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Überreste des bei dem Küstenstraßen-Anschlag ausgebrannten Busses

Als Küstenstraßen-Anschlag, im englischen Sprachraum auch als Coastal Road Massacre (Küstenstraßen-Massaker) bekannt,[1] wird ein Terroranschlag der palästinensischen Fatah vom 11. März 1978 bezeichnet, bei dem 37 Zivilisten, davon 10 Kinder, getötet und weitere 76 Zivilisten verletzt wurden. Es war das bis dahin schwerste terroristische Attentat in der Geschichte Israels[2] und nach einer Kette von Anschlägen der unmittelbare Anlass für die Operation Litani im Libanon.

Inhaltsverzeichnis

HergangBearbeiten

Am 11. März 1978, einem Sabbat, drangen elf Terroristen der palästinensischen Fatah vom südlichen Libanon aus unter der Führung der neunzehnjährigen Dalal al-Mughrabi mit Booten nach Israel ein.[2] Sie landeten an einem Strand in der Nähe des Kibbuz Ma’agan Micha’el. Zuerst töteten sie die US-amerikanischen Touristin Gail Rubin, eine Nichte des US-amerikanischen Senators Abraham A. Ribicoff am Strand, die dort Landschaftsaufnahmen machte. Sie stoppten ein Taxi und brachten dessen Insassen um,[2] schossen und warfen Granaten auf Autofahrer auf der vierspurigen Küstenstraße. Dann überfielen sie einen Bus mit Ausflüglern auf der Küstenstraße nahe Haifa und enterten noch einen zweiten auf dem Weg nach Tel Aviv.[3] Nach einer Verfolgungsjagd wurde der Bus an einer Straßensperre der (Verkehrs-) Polizei aufgehalten.

Es kam zu einem wilden Schusswechsel und dramatischen Szenen. Der Bus geriet in Brand. Sechs Terroristen und ein israelischer Polizist wurden getötet, 20 Businsassen verbrannten bis zur Unkenntlichkeit. Eine inzwischen alarmierte israelische Militäreinheit, der auch Ehud Barak[4] angehörte, kam erst spät zum Ort des Geschehens, Ehud Barak wurde dabei gefilmt, wie er Schüsse auf al-Mughrabi abgab und ihre Leiche über die Straße zog.[4] Zwei bewaffneten israelischen Soldaten, die zufällig in der Nähe waren (Shaul Weizman, Sohn des damaligen Verteidigungsministers Ezer Weizman, und einem befreundeten Armeeoberst[2]), gelang es, zwei Terroristen festzunehmen. Die Polizei verhängte eine Ausgangssperre über den Nordteil Tel-Avivs und versuchte, drei flüchtige Terroristen aufzuspüren.[2]

Es wurde später intensiv debattiert, wieso es nicht gelungen war, rechtzeitig Antiterroreinheiten der Polizei oder des Militärs an den Ort des Geschehens zu bringen. Die anwesenden etwa 30 Polizisten waren unzureichend bewaffnet und mit der Situation völlig überfordert.[2][5][6][7]

Beitrag zum Libanonkrieg 1982Bearbeiten

Dem Blutbad waren einige ähnliche Aktionen von PLO-Kämpfern vorausgegangen (siehe Avivim-Schulbus-Anschlag, Ma’alot-Massaker). Als direkte Reaktion auf den Anschlag beschloss die israelische Regierung (Kabinett Menachem Begin I), der Bedrohung durch die PLO aus dem Libanon militärisch ein Ende zu bereiten. Der Küstenstraßen-Anschlag wurde so zum Auslöser für die Operation Litani, die in den ersten Libanonkrieg mündete.[3]

AttentäterBearbeiten

Von den 11 Attentätern wurden 9 erschossen. Die beiden überlebenden Terroristen, Khaled Abu Asba und Hussein Fayyad, wurden verhaftet. Beide Männer kamen nach sieben Jahre im Gefängnis im Rahmen eines Gefangenenaustausches 1985 frei.

Heroisierung der Tat auf arabischer SeiteBearbeiten

Im Rahmen einer 2008 stattgefundenen Freilassung einiger israelischer Gefangener und der Rückführung der Gebeine von Ehud Goldwasser und Eldad Regev wurden auch die sterblichen Überreste Mughrabis und weiterer PLO-Kämpfer in den Libanon zurückgeführt.[4] Die Rückführung der toten Terroristen wurde im Libanon wie auch von Seiten der Hisbollah triumphal gefeiert.[4]

Bereits im März 2002 hatte die (proisraelische) 'Palestinian Media Watch' festgestellt und kritisiert, dass die Palästinensische Autonomiebehörde Mughrabi als Rollenvorbild[8] bei Schulungen und Erziehungsmaßnahmen benutzt und etwa in Hebron eine Mädchenschule nach Dalal Mughrabi benannt[9] hatte. Belgien, das die Schule finanzierte, kürzte daraufhin seine finanzielle Unterstützung für das Bildungssystem der Palästinensischen Autonomiebehörde.[10] Im September 2018 wurde die Hilfe für Schulen komplett eingestellt.[11][12]

Auch waren in den palästinensischen Autonomiegebieten Ausbildungsprogramme für Sicherheitsbehörden wie auch Sommerlager im Namen der Anführerin des Küstenstraßen-Massakers veranstaltet worden.[13]

Dem Middle East Media Research Institute zufolge hatte im Juli 2008 der Fernsehsender Al-Jazeera Dalal Al-Maghrabi eine Sendung gewidmet und ihre Beteiligung beim Küstenstraßen-Anschlag als „Geschlechtergrenzen überschreitendes Heldentum“ gefeiert („Heroism transcends the gender divide“).[14]

Todesopfer und Erinnerung in IsraelBearbeiten

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Denkmal an der Glilot Interchange

Die ausgebrannten Überreste des Busses sind im Egged-Museum in Cholon zu finden. Zudem wurde ein Denkmal am Ort des Anschlags errichtet. Auf Namenstafeln werden die Opfer genannt:[15]

  • Revital (Tali) Aharonovitch[16] (14 Jahre alt)
  • Naomi Elichai[17] (18)
  • Erez Alfred[18] (5)
  • Yitzhak Alfred[19] (44)
  • Galit Ankwa[20] (2)
  • Yitzhak (Yitzik) Ankwa[21] (10)
  • Haviv Ankwa[22] (38)
  • Mathilda (Mathy) Askenazy-Daniel[23] (68)
  • Yehuda Basterman[24] (32)
  • Rina Bushkenitch[25] (34)
  • Dov Bushkenitch[26] (36)
  • Liat Gal-On[27] (6)
  • Shim'on Glotman[28] (43)
  • Amnon Drori[29] (43)
  • Naama Hadani[30] (5)
  • Ilan Hohman[31] (3)
  • Roi Hohman[32] (6)
  • Rebecca Hohman[33] (28)
  • Mordechai (Moti) Zit[34] (9)
  • Josef Kheloani[35] (66)
  • Malka Leibovitch-Wiess[36] (58)
  • Tzyona Lozia-Cohen[37] (32)
  • Abraham Lozia[38] (37)
  • Otari Mansurov[39] (37)
  • Yoav (Yoavi) Meshkel[40] (6)
  • Tuvia Rozner[41] (53)
  • Gail Rubin[42][43] (40)
  • Meir Segal[44] (73)
  • Katy (Rina) Sosensky[45] (49)
  • Joseph Sosensky[46] (56)
  • Zvi (Zvika) Eshet[47] (46)
  • Omry Tel-Oren[48] (14)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Thorsten G. Schneiders: Heute sprenge ich mich in die Luft. Suizidanschläge im israelisch-palästinensischen Konflikt. Ein wissenschaftlicher Beitrag zur Frage des Warum. LIT, Münster 2006 (ISBN 978-3825887636), S. 58 (online)
  2. a b c d e f [1] "A Sabbath of Terror" (Ein Schabbatt des Terrors), Time magazine, 20. März 1978
  3. a b [2]@1@2Vorlage:Toter Link/www.nationalpost.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Body of female fighter returned (Leiche weiblicher Kämpferin zurückgeführt). Von Tom Perry. In National Post, 17. Juli 2008
  4. a b c d [3] Robert Fisk: 'Theatrical return for the living and the dead' (Theatralische Aufführung für die Lebenden und die Toten) - Robert Fisk, Commentators - The Independent
  5. Getty Images: "Polizist" Ehud Barak am 11. März 1978 bei der Arbeit (Memento des Originals vom 18. März 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.daylife.com
  6. Haaretz am 5. August 2009: Coastal Road terrorist refuses to apologize, says peace 'important'
  7. www.guardian.co.uk 16. Juli 2008: Israel-Hizbullah prisoner exchange: profiles
  8. Special report # 39: Palestinian Culture and Society (Study #6 -Mar. 12,2002) "Encouraging Women Terrorists" by Itamar Marcus Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 21. Dezember 2008 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pmw.org.il
  9. US Funds Will Renovate School Named After Palestinian Terrorist@1@2Vorlage:Toter Link/www.cnsnews.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. CNS News am 7. August 2002, von Julie Stahl
  10. Belgien kürzt Gelder für Palästinenser, Israelnetz, abgerufen am 26. Oktober 2017
  11. Belgium ends support to Palestinian schools, Ma'an News am 16. September 2018
  12. Belgien stellt Unterstützung für palästinensische Schulen ein In: Israelnetz.de, 17. September 2018, abgerufen am 22. September 2018.
  13. PMW: Palestinian terrorists are the Palestinian heroes 15. August 2002 Palestinian Media Watch Special Report 15. August, 2002
  14. [4] "In an Al-Jazeera TV Program on Palestinian Terrorist Dalal Al-Mughrabi, Al-Mughrabi's Sister Salutes Jerusalem Bulldozer Terrorist"MEMRI
  15. Homepage des Nationalen Versicherungsinstituts Israels (NII)
  16. רויטל טלי אהרונוביץ ז"ל 
  17. נעמי אליחי ז"ל 
  18. ארז אלפנד ז"ל 
  19. יצחק אלפנד ז"ל 
  20. גלית אנקווה ז"ל 
  21. יצחק איציק אנקווה ז"ל 
  22. חביב אנקווה ז"ל  NII
  23. מטילדה מטי אשכנזי דניאל ז"ל 
  24. יהודה בסטרמן ז"ל 
  25. רינה בושקניץ ז"ל 
  26. דב בושקניץ ז"ל 
  27. ליאת גלאון ז"ל 
  28. שמעון גלוטמן ז"ל 
  29. אמנון דרורי ז"ל 
  30. נעמה הדני ז"ל 
  31. אילן הוכמן ז"ל 
  32. רועי הוכמן ז"ל 
  33. רבקה הוכמן ז"ל 
  34. מרדכי מוטי זית ז"ל 
  35. יוסף חלואני ז"ל 
  36. מלכה טוני ליבוביץ וייס ז"ל 
  37. ציונה לוזיה כהן ז"ל 
  38. אברהם לוזיה ז"ל 
  39. אוטרי מנשרוב ז"ל 
  40. יואב יואבי משקל ז"ל 
  41. טוביה רוזנר ז"ל 
  42. 'Gail Rubin,' Jewish Women's Encyclopedia
  43. גייל רובין ז"ל 
  44. מאיר סגל ז"ל 
  45. קטיה רינה סוסינסקי ז"ל 
  46. יוסף סוסינסקי ז"ל 
  47. צבי צביקה עשת ז"ל 
  48. אמרי תל-אורן ז"ל 

WeblinksBearbeiten