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Kiran Klaus Patel

deutsch-britischer Historiker

Kiran Klaus Patel (* 3. Oktober 1971 in Villingen) ist ein deutsch-britischer Historiker.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Patel studierte Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der Humboldt-Universität zu Berlin (1992–1997). 1999 hielt er sich für einen mehrmonatigen Forschungsaufenthalt am Deutschen Historischen Institut in Washington auf.

2001 promovierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin bei Heinrich August Winkler. Seine Dissertation Soldaten der Arbeit. Arbeitsdienste in Deutschland und den USA, 1933-1945 mit einem Vergleich zwischen dem Reichsarbeitsdienst und dem Civilian Conservation Corps wurde mit dem Prix de la Fondation Auschwitz und dem Tiburtius-Anerkennungspreis ausgezeichnet; neben der deutschen Originalfassung (2003) erschien 2005 eine englischsprachige Übersetzung bei Cambridge University Press.

2002 wurde er als erster Neuzeithistoriker in Deutschland zum Juniorprofessor ernannt. Von 2002 bis 2007 hatte er diese Stelle im Bereich Neuere und Neueste Geschichte an der Humboldt-Universität inne. 2006/2007 war er „John F. Kennedy Fellow“ am Center for European Studies an der Harvard University. Von 2007 bis 2011 war er Professor für Europäische Geschichte und Transatlantische Beziehungen am Department of History und am Robert Schuman Centre for Advanced Studies des Europäischen Hochschulinstituts in Florenz.

Er ist seit 2011 Professor für die Europäische und Globale Geschichte an der Universität Maastricht und zugleich Head of the Department of History. Von 2013 bis 2016 ist er daneben Senior Permanent Fellow der Kollegforschergruppe „The Transformative Power of Europe“ der FU Berlin. Patel war außerdem Visiting Professor/Senior Visiting Fellow an der École des Hautes Études en Sciences Sociales, der Universität Freiburg, der Universität Oxford und Sciences Po in Paris. Im akademischen Jahr 2014/15 nahm er die Gerda-Henkel-Gastprofessur an der London School of Economics and Political Science und am Deutschen Historischen Institut London wahr. Seit September 2015 ist Patel an der Universität Maastricht Inhaber des Jean Monnet-Lehrstuhls für Geschichte.[1]

Von 2006 bis 2009 war er Sprecher des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Verbundprojektes „Imagined Europeans“. Sein 2009 vorgelegtes Werk Europäisierung wider Willen. Die Bundesrepublik Deutschland in der Agrarintegration der EWG, 1955–1975 wurde kurz nach Erscheinen in der Süddeutschen Zeitung als „Meilenstein der Geschichtsschreibung über die europäische Integration“ rezensiert.[2]

2016 publizierte er bei Princeton University Press die Monographie The New Deal: A Global History, welche der Rolle der USA in den 1930er und 1940er Jahren im globalen Kontext in vergleichender und beziehungsgeschichtlicher Richtung nachgeht. Die American Historical Review hielt dazu fest: „Patel's story will become the definitive account“.[3] 2017 wurde das Buch mit dem WHA Bentley Book Prize der World History Association ausgezeichnet.[4] 2018 erschien bei Einaudi eine italienische Übersetzung des Buchs.

Im Jahre 2018 hat er das Buch Projekt Europa. Eine kritische Geschichte vorgelegt, mit dem die Behauptung widerlegt wird, die europäischen Institutionen seien von Anfang an eine erfolgreiche Friedensmacht gewesen.[5] Die Andruck-Redaktion des Deutschlandfunks zählte es zu den besten fünf Sachbüchern des Jahres.[6]

2013 wurde Patel von Ursula von der Leyen zum Mitglied einer Historikerkommission berufen, die die Geschichte der Vorgängerinstitutionen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in der Zeit des Nationalsozialismus bis in die Nachkriegszeit beider deutscher Staaten erforschen soll.[7]

Patel ist seit 2002 verheiratet und hat drei Kinder.

SchriftenBearbeiten

AutorBearbeiten

Herausgeber (Auswahl)Bearbeiten

  • Mit Christof Mauch: Wettlauf um die Moderne. Die USA und Deutschland 1890 bis heute. Pantheon-Verlag, München 2008, ISBN 978-3-570-55069-4, engl.: "The United States and Germany during the 20th Century: Competition and Convergence". Cambridge University Press, New York 2010, ISBN 978-0-521-14561-9.
  • Fertile Ground for Europe? The History of European Integration and the Common Agricultural Policy since 1945. Nomos, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-8329-4494-0.
  • Mit Lorraine Bluche und Veronika Lipphardt: Der Europäer – ein Konstrukt. Wissensbestände, Diskurse, Praktiken. Wallstein-Verlag, Göttingen 2009, ISBN 978-3-8353-0444-4.
  • Mit Frauke Stuhl und Julia Franke: Die Erfindung des Europäers. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Kreuzberg-Museum, 31. Januar–3. Mai 2009. Kreuzberg-Museum, Berlin 2009, ISBN 978-3-00-026449-8.
  • Mit Martin Conway: Europeanization in the Twentieth Century: Historical Approaches. Palgrave, New York 2010, ISBN 978-0-230-23268-6.
  • The Cultural Politics of Europe: European Capitals of Culture and European Union since the 1980s. Routledge, London 2013, ISBN 978-0-415-52149-9.
  • Mit Heike Schweitzer: The Historical Foundations of EU Competition Law. Oxford University Press, Oxford 2013, ISBN 978-0-19-966535-8.
  • Mit Kenneth Weisbrode: European Integration and the Atlantic Community in the 1980s. Cambridge University Press, New York, 2013, ISBN 978-1-107-03156-2.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kiran Patel awarded EU funding as Jean Monnet Chair (Memento des Originals vom 19. September 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.maastrichtuniversity.nl. Offizielle Internetpräsenz der Universität Maastricht. Meldung vom 3. September 2015. Abgerufen am 14. Oktober 2015
  2. In: Süddeutsche Zeitung, 30. Januar 2010.
  3. American Historical Review 121 (5) (2016), S. 1625–1627).
  4. The World History Association (WHA). Abgerufen am 28. August 2017 (amerikanisches Englisch).
  5. Kiran Klaus Patel: „Projekt Europa. Eine kritische Geschichte“. Rezension. Deutschlandfunk vom 24. September 2018. Abgerufen am 3. Januar 2019.
  6. Rückblick - Das Beste zum Schluss. Abgerufen am 8. Januar 2019 (deutsch).
  7. Von der Leyen beruft unabhängige Historikerkommission, Pressemitteilung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, 10. April 2013, abgerufen am 3. Juni 2013.

6. https://www.deutschlandfunk.de/kiran-klaus-patel-projekt-europa-eine-kritische-geschichte.1310.de.html?dram:article_id=428756