Hauptmenü öffnen

Juri Elperin

russisch-deutscher Übersetzer

LebenBearbeiten

Juri Elperin entstammte einer jüdischen Familie. Sein Vater war Jurist und hielt sich bei Juri Elperins Geburt wegen eines Lungenleidens bereits längere Zeit mit seiner Familie in der Schweiz auf. Juri Elperin wuchs mit Deutsch als Muttersprache auf. 1922 übersiedelte die Familie nach Berlin, wo der Vater eine Buchdruckerei leitete. Elperin besuchte in Berlin die Volksschule und das Gymnasium. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 wurde die Familie Elperin aus dem Deutschen Reich ausgewiesen. Sie hielt sich zuerst zwei Jahre lang in Paris auf, wo er das Lycée Janson de Sailly besuchte[2]. 1935 lief die Aufenthaltserlaubnis in Frankreich ab, und die Familie sah sich gezwungen, in die Sowjetunion zu gehen.

Elperin besuchte in Moskau die deutschsprachige Karl-Liebknecht-Schule; nachdem diese 1937 geschlossen worden war, wechselte er auf eine russischsprachige Schule, an der er die Reifeprüfung machte. Anschließend studierte er Germanistik; er schloss dieses Studium 1941 mit dem Diplom ab. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion meldete er sich freiwillig zur Roten Armee. Als deutscher Muttersprachler gehörte zu seinen Aufgaben das Verhören von in Kriegsgefangenschaft geratenen deutschen Offizieren in einem Lager in der sibirischen Region Krasnojarsk. Gegen Ende der Stalinära wurde Juri Elperin infolge des zunehmenden Antisemitismus aus der Roten Armee entlassen. Die Familie baute sich nunmehr eine Datscha im Künstlerdorf Peredelkino bei Moskau. Elperin bestritt seinen Lebensunterhalt anfangs als Dozent an der Moskauer Hochschule für Fremdsprachen und mit privaten Deutschstunden; ab Mitte der 1950er Jahre übersetzte er russische Autoren ins Deutsche.

In den folgenden Jahren erschienen zahlreiche Übersetzungen Elperins in sowjetischen und DDR-Verlagen. Ohne der KPdSU beizutreten, wurde er Mitglied des sowjetischen Schriftstellerverbandes. Seit den 1970er Jahren arbeitete Elperin auch für Schweizer und westdeutsche Verlage. Abgesehen von den Jahren 1979 bis 1985, als von den sowjetischen Behörden ein Ausreisestopp gegen ihn verhängt worden war, konnte er auch in den Westen reisen. Die Kontakte nach Deutschland verstärkten sich im Laufe der 1990er Jahre. Nachdem in den Neunziger Jahren seine Datscha abgebrannt war, hielt ihn nichts mehr in Russland.[2] Elperin übersiedelte im Jahre 2000 mit seiner Ehefrau nach Deutschland. Er erhielt die deutsche Staatsbürgerschaft und vom Bundespräsidenten eine Ehrenpension. Elperin lebte zuletzt wieder in Berlin und schrieb an seiner Autobiografie.[2]

Neben seinem übersetzerischen Werk war Elperin auch Verfasser von journalistischen und essayistischen Arbeiten. Elperin vertrat die Ansicht, dass ein literarischer Übersetzer auch eigene Werke vorweisen muss, seine Gedichte und Erzählungen veröffentlichte er teils unter dem Pseudonym Peter Trenck.[2]

MitgliedschaftenBearbeiten

EhrungenBearbeiten

ÜbersetzungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Todesanzeige, bei Der Tagesspiegel, Abgerufen am 2. Oktober 2015; „Drei Dinge im Leben habe ich richtig gemacht“ Nachruf auf Juri Elperin, Die Welt, 23. September 2015. Abgerufen am 23. September 2015.
  2. a b c d Joseph Wächtholz: „Ich habe jede Furcht verloren“, in: Literarische Welt, 5. September 2015, S. 7