Hauptmenü öffnen

Als Deutsche Auslandsschule werden Schulen im Ausland bezeichnet, an denen der Unterricht zumindest teilweise in deutscher Sprache stattfindet und deren Abschlüsse in Deutschland anerkannt werden. In der Regel handelt es sich um Privatschulen, die von einem gemeinnützigen Schulverein getragen werden, zumeist aber aus deutschen öffentlichen Mitteln finanziell gefördert werden. Für die Betreuung der derzeit 140 Schulen[1] (Stand: Januar 2019[2]) auf allen Kontinenten ist die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) im Bundesverwaltungsamt zuständig. Die ZfA unterliegt dabei der Fachaufsicht des Auswärtigen Amtes und arbeitet mit dem Bund-Länder-Ausschuss für schulische Arbeit im Ausland (BLASchA) zusammen. Über die Befugnis zur Verleihung deutscher Schulabschlüsse entscheidet die Kultusministerkonferenz. Der 2003 gegründete Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) vertritt die freien Schulträger der Deutschen Auslandsschulen. Dem Verband gehören 122 Deutsche Auslandsschulen an.[3][4]

Schultypen und SchülerBearbeiten

Nach Art und Umfang des deutschsprachigen Angebotes sowie der Abschlüsse werden die folgenden Typen allgemeinbildender Auslandsschulen unterschieden:

  • Deutschsprachige Schulen: Der Unterricht wird zum großen Teil in deutscher Sprache erteilt und es werden zumeist nur deutsche Abschlüsse verliehen. Da diese Schulen vorwiegend von Schülern besucht werden, deren Eltern als deutsche Fachkräfte auf begrenzte Zeit ins Ausland entsandt wurden, ist umgangssprachlich die Bezeichnung Expat-Schulen verbreitet. Aufgrund der hohen internationalen Akzeptanz deutscher Abschlüsse und im Zuge einer zunehmenden Internationalisierung der Deutschen Auslandsschulen werden aber auch diese Schulen oft von Schülern des Gastlandes und von einer internationalen Schülerschaft besucht.
  • Zweisprachige Schulen (Begegnungsschulen): Der Unterricht wird sowohl in deutscher als auch in der Landessprache erteilt, die genaue Ausgestaltung ist unterschiedlich; die Landessprache wird als Muttersprache unterrichtet. Die Schulen stehen explizit allen Einheimischen und Kindern anderer Nationalitäten offen. Es werden sowohl deutsche als auch landesspezifische Abschlüsse vergeben. Der interkulturelle Austausch gehört zu den Schulzielen. Der überwiegende Teil der Deutschen Auslandsschulen ist heute als Begegnungsschule konzipiert.[5] Im Jahr 2013 besuchten knapp 82.000 Schüler die Deutschen Auslandsschulen, 20.810 waren deutsche, 61.000 nichtdeutsche Schüler.[6]

Neben den 140 Deutschen Auslandsschulen in 72 Ländern gibt es weltweit mehr als 1.000 Schulen mit verstärktem Deutschunterricht, so genannte Sprachdiplom-Schulen (DSD-Schulen): Dort wird der Unterricht, ggf. mit Ausnahme einzelner Fächer, vollständig in der Landessprache erteilt; es findet jedoch in großem Umfang verpflichtender Deutschunterricht statt, häufig schon in einem integrierten Kindergarten. Die Schulen sind vollständig in das örtliche Schulsystem integriert, es werden die jeweiligen nationalen Abschlüsse sowie das Deutsche Sprachdiplom (DSD) der Kultusministerkonferenz verliehen.

Hinzu kommen deutsche Berufsschulen sowie deutschsprachige Abteilungen an Europäischen Schulen und an sog. Spezialgymnasien in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Außerdem gibt es mehrere Hundert sogenannte FIT-Schulen, an denen der Deutschunterricht auf- oder ausgebaut wird.[7]

AbsolventenBearbeiten

Zeugnisse und Abschlüsse anerkannter Deutscher Auslandsschulen sind von der Kultusministerkonferenz anerkannt.[8] Das Abiturzeugnis einer Deutschen Auslandsschule bescheinigt die allgemeine Hochschulreife bescheinigt und vermittelt den Zugang zu jedem Studium an Hochschulen in Deutschland als Bildungsinländer.[9]

Nach § 34 AufenthG bedarf es bei der Visavergabe für Absolventen deutscher Auslandsschulen, die über eine deutsche Hochschulzugangsberechtigung (oder eine internationale oder nationale Hochschulzugangsberechtigung in Verbindung mit dem Deutschen Sprachdiplom) verfügen und in Deutschland ein Studium aufnehmen wollen, keiner Zustimmung durch die Ausländerbehörde.

Laut einer 2017 veröffentlichten Studie gehen 62 % der Absolventen mit deutscher Staatsbürgerschaft nach dem Schulabschluss nach Deutschland und 32 % der nichtdeutschen Absolventen.[10]

Aufgaben und Rolle der Deutschen AuslandsschulenBearbeiten

Im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik sollen die Deutschen Auslandsschulen folgende Ziele verwirklichen:

  • Förderung der deutschen Sprache
  • Begegnung mit Kultur und Gesellschaft des Gastlandes
  • Schulische Versorgung deutscher Kinder im Ausland
  • Stärkung des Studien- und Wirtschaftsstandorts Deutschland

Eine gemeinsame Untersuchung von Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) und Universität St. Gallen belegt die bedeutende Rolle der Deutschen Auslandsschulen in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Der „Studie zum Public Value der Deutschen Auslandsschulen“ zufolge leisten die Schulen aus Sicht von Experten aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften, Verwaltung und Verbänden einen wichtigen Beitrag zum Ansehen Deutschlands in der Welt. Ausbildung und Abschlüsse der Schulen genießen demnach international hohe Anerkennung; deutsche Unternehmen, die Mitarbeiter ins Ausland entsenden, profitieren stark von den schulischen Angeboten. Für die Studie zum Public Value der Deutschen Auslandsschulen wurden repräsentative Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbänden in Deutschland interviewt. An einer parallel durchgeführten Onlinebefragung beteiligten sich 285 Vorstände, Schul- und Verwaltungsleiter der Deutschen Auslandsschulen weltweit. Die Untersuchung erfasst den gesellschaftlichen Nutzen der Auslandsschulen anhand verschiedener Dimensionen wie Wirtschaftlichkeit, Bildung und sozialem Zusammenhalt.[11]

FinanzierungBearbeiten

Die Deutschen Auslandsschulen werden in der Regel von gemeinnützigen Schulvereinen gegründet und getragen, die öffentlich gefördert werden (Public-Private-Partnership). Die Auslandsschulen finanzieren sich als Privatschulen zu erheblichen Teilen aus Schulgeld und Spenden, hinzu kommt die Förderung aus dem Schulfonds des Auswärtigen Amtes. Diese Mittel werden von der ZfA zugewiesen. Einzelne Schulen erhalten auch Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln des Gastlandes. Falls die Eltern das Schulgeld nicht aufbringen können, besteht häufig die Möglichkeit, dieses ganz oder teilweise zu erlassen oder ein Stipendium zu gewähren.

Die Bundesrepublik Deutschland unterstützte im Jahr 2013 die 140 Deutschen Auslandsschulen mit 243 Millionen Euro.[12] Die freien Träger der Deutschen Auslandsschulen erwirtschaften den Großteil ihrer Haushalte in Eigenverantwortung: Etwa 80 Prozent der Kosten der Auslandsschulen werden durch Gebühren und Zuschüsse ortsansässiger Unternehmen gedeckt.[13]

Am 22. März 2013 billigte das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf für ein Auslandsschulgesetz.[13] Am 13. Juni 2013 wurde das Gesetz im Bundestag mit den Stimmen der damaligen schwarz-gelben Regierungskoalition verabschiedet.[14] Zum 1. Januar 2014 trat das Auslandsschulgesetz in Kraft. Damit wurde erstmals, nach einem mehrjährigen Reformprozess, eine eigene gesetzliche Regelung für die Förderung der Deutschen Schulen im Ausland geschaffen.

Gemäß Auslandsschulgesetz werden Förderverträge mit den freien Schulträgern der Deutschen Auslandsschulen geschlossen, die über drei Jahre einen gesetzlichen Anspruch auf die personelle und finanzielle Förderung erhalten. Förderfähig ist eine Deutsche Auslandsschule laut Auslandsschulgesetz (§ 8), wenn sie „deutschsprachigen Unterricht anbietet und deutschsprachig geprägte Abschlüsse“ anbietet; sie muss weiterhin in den letzten drei Jahren vor der Antragsstellung „mindestens 12 Abschlüsse“ derselben, im Gesetz festgeschrieben Kategorie von Abschlüssen vergeben haben (dazu zählen u. a. das Abitur, die mittlere Reife und das Gemischtsprachige International Baccalaureate).[15] Zu den weiteren Voraussetzungen für die gesetzliche Förderung zählen wirtschaftliche Tragfähigkeit, Gemeinnützigkeit und die Ausrichtung an den demokratischen Werten Deutschlands. Schulen, die den gesetzlichen Anspruch der Mindestzahl an Abschlüssen pro Jahr nicht erfüllen, können weiter auf der Basis des freiwilligen Zuwendungsrechtes gefördert werden. Schulen, die das Deutsche Sprachdiplom anbieten, können ebenfalls freiwillig auf der Basis des Zuwendungsrechts Fördermittel erhalten.[16]

LehrkräfteBearbeiten

Im Rahmen der Förderung durch die Bundesrepublik Deutschland und um deutsche Qualitätsstandards zu gewährleisten, werden deutsche Auslandsdienstlehrkräfte durch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen angeworben und an die Schulen vermittelt. Dabei handelt es sich um verbeamtete oder festangestellte Lehrer aus dem innerdeutschen Schuldienst, die für eine begrenzte Zeit (in der Regel maximal acht Jahre) durch die Bundesländer zur Verfügung gestellt werden. Sie werden von der Bundesrepublik Deutschland finanziert und erhalten ihre reguläre Vergütung nach deutschem Besoldungs- bzw. Tarifrecht sowie zusätzlich eine Auslandszulage. Hinzu kommen Bundesprogrammlehrkräfte, die ebenfalls für begrenzte Zeit aus Deutschland vermittelt werden, jedoch zuvor keine feste Beschäftigung im innerdeutschen Schuldienst innehatten. Sie werden von der Schule nach örtlichen Tarifen bezahlt, erhalten jedoch zusätzlich eine Zuwendung aus Bundesmitteln. Schließlich werden deutsch- wie landessprachliche Ortslehrkräfte von den Schulen direkt angestellt und vergütet. Die Schulleitung obliegt zumeist einer Auslandsdienstlehrkraft. Im Jahr 2013 waren 1.340 aus Deutschland vermittelte Lehrkräfte und 6.835 Ortslehrkräfte an den Deutschen Auslandsschulen tätig.[17]

Exzellente Deutsche AuslandsschuleBearbeiten

 
Offizielles Gütesiegel

Das Gütesiegel Exzellente Deutsche Auslandsschule wird an Deutsche Auslandsschulen vergeben, nachdem diese eine Bund-Länder-Inspektion (BLI) erfolgreich durchlaufen haben.

Die BLI wurde 2008 durch die Kultusministerkonferenz (KMK) bzw. den Bund-Länder-Ausschuss für schulische Arbeit im Ausland (BLASchA) als Werkzeug des Pädagogischen Qualitätsmanagements (PQM) für Deutsche Auslandsschulen verbindlich eingeführt. Alle Deutschen Auslandsschulen werden im Rahmen der BLI in einem Zyklus von etwa sechs Jahren besucht. Bis 2013 haben laut BLASchA 112 der Deutschen Auslandsschulen eine BLI durchlaufen.[18]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Über uns. Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA). Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), abgerufen am 30. April 2019.
  2. ZfA – kurz gefasst. Januar 2019, abgerufen am 1. Mai 2019.
  3. Weltverband Deutscher Auslandsschulen: Steigende Mitgliederzahlen, starkes Ehrenamt. In: auslandsschulnetz.de/. 27. Juni 2018, abgerufen am 11. April 2019.
  4. https://www.auslandsschulnetz.de/wws/weltkarte_mitgliedsschulen.php
  5. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/KulturDialog/SchulenJugend/Uebersicht_node.html
  6. Archivlink (Memento des Originals vom 27. Oktober 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bva.bund.de
  7. http://weltkarte.pasch-net.de
  8. Informationen für Eltern: Deutsche Schulen im Ausland. KM.BW, abgerufen am 22. Mai 2019.
  9. Abitur im Ausland. KMK, abgerufen am 22. Mai 2019.
  10. Deutsche Schulen, globale Bildung: Beitrag der Deutschen Auslandsschulen zum Triple Win. Weltverband Deutscher Auslandsschulen, 2017, abgerufen am 7. April 2019. S. 33.
  11. https://www.auslandsschulnetz.de/wws/publicvalue.php
  12. Archivlink (Memento des Originals vom 27. Oktober 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bva.bund.de
  13. a b Barbara Gillmann: Sicherheit für deutsche Schulen im Ausland. In: Handelsblatt. Nr. 57, 21. März 2013, ISSN 0017-7296, S. 11.
  14. http://dbtg.tv/fvid/2438463
  15. http://www.bva.bund.de/DE/Organisation/Abteilungen/Abteilung_ZfA/Auslandsschularbeit/Auslandsschulgesetz/faq_node.html
  16. https://www.auslandsschulnetz.de/wws/auslandsschulgesetz_in_kraft.php
  17. Archivlink (Memento des Originals vom 27. Oktober 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bva.bund.de
  18. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 27. Oktober 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bva.bund.de