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Jost Lemmerich

deutscher Physiker und Wissenschaftshistoriker
Bei der Eröffnung einer Ausstellung, TU-Berlin Okt. 2008; Foto: Thilo Rückeis

Jost Lemmerich (* 7. Juni 1929[1] in Berlin[2]; † 21. März 2018[3] ebenda) war ein deutscher Physiker und Wissenschaftshistoriker, der vor allem zahlreiche Ausstellungen zur Wissenschaftsgeschichte der Physik des 20. Jahrhunderts organisiert hat.

LebenBearbeiten

Bei Kriegsende wurde der 15jährige zum Volkssturm eingezogen und verwundet. Sein älterer Bruder war bereits im Kriege gefallen, dann auch sein Vater. Er konnte in der Nachkriegszeit die Schule mit dem Abitur abschließen. Sein Vater war bei Siemens gewesen, daher begann Jost Lemmerich auch dort zu arbeiten, in einem Chemielabor. Von der Firma ermöglicht,[4] studierte er zwischen 1956 und 1962 Physik an der Technischen Universität Berlin. Nach Tätigkeiten wieder bei Siemens wechselte er 1970 an das Deutsche und dann an das Europäischen Patentamt in Berlin. Dort und später nach seiner Pensionierung intensiver, begann er sich mit der Physikgeschichte und ihrer öffentlichen Darstellung zu befassen. Er organisierte über 20 Ausstellungen unter anderem an der Staatsbibliothek Berlin und dem Deutschen Museum in München. Den Anfang machte 1977 die Ausstellung über „Die Physik der Zwanziger Jahre“ als in Berlin die „Tendenzen der Zwanziger Jahre“ gezeigt wurden.[5] Später wurde er Fellow des Churchill College der Universität Cambridge, wo er am Churchill Archives Centre Lise Meitners Nachlass[6] bearbeitete. Aus diesem Nachlass editierte er ihre Korrespondenz mit Max von Laue sowie mit Elisabeth Schiemann.

Als Autor verfasste Lemmerich neben Katalogen zu seinen Ausstellungen und einzelnen Artikeln zur naturwissenschaftlichen Geschichte mehrere Biografien.

Ausstellungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Die Physik der Zwanziger Jahre, für die Deutsche Physikalische Gesellschaft, ausgestellt 1977 im Verwaltungsgebäude der Siemens AG, Berlin, mit Katalog, Einleitung von H.J. Queisser
  • Gedächtnisausstellung zum 100. Geburtstag von Albert Einstein, Lise Meitner, Otto Hahn, Max von Laue, 1979 Staatsbibliothek Berlin, dann in Kaiserslautern und in Peking, Katalog mit K.H. Boeters
  • Dokumente zur Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Ausstellung in der Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz, Berlin 1981[7]
  • Der Mensch und die Automation: Historische Aspekte, Ausstellung in einer Fabrikhalle, Osloer Straße 12, Berlin, 1984 mit Katalog
  • A Brief Review of the History of Physics in Berlin, from the beginnings until 1933, anläßlich der „13th Internat. Conf. on Electronics & Atomic Collisions“, North-Holland Publ. 1984, Broschüre; 1983 und erweitert 1987 als Dauerausstellung für den Fachbereich Physik der FU Berlin
  • Maß und Messen – Ausstellung aus Anlaß der Gründung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt am 28. März 1887 – Berlin und Braunschweig 1987, Physikalisch-Technische Bundesanstalt
  • 100 Jahre Röntgenstrahlen – Ausstellung aus Anlass der Entdeckung der Röntgenstrahlen, Würzburg 1995, Katalog dt./engl.
  • Ausstellung zum 125. Geburtstag von Lise Meitner[8] (2003)
  • Justus Liebig: Seine Zeit und unsere Zeit. Chemie – Landwirtschaft – Ernährung, Gießen 2003, anlässlich des Liebig-Jahres/Jahres der Chemie
  • Ausstellung über die Geschichte der Physik an der TU Berlin[9] (2009)
  • Hermann von Helmholtz: Ein Wegbereiter der wissenschaftlichen Psychologie, Ausstellung 2014 für das Adolf–Würth–Zentrum für Geschichte der Psychologie der Universität Würzburg, gemeinsam mit A. Stock und mit Katalog.

BücherBearbeiten

  • Michael Faraday: 1791–1867, Erforscher der Elektrizität, München: C.H. Beck Verlag, 1991
  • Friedrich II und die Naturwissenschaften, Aufsatz im "Jahrbuch des Landesarchivs Berlin 1988", Hrsg. H.J. Reichhardt, Berlin: Siedler Verl., 1988
  • Lise Meitner – Max von Laue: Briefwechsel 1938–1948, Berlin: ERS-Verl., 1998
  • Aufrecht im Sturm der Zeit: Der Physiker James Franck, Diepholz: Verl. für Geschichte der Naturwiss., 2007
    • Science and Conscience: The Life of James Franck, Stanford, California: Stanford University Press, 2011
  • Bande der Freundschaft: Lise Meitner – Elisabeth Schiemann: Kommentierter Briefwechsel 1911–1947, Wien: Verl. der Österr. Akad. der Wiss., 2010
  • Mein lieber Sohn! Die Briefe von Max von Laue an seinen Sohn Theodor in den Vereinigten Staaten von Amerika 1937–1948, Berlin: ERS-Verl., 2011
  • Politik und Werbung für die Wissenschaft: Das Harnack-Haus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft in Berlin-Dahlem, Rangsdorf: Basilisken-Presse, 2015
  • Hermann von Helmholtz: Ein Wegbereiter der wissenschaftlichen Psychologie, zusammen mit Armin Stock, Würzburg: Verl. Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie, Universität Würzburg, 2014

EhrungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Naturwissenschaftliche Rundschau, Bd. 51, 1998, S. 226, J. Lemmerich, Wissenschaftsgeschichte und künftige Nachlässe
  2. Dipl.-Phys. Jost Lemmerich erhält die Ehrendoktorwürde der TU Berlin. Medieninformation Nr. 239 (24. Oktober 1996) der TU Berlin, abgerufen am 19. Juli 2011.
  3. Armin Stock: Zum Tod von Jost Lemmerich. In: einBLICK - Online-Magazin der Universität Würzburg. 22. Mai 2018, abgerufen im Mai 2018.
  4. Andreas Austilat: Ein kritischer Rationalist. In: Tagesspiegel online. 11. Juli 2018, abgerufen im Juli 2018.
  5. R. Hahn u. a.: Nachruf auf Jost Lemmerich. In: Physik Journal 17 (2018) Nr. 7 S. 61. Abgerufen im Juli 2018.
  6. Jost Lemmerich: Lise Meitners Vorlesungen in Berlin. In: Sonderheft "Humboldt Chancengleich" 6. Jahrg. Nov. 2014 über Lise Meitner. Abgerufen am 17. Juli 2018.
  7. siehe http://d-nb.info/820409170
  8. Die Frau des JahresZu Lise Meitners 125. Geburtstag stellt die Staatsbibliothek Briefe, Fotos und Urkunden aus dem Leben der berühmten Physikerin aus. In: Berliner Zeitung, 11. November 2003
  9. Ausstellung zur „Geschichte der Physik an der TU Berlin“
  10. Liebig-Medaille der Universität Gießen für Dr. h.c. Jost Lemmerich. Pressemeldung der JLU in: Informationsdienst Wissenschaft, 10. September 2003