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Die Jagdstrecke, oft auch einfach kurz Strecke genannt,[1] bezeichnet die gesamte auf der Jagd erlegte (in der Jägersprache auch: gestreckte) Jagdbeute innerhalb eines bestimmten Gebietes und Zeitraums und ist in dieser Bedeutung synonym mit Jagdstatistik.[2] Als Fangerfolg pro Fläche und Zeitaufwand kann die Jagdstrecke als ein relatives Maß und Index der Populationsgröße dienen.[3] Der Begriff der (Jagd-)Strecke wird zudem auch für das beim sogenannten Streckelegen gemäß jagdlichem Brauchtum geordnet abgelegte Wild nach Treib- und Drückjagden verwendet.[1]

StreckelegenBearbeiten

Zum jagdlichen Brauchtum beim Streckelegen gehört die Sitte, dass das Wild der Tagesstrecke immer auf die rechte Körperseite gelegt wird. Es gibt dazu eine alte Auslegung, dass die rechte Seite die „gute Seite“ sei – das heißt, es werde durch das Legen auf die rechte Körperseite verhindert, dass die „Erddämonen“ in das Wild eindringen. In bestimmter Reihenfolge wird das Wild auf der Strecke angeordnet. Das Schalenwild auf der Strecke wird mit Bruchzeichen gerecht verbrochen. Als Bruch in der Jagdtradition gelten Zweige von gerechten Holzarten wie zum Beispiel Eiche oder Fichte, die dem erlegten Tier ins Maul (Jägersprache: Äser) gesteckt werden. Der Schütze des Wildes erhält zur Anerkennung den Schützenbruch – ein Zweig, benetzt mit etwas Blut (Schweiß) des von ihm erlegten Tieres, der vom erfolgreichen Jäger im Hutband getragen wird. Alles Wild hat ein jeweiliges Totsignal und wird entsprechend verblasen. Zum Abschluss wird die gesamte Strecke mit Jagd vorbei und Halali verblasen.

JagdstreckenBearbeiten

DeutschlandBearbeiten

 
Entwicklung Jahresjagdstrecken von Reh, Wildschwein und Rothirsch in Deutschland zwischen den Jagdjahren (1. April bis 31. März des Folgejahres) 1935/1936 und 2012/2013
 
Entwicklung der Jahresjagdstrecken von Rothirsch (Cervus elaphus) und Damhirsch (Dama dama) in Deutschland zwischen 1935 und 2009
 
Entwicklung der Jahresjagdstrecken von Mufflon (Ovis aries musimon), Sikahirsch (Cervus nippon) und Gämse (Rupicapra rupicapra) in Deutschland zwischen 1935 und 2009

Aktuell – Jagdjahr 2017/18Bearbeiten

Art Stück

(Abschuss inklusive Fallwild)

Rothirsch 76.794
Damhirsch 63.103
Sikahirsch 2.429
Wildschwein 836.865
Reh 1.190.724
Gämse 4.883
Mufflon 7.288
Feldhase 184.690
Wildkaninchen 100.473
Fasan 76.731
Rebhuhn 1.879
Waldschnepfe 8.570
Wildgänse

(verschiedene Arten)

95.394
Wildenten

(verschiedene Arten)

273.832
Wildtauben

(verschiedene Arten)

431.047
Rotfuchs 426.224
Dachs 75.000
Baummarder 6.595
Steinmarder 52.191
Iltis 8.461
Wiesel 4.069
Waschbär 172.549
Marderhund 31.245

Daten: DJV[4]

Historisch – Jagdjahr 1936/37Bearbeiten

Art Stück kg Wert in Reichsmark
Elch 246 19.700 36.900
Rothirsch 56.960 2.734.100 3.987.200
Damhirsch 12.743 356.800 573.400
Reh 643.364 7.720.400 10.293.800
Mufflon 188 4.500 6.600
Gämse 955 30.600 28.700
Wildschwein 36.642 1.758.800 1.648.900
Feldhase 2.948.839 8.256.700 8.846.500
Wildkaninchen 1.792.681 2.151.200 1.792.700
Rotfuchs 218.229 - 2.182.300
Dachs 18.206 - 182.100
Fasan 1.013.595 810.900 1.773.800
Rebhuhn 2.043.288 1.226.000 2.043.300
Wildenten

(verschiedene Arten)

378.674 302.900 473.300
Bussarde

(verschiedene Arten)

28.969 - -

Im Jagdjahr 1936/1937 war in Deutschland für die Bejagung eine Fläche von 45,4 Millionen Hektar zugelassen. Der Gesamtwert der Jagdstrecke 1936/1937 betrug 34.963.400 Reichsmark.

ÖsterreichBearbeiten

 
Entwicklung der Jahresjagdstrecken von Reh-, Rot, Gams- und Schwarzwild in Österreich zwiuschen 1955 und 2012

Aktuell – Jagdjahr 2017/18Bearbeiten

Art Abschuss Fallwild
Rothirsch 61.545
Reh 285.718 71.969
Gämse 21.048
Steinbock 619
Wildschwein 40.297
Feldhase 94.245 27.351
Rotfuchs 67.730
Marder 22.822
Wiesel 10.231
Fasan 50.775 9.415
Rebhuhn 2.412 339
Wildtauben

(verschiedene Arten)

14.910
Wildenten

(verschiedene Arten)

50.810

Daten: Statistik Austria[5]

SchweizBearbeiten

 
Entwicklung Jahresjagdstrecken von Reh, Gämse und Rothirsch in der Schweiz zwischen den Jahren im Zeitraum von etwa 1910 bis 2000

Aktuell – Jagdjahr 2017Bearbeiten

Art Stück

(Abschuss ohne Fallwild und Spezialabschuss)

Reh 44.124
Rothirsch 14.546
Gämse 11.578
Wildschwein 10.766
Steinbock 1.185
Sikahirsch 91
Damhirsch 1
Rotfuchs 25.779
Dachs 3.770
Baummarder 224
Steinmarder 1.260
Marderhund 1
Waschbär 2
Feldhase 1.708
Schneehase 971
Wildkaninchen 5
Alpenmurmeltier 5.073
Bisamratte 12
Nutria 5
Baumwollschwanzkaninchen 43
Stockente 4.871

Daten: Eidgenössische Jagdstatistik[6]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Beute (Jagd) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Jagdstrecke – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Strecke. In: Duden. Abgerufen am 11. August 2019.
  2. Claus-Peter Lieckfeld: Tatort Wald: Georg Meister und sein Kampf für unsere Wälder. 2. Auflage. Westend, Frankfurt/Main 2012, ISBN 978-3-86489-012-3, S. 261 (google.de [abgerufen am 15. Januar 2019]).
  3. Wolfgang Nentwig, Roland Brandl, Sven Bacher: Ökologie kompakt. 3. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-8274-2837-0, S. 53.
  4. Infografik Jahresjagdstrecke Bundesrepublik Deutschland 2018. (PDF) In: Deutscher Jagdverband. Abgerufen am 11. August 2019.
  5. Jagd. In: Statistik Austria. Abgerufen am 16. August 2019.
  6. Jagdstatistik. In: Eidgenössische Jagdstatistik. Abgerufen am 16. August 2019.