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Horst Marquardt

deutscher Theologe, Journalist und Autor
Horst Marquardt (Februar 2011)

Horst Marquardt (* 14. Juli 1929 in Berlin) ist ein evangelisch-methodistischer deutscher Theologe, Journalist, Autor und Mitbegründer evangelikaler Werke wie ERF, IDEA und Christlicher Medienverbund KEP.

Inhaltsverzeichnis

Leben und WirkenBearbeiten

Marquardt wuchs in Berlin in einer christlichen Familie auf. Als er 10 Jahre alt war, zog die Familie nach Breslau. 1945 meldete er sich dort kurz vor Kriegsende noch zum Volkssturm, flüchtete vor der Roten Armee nach Neuruppin, wo er sich der kommunistischen Partei anschloss und Mitglied im Antifaschistischen Jugendausschuss wurde.[1] Er arbeitete zwischen 1949 und 1950 als Rundfunkredakteur in Potsdam, wo er seine ersten journalistischen Erfahrungen sammeln konnte. Weil er fakten- und nicht linientreu sein wollte, konnte er keine Beiträge mehr veröffentlichen. In dieser für ihn schwierigen Situation griff er zur Bibel und lernte so Gott kennen. Er ging nach Westberlin und studierte Theologie. Anschließend war er als Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche in Berlin, Wien und Wetzlar tätig. In Wien kümmerten sich seine Frau und er um ungarische Flüchtlinge, 250 Personen waren zeitweilig in der Methodistenkirche untergebracht.

Ab 1960 war er maßgeblich am Aufbau des Evangeliums-Rundfunk (ERF) in Wetzlar beteiligt, den er bis 31. Dezember 1993 leitete. Sein Nachfolger wurde Jürgen Werth. Auch im Ruhestand produzierte er im Radioprogramm ERF Plus bis Ende 2015 die Sendereihen „Bilanz“, „Brennpunkt Nahost“ und „Reiseeindrücke“. In der 1998 begonnenen Sendereihe „Bilanz“ entstanden in dieser Zeit rund 650 Sendungen. Er wird weiterhin beim „Wort zum Tag“ bei ERF Plus mitwirken.[2]

Bis 1997 war Marquardt Internationaler Direktor der Radio-Mission Trans World Radio (TWR) tätig für Afrika, den Nahen Osten und Länder der GUS. Er gründete 1970 die evangelikale Nachrichtenagentur idea e.V. und war bis 2017 deren Vorsitzender.[3] 1975 begründete er die Konferenz Evangelikaler Publizisten (KEP), die heute Christlicher Medienverbund heißt. Sein Ziel war es, junge Christen für Mediennutzung, Berichterstattung und weitere journalistische Tätigkeiten auszubilden. Von 1973 bis 1986 war er Sprecher der ARD-Fernsehsendung „Das Wort zum Sonntag“.

Marquardt engagierte sich in verschiedenen Gremien christlicher Organisationen, wie dem Hauptausschuss Rundfunk und Fernsehen des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP), von 1969 bis zum Erreichen der Altersgrenze im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz, dem Evangelischen Seniorenwerk (ESW) und dem Institut für Islamfragen (IfI). Er war Mitbegründer und von 1986 bis 1999 Vorsitzender der Lausanner Bewegung in Deutschland, deren Ehrenvorsitzender er ist.[4] Bis 2017 war er Vorsitzender und seither Ehrenvorsitzender des seit 1999 alle zwei Jahre stattfindenden Kongresses christlicher Führungskräfte (KcF), den er zusammen mit Jörg Knoblauch aufgebaut hat. Er gilt als Pionier und Vordenker der evangelikalen Publizistik in Deutschland.[5]

Seit Dezember 2018 betreibt er das Blog „Marquardts Bilanz“, wo er geistliche Impulse veröffentlicht.[6]

AuszeichnungenBearbeiten

  • Im Jahr 1985 bekam er den Ehrenteller der Stadt Wetzlar verliehen.
  • 1998 wurde er mit dem „Brückenbauer-Preis“ der Vereinigung Europäischer Medienorganisationen ausgezeichnet.[7]
  • Im September 2010 erhielt er den KEP-Sonderpreis für sein Lebenswerk.[8]

PrivatesBearbeiten

Marquardt war seit 1955 mit seiner 2017 verstorbenen Frau Irene verheiratet und wohnt in Minden, sie haben vier erwachsene Kinder.[9][10]

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Die Sprache der Gräber, SCM Hänssler-Verlag Neuhausen-Stuttgart 1973, ISBN 3920345401
  • Tips für Radioprediger: Vom Manuskript zum Mikrofon, ERF-Verlag, Wetzlar 1977
  • Wer bin ich, Herr? Meditationen über alttestamentliche Texte, RCM Brockhaus Verlag, Wuppertal 1982, ISBN 341700425X
  • Herr, du treuer Gott - Andachten für jeden Tag, SCM ERF-Verlag, Wetzlar 1999, ISBN 3895623555
  • Fit für die Zukunft, zusammen mit Jörg Knoblauch, Brunnen-Verlag, Gießen 2000, ISBN 3765511765
  • ...und die Herzen taten sich auf - Bewegende Glaubensgeschichten, RCM Brockhaus Verlag, Haan 2001, ISBN 3417112222
  • Dora Rappard - Ein Lebensbild, Hörkassette mit Liedern und Texten, Brunnen Verlag, Gießen 2001, ISBN 3765581836
  • Mit Werten in Führung gehen - Konzepte christlicher Führungskräfte, zusammen mit Jörg Knoblauch, Brunnen Verlag, Gießen 2001, ISBN 376551232X
  • Meine Geschichte mit dem Evangeliumsrundfunk. Warten – Wunder - Wellen, SCM Hänssler-Verlag, Holzgerlingen 2002, ISBN 3775137319
  • Werte haben Zukunft - Konzepte christlicher Führungskräfte, zusammen mit Jörg Knoblauch, Brunnen Verlag, Gießen 2003, ISBN 3765513210
  • Werte sind Zukunft - Konzepte christlicher Führungskräfte, zusammen mit Jörg Knoblauch, SCM Hänssler-Verlag 2005, ISBN 3775143939
  • Mit Werten Zukunft gestalten: Konzepte christlicher Führungskräfte - idea-Dokumentation, SCM Hänssler-Verlag, 2006, ISBN 3775145893

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Johannes Weil und Norbert Schäfer: Der Öffentlichkeitsarbeiter für das Evangelium. pro 3/2015, Seite 30
  2. Evangelikale Publizistik: Pastor Horst Marquardt beendet seine Sendereihen für ERF Medien, idea.de, Meldung vom 10. Dezember 2015.
  3. Neuer idea-Vorsitzender: Johannes Holmer folgt auf Horst Marquardt, idea.de, Meldung vom 7. Juni 2017.
  4. Horst Marquardt: Kurzvita, scm-haenssler.de, abgerufen am 9. Januar 2017.
  5. Stabübergabe: Martin Scheuermann ist der neue Vorsitzende des Kongresses christlicher Führungskräfte, idea.de, Meldung vom 25. Februar 2017.
  6. „Vater der evangelikalen Publizistik“ ist jetzt Blogger, idea.de, Meldung vom 4. Januar 2019.
  7. Horst Marquardt wird 85, ead.de, Meldung vom 3. Juli 2014.
  8. Medienpreis "Goldener Kompass" verliehen (Memento vom 16. Januar 2014 im Internet Archive), giessener-zeitung.de.
  9. Johannes Weil und Norbert Schäfer: Der Öffentlichkeitsarbeiter für das Evangelium. pro 3/2015, Seite 31
  10. Ich will heimgehen. In: IdeaSpektrum 29.2017, S. 26