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Krankenpfleger

Heilberuf im Gesundheitswesen
Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.
Krankenschwester auf MS Deutschland

Die Bezeichnungen Krankenpfleger bzw. Krankenschwester werden im deutschsprachigen Raum – zum Teil verkürzt zu Pfleger und Schwester – synonym als allgemeine Berufsbezeichnung für Personen verwendet, die einen Gesundheitsberuf oder nichtakademischen Heilberuf im Gesundheitswesen ausüben. In Deutschland sind sie geschützte Berufsbezeichnungen reglementierter Berufe.

Grundlage für den Beruf ist eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege. Die verschiedenen Ausbildungsgesetze für Pflegeberufe in Deutschland, Österreich und in der Schweiz sehen jeweils neue geschützte Berufsbezeichnungen vor, wobei in Deutschland die alten Berufsbezeichnungen Krankenpfleger und Krankenschwester weiterhin geschützt sind, aber gegen die neuen ausgewechselt werden können. Dort ist eine weitere Veränderung ab 2023 gesetzlich vorgesehen.

Inhaltsverzeichnis

Zum Begriff der KrankenschwesterBearbeiten

Pflegerinnen mit und ohne eine staatliche Anerkennung ihrer Berufsausbildung werden zwar oft als „Schwester“ angesprochen, jedoch ist diese Anrede keine offizielle Berufsbezeichnung, sondern traditionell aus der Anrede von Angehörigen religiöser Gemeinschaften, von Nonnen/Ordensschwestern bzw. Diakonissen, als Schwester (englisch sister, lateinisch soror) entstanden.[1] Die Anrede und die Selbstbezeichnung als Krankenschwester ist eine in Deutschland seit 1953 gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Pflegepersonen ohne die entsprechende abgeschlossene Ausbildung dürfen sie nicht verwenden.

Einige Daten zur Herausbildung einer „weltlichen“ KrankenpflegeBearbeiten

Die folgenden Daten stehen für die historische Entwicklung der pflegerischen Tätigkeiten von Schwestern und Pflegern, die zunächst fast ausschließlich in kirchlichen Diensten tätig waren (Pflegeorden), über ein Erwerbsmodell von Lohnwärtern oder ehelosen, an ein Mutterhaus gebundene Krankenpflegerinnen, hin zu nicht organisierten Berufstätigen in einer Dienstleistungsgesellschaft.

Kirchliche Mutterhäuser, deren „Schwestern“ nicht alle in der Krankenpflege tätig waren oder sind, wurden im Laufe der Jahre zum Teil zu Krankenhausbetreibern, denen sich in einigen Fällen selbst Leitende Ärzte als Angestellte unterordneten. Diese Mutterhäuser übten Pflege als Form der Nächstenliebe und als Gelegenheit zur Bekehrung religionsloser Menschen aus. Neben diesen kirchlich verorteten Pflegegemeinschaften entstand mit dem sogenannten Lohnwartesystem erstmals bezahlte Pflegetätigkeit. Im 19. Jahrhundert entstanden als weltliche Organisationen vaterländische Frauenvereine insbesondere für die Pflege im Krieg. Die bekanntesten Gruppen sind darunter die Rot-Kreuz-Schwesternschaften (in Deutschland seit 1882[2]) und seit Anfang des 20. Jahrhunderts der Agnes-Karll-Verband (seit 1903).[3]

Markant ist der Einschnitt in der englischen Gesellschaft, der hier mit 1860 angegeben wird. Das Nightingalesche Ausbildungsmodell sieht Krankenpflegeschulen vor, die Krankenhäusern nur zu Ausbildungszwecken angeschlossen sind. Es verbreitete sich im anglo-amerikanischen Raum und in skandinavischen Ländern, fand in Deutschland jedoch keine Anerkennung, da hier die Vorstellung von Pflege als Ausdruck der Nächstenliebe vorherrschte, was die Entwicklung eines beruflichen Selbstverständnisses behinderte.[4]

  • 1782: Franz Anton Mai gründet in Mannheim die erste deutsche Krankenwärterschule, die bald als „Hohe Schule“ der Universität Heidelberg eingegliedert wurde und bis 1806 bestand.
  • 1859: Die Ecole La Source wird als erste säkulare Krankenpflegeschule in Lausanne gegründet.[5] Sie ist inzwischen ein Zentrum für die Geschichte der Krankenpflege. Darüber hinaus ist sie in der Forschung und Entwicklung des Berufes tätig. Träger ist das Schweizerische Rote Kreuz; die Gründerin Valérie de Gasparin wendet sich explizit gegen das Mutterhaussystem.
  • 1860: In London wird die Nightingale School of Nursing mit 15 weiblichen Auszubildenden in einem Alter zwischen 25 und 35 Jahren am St. Thomas’ Hospital (London) eröffnet.
  • 1885: In Berlin wird die Krankenpflegeschule Viktoriahaus gestiftet (Kronprinzessin Viktoria). Es stand beim Krankenhaus Friedrichshain. Die Pflegerinnen von hier wurden Viktoriaschwestern genannt und nach dem englischen Vorbild für den Hospitaldienst, besonders an armen und kinderreichen Familien, ausgebildet.
  • 1899: Die britische Krankenschwester und Oberin Ethel Bedford Fenwick gründet den International Council of Nurses (ICN).
  • 1903: Agnes Karll gründet die erste deutsche Berufsorganisation der Krankenpflege. Gefordert wurde eine dreijährige Ausbildung nach gesetzlicher Vorgabe und staatlicher Prüfung.
  • ab 1906: Die "Vorschriften über die staatliche Prüfung von Krankenpflegepersonen" werden eingeführt, die Pflegerinnen und Wärter legen künftig nach einjähriger Ausbildung staatliche Prüfungen ab. In Anlehnung an die Vorschriften von Preußen folgen die einzelnen Länder zu verschiedenen Zeitpunkten: Württemberg, Hessen und Lippe 1908, Sachsen und Bremen 1909, Mecklenburg-Schwerin 1915, Baden 1919, Hamburg 1921, Thüringen 1922, Bayern 1924. Die Regelungen für die allgemeine Krankenpflege gelten nicht für die sogenannte Irrenpflege. Hier blieb der Status erhalten, dass die einzelnen Direktoren je nach Gutdünken mehr oder weniger Unterricht hielten.
  • 1925: Erlass der ersten Ausbildungsrichtlinien für Krankenschwestern in der Schweiz (Bern)
  • 1938: Gesetz zur Ordnung der Krankenpflege im Deutschen Reich; die Ausbildungsdauer beträgt eineinhalb Jahre mit einem anschließenden Anerkennungsjahr. Der theoretische Unterricht umfasst 200 Stunden.
  • 1953: Erstes Krankenpflegegesetz in der BRD; besondere Bezeichnung der Männer in diesem Ausbildungsberuf wird gesetzlich geschützt.[6]
  • 1957: Die Ausbildungsdauer wird in Deutschland auf zwei Jahre heraufgesetzt; der theoretische Unterricht umfasst 400 Stunden.
  • 1965: Die Ausbildungsdauer wird in Deutschland auf drei Jahre heraufgesetzt; der theoretische Unterricht wird auf 1200 Stunden erhöht.
  • 1985: Die von der Europäischen Union geforderten Richtlinien werden in Deutschland mit dem Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege umgesetzt. Der theoretische Unterricht umfasst jetzt 1600 Stunden.
  • 2004: Mit dem 4. Krankenpflegegesetz werden in Deutschland für die danach ausgebildeten Pflegefachkräfte die neuen geschützten Berufsbezeichnungen Gesundheits- und Krankenpfleger bzw. Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger eingeführt. Der gesetzliche Schutz der früheren Berufsbezeichnungen wird dabei nicht aufgehoben, die nach dem dritten KrpflG von 1985 ausgebildeten Krankenschwestern, Krankenpfleger, Kinderkrankenschwestern und Kinderkrankenpfleger können wahlweise die bisherige Berufsbezeichnung weiter führen oder die neue Bezeichnung verwenden.

Derzeitige Ausbildungen im Berufsfeld KrankenpflegeBearbeiten

Die Ausbildung ist, wie auch die exakten Berufsbezeichnungen, national gesetzlich verschieden geregelt:

  • Deutschland: seit 2004 Gesundheits- und Krankenpfleger/-in. Pflegefachpersonal, das seine Ausbildung vor 2004 beendet hat, darf die ursprüngliche und immer noch geschützte Berufsbezeichnung Krankenschwester bzw. Krankenpfleger wahlweise weiter führen. Ab 1. Januar 2020 ist die Berufsbezeichnung Pflegefachmann bzw. Pflegefachfrau.[7] Voraussetzung ist in jedem Fall eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine entsprechende Berufserlaubnis.
  • Österreich: Diplomierte/r Gesundheits- und Krankenpfleger/-in (schulisch oder als Fachhochschul-Studiengang)[8] (allgemeine Bezeichnung: Diplomierte Pflegeperson)
  • Schweiz, Liechtenstein: Pflegefachfrau/Pflegefachmann (seit 2004) respektive Krankenpfleger FA SRK
  • USA: Die Ausbildung zum/zur Registered Nurse (R.N.) findet in der Regel in den USA als Studiengang in der Pflege (Nursing) an Hochschulen und Colleges statt. Um in einem bestimmten US-Bundesstaat arbeiten zu können, muss dort eine Zulassung beantragt und in der Regel eine weitere Prüfung (National Council Licensure EXamination-Registered Nurse; NCLEX-RN) abgelegt werden.[9]

Seit 2016 erfolgt in der EU die länderübergreifende Anerkennung im Verfahren des Europäischen Berufsausweises.

BeschäftigteBearbeiten

Nach den verfügbaren Zahlen handelt es sich bei der professionellen Pflege um einen typischen Frauenberuf. Im Jahr 2007 waren in Deutschland 638.787 Menschen als Gesundheits- und Krankenpfleger sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Frauenquote betrug 86,3 Prozent (also bei 13,7 % Männern). Während die Zahl der Beschäftigten unter 25 Jahren in den Jahren von 1999 bis 2007 von 8,0 % auf 6,0 % und die der zwischen 25- und 35-Jährigen im gleichen Zeitraum um 9 Prozentpunkte auf 23,4 % gesunken ist, ist inzwischen über die Hälfte der Gesundheits- und Krankenpfleger 35 bis 50 Jahre alt. Die Gruppe der über 50-jährigen Pflegenden ist von 1999 bis 2007 von 12,2 % auf 20,6 % gestiegen.[10]

LiteraturBearbeiten

  • Ruth Elster: Der Agnes-Karll-Verband und sein Einfluss auf die Entwicklung der Krankenpflege in Deutschland. Ein Beitrag zur Geschichte der Pflegeberufe und eines Berufsverbandes. Frankfurt/ Main 2000.
  • Marion Kaster: Entwicklung der Pflege zum Beruf. In: Grundlagen beruflicher Pflege. Herausgegeben von Annette Lauber, Thieme, Stuttgart 2012. ISBN 978-3-13-127243-0
  • Ilse Schulz: Schwestern, Beginen, Meisterinnen. Hygieias christliche Töchter im Gesundheitswesen einer Stadt. Ein Beitrag zur Geschichte der Pflege und Heilkunde. Ulm 1992.
  • Elisabeth Seidl: Pflege im Wandel. Das soziale Umfeld der Pflege und seine historischen Wurzeln dargestellt anhand einer empirischen Untersuchung. Wien, München, Bern 1993.

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Krankenpfleger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jonathan Gawlitta, René A Bostelaar: Aus für „Schwester Anja“. Klinikum der Universität Köln untersucht den Umgang mit Namensschildern. In: Die Schwester / Der Pfleger, 44, 11/2005 S. 890–893, Bibliomed.
  2. Sigrid Schmidt-Meinecke: Der Ruf der Stunde. Schwestern unter dem Roten Kreuz. Oberinnen-Vereinigung im Deutschen Roten Kreuz. Kohlhammer, Stuttgart 1963, S. 16–17.
  3. Marion Kaster: Entwicklung der Pflege zum Beruf. In: Grundlagen beruflicher Pflege. Herausgegeben von Annette Lauber. Thieme, Stuttgart 2012, S. 42–49
  4. Marion Kaster: Entwicklung der Pflege zum Beruf. In: Grundlagen beruflicher Pflege. Herausgegeben von Annette Lauber. Thieme, Stuttgart 2012, S. 52 und 26
  5. 1859 – Naissance de l’École La Source. ecolelasource.ch; abgerufen am 19. Februar 2019
  6. Gesetzentwurf u. Begründung. (PDF) Die Bezeichnung Kinderkrankenpfleger war damals ausdrücklich nicht vorgesehen. Es gab somit erstmals geschützte Berufsbezeichnungen – aber für diesen Personenkreis keine geschützten Tätigkeiten.
  7. § 1 des Pflegeberufegesetzes vom 17. Juli 2017 (BGBl. I S. 2581, 2582), siehe auch die Pflegeberufe-Ausbildungs- und -Prüfungsverordnung vom 2. Oktober 2018 (BGBl. I S. 1572)
  8. Berufsinformationssystem - Dipl. Gesundheits- und KrankenpflegerIn. In: ams.at. Abgerufen am 26. Oktober 2017.
  9. www.educationusa.de, abgerufen am 30. Juli 2015
  10. Hrsg. der Information ist die Bundesagentur für Arbeit: Berufe im Spiegel der Statistik 1999–2007. (Memento des Originals vom 5. Februar 2006 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.abis.iab.de