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Jacqueline Auriol

französische Pilotin, durchbrach als erste Frau die Schallmauer, „Schnellste Frau der Welt“
Jacqueline Auriol (1969)

Jacqueline Marie-Thérèse Suzanne Auriol-Douet (* 5. November 1917 in Challans; † 11. Februar 2000 in Paris) war eine französische Pilotin, durchbrach als erste Frau die Schallmauer[1] und trug mehrmals den Titel „Schnellste Frau der Welt“.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Jacqueline Douet wurde als Tochter des Holzhändlers Pierre Douet in Challans geboren und lernte an der Blanche de Castille in Nantes, dann am Pariser Collège Notre Dame de Sion[2]. Sie studierte Kunst an der École de Louvre in Paris.

Sie lernte Paul Auriol (1918–1992[2]), den Sohn des späteren französischen Präsidenten Vincent Auriol, über Familienkontakte kennen. Die Familien wollten aber keine Heirat und trennten die beiden vorerst.[3] 20-jährig heiratete sie im Februar 1938 Paul Auriol schließlich doch.[4] Sie hatte mit ihm zwei Kinder, Jean-Paul und Jean-Claude.[2]

Sie arbeitete als Presse-Sekretärin des Präsidenten, Jacqueline fielen vor allem repräsentative Aufgaben zu.[3][5] Mit diesen Aufgaben war sie nicht ausgelastet.[2]

Nach einem Flug 1947 mit dem französischen Flieger Raymond Guillaume beschloss sie, selbst fliegen zu lernen.[3] Ihr Mann, ebenfalls ein Flieger,[2] war von der Idee begeistert und unterstützte sie, wo er nur konnte.[4] Aber erst nach schriftlicher Zustimmung ihres Schwiegervaters gab Guillaume ihr Unterricht im Kunstflug.[3] Zwischen 1948 und 1954 erwarb Jacqueline Auriol sechs Pilotenscheine für alle Flugzeugtypen, den Segel- und den Kunstflugschein.

Bald arbeitete sie als Testpilotin und flog in einer Staffel mit 20 Luftakrobaten bei Airshows mit. Im Juli 1949 gab sie in Paris eine Kunstflug-Vorstellung vor rund 30.000 Menschen.[3] Wegen ihres Mutes bekam sie den Spitznamen La Lionne ‚die Löwin‘.[2] Nur drei Tage später stürzte sie als Copilotin eines Wasserflugzeugs ab. Sie überlebte mit schweren Verletzungen und Verbrennungen einschließlich mehrerer Brüche des Schädels und des Kiefers. Im Laufe der nächsten zwei Jahre unterzog sie sich 22 Operationen.[6][3]

Ans Bett gefesselt und durch ihre Verbrennungen entstellt, studierte Jacqueline Auriol Aeronautik, Algebra und Trigonometrie für die Lizenz als Militärpilotin, die sie 1950 erwarb.[3] Gleich nach der letzten plastischen Operation in den USA machte sie 1951 ihr Diplom als Hubschrauberpilotin.[3] Während ihres US-Aufenthaltes lernte sie die damalige „schnellste Frau der Welt“, Jackie Cochran, kennen und sie wurden gute Freundinnen, später aber Konkurrentinnen. Am 13. Mai 1951 nahm sie Jackie Cochran erstmals deren Geschwindigkeitsrekord ab: Mit einem Düsenjäger des Typs „Vampire“ erreichte sie in Paris eine Geschwindigkeit von 818,181 km/h.

Im September 1952 bekam sie für „herausragende fliegerische Leistungen“ das französische Kreuz der Ehrenlegion verliehen und zwei Monate später von Harry S. Truman die Internationale Hermon-Trophäe.[3] Im Dezember desselben Jahres stellte sie dann erneut einen Weltrekord für Frauen auf, als sie mit einer „Mistral“ zwischen Avignon und Istres eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 856 km/h flog.

Im Sommer 1953 erreichte Jacqueline Auriol als erste Frau Überschallgeschwindigkeit: Mit einem Düsenjäger des Typs „Dassault Mystère IV“ durchbrach sie die Schallmauer und erreichte 1195 km/h. Ein nächster Rekord folgte im Juni 1955, als sie mit einer „Mystère IV“ 1200 km/h flog und damit Jackie Cochran erneut auf die Ränge verwies. In den Jahren 1959, 1963, 1963 und 1964 gelangen ihr weitere Geschwindigkeitsweltrekorde, der schnellste lag bei 2150 km/h in einer „Mirage III“.

Insgesamt absolvierte Jacqueline Auriol über 4000 Flugstunden. Sie war Testpilotin für Mistral, Dassault Mystère IV und Dassault Mirage.[4]

Sie starb im Jahr 2000 mit 82 Jahren in ihrer Wohnung in Paris.

RekordeBearbeiten

Sie war eine der ersten Menschen, die Schallgeschwindigkeit flogen.[3]

  • 1952 schnellste Frau der Welt mit 534,375 mph in einem Mistral Düsenjet[3]

LiteraturBearbeiten

Ihr Buch I Live to Fly inspirierte Stefanie Crampton zu deren Karriere.[6]

  • Jacqueline Auriol: Vivre et voler. Flammarion, Paris 1968, OCLC 416483557.
    • I Live to Fly. Aus dem Französischen übersetzt von Pamela Swinglehurst. Dutton, New York, N. Y. 1970, ISBN 0-525-13076-4.

FilmBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Jacqueline Auriol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ernst Probst: Königinnen der Lüfte. Biographien berühmter Fliegerinnen wie Elly Beinhorn, Hanna Reitsch, Amelia Earhart, Jacqueline Auriol und Jacqueline Auriol. GRIN-Verlag, München 2008, ISBN 978-3-638-93415-2, S. 15.
  2. a b c d e f Ernst Probst: Königinnen der Lüfte in Frankreich. Biografien berühmter Fliegerinnen, Ballonfahrerinnen und Luftschifferinnen. GRIN-Verlag, München 2010, ISBN 978-3-640-67151-9, S. 9.
  3. a b c d e f g h i j k Joyce Duncan: Ahead of Their Time. A Biographical Dictionary of Risk-Taking Women. Greenwood Press, Westport CT 2002, ISBN 0-313-31660-0, S. 29.
  4. a b c Heidrun Moser (Red.): Französische Atlantikküste. Von der Loiremündung bis zur Gironde. Travel-House-Media, München 2008, ISBN 978-3-8342-8975-9, S. 188.
  5. Gene Nora Jessen: The Powder Puff Derby of 1929. The first all women’s transcontinental air race. Sourcebooks, Naperville IL 2002, ISBN 1-57071-769-9, S. 280.
  6. a b Joyce Spring: The sky’s the limit. Canadian women bush pilots. Dundurn Press, Toronto 2006, ISBN 1-897045-16-6, S. 84.