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Jörg Bong

deutscher Verleger, Lektor, Übersetzer und Schriftsteller

Jörg Bong (* 1966 in Bad Godesberg) ist ein deutscher Verleger, Literaturwissenschaftler, Lektor, Rezensent, Herausgeber, Autor und Fotograf. Er war seit 2002 Programmgeschäftsführer des S. Fischer Verlages, seit 2008 der gesamten S. Fischer Verlage, zu denen zudem der Fischer Taschenbuch Verlag sowie die Verlage Scherz, Krüger, FJB und die Kinder- und Jugendbuchverlage KJB, Duden, Sauerländer und Meyers gehören. 2014 wurde er der verlegerische Geschäftsführer der S. Fischer Verlage und Sprecher der Geschäftsführung. Zum 31. Mai 2019 schied Bong aus persönlichen Gründen bei Fischer aus, da er künftig ausschließlich schreiben wolle.[1][2][3]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Bong studierte Germanistik, Philosophie, Geschichte und Psychoanalyse an der Universität Bonn und der Universität Frankfurt am Main. Er war studentischer Mitarbeiter bei Norbert Altenhofer, dann wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Volker Bohn und Silvia Bovenschen. Er promovierte in Frankfurt über den Begriff der Phantasie und ästhetische Fragen zwischen Spätaufklärung und Frühromantik, vor allem im Werk von Ludwig Tieck. Von 1992 bis 1996 betreute er die Frankfurter Poetik-Vorlesungen. 1995 und 1996 war Bong Projektleiter des Aufbaustudiengangs Buch- und Medienpraxis der Universität Frankfurt a. M. Ab 1996 war er freier Mitarbeiter des Kritischen Lexikons zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und von text + Kritik, herausgegeben von Heinz Ludwig Arnold. Seit 1997 war Bong für den S. Fischer Verlag tätig. Er lebt in Frankfurt am Main. Bong ist Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Neue Rundschau. In der Zeit von Bongs Programmverantwortung wurden unter anderem die Reihen „Fischer Klassik“, „Fischer Wissenschaft“, „Fischer Geschichte“, „Fischer Jugendbuch“ (FJB) und „Fischer Taschenbibliothek“ gegründet.

Vom Oktober bis Dezember 2018 zeigte die Frankfurter Heusenstamm-Galerie in einer Einzelausstellung eine Auswahl von 22 seiner Fotografien.[4]

Sein Pseudonym Jean-Luc BannalecBearbeiten

Unter dem Namen Jean-Luc Bannalec veröffentlichte Bong seit 2012 acht Kriminalromane.[5] Im Mittelpunkt der Geschichten steht der aus Paris in die Bretagne strafversetzte Kommissar Dupin.

Sämtliche Bücher standen über viele Monate auf den obersten Plätzen der Bestseller-Liste des Magazins Der Spiegel.[6] Die Auflage seiner Bücher liegt zusammen bei rund 3,5 Millionen Exemplaren. Mittlerweile wurden die Bücher in 14 Sprachen übersetzt. In Frankreich erscheinen die Krimis bei Presses de la Cité und Livre de poche.[7]

Alle Romane wurden für Das Erste (ARD) verfilmt (Produktion Mathias Lösel und Iris Kiefer, filmpool fiction) und im Rahmen der Reihe Donnerstagskrimi unter dem Titel Kommissar Dupin ausgestrahlt.[8] Die Filme erreichten bei ihren jeweiligen Erstausstrahlungen bis zu 5 Mio. Zuschauer und erzielten Marktanteile von bis zu 15 %.[9] In Frankreich wurde die Reihe im Sommer 2018 sonntagabends auf France 3 gezeigt und ebenso ein großer Publikumserfolg – bis zu 3,5 Millionen Zuschauer folgten den jeweiligen Ausstrahlungen, was Marktanteilen von durchschnittlich 15 % entsprach.[10] Die Reihe wurde ebenso mit großem Erfolg in Italien auf RAI 2 ausgestrahlt, sowie in Spanien auf TVE; außerdem in der Schweiz, in Österreich sowie einigen osteuropäischen Ländern. Weitere internationale Ausstrahlungen sind erfolgt oder stehen bevor, u. a. in den USA.

Im Juni 2014 zeigte das ZDF einen Bericht über die Schauplätze der ersten beiden Bände auf den Spuren des Autors Jean-Luc Bannalecs: Küsten, Künstler, Kommissare. Auf den Spuren von Commissaire Dupin im Finistère.[11]

Im August 2016 erhielt Bannalec die Auszeichnung „Mäzen der Bretagne“ – verliehen im Namen des Conseil régional de Bretagne, überreicht von Anne Galo und gezeichnet von Ives Le Drian – für seine Verdienste um die Vermittlung der Bretagne: „Le diplôme vise à rendre hommage, à travers le titre de « Mécène de Bretagne », aux femmes et aux hommes qui contribuent dans le cadre de leurs activités au rayonnement culturel, touristique et économique de la Bretagne dans le monde.“[12]

Im Oktober 2017 lief auf ARTE eine Reportage über die Krimireihe: „Mordsidyll – In der Bretagne mit Jean-Luc Bannalec“.[13]

Im Dezember 2018 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft der literarischen Akademie der Bretagne und Pays de Loire verliehen („Membre d`honneur de l` Académie littéraire de Bretagne et des Pays de la Loire“). Zudem erhielt er die „médaille de la ville“ de Nantes.[14]

Werke (Auswahl)Bearbeiten

Unter eigenem NamenBearbeiten

  • Vorwort zu Simenon, Tout Maigret, Tome 9 (Maigret hésite – L’ami d’enfance de Maigret – Maigret et le tueur – Maigret et le marchand de vin und andere). Omnibus, Paris 2019.
  • „Das Ende der Welt“ (von Olivier Messiaen). In der Reihe Mein Lieblingsstück der Alten Oper und der Hochschule für Musik und Darstellenden Künste Frankfurt. Publiklums-Gespräch mit Prof. Ernst August Klötzke über den 5. Satz („Louange à l`Éternité“) des Stückes „Quatuor à l´Èternité de Jesus.“ 21. April 2018.
  • Eine starke Waffe für die Demokratie. Artikel über die Bedeutung des Buches in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 2. Januar 2018. Auch: FAZ-Online.
  • Denken als Spiel. Nachruf auf Silvia Bovenschen. In: Die Zeit, Nr. 45/2017, 2 November. Auch: ZEIT-ONLINE.
  • Deutsche Leitkultur – Wir sind viel zu zurückhaltend. Gastbeitrag Spiegel online, Juni 2017.[15]
  • „Schau auf das Meer, es tröstet Dich.“ Über ein Bild Max Beckmanns. In: Das Journal der Villa Grisebach 7/2017. 
  • Die deutsche „Leitkultur“, das „Deutsche“ und das „Undeutsche“. Ein Plädoyer. In: Neue Rundschau, Frankfurt 2017.
  • Globale Krisen: Die Rettung? Europa! Gastbeitrag Spiegel online.[16]
  • Jörg, hier ist Frohsinn. Nachruf auf Roger Willemsen. In: Die Zeit, Nr. 7/2016.[17]
  • Polyphonia: Decamore: zehn Reden über die Liebe. Steinhäuser, Wuppertal 1994, ISBN 3-924774-21-8.
  • Offensive Philologie. Vorlesung an der Johann Wolfgang Goethe Universität im Rahmen einer Ringvorlesung zum 100. Geburtstag der Universität, gehalten am 17. Mai 2014. In: Literaturwissenschaften, Germanistische und romanistische Beiträge zum 100-jährigen Jubiläum der Universität. Hrsg. von Frank Estelmann und Bernd Zegowitz. Göttingen 2016/2017.
  • Die schönsten Orte Hessens. Vier Empfehlungen. In: Zeitmagazin Nr. 23/2015, 24. Juni 2015.
  • Sind wir wirklich Affen? In: Das Lexikon der offenen Fragen. Herausgegeben von Jürgen Kaube und Jörn Laakmann. J. B. Metzler Verlag, Stuttgart 2015.
  • Das Tier, das keines sein will. Gespräch mit dem Anatomen und Evolutionsbiologen Carsten Niemitz. In: Neue Rundschau, 4/2006 (Fischer Verlag).
  • Vorwort und Herausgeberschaft zusammen mit Florian Illies von: Kleines deutsches Wörterbuch. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-10-036800-2.
  • als Hrsg. (und Nachwort): Frankfurt: eine Lese-Verführung. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-596-65001-9.
  • als Hrsg. mit Roland Spahr, Oliver Vogel: „Aber die Erinnerung davon“: Materialien zum Werk von Marlene Streeruwitz. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-596-16987-0.
  • Vorwort (Vom absolut Zerstreuten) und Herausgeberschaft zusammen mit Silvia Bovenschen: Rituale des Alltags. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 3-10-003511-9.
  • Texttaumel: poetologische Inversionen von „Spätaufklärung“ und „Frühromantik“ bei Ludwig Tieck. Frankfurter Beiträge zur Germanistik; 35. Winter Verlag, Heidelberg 2000, ISBN 3-8253-1117-1 (zugl. Diss. Frankfurt 1999).
  • als Hrsg. Verwünschungen. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-596-14754-9.
  • Die Auflösung der Disharmonien: zur Vermittlung von Gesellschaft, Natur und Ästhetik in den Schriften Karl Philipp Moritz’. Analysen und Dokumente; 32. Lang Verlag, Frankfurt u. a. 1993, ISBN 3-631-46150-X.
  • Das unpersönliche „es“ und die Auflösung des „Ich“ – zu Karl Philipp Moritz. In: Psyche 6 (1994), Stuttgart.
  • mit Martin Spieles: Europa und Europäische Union. Köln 1994.
  • „Dinge, die an nichts erinnern“. Urs Widmers Phantome eines Textes, der nie kommt. In: Text + Kritik, 1998.
  • „Der Leserschreiber.“ Eine Erzählung Wolfgang Hilbigs. In: Das Paradox, hg. v. Ralph Rainer Wuthenow. Metzler Verlag, 1999.
  • Lassen wir die Literatur frei. In: Frankfurter Rundschau, 20. Oktober 2000.
  • „Im Traum eines anderen Spiegels“. Das Handwerk des Dichters von Jorge Luis Borges. In: Literaturen, Heft 4/2009.

Unter dem Pseudonym Jean-Luc BannalecBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. S. Fischer erhält neue Geschäftsführerin, deutschlandfunkkultur.de, erschienen und abgerufen am 5. April 2019
  2. Jörg Bong hört auf. In: FAZ. Abgerufen am 9. April 2019.
  3. Verlagspersonalie Jörg Bong S. Fischer. In: Spiegel Online. Abgerufen am 9. April 2019.
  4. „Rauhfaserlandschaft. Jörg Bong in der Heusenstamm-Galerie“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. November 2018.
  5. Isabelle Calvez: Jörg Bong alias Jean-Luc Bannalec. La Bretagne l'inspire toujours. In: Le Télégramme vom 10. April 2017.
  6. Bretonischer Bestseller-Garant. In: www.buchreport.de. Abgerufen am 22. August 2016.
  7. Jean-Luc-Bannalec. Abgerufen am 31. Oktober 2016.
  8. Kommissar Dupin | DasErste.de. Abgerufen am 22. April 2017.
  9. Quotensieger Dupin. Abgerufen am 4. Februar 2019.
  10. Commissaire Dupin (France 3). Abgerufen am 4. Februar 2019.
  11. Küsten, Künstler, Kommissare. Auf den Spuren von Commissaire Dupin im Finistère, ZDF, 9. Juni 2014
  12. Région Bretagne – Remise du prix «Mécène de Bretagne» – Un auteur allemand à l‘honneur. In: www.bretagne.bzh. Abgerufen am 24. Oktober 2016.
  13. Arte Mordsidyll - In der Bretagne mit Jean-Luc Bannalec. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 23. Oktober 2017; abgerufen am 23. Oktober 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.arte.tv
  14. Académie littéraire de Bretagne et des Pays de la Loire. Abgerufen am 4. Februar 2019.
  15. Deutsche Leitkultur - Wir sind viel zu zurückhaltend. Abgerufen am 23. Oktober 2017.
  16. online
  17. online