je nach Gutdünken mehr oder weniger Unterricht hielten.
  • 1925: Erlass der ersten Ausbildungsrichtlinien für Krankenschwestern in der Schweiz (Bern)
  • 1927: Werner-Schule vom Roten Kreuz. Erste Leiterin Erna Wittich.
  • 1953: Erstes Krankenpflegegesetz in der BRD; besondere Bezeichnung der Männer in diesem Ausbildungsberuf wird gesetzlich geschützt.[3]
  • 2004: Erst mit dem 4. Krankenpflegegesetz der BRD wurde für die danach ausgebildeten Pflegefachkräfte die neue staatlich geschützte Berufsbezeichnung Gesundheits- und Krankenpflegerin bzw. -er, resp. für die Kinder-, eingeführt. Der gesetzliche Schutz der ehemaligen Berufsbezeichnungen wurde dabei nicht aufgehoben, die nach dem dritten KrpflG von 1985 ausgebildeten Krankenschwestern, Krankenpfleger, Kinderkrankenschwestern und Kinderkrankenpfleger konnten wahlweise die bisherige Berufsbezeichnung weiter führen oder die neue Bezeichnung verwenden.

Derzeitige Ausbildungen im Berufsfeld KrankenpflegeBearbeiten

Die Ausbildung ist, wie auch die exakten Berufsbezeichnungen, national gesetzlich verschieden geregelt:

  • Deutschland: seit 2004 Gesundheits- und Krankenpfleger/-in. Pflegefachpersonal, das seine Ausbildung vor 2004 beendet hat, darf die ursprüngliche und immer noch geschützte Berufsbezeichnung Krankenschwester bzw. Krankenpfleger wahlweise weiter führen. Die Anzahl der im Beruf tätigen Männer bewegt sich seit Jahrzehnten in der Größenordnung um 10–15 Prozent der Absolventen. In der Kinderkrankenpflege ist der Männer-Anteil sehr gering. Ab 1. Januar 2020 ist die Berufsbezeichnung Pflegefachmann bzw. Pflegefachfrau.[4]
  • Österreich: Diplomierte/r Gesundheits- und Krankenpfleger/-in (schulisch oder als Fachhochschul-Studiengang)[5] (allgemeine Bezeichnung: Diplomierte Pflegeperson)
  • Schweiz, Liechtenstein: Pflegefachfrau/Pflegefachmann (seit 2004) respektive Krankenpfleger FA SRK
  • USA: Die Ausbildung zum/zur Registered Nurse (R.N.) findet in der Regel in den USA als Studiengang in der Pflege (Nursing) an Hochschulen und Colleges statt. Um in einem bestimmten US-Bundesstaat arbeiten zu können, muss dort eine Zulassung beantragt und in der Regel eine weitere Prüfung (National Council Licensure EXamination-Registered Nurse; NCLEX-RN) abgelegt werden.[6]

Seit 2016 erfolgt in der EU die länderübergreifende Anerkennung im Verfahren des Europäischen Berufsausweises.

BeschäftigteBearbeiten

Nach den verfügbaren Zahlen handelt es sich bei der professionellen Pflege um einen typischen Frauenberuf. Im Jahr 2007 waren in Deutschland 638.787 Menschen als Gesundheits- und Krankenpfleger sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Frauenquote betrug 86,3 Prozent (also bei 13,7 % Männern). Während die Zahl der Beschäftigten unter 25 Jahren in den Jahren von 1999 bis 2007 von 8,0 % auf 6,0 % und die der zwischen 25- und 35-Jährigen im gleichen Zeitraum um 9 Prozentpunkte auf 23,4 % gesunken ist, ist inzwischen über die Hälfte der Gesundheits- und Krankenpfleger 35 bis 50 Jahre alt. Die Gruppe der über 50jährigen Pflegenden ist von 1999 bis 2007 von 12,2 % auf 20,6 % gestiegen. [7]

LiteraturBearbeiten

  • Ruth Elster: Der Agnes-Karll-Verband und sein Einfluss auf die Entwicklung der Krankenpflege in Deutschland. Ein Beitrag zur Geschichte der Pflegeberufe und eines Berufsverbandes. Frankfurt/ Main 2000.
  • Ilse Schulz: Schwestern, Beginen, Meisterinnen. Hygieias christliche Töchter im Gesundheitswesen einer Stadt. Ein Beitrag zur Geschichte der Pflege und Heilkunde. Ulm 1992.
  • Elisabeth Seidl: Pflege im Wandel. Das soziale Umfeld der Pflege und seine historischen Wurzeln dargestellt anhand einer empirischen Untersuchung. Wien, München, Bern 1993.

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Krankenpfleger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einkommens- und Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen – Auswertung zu Berufen aus dem Bereich Gesundheits- und Krankenpflege der Hans-Böckler-Stiftung

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jonathan Gawlitta, René A Bostelaar: Aus für "Schwester Anja". Klinikum der Universität Köln untersucht den Umgang mit Namensschildern. In: Die Schwester/Der Pfleger 44:11/2005 S. 890-893, Bibliomed.
  2. Sigrid Schmidt-Meinecke: Der Ruf der Stunde. Schwestern unter dem Roten Kreuz. Oberinnen-Vereinigung im Deutschen Roten Kreuz, Kohlhammer, Stuttgart 1963, S. 16–17.
  3. Gesetzentwurf u. Begründung. Übrigens war die Bezeichnung Kinderkrankenpfleger damals ausdrücklich nicht vorgesehen. Es gab somit erstmals geschützte Berufsbezeichnungen – aber für diesen Personenkreis keine geschützten Tätigkeiten.
  4. § 1 des Pflegeberufegesetzes vom 17. Juli 2017 (BGBl. I S. 2581, 2582), siehe auch die Pflegeberufe-Ausbildungs- und -Prüfungsverordnung vom 2. Oktober 2018 (BGBl. I S. 1572)
  5. Berufsinformationssystem - Dipl. Gesundheits- und KrankenpflegerIn. In: ams.at. Abgerufen am 26. Oktober 2017.
  6. www.educationusa.de, abgerufen am 30. Juli 2015
  7. Hrsg. der Informat. ist die Bundesagentur für Arbeit: Berufe im Spiegel der Statistik 1999–2007.