Jane Campion

neuseeländische Filmregisseurin

Dame Elizabeth Jane Campion DNZM (* 30. April 1954 in Wellington, Neuseeland) ist eine neuseeländische Filmregisseurin, die in Sydney lebt und arbeitet.[1] Für ihr Filmdrama Das Piano erhielt sie die Goldene Palme von Cannes und einen Oscar in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch.

Jane Campion

LebenBearbeiten

Campions Eltern hatten eine Ausbildung am Londoner Old Vic Theatre. Ihr Vater Richard ist Regisseur und ihre Mutter Edith Schauspielerin. Die ältere Schwester Anna arbeitet ebenfalls als Regisseurin. Von 1973 bis 1975 absolvierte Jane Campion ein Studium der Anthropologie an der Victoria University of Wellington mit dem Abschluss Bachelor of Arts. 1976 studierte sie in London. Von 1976 bis 1980 studierte sie in Sydney Kunst mit dem Schwerpunkt Malerei. Von 1981 bis 1984 folgte ein Studium an der Australian Film, Television and Radio School (AFTRS), wo sie eine Regieausbildung hatte.

Bereits ihr zweiter Kurzfilm Orangenschalen – Eine Übung in Disziplin (An Exercise in Discipline – Peel) aus dem Jahr 1982 brachte ihr 1986 die erste hohe Auszeichnung ein: die Goldene Palme für den besten Kurzfilm bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Ihr Film Sweetie (1989) wurde 1989 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes für die Goldene Palme nominiert und gewann 1991 den Independent Spirit Award als Bester internationaler Film. Mit Ein Engel an meiner Tafel (1990) verfilmte sie die Autobiographie der neuseeländischen Schriftstellerin Janet Frame, die mehrere Jahre in psychiatrischen Anstalten verbrachte. Der Film erfuhr ebenfalls eine positive Resonanz unter Filmkritikern und Cineasten.

Ihren größten Erfolg erreichte die Regisseurin mit Das Piano, für den sie 1993 als erste Frau die Goldene Palme des Filmfestivals von Cannes erhielt. Außerdem wurde sie für den Oscar als beste Regisseurin nominiert und gewann die Trophäe für das beste Drehbuch. Der Film fand zudem erstmals ein breites internationales Publikum für Campion und war damit auch kommerziell sehr erfolgreich. Eine Umfrage der BBC unter 368 Filmexperten aus 84 Ländern wählte Das Piano 2019 zum besten Film einer Regisseurin.[2] Ihre nachfolgenden Filme stießen auf ein weniger einheitliches Kritikerecho. Mit der starbesetzten Henry-James-Verfilmung Portrait of a Lady (1996) schilderte sie wie in Das Piano aus der Sicht einer Frau im 19. Jahrhundert. Die Tragikomödie Holy Smoke (1999) mit Kate Winslet und Harvey Keitel spielte wieder in der Gegenwart. Im Jahr 2003 drehte sie den Erotikthriller In the Cut, der Meg Ryan in einer für sie ungewöhnlichen Rolle zeigte.

Campion erhielt 2009 für den Film Bright Star eine Einladung in den Wettbewerb der 62. Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Der Film handelt von der Liebesbeziehung zwischen dem 23-jährigen Lyriker John Keats und der fünf Jahre jüngeren Fanny Brawne. Aufsehen erregte sie 2013 mit ihrer Miniserie fürs Fernsehen Top of the Lake. Im Jahr 2017 folgte eine zweite Staffel mit dem Namen China Girl. Campion war 2014 Jurypräsidentin der Filmfestspiele von Cannes.

Im Jahr 2021 lief ihre Literaturverfilmung The Power of the Dog nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Savage im Wettbewerb um den Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig. Campion wurde in Venedig mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie ausgezeichnet.[3]

Campion heiratete 1992 den Radioproduzenten Colin Englert. Ihr 1993 geborener Sohn verstarb wenige Tage nach der Geburt. Der Ehe, die 2001 geschieden wurde,[4] entstammt zudem Tochter Alice Englert, die als Schauspielerin tätig ist. Seit den 1980er-Jahren lebt und arbeitet Campion in Sydney.

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

Auszeichnungen (Auswahl)Bearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Ulrike Vollmer: Dunkle Talente – Sünde und Erlösung in den Filmen von Jane Campion, in: Orientierung 65 (2001) 165-170.
  • Kathleen McHugh: Jane Campion. University of Illinois Press, Illinois 2007, ISBN 978-0-252-03204-2 (englisch).
  • Ursula Vossen. [Artikel] Jane Campion. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2008 [1. Aufl. 1999], ISBN 978-3-15-010662-4, S. 105–107.
  • Deb Verhoeven: Jane Campion. Routledge, London 2009, ISBN 978-0-415-26274-3 (englisch).

WeblinksBearbeiten

Commons: Jane Campion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jane Campion. IMDb.com, Inc, abgerufen am 18. Dezember 2015 (englisch).
  2. BBC: The 100 Greatest Films directed by Women. Abgerufen am 5. Oktober 2020.
  3. Jane Campion wins tops prize at Venice Film Festival. nzherald.co.nz, 11. September 2021.
  4. Josh Duboff: Jane Campion Hid Behind A Tree to Watch Daughter Alice Englert’s Snow White Audition. Vanity Fair, 11. September 2017
  5. Wechselkunst in FAZ vom 31. August 2017, Seite 11.