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Das Kloster Kreuzberg ist ein Kloster der Franziskaner nahe der Stadt Bischofsheim an der Rhön in Unterfranken in der Diözese Würzburg.

Kloster Kreuzberg
Die Klosterkirche Kreuzerhöhung Gesamtansicht mit Pilgerunterkünften (2013)
Die Klosterkirche Kreuzerhöhung Gesamtansicht mit Pilgerunterkünften (2013)
Lage Kloster Kreuzberg, Kreuzberg 2, 97653 Bischofsheim/Rhön
Liegt im Bistum Bistum Würzburg
Koordinaten: 50° 22′ 14,5″ N, 9° 58′ 31,4″ OKoordinaten: 50° 22′ 14,5″ N, 9° 58′ 31,4″ O
Patrozinium Kreuzerhöhung
Gründungsjahr In 1692 wurde mit der Errichtung der Klostergebäude begonnen. durch Die Franziskaner betreuten bereits von 1590 bis 1692 im Sommer aus Dettelbach die Wallfahrt.
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
Keine Auflösung des Klosters im Jahre 1803 im Zuge der Säkularisation in Bayern. Nur die Wallfahrten wurden verboten.

Es liegt am Westhang des Kreuzbergs in der Rhön auf 864 m. Jährlich finden etwa 70 bis 80 Wallfahrten aus ganz Franken zum Kreuzberg, dem „Heiligen Berg der Franken“, und zu seinem Kloster statt. Es gibt eine Klosterwirtschaft mit Übernachtungsmöglichkeiten für bis zu 250 Personen.[1] Insgesamt werden etwa 500.000 bis 600.000 Besucher im Jahr gezählt.[2]

GeschichteBearbeiten

Möglicherweise befand sich in vorchristlicher Zeit auf dem Kreuzberg eine heidnische Kultstätte. Die keltische und germanische Besiedlung in der Rhön und der frühere Name Asenberg (nach dem germanischen Göttergeschlecht der Asen) lassen kultische und religiöse Handlungen auf dem Berg vermuten.[3][4] Zudem soll sich auf dem Berg eine heilige Esche befunden haben (siehe hierzu: Yggdrasil und Baumkult), woran der vom 12. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts verwendete Name Aschberg erinnerte.[5][6][7] Der Name Kreuzberg entstand erst nach der Errichtung der Golgatha-Gruppe im Jahr 1582. Seit der Missionierung der Franken durch den Iroschotten St. Kilian und seinen Gefährten Kolonat und Totnan im Jahre 686 und seiner Tradition als Wallfahrtsort gilt der Kreuzberg als „Heiliger Berg der Franken“.[8]

Der Kreuzberg gehörte seit dem Frühmittelalter territorial zum Fürstbistum Würzburg. Vor der ersten Kapelle, die 1598 entstand, gab es schon um 1400 ein erstes Wallfahrerkreuz, das im Bauernkrieg zerstört wurde. Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn ließ 1582 drei Kruzifixe errichten. Die Nachfolgekreuze von 1710 sind das Ziel der gegenwärtigen Kreuzberg-Wallfahrten.

Das der Kreuzerhöhung geweihte Kloster wurde durch die Bayerische Observantenprovinz der Franziskaner von Dettelbach aus gegründet; gebaut wurde es 1681–1692 unter Fürstbischof Peter Philipp von Dernbach, 1684 wurde es zum Konvent erhoben. 1706 ließ Johann Philipp von Greiffenclau zu Vollrads den Fürstenbau, 1710 den Kapellenkreuzweg mit Golgatha-Gruppe und 1731 die alte Brauerei errichten. Seitdem wird auf dem Kreuzberg Bier gebraut.

 
Ankunft einer Wallfahrergruppe (2012)

Das Kloster wurde 1803 nicht wie fast alle anderen in Bayern durch die Säkularisation aufgehoben; lediglich die Wallfahrt wurde verboten, eine Regelung, die Ludwig I. nach dem Wiener Kongress, als Würzburg an Bayern fiel, wieder aufhob. Der Fortbestand des ursprünglich zum Aussterben bestimmten Klosters wurde durch Dekret vom 30. September 1826 gesichert.


Neuere Zeit

Das historische Brauhaus wurde 1954 erneuert. Bier wird seit 1990/91 mit vollautomatisierten neuen Anlagen gebraut. Die zeitgenössische Variante der Wallfahrt zu den heiligen Kreuzen liegt heute – neben rund 70 echten Fußwallfahrergruppen an kirchlichen Festtagen und im Frühherbst – im Tourismus.

Gut 90 Brüder der Deutschen Franziskanerprovinz trafen auf dem 1. Teil ihres Provinzkapitels vom 18. bis 21. März 2019 in Vierzehnheiligen entscheidende Weichenstellungen für ihr künftiges Leben und Arbeiten. Vorausgegangen war ein etwa zweijähriger Zukunftsprozess, das sog. „Projekt Emmaus“, bei dem alle Brüder eingeladen waren, über ihre franziskanische Berufung heute zu reflektieren und zu überlegen, an welchen Orten und in welchen Aufgaben diese am besten zu verwirklichen sind.

Der Guardian des Klosters Pater Martin Domogalla OFM, teilte am 18. April 2019 in der Fuldaer Zeitung mit, dass die Franziskaner wegen Personalmangel einige Klosterstandorte verlassen werden. Ob das Kloster Kreuzberg dabei sein wird ist noch zu entscheiden. Das Provinzkapitel hat der Provinzleitung die erarbeitete Gewichtung der Niederlassungen als roadmap für die anstehenden Entscheidungen vorgegeben, selbst aber keine Entscheidungen über die Auflösung von Häusern gefällt. Dies ist nun Aufgabe der Provinzleitung, die dazu in jedem einzelnen Fall im Vorfeld die nötigen Gespräche führen und Klärungen herbeiführen wird.

KlosterkircheBearbeiten

Geschichte und BeschreibungBearbeiten

 
Klosterkirche
 
Hochaltar (1692) im Chor; Deckengemälde von Ludwig Hepp, Aschaffenburg: Stigmatisierung des Hl. Franziskus, 1910

Die Klosterkirche ist eine typische franziskanische Anlage in der Tradition der Bettelordenskirchen, ohne Turm, nur mit Dachreiter. Über dem Barockportal mit gesprengtem Giebel ist das dreiteilige Allianzwappen der Würzburger Fürstbischöfe Johann Gottfried von Guttenberg, Peter Philipp von Dernbach und Konrad Wilhelm von Wernau, der Bauherren der Kirche, angebracht.

Das Innere ist ein schlichter Saalbau mit vier Jochen, abgetrennt durch toskanische Pilaster, auf denen Kreuzgratgewölbe ruhen. Die Ausstattung entspricht im Wesentlichen dem Barock und dem Rokoko.

Der Hochaltar von 1692 hat die Kreuzigung Christi zum Thema, zwei Seitenaltäre sind als Pendants dazu gestaltet.

Ein weiterer Altar in einer Seitenkapelle ist Antonius von Padua gewidmet und stellt Szenen aus seinem Leben dar.

Die Kanzel birgt Holzplastiken bedeutender Franziskanerheiliger, darunter der Heilige Franziskus, Antonius von Padua, Bonaventura da Bagnoregio, Ludwig von Toulouse, Petrus von Alcantara, Bernhard von Siena und Johannes von Capistrano.

Oberer (Guardian) des Franziskanerklosters ist seit 2017 Pater Martin Domogalla OFM.

OrgelBearbeiten

 
Orgel

Die Orgel der Klosterkirche baute 2005 die Orgelbaufirma Hey in Urspringen, einem Ortsteil von Ostheim vor der Rhön.[9] Das Instrument hat 29 Register (ein Vorabzug) auf zwei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.

I Hauptwerk C–g3

1. Bourdon 16′
2. Principal 8′
3. Gedackt 8′
4. Salicional 8′
5. Octav 4′
6. Flöte 4′
7. Octav 2′
8. Quinte (aus Nr. 9) 113
9. Mixtur V 113
10. Trompete 8′
II Schwellwerk C–g3
11. Principal 8′
12. Bourdon 8′
13. Tibia 8′
14. Viola di Gamba 8′
15. Vox Coelestis 8′
16. Principal 4′
17. Traversflöte 4′
18. Quinte 223
19. Flageolett 2′
20. Terz 135
21. Mixtur IV
22. Horn 8′
23. Hautbois 8′
Tremulant
Pedal C–f1
24. Violonbass 16′
25. Subbass 16′
26. Octavbass 8′
27. Bourdon 8′
28. Octavbass 4′
29. Posaune 16′

KlostergebäudeBearbeiten

 
Bierdeckel der Klosterbrauerei

Hierzu gehören der Wohntrakt für die Franziskaner mit Pilgerherberge, die Brauerei, die Gaststätte mit dem Fürstensaal sowie das Bruder-Franz-Haus (Touristeninformation, permanente Ausstellung zu Franz von Assisi, Filmsaal).

BrauereiBearbeiten

Die Brauerei besteht seit dem Jahre 1731 und hat einen Jahresausstoß von rund 8500 Hektolitern.[10] Es werden die Sorten Dunkel, Pils, Hefeweizen und Weihnachts-Bock gebraut.[11]

KreuzwegBearbeiten

 
Golgatha-Gruppe

Der Weg zu der Golgatha-Gruppe – der Darstellung der Kreuzigung Jesu als 12. Station des Kreuzwegs – führt entweder über eine steinerne Treppenanlage oder über den Kapellenkreuzweg mit 14 Stationen. Er wurde 1710 errichtet und ist einer der ältesten seiner Art in Deutschland. Die Sandsteinfiguren stammen aus dem 18. Jahrhundert. 1870 waren sie, als sie verwitterten, vorübergehend durch gusseiserne Platten ersetzt worden. 1947 wurden die ursprünglichen Sandsteinreliefs restauriert und wieder eingesetzt. Die Gussreliefs sind heute an der Stützmauer der Kirche angebracht.

LiteraturBearbeiten

Siehe auch: Kreuzberg (Rhön)#Literatur

  • Reinhold Albert: Einer der ältesten Kreuzwege in Deutschland steht auf dem Kreuzberg. In: Heimat-Jahrbuch des Landkreises Rhön-Grabfeld. Band 30. Mellrichstadt 2008, ISBN 978-3-9811225-2-7, S. 26–29.
  • Reinhold Albert: Soli Deo Gloria. Kreuzberg, Wallfahrt und Kloster. Kloster Kreuzberg, Bischofsheim an der Rhön 2005, ISBN 3-00-015719-0.
  • Wolfgang Brückner: Die Wallfahrt zum Kreuzberg in der Rhön. (= Kirche, Kunst und Kultur in Franken, Band 7). Echter Verlag, Würzburg 1997, ISBN 3-429-01939-7.
  • André Liebe, Monika Uhl: Bayerns Klöster und ihre Brauereien. Fachverlag Hans Carl GmbH, Nürnberg 2016, ISBN 978-3-418-00133-3, S. 94–109.
  • Ursula Pechloff (Hrsg.): Kloster Kreuzberg, Rhön. (= PEDA-Kunstführer, Nr. 110). Kunstverlag Peda, Passau 2002, ISBN 3-930102-12-9.
  • Rhönklub (Hrsg.): Schneiders Rhönführer (= Offizieller Führer des Rhönklubs). Verlag Parzeller, Fulda 2005, ISBN 3-7900-0365-4, S. 266.
  • Regina Rinke: Der Kreuzberg in der Rhön – „Gelebter Glaube“. Druckerei R. Mack GmbH, Mellrichstadt 2017, ISBN 978-3-942112-32-1.
  • Anton Schumm: Geschichte der Stadt Bischofsheim, seinen Landsleuten und allen Freunden der Rhön. Würzburg 1875, S. 105–109 (Digitalisat in der Bayerischen Staatsbibliothek).
  • Erwin Sturm: Kloster Kreuzberg/Rhön (= Kleine Kunstführer, Nr. 1243). Schnell & Steiner, Regensburg 1981.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kreuzberg in der Rhön – Wallfahrtsort und Klosterschänke. In: Franziskaner.net. Abgerufen am 9. Februar 2019.
  2. Kloster Kreuzberg. In: Rhoentourist.de. Abgerufen am 9. Februar 2019.
  3. Geschichte der Rhön. In: Rhoenentdecker.de. Abgerufen am 25. März 2017.
  4. Kreuzberg (Berg). In: Rhoen.info (Rhönlexikon). Abgerufen am 25. März 2017.
  5. Kreuzberg/Rhön. In: Biosphaerenreservat-Rhoen.de. Abgerufen am 26. März 2017.
  6. Kreuzberg (Berg). In: Rhoen.info (Rhönlexikon). Abgerufen am 25. März 2017.
  7. Kreuzberg. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 9. Altenburg 1860, S. 801 (zeno.org).
  8. Der Kreuzberg - der heilige Berg der Franken. In: Bischofsheim.info. Abgerufen am 25. März 2017.
  9. Hey Orgelbau Opusliste (Orgelneubauten, Nr. 275). In: Hey-Orgelbau.de. Abgerufen am 9. Februar 2019.
  10. Klosterbrauereien – Gerstensaft mit Gottes Segen. In: Focus.de. 28. Mai 2016, abgerufen am 9. Februar 2019.
  11. Klosterbrauerei Kreuzberg Produkte. In: Kreuzbergbier.de. Abgerufen am 9. Februar 2019.