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Temnitztal

Gemeinde in Deutschland
(Weitergeleitet von Kerzlin)
Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Temnitztal führt kein Wappen
Temnitztal
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Temnitztal hervorgehoben
Koordinaten: 52° 52′ N, 12° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Ostprignitz-Ruppin
Amt: Temnitz
Höhe: 42 m ü. NHN
Fläche: 52,47 km2
Einwohner: 1471 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 28 Einwohner je km2
Postleitzahl: 16845
Vorwahl: 033928
Kfz-Kennzeichen: OPR, KY, NP, WK
Gemeindeschlüssel: 12 0 68 426
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Bergstr. 2
16818 Walsleben
Website: www.amt-temnitz.de
Bürgermeister: Michael Mann
Lage der Gemeinde Temnitztal im Landkreis Ostprignitz-Ruppin
Wittstock/DosseHeiligengrabeRheinsbergNeuruppinLindow (Mark)VielitzseeHerzberg (Mark)RüthnickFehrbellinKyritzBreddinStüdenitz-SchönermarkZernitz-LohmNeustadt (Dosse)Sieversdorf-HohenofenDreetzWalslebenDabergotzStorbeck-FrankendorfTemnitzquellTemnitztalMärkisch LindenWusterhausen/DosseSachsen-AnhaltMecklenburg-VorpommernMecklenburg-VorpommernMecklenburg-VorpommernMecklenburg-VorpommernKarte
Über dieses Bild

Temnitztal ist eine Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin (Brandenburg). Sie wird vom Amt Temnitz verwaltet.

GeografieBearbeiten

Die Ortsteile der Gemeinde Temnitztal liegen ca. 12 km westlich von Neuruppin und ca. 8 km östlich von Neustadt (Dosse) im Temnitztal. Namensgebend ist die das Gemeindegebiet durchfließende Temnitz, ein linker Nebenfluss des Rhin.

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Gemeinde Temnitztal gehören folgende Ortsteile und Wohnplätze:[2]

Ortsteile
  • Garz
  • Kerzlin
  • Küdow-Lüchfeld
  • Rohrlack
  • Vichel
  • Wildberg
Wohnplätze
  • Küdow
  • Lüchfeld

GeschichteBearbeiten

Die heutigen Ortsteile der Gemeinde gehörten seit dem 14. Jahrhundert zur Herrschaft Ruppin, seit 1524 zum Kreis Ruppin in der Mark Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Neuruppin im DDR-Bezirk Potsdam. Seit 1993 liegen sie im brandenburgischen Kreis Ostprignitz-Ruppin.

Die Gemeinde Temnitztal entstand am 30. Dezember 1997 aus dem freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Kerzlin, Küdow-Lüchfeld, Rohrlack, Vichel und Wildberg. Garz wurde am 26. Oktober 2003 nach Temnitztal eingemeindet.[3]

GarzBearbeiten

Garz wurde 1390 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name stammt von dem slawischen Wort „gard“ bzw. „gord“ für Burg. Garz befand sich 1390 im Besitz des Neuruppiner Kalands. Seit Anfang des 15. Jahrhunderts war dort die Familie von Quast ansässig. Um 1490 gehörte Garz zur im Kern reichsunmittelbaren Herrschaft Ruppin der Grafen von Lindow-Ruppin. Im 18. Jahrhundert ließ die Familie von Quast die Parks von Garz und Vichel als Barockgärten anlegen. Hermann von Quast (1812–1888), Gutsherr auf Garz, ließ Mitte des 19. Jahrhunderts den Park des Herrenhauses in Garz als Landschaftsgarten gestalten, ebenso wie sein Bruder Albrecht (1813–1871), der Gutsherr auf Vichel, den Park des dortigen Herrenhauses. Von Adolf Friedrich von Quast (1893–1976) sind diverse Fotos des Gutsparks aus der Zeit von 1916 bis 1943 erhalten. 1945 wurde die Familie von Quast enteignet, das Herrenhaus wurde Kulturhaus und erhielt in der oberen Etage Wohnungen. Nachdem 1992 Teile des Garzer Gutshofes samt Gutspark in Privatbesitz übergingen, wurden dort Restaurierungsarbeiten nach historischem Vorbild durchgeführt.

VichelBearbeiten

Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde Vichel 1638 durch kaiserliche Truppen unter der Führung des Generals Graf von Gallas abgebrannt. Der Ort befand sich zur damaligen Zeit im Besitz des schwedischen Generals Adam von Pfuel, aus dem alten in der Märkischen Schweiz ansässigen Adelsgeschlecht von Pfuel.[4] Das Rittergut kam durch die Heirat seines Vaters Adam I. von Pfuel (1562–1626), Erbherr auf Jahnsfelde und Wilkendorf, mit der Barbara von Burgsdorff (1569–1622) auf Vichel, in deren Besitz.

WildbergBearbeiten

Wildberg an der Temnitz wurde 1335 erstmals urkundlich erwähnt. Zuvor gab es hier eine slawische Siedlung, von der die bewaldeten hügeligen Reste einer slawischen Burg aus dem 10./13. Jahrhundert stammen. Eroberer waren wahrscheinlich die Grafen von Arnstein, die die Burg um 1214 als Ausgangsbasis für ihre Raubzüge nutzten. 1319, mit der Übernahme der Herrschaft Wusterhausen durch die Grafen von Lindow-Ruppin, verlor die Burg ihre Bedeutung. Wildberg gehörte fortan zur Herrschaft Ruppin. 1491 scheinen die Herren von Zieten in den Besitz von Wildberg gekommen zu sein. Hans von Zieten auf Wildberg wird als Rat des letzten Grafen von Lindow-Ruppin genannt. Die Gräfin Anna Jakobine Stollberg-Wernigerode wohnte bis 1526 hier, die Burg war danach verfallen. Die Burg Wildberg ist nicht erhalten, und nur noch die Reste der Wallanlage und der trockenen Burggraben sind vorhanden.

Im Mittelalter war Wildberg ein kleines Städtchen an der Handelsstraße von Berlin nach Hamburg. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde 1638 Wildberg durch den kaiserlichen General Matthias Gallas völlig zerstört. Der städtebauliche Grundriss blieb jedoch bis heute erhalten das Stadtrecht nicht. Bis 1945 war mit einem Gut das Adelsgeschlecht von Zieten hier ansässig, deren Familiengruft sich in der evangelischen Kirche Sankt Nicolaus befindet. Das Gut ist danach verfallen.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1997 1 612
1998 1 599
1999 1 586
Jahr Einwohner
2000 1 580
2001 1 587
2002 1 568
2003 1 718
2004 1 704
Jahr Einwohner
2005 1 670
2006 1 655
2007 1 657
2008 1 615
2009 1 589
Jahr Einwohner
2010 1 547
2011 1 450
2012 1 456
2013 1 435
2014 1 410
Jahr Einwohner
2015 1 461
2016 1 460
2017 1 443
2018 1 471

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl[5][6][7]: Stand 31. Dezember, ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Die Gemeindevertretung von Temnitztal besteht aus zehn Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 ergab folgende Sitzverteilung:[8]

Partei / Wählergruppe Sitze
Wählergruppe Brandenburgische Gemeinde Temnitztal 4
Aktive Bürgergemeinschaft Temnitztal 3
CDU 1
Wählergruppe Heimatverein Kerzlin 1
SPD 1

BürgermeisterBearbeiten

  • 1998–2003: Manfred Lehmann[9]
  • 2003–2019: Thomas Voigt (Wählergruppe Brandenburgische Gemeinde Temnitztal)[10]
  • seit 2019: Michael Mann

Mann wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 16. Juni 2019 mit 57,0 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren[11] gewählt.[12]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

GarzBearbeiten

 
Herrenhaus Garz
  • Burg Garz, eine der ältesten Gutsanlagen im Land Brandenburg. Von der mittelalterlichen Befestigungsanlage ist ein Wohnturm erhalten. Der aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammende Feldsteinturm (11 m hoch, mit bis zu 1,40 m dicken Wänden) diente der Familie von Quast nach dem Dreißigjährigen Krieg als Wohnhaus. 1681 wurde der polygonale Fachwerktreppenturm angebaut.[13]
  • Herrenhaus, um 1700 entstanden, später frühklassizistisch erweitert
  • Gutspark südlich vom Herrenhaus, etwa sechs Hektar groß, im landschaftlichen Stil gestaltet (inklusive Teich mit Brücke und Insel sowie Schneise nach Vichel)[14]
  • Kirche, 1727 im barocken Stil erbaut
  • Vorlaubenhaus in der Dorfstraße 4, ehemaliger Dorfkrug. 2005 beteiligte sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz an der Sanierung.

KerzlinBearbeiten

  • Evangelische Kirche, 1913 erbaut, Baubeginn 8. März, Einweihung im November 1913
  • Kriegerdenkmal, 1922 von Max Wiese für die gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg erschaffen, im Oktober 1992 vollständig restauriert

VichelBearbeiten

  • Herrenhaus mit Rundbogen-Loggia, bis 1945 im Besitz der Familie von Quast, 2005 von der anthroposophisch ausgerichteten "Gesellschaft zur Förderung musischer Erziehung in der sozialen und therapeutischen Arbeit (GzF) e.V." ersteigert
  • Kirche von 1867, in italienisch-romanisierendem Stil erbaut

WildbergBearbeiten

  • Evangelische Kirche Sankt Nicolaus mit der Familiengruft des Adelsgeschlechts von Zieten
  • Reste der Wallanlage mit dem trockenen Graben der früheren Burg Wildberg (südlich der Hauptstraße (B167) bei der Bahnanlage)

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Die Ortsteile von Temnitztal werden durch die Bundesstraße 167 zwischen Neustadt (Dosse) und Neuruppin sowie durch die Landesstraße L 166 Friesack–Wildberg erschlossen.

Der Personenverkehr auf der durch Temnitztal verlaufenden Bahnstrecke Neustadt (Dosse)–Neuruppin mit dem Bahnhof Wildberg b Neuruppin ist im Dezember 2006 eingestellt worden.

Durch die Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft ist Wildberg mit einer PlusBus- sowie die anderen Ortsteile mit weiteren Regionalbuslinien erreichbar.

BildungBearbeiten

Grundschule am Burgwall Wildberg

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Gemeindeverwaltung Vichel (Hrsg.): Chronik der Gemeinde Vichel, 1992
  • Andrea Gosten (Bearb.): Dorf und Rittergut Vichel, Bd. I-III, TU-Berlin, 1994

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2018 (XLSX-Datei; 223 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Temnitztal
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  4. Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg: Alle fünf Bände in einem Buch: Die Grafschaft Ruppin / Das Oderland / Havelland / Spreeland / Fünf Schlösser. BoD – Books on Demand, 2016, ISBN 978-3-8430-9163-3, S. 207 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Ostprignitz-Ruppin. S. 22–25
  6. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  7. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
  8. Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019
  9. Ergebnisse der Kommunalwahlen 1998 (Bürgermeisterwahlen) für den Landkreis Ostprignitz-Ruppin (Memento des Originals vom 13. April 2018 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wahlen.brandenburg.de
  10. Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 30
  11. Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
  12. Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 16. Juni 2019
  13. Anke Matthesius: Gutspark Garz. (PDF; 1,18 MB) Beitrag zur Anlageforschung - Bestandsanalyse und Beurteilung - Denkmalpflegerische Zielvorstellung. In: Materialien zur Geschichte der Gartenkunst Bd. 8. Johannes Küchler - Technische Universität Berlin, 2005, archiviert vom Original am 13. Januar 2007; abgerufen am 21. August 2013.
  14. Die Quast-Gärten im Temnitztal (Memento vom 11. Januar 2007 im Internet Archive), PDF-Datei (2,30 MB)