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Kraftwerke Hinterrhein AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1956
Sitz Thusis
Leitung Guido Conrad
Umsatz 70 Mio. CHF (Geschäftsjahr 2014/15)
Branche Energieversorgung
Website www.khr.ch

Die Kraftwerke Hinterrhein AG, abgekürzt KHR, mit Sitz in Thusis[1] ist eine dreistufige Kraftwerksgruppe, welche die Wasserkraft im Hinterrheintal und dessen Seitentäler im Schweizer Kanton Graubünden nutzt.

Kraftwerke Hinterrhein
Staumauer des Lago di Lei
Staumauer des Lago di Lei
Lage
Kraftwerke Hinterrhein (Kanton Graubünden)
Kraftwerke Hinterrhein
Koordinaten 751945 / 161791Koordinaten: 46° 35′ 24″ N, 9° 25′ 17″ O; CH1903: 751945 / 161791
Land SchweizSchweiz Schweiz
Gewässer Hinterrhein, Averser Rhein und Zuflüsse
Daten
Typ dreistufige Kraftwerksgruppe mit Speicher-, Pumpspeicher- und Laufkraftwerken
Primärenergie Wasser
Leistung Gesamte Leistung
Turbinen: 650 MW
Pumpen: 90 MW

Zentrale Ferrara:
Turbinen: 185 MW
Pumpen: 90 MW
Zentrale Bärenburg:
220 MW
Zentrale Sils:
50 Hz-Strom: 240 MW
16,7 Hz-Strom: 5 MW
Zentrale Thusis:
4,6 MW

Projektbeginn 1956
Betriebsaufnahme 1961
Turbine Zentrale Ferrara:
3 horizontale Francis-Turbinen
2 vertikale Zubringerpumpen

Zentrale Bärenburg:
4 vertikale Francis-Turbinen
Zentrale Sils:
6 vertikale Francis-Turbinen
Zentrale Thusis:
2 horizontale Francis-Turbinen

Eingespeiste Energie pro Jahr 1400 GWh
Website www.khr.ch
Stand 2015

GeschichteBearbeiten

Im frühen 20. Jahrhundert entstanden erste Baupläne für Kraftwerke im Bereich des Flusssystems Hinterrhein. 1942 wurde das Konsortium Kraftwerke Hinterrhein (KKH) konstituiert, mit dem Ziel, Speicherwerke im Hinterrhein zu realisieren. Das Projekt scheiterte an politischem Widerstand weil Splügen und ein Teil von Medels unter Wasser gesetzt worden wären.[2] In der Folge wurde der im italienischen Valle di Lei gelegene Stausee als Kopfspeicher ausgebildet. Mit einem Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Italien im Jahr 1949 wurde die Gründung der Kraftwerke Hinterrhein AG im Jahr 1956 und der Baubeginn im Jahr 1957 ermöglicht. Die Bauarbeiten dauerten sechs Jahre, das Kraftwerk wurde zwischen 1961 und 1963 schrittweise dem Betrieb übergeben.

EigentümerBearbeiten

Die Kraftwerke Hinterrhein AG ist als Partnerwerkgesellschaft organisiert. Die Aktien der Gesellschaft sind im Besitz der daran beteiligten Unternehmen, von denen keines eine Aktienmehrheit besitzt. Es sind dies:

TechnikBearbeiten

Kraftwerke Hinterrhein AG
Stauseen und Kraftwerke
im Gebiet Hinterrhein
Fassung von Bächen bei Juppa im Averstal
Fassung von Bächen im Madris
Auffangbecken Preda 1940 m
Stausee Valle di Lei 1931 m
Fassung Niemetbach
Averser Rhein
Ausgleichsbecken Ferrera 1443 m
Kraftwerkskaverne Ferrera 1407 m
Fassung Surettabach
Hinterrhein
Stausee Sufers 1400 m
Fassung Valtschiel
Fassung Fundogn
Kraftwerkszentrale Bärenburg 1060 m
Ausgleichsbecken Bärenburg 1060 m
Fassung Pignia
Fassung Reischen
Hinterrhein-Fassung Rongellen
Kraftwerkszentrale Thusis
Abfluss zum Hinterrhein
Kraftwerkszentrale Sils 665 m
Abfluss zur Albula[3]

Lago di LeiBearbeiten

Der Lago di Lei ist der oberste Stausee, der sogenannte Kopfspeicher, der Kraftwerksgruppe, der sich bis auf die Staumauer auf italienischem Boden befindet. In ihm wird im Sommer das Schmelzwasser gesammelt, damit es im Winter bei Spitzenenergiebedarf zum Antrieb der Turbinen zur Verfügung steht. Neben den natürlichen Zuflüssen wird auch Wasser vom Maleggbach, Bacherbach, Jupperbach und vom Averser Rhein aus dem Avers zugeführt. Dieses Wasser gelangt zuerst in das Auffangbecken Preda im Madris, das den Madriserrhein staut. In diese Auffangbecken gelangt auch zugeleitetes Wasser vom Blesbach, Pisciabach und Parebach aus dem Madris. Das Auffangbecken ist über einen fünf Kilometer langen Stollen mit dem Lago di Lei verbunden. Weiter wird Wasser vom Sufnersee und aus dem Ausgleichsbecken Ferrera durch die Zentrale Ferrera in den Lago di Lei gepumpt.

Zentrale FerreraBearbeiten

Das Wasser aus dem Lago di Lei wird im Zentrale Ferrera verarbeitet. Die Anlage ist in einer 143 m langen, 29 m breiten und 24 m hohen Kaverne installiert, die 180 m tief im Berg liegt. Ungewöhnlich ist die Ausrüstung mit drei horizontalen Francis-Turbinen trotz einem Gefälle von über 500 m, wo normalerweise nur noch Pelton-Turbinen zum Einsatz kommen. Das verarbeitete Wasser wird in den Sufner See geleitet. Die drei Turbinen können auch als Pumpen betrieben werden, so dass einerseits Wasser aus dem oberhalb des Kraftwerks liegenden Ausgleichsbecken Ferrera, aber auch Wasser vom Sufnersee in den Lago di Lei gepumpt werden kann. Um Wasser aus dem Sufnersee zu pumpen müssen zusätzlich zwei im Keller der Kaverne installierte Pumpen in Betrieb genommen werden, die das Wasser entweder den Francis-Turbinen zuführen oder in das Ausgleichsbecken pumpen.

SufnerseeBearbeiten

Der Sufnersee wird von einer Bogenstaumauer aufgestaut. Sein Wasser kann entweder von der Zentrale Bärenburg verarbeitet werden oder durch die Zentrale Ferrera in das Ausgleichsbecken Ferrera oder in den Lago di Lei befördert werden.

Zentrale BärenburgBearbeiten

In der Zentrale Bärenburg sind vier vertikale Francis-Turbinen installiert, mit welchen das Wasser aus dem Sufnersee verarbeitet wird. Das Wasser ist in einer Gewichtsstaumauer integriert, welche das Ausgleichsbecken Bärenburg aufstaut und gleichzeitig auch noch die Schaltanlage trägt.

Zentrale SilsBearbeiten

Die Zentrale Sils verarbeitet das Wasser aus dem Ausgleichsbecken Bärenburg. Es sind vier vertikalachsige Francis-Turbinen mit Drehstromgeneratoren für die Erzeugung von 50-Hz-Landesenergie, sowie zwei Pelton-Turbinen mit Einphasengeneratoren für die Erzeugung von 16,7-Hz-Bahnstrom für die Rhätische Bahn aufgestellt. Das Kraftwerk erzeugt ungefähr 40 % des von der Rhätischen Bahn benötigten Fahrstroms.

Zentrale ThusisBearbeiten

Dieses Kraftwerk nutzt das von der Zentrale Bärenburg ins Flussbett des Hinterrheins abgegebene Dotierwasser im Laufwasserkraftwerksbetrieb mit zwei horizontalachsigen Francis-Turbinen. Es dient der Stromversorgung der umliegenden Gemeinden.

Schaltanlage SilsBearbeiten

Der von den Zentralen Ferrera und Bärenburg erzeugte Strom wird über eine 220-kV-Leitung nach Sils transportiert. Von der Schaltanlage in Sils gelangt der Strom mit der 380-kV-Leitung Sils-Fällanden in den Grossraum Zürich.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eintrag der «Kraftwerke Hinterrhein AG» im Handelsregister Graubünden@1@2Vorlage:Toter Link/gr.powernet.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. Carl Jegher: Die Kraftwerke Hinterrhein mit den Stauseen Sufers und Rheinwald. In: Schweizerische Bauzeitung. Band 121, Nr. 17, 24. April 1943, S. 207–215, doi:10.5169/seals-53084.
  3. Kraftwerke Hinterrhein AG (Faltprospekt). (Längsprofil auf Seite 4 der pdf-Datei).