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Kognitive Verzerrung

Kognitive Verzerrung in der Kognitionspsychologie
Dieser Artikel befasst sich mit kognitiven Verzerrungen im Sinne der allgemeinen Psychologie (cognitive bias). Zu kognitiven Verzerrungen, die als Symptom von Krankheitsbildern auftreten (cognitive distortion), siehe Kognitive Verzerrung (klinische Psychologie).

Kognitive Verzerrung (englisch cognitive bias oder cognitive illusions) ist ein kognitionspsychologischer Sammelbegriff für systematische fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen. Sie bleiben meist unbewusst und basieren auf kognitiven Heuristiken.

Inhaltsverzeichnis

Definition und MerkmaleBearbeiten

Zur Bestimmung systematischer fehlerhafter kognitiver Verzerrungen ist es zunächst notwendig, prüfbare Regeln zu entwickeln. Diese werden gewöhnlich anhand von normativen Modellen wie der mathematischen Wahrscheinlichkeitsrechnung formuliert. Diese geben dann die „richtigen“ oder „rationalen“ Standards für Denkprozesse und Entscheidungen, die geprüft werden, vor. Systematische, also nicht nur individuelle und zufällige, Abweichungen von diesen Standards gelten dann als irrational oder falsch.

Menschliche Probanden kennen in der Regel weder die Modelle noch die Regeln und treffen ihre Aussagen und Entscheidungen anhand von natürlichen, intuitiven Entscheidungsheuristiken unter unvollständigen Informationen. Diese sind meist effizient und hilfreich und unabhängig von Wunschdenken.[1]

Aus diesem Grund wird der kognitionspsychologischen Forschung in diesem Zusammenhang gelegentlich Einseitigkeit vorgeworfen. Die Frage, ob eine Entscheidung in einem normativen Sinn „richtig“ ist, sei weniger wichtig als die Frage, ob eine Entscheidung in einer bestimmten Situation hilfreich und nützlich ist. Weitere Kritikpunkte am Konzept der kognitiven Verzerrung sind das fehlende übergreifende und detaillierte Modell und eine „Künstlichkeit“ in der Definition von einigen Verzerrungen. Messbare Effekte würden schon bei einer geringen Änderung der Versuchsbedingungen verschwinden.[2]

Liste von kognitiven VerzerrungenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Daniel Kahneman, Paul Slovic, Amos Tversky: Judgment under uncertainty: Heuristics and biases. Cambridge University Press, Cambridge (UK) 1982.
  • Ken Manktelow: Reasoning and Thinking. Psychology Press, Hove (UK) 2000, ISBN 0-86377-709-0.
  • R. F. Pohl: Cognitive Illusions: A Handbook on Fallacies and Biases in Thinking, Judgement and Memory. Psychology Press, Hove (UK) 2004, ISBN 1-84169-351-0.
  • Dietrich Dörner: Die Logik des Misslingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen. Rowohlt 1989, ISBN 3-499-19314-0.
  • Hanno Beck: Die Logik des Irrtums. Wie uns das Gehirn täglich ein Schnippchen schlägt. Frankfurter Allgemeine Buch, 2008, ISBN 3-89981-157-7.
  • Dan Ariely: Denken hilft zwar, nützt aber nichts. Warum wir immer wieder unvernünftige Entscheidungen treffen. Droemer HC 2008, ISBN 3-426-27429-9.
  • Rolf Dobelli: Die Kunst des klaren Denkens. 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen. Hanser 2011, ISBN 3-446-42682-5.
  • Daniel Kahneman: Schnelles Denken, langsames Denken. Siedler 2012, ISBN 3-88680-886-6.

Aufsätze

  • J. St. B. T. Evans: Interpretation and matching bias in a reasoning task. In: Quarterly Journal of Experimental Psychology. Band 24, 1972, S. 193–199.
  • J. St. B. T. Evans, J. L. Barston, P. Pollard: On the conflict between logic and belief in syllogistic reasoning. In: Memory and Cognition. Band 11, 1983, S. 295–306.
  • K. C. Klauer, J. Musch, B. Naumer: On belief bias in syllogistic reasoning. In: Psychological Review. Band 107, 2000, S. 852–884.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Rüdiger F. Pohl: Cognitive Illusions. A Handbook on fallacies and biases in thinking, judgement and memory. Psychology Press, Taylor and Francis Group, Hove, New York, 2004, S. 2–14.
  2. G. Gigerenzer: How to make cognitive illusions disappear: Beyond Heuristics and Biases, in: W. Stroebe, M. Hewstone (Hrsg.): European review of social psychology. Wiley, Chichester, UK, Vol. 2, S. 83–105.