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Jacques-Philippe Leclerc de Hauteclocque

französischer Divisionsgeneral
General Leclerc in Ostfrankreich (1944)

Jacques-Philippe Leclerc de Hauteclocque (gebürtig Philippe François Marie de Hauteclocque; * 22. November 1902 in Belloy-Saint-Léonard, Département Somme; † 28. November 1947 in der Nähe von Colomb-Béchar, heute Algerien) war ein französischer Generalmajor im Zweiten Weltkrieg. Er wurde am 23. August 1952 postum zum Marschall von Frankreich ernannt.

Herkunft und AusbildungBearbeiten

Leclerc wurde als Sohn von Adrien, comte de Hauteclocque (1864–1945) und Marie-Thérèse van der Cruisse de Waziers (1870–1956) geboren. Er besuchte die Militärschule Saint-Cyr und trat nach seinem dortigen Abschluss (1924) in die französische Armee ein, wo er 1937 zum Hauptmann befördert wurde.

Zweiter WeltkriegBearbeiten

 
Leclerc-Denkmal in Douala/Kamerun

Kurz nach der Niederlage Frankreichs ging er im Juli 1940 nach London, wo ihn am 25. Juli General Charles de Gaulle schon bei ihrem ersten Treffen zum Major ernannte und ihn als Gouverneur von Französisch-Kamerun nach Französisch-Äquatorialafrika entsandte. De Hauteclocque sollte dort die Kolonien ins Lager des Freien Frankreich überführen und nahm zum Schutz seiner in Frankreich verbliebenen Frau Auguste de Gargan und seiner sechs Kinder den nom de guerre Colonel Jacques-Philippe Leclerc an, da dieser Familienname in seiner Heimatregion häufig vorkam.

 
Truppenverbandsabzeichen der 2e division blindée, auch Division Croix de Lorraine genannt

Leclerc gewann in Afrika mit Kamerun und dem Tschad problemlos bedeutenden strategischen Rückhalt. Von diesen Basen ausgehend, führten seine Truppen, zu denen auch Hauptmann Jacques Massu gehörte, über mehrere tausend Kilometer Überfälle gegen italienische Stützpunkte aus. Seine Durchquerung der Sahara vom Tschad bis zum Mittelmeer, wobei alle italienischen Verteidigungsstellungen und Oasen erobert wurden, stellte eine Meisterleistung dar. Nachdem die Kufra-Oasen genommen waren (28. Februar 1941), schworen er und seine Soldaten, die Waffen erst niederzulegen, wenn die Trikolore über der Kathedrale von Straßburg flattere. Am 10. August 1941 wurde Leclerc zum Brigadegeneral ernannt. Anfang 1943 stieß er mit 2500 Mann weiter nach Tripolis vor, wo er sich am 23. Januar 1943 der britischen 8. Armee anschloss und am Tunesien-Feldzug teilnahm. Am 25. Mai 1943 wurde er dann zum Generalmajor (Général de division) befördert.

1944 landete seine 2. Panzerdivision (frz.: 2e division blindée) am 1. August in der Normandie. Der 3. US-Armee von General Patton unterstellt, machte Leclerc mit seiner Division den alliierten Vormarsch mit. Am 12. August befreite sie Alençon und zeichnete sich im Forêt d'Écouves aus, konnte aber trotz der amerikanischen Erfolge am 13. August Argentan nicht gewinnen. Leclerc verlangte stattdessen die Erlaubnis, den normannischen Kriegsschauplatz zu verlassen, um „hier keinen einzigen weiteren Mann zu verlieren und die Hauptstadt Frankreichs zu befreien.“ Er erreichte so Paris am 25. August 1944 und konnte am Bahnhof Montparnasse die Kapitulation der deutschen Besatzungstruppen in Paris von General von Choltitz entgegennehmen, der Paris zuvor zur offenen Stadt erklärt hatte. Nach der kampflosen Übergabe von Paris setzte Leclerc seinen Siegeszug durch Frankreich und Deutschland bis zu Hitlers Domizil am Obersalzberg fort.

Nachdem der Krieg in Europa beendet war, erhielt Leclerc den Oberbefehl über die französischen Truppen im Pazifik und unterzeichnete im Namen Frankreichs am 2. September 1945 die Kapitulation Japans an Bord des Schlachtschiffs USS Missouri. Im Mai 1945 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und änderte seinen Namen unter Einschluss seines Pseudonyms offiziell in Jacques-Philippe Leclerc de Hauteclocque;[1] diesen Familiennamen tragen auch seine Nachkommen.

IndochinakriegBearbeiten

Als Befehlshaber in Französisch-Indochina nahm Leclerc ab Oktober 1945 an den dortigen Kämpfen teil. Dabei brach das französische Expeditionskorps zunächst eine Blockade Saigons durch die Việt Minh, bevor es weiter durch das Mekongdelta ins vietnamesische Hochland vorstieß. Im Januar 1946 hatte Leclerc die Souveränität Frankreichs über Cochinchina und Süd-Annam wiedererrichtet, wobei er sich aber über die Notwendigkeit einer politischen Lösung im Klaren war. Leclerc, damals Hochkommissar, begrüßte den Vorschlag Jean Saintenys, der zu Beratungen nach Saigon geflogen war, mit Vietnam zu verhandeln. Admiral d’Argenlieu erklärte bezüglich dessen freiherzig, er sei „erstaunt – ja das ist das Wort – erstaunt, dass Frankreichs bestes Expeditionskorps in Indochina von Offizieren befehligt wird, die lieber verhandeln als kämpfen.“

Am 26. März 1946 empfing Ho Chi Minh Leclerc in Hanoi, aber die Verhandlungen scheiterten. Nachdem General Leclerc von Jean-Étienne Valluy ersetzt worden und nach Paris zurückgekehrt war, warnte er, dass „Antikommunismus ein unnützes Instrument sei, solange das Problem des Nationalismus nicht gelöst sei“. Seine Mahnungen blieben ungehört. Die französischen Kommunisten lösten nach ihrem Bruch mit Paul Ramadier eine Serie von Streiks aus, die Frankreich in Unruhe stürzten.

Leclerc starb bei einem Flugzeugunglück in der Nähe von Colomb-Béchar in Algerien am 28. November 1947. Er wurde im Invalidendom in Paris beigesetzt.

Leclercs AndenkenBearbeiten

 
Serment de Koufra 1941 in Straßburg

Leclerc sind in Frankreich zahlreiche Denkmäler und Straßennamen gewidmet. Auch der modernste Kampfpanzer Frankreichs trägt den Namen Leclerc. Die Stiftung „Maréchal Leclerc“, gegründet und 32 Jahre lang von Oberstleutnant Philippe Peschaud geführt, einem guten Bekannten des Namensgebers, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an diesen Hauptakteur der französischen Geschichte im kollektiven Gedächtnis Frankreichs wachzuhalten. In Paris wurde 1994 das Mémorial Leclerc, ein Museum zur militärischen Geschichte der Befreiung 1944, eingeweiht.

Auch mehrere Kasernen in Frankreich tragen seien Namen, darunter auch die Kaserne in Illkirch-Grafenstaden, in der das deutsche Jägerbataillon 291 stationiert ist.

KriegsverbrechenBearbeiten

Es wurde ihm verschiedentlich vorgeworfen, dass von seinen Soldaten erhebliche Übergriffe auf deutsche Gefangene und Zivilisten ausgegangen und Morde an französischen Soldaten der 33. Waffen-Grenadier-Division der SS „Charlemagne“ begangen worden seien.[2]

Sichergestellt ist die Erschießung von elf französischen Soldaten der 33. Waffen-Grenadier-Division der SS. „Charlemagne“ am Kugelbachweg in Karlstein, das heute zur Stadt Bad Reichenhall gehört. Diese erfolgte am 8. Mai 1945 gegen 17 Uhr, kurz vor dem Eintreten der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht. Die Hinrichtung durch französische Soldaten unter dem Kommando vom General Leclerc erfolgte „nach einer kurzen Inaugenscheinnahme [...], was nach den Maßstäben des allgemeinen Rechtsempfindens als Kriegsverbrechen zu bewerten ist“[3]. Die Soldaten hatten sich kampflos ergeben und waren aus der Kaserne in Bad Reichenhall geflüchtet, nachdem sie erfahren hatten, dass die US-amerikanischen Besatzungstruppen durch französische ersetzt werden sollten. Die Geflüchteten wurden in einem nahegelegenen Wäldchen entdeckt und am späten Nachmittag des 8. Mai 1945 auf LKWs zum Kugelbachweg verbracht. Nach der Erschießung ließ man die Leichen drei Tage dort liegen, bevor sie durch US-amerikanische Soldaten bestattet wurden. Am 2. Juni 1949 wurden die Leichen exhumiert, auf dem Friedhof St. Zeno beigesetzt und von einem katholischen Pfarrer eingesegnet. Einige Quellen sprechen von zwölf getöteten französischen Soldaten, tatsächlich wurden am 8. Mai 1945 elf Franzosen erschossen.[4]

AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Jean Compagnon: Leclerc, Maréchal de France. Flammarion, Paris 1994, ISBN 2-08-066889-7.
  • Didier Corbonnois: L’odyssée de la colonne Leclerc. Les Français libres au combat sur le front du Tchad, 1940-43. Editions Histoire et Collections, Paris 2003, ISBN 2-913903-85-1.
  • Maja Destrem: L'aventure de Leclerc. Fayard, Paris 1984, ISBN 2-213-01419-1.
  • Christine Levisse-Touzé: Philippe Leclerc De Hauteclocque, la légende d'un héros. Paris Musées, Paris 2002, ISBN 2-87900-723-2.
  • Jean-Christophe Notin: Leclerc. Perrin, Paris 2005, ISBN 2-262-02173-2.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jacques-Philippe Leclerc. In: Encyclopædia Britannica Online. 24. November 2018, abgerufen am 22. Dezember 2018 (englisch).
  2. Walter Held: 109. Erschießung französischer Angehöriger der Waffen-SS durch Landsleute in Karlstein am 8.5.1945. In: Franz W. Seidler, Alfred de Zayas (Hg.): Kriegsverbrechen in Europa und im Nahen Osten im 20. Jahrhundert. Mittler, Hamburg 2002, S. 236–237. Jan M. Krahmann, Führerausbildung in der Waffen-SS, Verlag Traugott Bautz, Nordhausen 2013
  3. Johannes Lang: Geschichte von Bad Reichenhall. Ph.C.W. Schmidt, Neustadt/Aisch 2009, ISBN 978-3-87707-759-7, S. 788.
  4. Fritz Hofmann: Die Schreckensjahre von Bad Reichenhall, w.d.v-Verlag Mitterfelden, S. 139ff