Dan Ariely

israelisch-US-amerikanischer Psychologe und Hochschullehrer

Dan Ariely (* 29. April 1967 in New York City) ist ein US-amerikanisch-israelischer Psychologe und Hochschullehrer. Er lehrt und forscht seit 2008 als Professor für Psychologie und Verhaltensökonomik an der Duke University. Im Jahr 2021 haben viele Forscher die Qualität seiner wissenschaftlichen Arbeit in Zweifel gezogen. Insbesondere die sogenannte Ehrlichkeitsstudie[1] von 2012 steht unter Verdacht, von ihm gefälscht worden zu sein.[2] Seine Mitautoren zogen die Ergebnisse 2020 zurück.[3]

Dan Ariely (2009)

WerdegangBearbeiten

Ariely wuchs ab dem dritten Lebensjahr in Ramat haScharon in Israel auf.[4] Er wurde 1996 in Kognitiver Psychologie an der University of North Carolina at Chapel Hill promoviert sowie 1998 in Betriebswirtschaftslehre an der Duke University. Von 1998 bis 2008 lehrte er am Massachusetts Institute of Technology, als Alfred P. Sloan Professor für Verhaltensökonomie an der MIT Sloan School of Management. Seit 2008 lehrt er als James B. Duke Professor of Psychology and Behavioral Economics an der Duke University.

ForschungBearbeiten

Dan Ariely beschäftigt sich mit Irrationalität. Aufmerksamkeit erregte eine Studie über die Vermögensverteilung. Die gemeinsam mit Michael Norton 2011 veröffentlichten Studie verglich die Ansichten über Vermögensverteilung mit der realen Verteilung: Er verglich die von US-Amerikanern geschätzte, von ihnen als ideal angesehene sowie die tatsächliche Vermögensverteilung. Das Ergebnis zeigt die folgende Grafik:

Von links nach rechts in Gruppen je 20 % der Gesamtbevölkerung: vermögendstes Quintil bis ärmstes Quintil der Bevölkerung. Die beiden ärmsten Quintile sind bei der tatsächlichen Verteilung aufgrund des geringen Wertes (viertes Quintil 0.2 %, fünftes Quintil 0,1 %) nicht sichtbar.

Die Untersuchung ergab, dass die ideale Vermögensverteilung von der geschätzten Vermögensverteilung und von der tatsächlichen Vermögensverteilung erheblich abweicht. Als ideal angesehen würde demnach, dass die reichsten 20 % etwas mehr als 30 % besitzen. Tatsächlich besitzen die reichsten 20 % der US-Amerikaner jedoch 85 % des Vermögens. Entsprechend sollten die ärmsten 40 % (120 Millionen US-Amerikaner) idealerweise zwischen 25 und 30 % besitzen und nicht nur die geschätzten 8 bis 10 %. Tatsächlich besitzen die ärmsten 40 % allerdings nur 0,3 % des Vermögens.[5]

SchriftenBearbeiten

  • Predictably Irrational. The Hidden Forces That Shape Our Decisions (2008); deutsch: Denken hilft zwar, nützt aber nichts. Warum wir immer wieder unvernünftige Entscheidungen treffen. Übersetzt von Maria Zybak und Gabriele Gockel. Knaur, München 2008, ISBN 978-3-426-78035-0.
  • The Upside of Irrationality. The Unexpected Benefits of Defying Logic at Work and at Home (2010); deutsch: Wer denken will, muss fühlen. Die heimliche Macht der Unvernunft. Übersetzt von Gabriele Gockel und Maria Zybak. Knaur, München 2012, ISBN 978-342-678424-2.
  • The Honest Truth About Dishonesty (2012); deutsch: Die halbe Wahrheit ist die beste Lüge: Wie wir andere täuschen – und uns selbst am meisten, Übersetzt von Gabriele Gockel und Maria Zybak. Droemer, München 2012, ISBN 978-3-426-27598-6.[6]

FilmeBearbeiten

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Lisa L. Shu, Nina Mazar, Francesca Gino, Dan Ariely, Max H. Bazerman: Signing at the beginning makes ethics salient and decreases dishonest self-reports in comparison to signing at the end. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 109, Nr. 38, 18. September 2012, ISSN 0027-8424, S. 15197–15200, doi:10.1073/pnas.1209746109, PMID 22927408, PMC 3458378 (freier Volltext) – (pnas.org [abgerufen am 12. September 2021]).
  2. Anneke Meyer:Offenbar gefälscht: die Ehrlichkeitsstudie. deutschlandfunk.de, 4. September 2021, abgerufen am 10. September 2021
  3. Ariella S. Kristal, Ashley V. Whillans, Max H. Bazerman, Francesca Gino, Lisa L. Shu: Signing at the beginning versus at the end does not decrease dishonesty. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 117, Nr. 13, 31. März 2020, ISSN 0027-8424, S. 7103–7107, doi:10.1073/pnas.1911695117, PMID 32179683, PMC 7132248 (freier Volltext) – (pnas.org [abgerufen am 12. September 2021]).
  4. Ayalett Shani: What it feels like to know what we're all thinking. haaretz.com, 5. April 2012, abgerufen am 21. September 2014
  5. Dan Ariely / Michael Norton: Building a Better America—One Wealth Quintile at a Time Perspectives on Psychological Science Januar 2011, S. 9-12 (PDF; 359 kB)
  6. Rezension von Ariadne von Schirach, Deutschlandradio Kultur vom 26. November 2012