Jägerbataillon 291

gemischter Jäger- und Aufklärungsverband des deutschen Heeres in der Deutsch-Französischen Brigade

Das Jägerbataillon 291 (JgBtl 291) ist ein gemischter Jäger- und Aufklärungsverband des deutschen Heeres in der Deutsch-Französischen Brigade.

Jägerbataillon 291
— JgBtl 291 —

Internes Verbandsabzeichen


Internes Verbandsabzeichen
Aufstellung 2010
Staat DeutschlandDeutschland Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr
Teilstreitkraft Logo des Heeres Heer
Typ Jägerbataillon
Unterstellte Truppenteile
  • Bataillonsstab
  • 1./ Versorgungs- und Unterstützungskompanie
  • 2./ Jägerkompanie
  • 3./ Jägerkompanie
  • 4./ Aufklärungskompanie
Stärke ca. 600 Soldaten
Unterstellung Deutsch-Französische Brigade
Stationierungsort Illkirch-Graffenstaden
(Frankreich)
Quartier Leclerc
Netzauftritt JgBtl 291
Kommandeur
Kommandeur Oberstleutnant Martin Winkler

Der Name Jägerbataillon 291 ist mit der Nummer an die beiden anderen deutschen Verbände der Brigade, Jägerbataillon 292 und Artilleriebataillon 295 angeglichen. Beide Bataillone gehörten zu der 1993 aufgelösten Panzerbrigade 29 und behielten nach ihrer Umgliederung und Unterstellung unter die Deutsch-Französische Brigade ihre Nummer.

Der Standort des Bataillons ist Illkirch-Graffenstaden (Elsass) in der Leclerc-Kaserne (Quartier Leclerc), die nach dem französischen Generalmajor Jacques-Philippe Leclerc de Hauteclocque benannt ist. Es ist der erste deutsche Kampfverband seit Ende des Zweiten Weltkrieges, der dauerhaft auf französischem Boden stationiert ist.

GeschichteBearbeiten

AufstellungBearbeiten

Nachdem der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy angekündigt hatte, französische Truppenteile aus Deutschland abzuziehen, verständigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Nicolas Sarkozy im Anschluss an die 45. Münchner Sicherheitskonferenz 2009 auf eine Stationierung deutscher Truppenteile der Deutsch-Französischen Brigade in Frankreich.

Unmittelbar danach begannen die Planungen zur Aufstellung. Ab 6. April 2010 war das Vorkommando in Frankreich stationiert. Das Bataillon wurde am 10. Dezember 2010 in Anwesenheit von Bundesminister der Verteidigung Karl-Theodor zu Guttenberg und seinem französischen Amtskollegen Alain Juppé im Rahmen eines Aufstellungsappells im Parc de l’Orangerie in Straßburg feierlich in Dienst gestellt.

Das Bataillon nahm am 14. Juli 2012 an der Militärparade zum französischen Nationalfeiertag in Paris teil.[1]

EinsätzeBearbeiten

Im zweiten Halbjahr 2014 stellte das Bataillon das READY-Bataillon der operativen Reserve (ORF) für KFOR, wurde jedoch nicht abgerufen.

Im Frühjahr 2016 war das Bataillon im Rahmen des NATO-Programms PERSISTENT PRESENCE für drei Monate in Litauen. Parallel hierzu stellte das Bataillon Infanterietrainer und Stabspersonal für die in diesem Zeitraum durch die Deutsch-Französische Brigade geführte EU-Trainingsmission in Mali (EUTM MALI).

Von September 2018 bis Mai 2019 war das Bataillon Leitverband für das 9. Deutsche Einsatzkontingent der UN-geführten Stabilisierungsmission in Mali (MINUSMA). Dies war der erste "geschlossene" Einsatz des Bataillons.

OrganisationBearbeiten

VerbandszugehörigkeitBearbeiten

Das Jägerbataillon 291 gehört zur Deutsch-Französischen Brigade.

Die deutschen Anteile der Brigade unterstehen der 10. Panzerdivision, die französischen der 1re Division Blindée.

GliederungBearbeiten

Der Bataillonsstab rekrutiert sich aus dem eigenständigen Stabszug. Diesem gehören alle Mannschaftssoldaten und Unteroffiziere des Stabes an.

Die 1. Kompanie als Stabs- und Versorgungskompanie verfügt über die Kompanieführungsgruppe heraus über die zentralen Transport- und Versorgungselemente des Bataillons, wie z. B. Transportgruppe, Versorgungsgruppe, Verpflegungsgruppe, Materialgruppe, Munitionsgruppe. Des Weiteren verfügt sie über einen technischen Zug und einen Instandsetzungszug. Der Fernmeldezug der 1./ Kompanie hält die Funk- und Kabelverbindungen innerhalb des Bataillons und zur übergeordneten Führung und verfügt darüber hinaus über Sicherungs- und Verbindungsgruppen zum Einsatz auf dem Gefechtsstand und zu dessen Sicherung.

Die 2. Kompanie ist mit dem GTK BOXER ausgerüstet und gliedert sich jeweils in drei Jägerzüge, einen schweren Jägerzug, die Kompanieführungsgruppe und eine technische Gruppe. Die Jägerzüge bestehen jeweils aus drei Jägergruppen. Der schwere Jägerzug untergliedert sich in eine Scharfschützengruppe und eine Gruppe mit dem Panzerabwehrraketensystem MILAN.

Die 3. Kompanie ist mit dem TPz Fuchs ausgerüstet und gliedert sich ebenfalls in die Kompanieführung, drei Jägerzüge, einen schweren Jägerzug und eine technische Gruppe.

Die 4. Kompanie ist als Aufklärungskompanie der Deutsch-Französischen Brigade als quasi selbstständige Aufklärungskompanie gegliedert. Sie verfügt neben der Kompanieführung über drei Fennek-Spähzüge sowie einen Technischen Aufklärungszug mit der Fähigkeit zur Radaraufklärung. Weiter verfügt die Kompanie über eine Leichte Spähgruppe. Die normalerweise in einer selbstständigen Aufklärungskompanie befindlichen Drohnen- und Feldnachrichten-Züge sind auf Grund der Stationierung im Ausland nicht aufgestellt. Da sie wie eine selbstständige Kompanie aufgestellt wurde verfügt die Kompanie zusätzlich über eigene Versorgungs- und Transportkapazitäten, sowie über eine eigene Gefechtsstandgruppe.

Das gemischte Bataillon ist der einzige Verband des deutschen Heeres, in dem die beiden Truppengattungen Jäger- und Heeresaufklärungstruppe vereint sind. Mit nur drei Kampfkompanien (2 Jägerkompanien und 1 Aufklärungskompanie) und insgesamt rund 640 Angehörigen ist es zudem deutlich kleiner als die anderen Jägerbataillone der Bundeswehr, die jeweils vier Kampfkompanien und insgesamt rund 1.000 Soldaten umfassen.

KommandeureBearbeiten

AusrüstungBearbeiten

 
Abordnung des Jägerbataillons 291 in Straßburg (2013)


Fahrzeuge Handwaffen Sonstige
Transportpanzer Fuchs Ausführung Gruppentransport und

PARA (PAnzeraufklärungsRAdar)

Gewehr G 36 Infanterist der Zukunft
Gewehr G 3 Aufklärungsdrohne ALADIN
Gepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer (seit Mitte 2014) Scharfschützengewehr G 22 Aufklärungsdrohne MIKADO
Maschinenpistole MP 7 Panzerabwehrrakete MILAN
Spähwagen Fennek (in der Aufklärungskompanie) Pistole P8 Maschinengranatwerfer

Der Standortübungsplatz des Bataillons liegt im Gemeindewald. Ein dort befindliches ehemaliges Munitionsdepot südlich des Quartier Leclerc dient als Trainingsgelände für den Kampf im Wald und für den Orts- und Häuserkampf.

Wappenbeschreibung und UniformBearbeiten

Vor einem silbernen Hintergrund liegen drei Eichenblätter auf zwei gekreuzten Kavallerielanzen. Das Eichenblatt als Barettabzeichen der Jägertruppe steht für Unsterblichkeit, Standhaftigkeit und Treue. Die gekreuzten Lanzen, welche das Barettabzeichen der Heeresaufklärungstruppe darstellen, verweisen auf die Tradition der ehemaligen Kavallerieverbände als Vorläufer der Aufklärungstruppe. Die Kombination beider Elemente im Bataillonswappen symbolisieren die Vereinigung der beiden Truppengattungen innerhalb des Bataillons.

Im Gegensatz zu den Soldaten des Schwesterbataillons Jägerbataillon 292 tragen die Soldaten des Bataillons keine Schultertücher (französisch „foulard de compagnie“), sondern den üblichen Feldanzug der Bundeswehr ohne Abwandlung. Hierbei tragen Soldaten der Jägerkompanien die grünen Litzen der Jägertruppe, die Soldaten der Aufklärungskompanie goldgelbe Litzen zum Zeichen der Zugehörigkeit zur Heeresaufklärungstruppe. Alle Soldaten des Stabes tragen prinzipiell ebenfalls grüne Litzen; Soldaten, die aus der Aufklärungskompanie in den Stab wechseln, behalten jedoch ihre goldgelben Litzen.

PatenschaftenBearbeiten

Das Bataillon ist tief im Département Bas-Rhin verwurzelt. Es bestehen unter anderem Patenschaften mit den Städten/Gemeinden Straßbourg, Erstein, Rhinau und natürlich zur Garnisonsstadt Illkirch-Graffenstaden. Soldaten des Bataillons beteiligen sich regelmäßig bei Veranstaltungen in den Gemeinden, so beispielsweise zu den Feierlichkeiten der jeweiligen Enden der Weltkriege (11. November – 1. Weltkrieg; 8. Mai – 2. Weltkrieg) sowie am Französischen Nationalfeiertag (14. Juli). Auch werden unter großer Anteilnahme der Bevölkerung Appelle der Kompanien in den Patengemeinden, beispielsweise bei Wechsel der Kompaniechefs, Verabschiedungs- in und Willkommensappelle aus dem Einsatz durchgeführt.

Auf deutscher Rheinseite bestehen bisher keine Patenschaften.

Aufgrund der Zugehörigkeit zur Aufklärungstruppe ihrer jeweiligen Länder übernahm bei Aufstellung des Bataillons des 3e régiment de hussards die Patenschaft für die 4. Kompanie.

Vorfälle mit besonderer AußenwirkungBearbeiten

Am 26. April 2017 wurde Oberleutnant Franco A. festgenommen. Er führte ein Doppelleben als syrischer Kriegsflüchtling.[2] Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass A. einen rechtsterroristischen Anschlag plante, der einem fiktiven Flüchtling angelastet werden sollte. Mit Maximilian T. wurde noch ein weiterer Oberleutnant des Jägerbataillons 291 im Rahmen der Ermittlungen festgenommen.[3] (siehe Hauptartikel: Terrorermittlungen gegen Bundeswehrsoldaten ab 2017)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Programm der Militärparade (französisch)
  2. Bundeswehr: Soldat wegen Terrorverdachts festgenommen. In: Spiegel Online. Abgerufen am 1. Juni 2017.
  3. Matthias Gebauer: Fall Franco A.: Ermittler nehmen weiteren Bundeswehr-Soldaten fest. In: Spiegel Online. Abgerufen am 1. Juni 2017.

Koordinaten: 48° 32′ 7,9″ N, 7° 44′ 10,9″ O