Jim Humble

US-amerikanischer Ingenieur, Autor und Erfinder von Nahrungsergänzungsmitteln

Jim Humble (auch „Bishop James Vern Humble“) (* Dezember 1933 in Mobile, Alabama) ist ein US-amerikanischer Geschäftsmann, angeblicher Wunderheiler, Autor und Verschwörungstheoretiker. Er lebt momentan in der Nähe von Guadalajara, der zweitgrößten Stadt Mexikos.[1]

LebenslaufBearbeiten

Humble war zweimal verheiratet. Er hat zwei Söhne und eine Tochter. Seine Tochter Paris Humble-Chavez ist aktive Scientologin und verbreitete ein Audio-Buch ihres Vaters über das angebliche Wunderheilmittel MMS.

Seine Arbeit in der Gesundheitsbranche begann Humble in den 1950er Jahren in einem Bioladen in Los Angeles. Danach ging er für 20 Jahre in die Luft- und Raumfahrtindustrie. Dort habe er die erste computergesteuerte Maschine in den USA angeschlossen, und soll außerdem im Versuchslabor ein Mondfahrzeug repariert haben.

Er behauptet 40 Jahre lang Goldgräber gewesen zu sein. Etwa im Jahr 1990 ging er in die Goldabbau-Industrie bzw. Goldminen. In dieser Zeit habe er fünf Bücher über die Förderung von Gold und die verschiedenen Arten des Goldwaschens geschrieben. 1996 will er als Goldgräber in den tropischen Regenwäldern Südamerikas unterwegs gewesen sein. Im Dschungel von Guyana heilte er angeblich mit einem Wasserreinigungsmittel auf Natriumchlorit-Basis einige Männer von Malaria. Als seine weiteren Behandlungen verboten wurden, ging er in die USA zurück, wo er mit ätzenden Chlordioxid-Lösungen experimentierte, die später MMS genannt wurde: Miracle Mineral Supplement oder Solution – deutsch „Wunder-Mineralergänzung“.

Humble hat laut eigener Aussage über 30 Bücher geschrieben und mehr als 200 erfolgreiche Produkte erfunden. Beispielsweise soll er den ersten automatischen Garagentoröffner erfunden haben, einen neuen Hubschrauber und eine alchemistische Methode zur Senkung der Atomstrahlung auf Null. Er beschäftigt sich auch mit solchen okkulten Heilmethoden wie der „animalische Magnetismus“.

Humble war fünfundzwanzig Jahre lang Mitglied der Scientology (ca. 1956–1981). 2010 gründete er die Sekte Genesis II, Church of Health & Healing (Zweite Schöpfung, Kirche für Gesundheit und Heilung) und bezeichnet sich seitdem als „Erzbischof James Vern Humble“. Außerdem behauptet er, ein außerirdischer Gott der Andromedagalaxie zu sein. Allgemein erzählt er viele Geschichten über Aliens, die ihm ein geheimes Wissen implantiert haben sollen.[1]

Humble war zweimal verheiratet und hat zwei Söhne und eine Tochter. Seine Tochter Paris Humble-Chavez ist aktive Scientologin und verbreitete ein Audio-Buch ihres Vaters über MMS.

Initiator von MMSBearbeiten

Humble gilt als Initiator des chlordioxid-haltigen Lösung Miracle Mineral Supplement (MMS). Auf seiner Homepage wirbt er: „Für AIDS, Hepatitis A, B und C, Malaria, Herpes, Tuberkulose, die meisten Krebsformen und viele weitere ernste Erkrankungen gibt es nun eine Lösung. Zahlreiche Krankheiten lassen sich jetzt erfolgreich bekämpfen.“

MMS entsteht durch das Vermischen von Natriumchlorit mit Cironsäure. MMS ist also eigentlich Chlordioxid, was auch als Textilbleichmittel eingesetzt wird. Die Chemikalien wirken ätzend, was Erbrechen bis zu schweren Nierenfunktionsstörungen nach sich ziehen kann. 2009 starb die US-Amerikanerin Silvia Fink während ihrer Hochzeitsreise nach der Einnahme eines MMS-Mittels.[2]

Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass es keine einzige wissenschaftliche Studie gibt, die irgendeine positive Wirkung von MMS belegt.[3] Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) warnte 2010 vor MMS und riet allen Anwendern, sofort eine mögliche Behandlung abzubrechen; und Ende Februar 2015 stufte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zwei MMS-Produkte als zulassungspflichtig und bedenklich ein und warnte vor deren Einnahme.[4][5][6] Die Deutsche Apothekerzeitung berichtete über MMS auch in deutschen Online-Medikamenten-Shops. Gleichzeitig beklagte die Publikation, dass die rechtliche Grundlage für Deutschland im Falle von gefährlichen Wundermitteln wie die MMS-Produkte fehle.[7] Die Präparate wurden mittlerweile in vielen weiteren Ländern als gesundheitsschädlich verboten.

TitelverkäuferBearbeiten

In der Dominikanischen Republik bietet Humble MMS-Kurse und den Kauf von Phantasietiteln an. Für einen hohen Dollarbetrag bietet Humble jedem Interessenten an, sich mittels eines Kurses zum „Minister of Health“ ausbilden zu lassen und anschließend hinter seinem Namen „MH“ setzen zu dürfen. Als Mitglied von Humbles Kirche darf ein Interessent zusätzlich vor seinem Namen „Rev“ anfügen: also ein Priester (englisch The Reverend).

Im weiteren Angebot soll im Rahmen des Kurses „Genesis II Mission to Haiti“ kranke Menschen mit MMS in Haiti behandelt werden. Nach mindestens drei Tagen und der Zahlung eines vierstelligen Dollarbetrages erhalten die Kursabsolventen einen Doktortitel und ein MMS-Zertifikat. Fälschlich wird versprochen, anschließend den Titel „Rev. Dr.“ legal vor dem Namen führen zu dürfen. Besondere Mitglieder sollen Bischöfe der Schein-Kirche Genesis II werden können.

In DeutschlandBearbeiten

Das Internetportal Spirit of Health und die gleichnamige Zeitschrift für den deutschsprachigen MMS-Markt werden vom Humble Verlag in Roermond (Niederlande) bedient. Der Verlag organisiert die jährliche Konferenz „Spirit of Health“, auf der das Wunderheilmittel MMS beworben wird.[8]

Zu den wichtigsten Werbern und Vermarktern von MMS in Deutschland gehören der Autor und angebliche Wunderheiler Andreas Ludwig Kalcker, der Verlagschef und Autor Leo Koehof und der angebliche Wunderheiler Bernd Klein alias Leonard Coldwell. Nach Recherchen des RBB empfahl Kalcker bei einem kostenpflichtigen „Beratungsgespräch“ einer vermeintlichen Darmkrebspatientin eine Hinhaltetaktik, um eine Operation hinauszuzögern und stattdessen die Krankheit mit MMS zu behandeln.[9]

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Jim Humble: MMS – Der Durchbruch. Ein einfaches Mineralpräparat wirkt wahre Wunder bei Malaria, Aids und vielen anderen Krankheiten. Kopp Verlag, ISBN 978-3981409871, 210 Seiten.
  • Jim Humble: MMS klinisch getestet. Jim Humble Verlag, ISBN 978-9088790720.

WeblinksBearbeiten

BelegeBearbeiten

  1. a b Erkrankt an Gesundheit. 3.1. Lebenslauf. Abgerufen am 22. April 2021. Abgerufen am 2. November 2017.
  2. Hanno Böck: Chlorbleiche soll Wunder bewirken. In: die Tageszeitung. 26. November 2016, abgerufen am 26. Oktober 2016 (2021-04-25).
  3. Miracle Mineral Supplement (MMS): Erhebliche Gesundheitsgefahr. Abgerufen am 25. April 2021.
  4. BfR rät von der Einnahme des Produkts „Miracle Mineral Supplement“ („MMS“) ab. 2. Juli 2012, abgerufen am 22. April 2021.
  5. BfArM warnt vor der Anwendung von „Miracle Mineral Supplement“ als Arzneimittel. 30. Mai 2014, abgerufen am 25. April 2021.
  6. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stuft zwei „Miracle Mineral Supplement“-Produkte als zulassungspflichtig und bedenklich ein. 26. Februar 2015, archiviert vom Original; abgerufen am 25. April 2021.
  7. Julia Borsch (jb): 5. „Wundermittel“ MMS ist immer noch zu haben – auch in Apotheken. DAZ.online, 11. Februar 2016, abgerufen am 25. April 2021.
  8. Spirit of Health Kongress 2015. Spirit of Health, abgerufen am 13. November 2016.
  9. Caroline Walter, Christoph Rosenthal: Ätzende Alternativmedizin – Angebliche Wundermittel gefährden Patienten. TV-Magazin Kontraste des RBB, 5. Juni 2014.