Horst (westfälisches Adelsgeschlecht)

westfälisches Adelsgeschlecht
Wappen derer von der Horst

Von der Horst ist der Name eines westfälischen Uradelsgeschlechts aus dem Stift Essen, das sich auch am Niederrhein und im Fürstbistum Osnabrück verbreitete.

Es ist zu unterscheiden von dem hannoverschen Briefadelsgeschlecht „von der Horst“, welches ebenfalls im Fürstbistum Osnabrück lebte.

GeschichteBearbeiten

Das Geschlecht erscheint erstmals urkundlich mit Ruthger de Hurst im Jahr 1142. Mit Gyselbertus de Horst, miles (Ritter), urkundlich 1234[1] beginnt die sichere Stammreihe.

Das Geschlecht stammte ursprünglich aus der Herrlichkeit Horst im Emscherbruch, Stammsitz ist das dortige Schloss Horst. An der Stelle des heutigen Renaissanceschlosses stand ursprünglich ein Herrenhof, den Gerhard von der Horst im späten 12. Jahrhundert – wahrscheinlich auf Betreiben des Essener Stifts – unter Aufschüttung eines Erdhügels zu einer hölzernen Motte ausbauen ließ, um die Grenzen des Stiftsterritoriums zu sichern und die dem Stift hörigen Höfe zu schützen.[2] Damit war auch die Aufsicht über die Wildbahn im Emscherbruch und das Recht des Fangs der Emscherbrücher Pferde verbunden. Durch Ausgrabungen ist diese frühe Burganlage umfangreich erforscht worden.[3] Nach einem Brand wurde um 1210 der Hügel erhöht und die Holzanlage durch ein Steinhaus mit einer Ringmauer ersetzt; im 15. Jahrhundert wurde die Anlage zu einer Wasserburg erweitert.

Heinrich von Horst wird im Jahr 1280 als Drost der Grafen von Berg genannt. 1282 ist sein Bruder Hugo als Marschall der Essener Fürstäbtissin Berta von Arnsberg belegt. Wahrscheinlich erscheint eine Verwandtschaft mit den Erbdrosten des Essener Stifts, den Herren von Altendorf, deren bis heute erhaltene Burg der steinernen Anlage zu Horst glich. Ab 1363 sind die Herren von der Horst in Urkunden auch als Lehnsmänner der Grafen von Kleve genannt. Sie konnten die Eigenständigkeit ihres Stammsitzes lange Zeit gegen den Machtanspruch des benachbarten Kölner Erzbistums behaupten.[4] Da sie sich jedoch die Gerichtsherrschaft in den Kirchspielen Gladbeck und Buer, die zum kurkölnischen Territorium gehörten, angemaßt hatten, strengte der Kölner Erzbischof Friedrich von Saarwerden 1410/11 einen Prozess gegen die Horster Ritter an, als dessen Resultat sich die Familie 1412 dem Erzstift unterwerfen musste. Rütger von der Horst leistete dem Kölner Erzbischof den Treueid, was eine Eingliederung der ehemals eigenständigen Herrschaft in das erzbischöfliche Vest Recklinghausen zur Folge hatte. Im Gegenzug erhielt er die Herrschaft als kurkölnisches Lehen wieder zurück.[5]

 
Schloss Horst (Rekonstruktion des Schlosses zur Zeit der Renaissance)

Rütger von der Horst erbte 1547 die inzwischen heruntergekommene Burg, welche 1554 abbrannte. Er ließ daraufhin an deren Stelle bis in die 1570er Jahre ein prachtvolles Renaissanceschloss errichten. Unter sechs Kölner Kurfürsten bekleidete er das Marschallsamt; Erzbischof Salentin von Isenburg ernannte ihn kurz vor seiner Abdankung zum Kölner Statthalter im Vest Recklinghausen. Seine Erbtochter Margarethe brachte Schloss Horst 1582 an die Familie von Loë zu Palsterkamp, in der nächsten Generation fiel es 1607 an die Herren von der Recke.

Eine Linie der Familie war an den Niederrhein gezogen, wo sich das Haus Horst bei Giesenkirchen in ihrem Besitz befand. 1338 trug Hermann von der Horst dieses dem Kölner Erzbischof Walram von Jülich zu Lehen auf. In Urkunden des 14. Jahrhunderts erscheint die Familie auch als Besitzer von Haus Horst in Essen, das die Herren von der Horst als Ministerialen des Essener Stifts zu dieser Zeit anstelle eines älteren Hofes errichtet hatten. Der dortige Zweig starb schon um 1400 aus. Die niederrheinische Linie teilte sich später in einen Zweig im Kurkölner Raum und eine Linie im Herzogtum Kleve auf.[6] Der 1492 mit Haus Horst bei Giesenkirchen belehnte klevische Erbmarschall Wilhelm von der Horst war der Letzte seiner Linie; der Besitz fiel über seine Erbtochter an die Familie von Palant und in der nächsten Generation an die von Dorth.

Ein Teil der Familie hatte sich schon früh in der Grafschaft Vechta angesiedelt. Im Jahr 1180 war die Burg Hinckamp an der Haase in ihrem Besitz. Von dort aus verbreitete sie sich im Bistum Osnabrück. Burg Hinckamp blieb zunächst Hauptsitz, ehe sie um 1400 verkauft wurde. Seither hatte die Familie mit Schloss Haldem ihren Schwerpunkt im Bistum Minden.[7] Dort hatte sie auch im 19. Jahrhundert noch mehrere Güter, unter diesen auch Schloss Hollwinkel, das der preußische Staatsminister Julius August von der Horst im Jahr 1776 erworben hatte. Nach seinem Tod spaltete sich die Familie in eine ältere Linie zu Hollwinkel und Ellerburg und eine jüngere Linie auf.[8] Nach dem Verkauf von Haldem wurde Hollwinkel bis heute zum Hauptsitz der Familie. Haus Ellerburg wurde in den 1990er Jahren verkauft.

Einzelne Familienmitglieder leben heute in Teilen Süd- und Ostwestfalens. Durch die Adoption des Berthold von Eichel gen. Streiber am 30. August 1974 wird auch die ältere Linie zu Hollwinkel unter dem Namen von der Horst weiter fortgeführt.

StandeserhöhungBearbeiten

  • Preußische Anerkennung des Freiherrnstandes am 11. Mai 1844 in Potsdam für alle Nachkommen des Julius August von der Horst (1723–1791), königlich preußischer Wirklicher Geheimer Staatsminister, Gutsherr auf Haldem, Steinlacke, Hollwinkel und anderen.
  • Preußische Namenvereinigung mit dem der „von Neumann“ aus dem Haus Auer als „Freiherr von der Horst von Neumann-Auer“, geknüpft an den Besitz des Fideikommiss Auer (Ostpreußen) am 18. Februar 1881 in Berlin für den preußischen Major z.D. Rudolf Freiherr von der Horst, vermählt mit Bertha von Neumann, in den preußischen Adelsstand erhoben am 4. April 1863 in Berlin, Fideikommissherrin auf Auer.

WappenBearbeiten

  • Ältestes Siegel von 1273: Ein mit zwölf Pfauenfedern besteckter Topfhelm auf der Teillinie eines Dreieckschildes.
  • Das spätere Stammwappen ist von Silber und Rot gespalten. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken sieben Straußenfedern, die rechte Hälfte silbern, die linke rot. – Wahlspruch: „Gottesförchtig und driest“.[9] – Nach Spießen in der linken Schildhälfte ein schräges silbernes Gitter aus sechs Stäben.[10]

Bekannte FamilienmitgliederBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon. Band V, S. 369, Band 84 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1984.
  • Von der Horst. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 8. Altenburg 1859, S. 549 (zeno.org).
  • Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon. Band V, S. 371, Band 84 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1984.
  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1910. S. 351ff.
  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1902. S. 335ff.
  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1896. S. 436ff.

WeblinksBearbeiten

Commons: Horst (Adelsgeschlecht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Domarchiv zu Osnabrück, bei Möser III, Nr. 163
  2. Gustav Griese: Burg und Schloss Horst. In: Gustav Griese (Hrsg.), Albert Weskamp (Hrsg.): Burgen und Schlösser in Gelsenkirchen. 2. Auflage. Heimatbund Gelsenkirchen, Gelsenkirchen 1960, S. 74–84.
  3. Hans-Werner Peine, Cornelia Kneppe: Haus Horst im Emscherbruch. Stadt Gelsenkirchen (= Frühe Burgen in Westfalen. Band 21). Altertumskommission für Westfalen, Münster 2004, ISSN 0939-4745 (online).
  4. A. Kracht: Burgen und Schlösser im Sauerland, Siegerland, Hellweg, Industriegebiet, 1976, S. 280.
  5. Cornelia Kneppe: Schloss Horst, in: Kai Niederhöfer (Red.): Burgen AufRuhr. Unterwegs zu 100 Burgen, Schlössern und Herrensitzen in der Ruhrregion. Klartext, Essen 2010, ISBN 978-3-8375-0234-3, S. 211.
  6. Haus Horst in Giesenkirchen, S. 203 ff, Weblink
  7. Manfred Wolf: Die Rittergüter in Haldem im 16. und 17. Jahrhundert. Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, Jahrgang 57 (1985), S. 27–44.
  8. Von der Horst. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 8. Altenburg 1859, S. 549 (zeno.org).
  9. Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon. Band V, S. 369.
  10. Max von Spießen: Wappenbuch des westfälischen Adels. mit Zeichnungen von Ad. M. Hildebrandt, S. 74, 1. Band, Görlitz 1901–1903 Digitalisat