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Hinter Haremsmauern

US-amerikanisches Stummfilm-Melodram von Howard Hawks (1928)

Hinter Haremsmauern (englischer Originaltitel: Fazil) ist ein Stummfilm-Melodram, das der US-amerikanische Regisseur Howard Hawks 1927 für die Fox Film realisierte. Darin wird das Thema des clash of cultures auf einer eher privaten Ebene abgehandelt.[1]

Filmdaten
Deutscher TitelHinter Haremsmauern
OriginaltitelFazil
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1928
Länge2 199 Meter / 75 Minuten
Stab
RegieHoward Hawks
DrehbuchSeton I. Miller
ProduktionFox Film Corp.
MusikSamuel Lionel Rothafel, Ernö Rapée
KameraL. William O’Connell
SchnittRalph Dixon
Besetzung

Vorlage für das Drehbuch von Seton I. Miller war das am Théâtre Antoine in Paris am 3. Oktober 1922 uraufgeführte Bühnenstück L’Insoumise des französischen Schriftstellers Pierre Frondaie,[2] das Philip Klein für das Englische bearbeitet hatte. Er gab ihm den Titel Prince Fazil.

Die weibliche Hauptrolle der Fabienne spielte die aus Oslo gebürtige norwegische Tänzerin und Schauspielerin Greta Nissen.[3]

Regisseur Hawks soll später mit seinem Film nicht sehr zufrieden gewesen sein. Es sei nicht sein Stoff gewesen, er habe damit nur eine Vertragspflicht erfüllt.[4]

HandlungBearbeiten

Prinz Fazil, ein arabischer Stammesfürst, lernt bei Freunden in Frankreich Fabienne, eine schöne sorglose Pariserin, kennen. Während eines Urlaubs in Venedig verlieben sich die beiden ineinander und heiraten. Doch kaum bekommt Fabienne die Strenge der fremden Kultur zu spüren, begehrt sie auf und es kommt zum Streit. Prinz Fazil verlässt sie und kehrt in seine Wüstenheimat zurück, wo er einen Harem unterhält. Fabienne, eifersüchtig geworden, reist zu ihm, bricht in seinen Harem ein und jagt die Haremsfrauen auseinander, zum großen Missfallen von Fazil. Der setzt sie daraufhin fest. Als ihre Freunde aus Paris zu einer Rettungsaktion aufbrechen, bei der es zum Handgemenge kommt, wird Fazil durch einen Revolverschuss verwundet. Mittels eines vergifteten Rings tötet er, sterbend, Fabienne und beide werden im Tode vereint.

GeschichteBearbeiten

„Fazil“ wurde als einer der ersten Filme[5] der Übergangszeit zwischen stummem und tönendem Film mit einer auf Lichttonspur („Movietone“) festgehaltenen synchronen Begleitmusik ausgeliefert, die Samuel Lionel Rothafel zusammengestellt hatte und die von Ernö Rapée[6] dirigiert wurde; bei der Uraufführung am 4. Juni 1928 war im Kino Bernard Hazeltine Bassett[7] der Dirigent. Die Tonspur enthält außerdem Geräuscheffekte und den theme song von John Stepan Zamecnik[8] mit dem Text Oh nights of splendor von Harry D. Kerr,[9] der von dem amerikanischen Tenor James Melton vorgetragen wird, während man im Bild einen venezianischen Gondoliere singen sieht.

In Frankreich, wo der Film erst am 23. November 1928 in die Kinos kam, behielt er den Titel des zugrunde liegenden Theaterstückes “L’insoumise”.[10]

Eine spanischsprachige Version produzierte die Fox 1931 unter dem Titel »La ley del harem« in der Regie von Louis Seiler mit Josée Mojica und Carmen Larrabeiti in den Hauptrollen.[11]

In Deutschland lief „Fazil“ unter dem vielversprechenden Titel „Hinter Haremsmauern“ und wurde durch die Deutsche Vereins-Film A.G. Leipzig/Berlin[12] verliehen. In Österreich hieß er “Der Harem des Prinzen Fazil” bzw. “Unter den Sternen des Orients”.[13]

RezeptionBearbeiten

„Hinter Haremsmauern“ wurde besprochen in: „Illustrierter Film-Kurier“ (Berlin), Herausgeber: „Film-Kurier“, G.m.b.H., Verlag Alfred Weiner, G.m.b.H., Nr. 1022, 1928, S. 8.

Eine zeitgenössische (2013) Besprechung des Films von „C. H.“ bei filmmuseum.at zitiert den britisch-amerikanischen Filmhistoriker William K. Everson: Ein politisch unkorrekter Ausflug ins Exotik-Tollhaus: „Wie ein viktorianischer Porno, aus dem die Pornoszenen entfernt wurden …“

LiteraturBearbeiten

  • Howard Hawks: Interviews. Conversations with filmmakers series. Hrsg. Scott Breivold. Univ. Press of Mississippi, 2006, ISBN 1-57806-833-9, S. XX, XV, 17, 78.
  • Pierre Frondaie: L’Insoumise. pièce en quatre actes. (= Petite illustration. Ausgabe 80). Verlag L’Illustration, 1922.
  • Gero Gandert: 1929 – Der Film der Weimarer Republik. Verlag Walter de Gruyter, 1993, ISBN 3-11-085261-6.
  • Alan Gevinson (Hrsg.): Within Our Gates: Ethnicity in American Feature Films, 1911–1960. (= AFI Catalog Series. Band 7.2). Verlag University of California Press, 1997, ISBN 0-520-20964-8.
  • Todd McCarthy: Howard Hawks – The Grey Fox of Hollywood. Neuauflage. Grove Press, 2000, ISBN 0-8021-3740-7, S. 86, 94, 670.
  • Ross Melnick: American Showman Samuel „Roxy“ Rothafel and the Birth of the Entertainment Industry, 1908–1935. Columbia University Press, New York 2012.
  • Babett Stach, Helmut Morsbach: German film posters 1895–1945. (= Film, television, sound archive series. Band 3). Verlag Walter de Gruyter, 1992, ISBN 3-11-140214-2, S. 48.
  • Robin Wood: Howard Hawks – Contemporary approaches to film and television series. Wayne State University Press, 2006, ISBN 0-8143-3837-2, S. 184.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. vgl. Inhaltsangabe bei IMDB: "the tremendous differences in their backgrounds and the cultural differences between their two different societies put strains on their marriage that may well prove irreparable"
  2. eigtl. Albert René Fraudet (1884–1948), vgl. franz. Wikipedia: Pierre Frondaie
  3. née Grete Rutz, 1905–1988, vgl. Thomas Staedteli, cyranos.ch und imdb.com
  4. vgl. Breivold S. 17.
  5. der erste war Friedrich Wilhelm Murnaus Sudermann-Verfilmung »Sunrise/Sonnenaufgang« von 1927, vgl. engl. Wikipedia Movietone sound system : "The first feature film released using the Fox Movietone system was Sunrise (1927) directed by F. W. Murnau. It was the first professionally produced feature film with an optical sound track. Sound in the film included only music, sound effects, and a very few unsynchronized words".
  6. vgl. allmovie.com: It was issued with a fully synchronized music score (which is also intact), similar to what was done with the 1926 Don Juan starring John Barrymore, and the movie understandably places a strong emphasis on the music, arranged by S.L. Rothafel and directed by Erno Rapee, which gets credited after the cast and director.
  7. amerikanischer Komponist und Arrangeur (1871–1958), der vorwiegend für den Film tätig war, vgl. engl. Wikipedia Reginald Hazeltine Bassett
  8. 1872–1953, vgl. montalto composer profile J.S. Zamecnik (1872-1953). (Memento vom 25. Oktober 2009 im Internet Archive) (englisch)
  9. Notentitel abgebildet bei i.ebayimg.com
  10. vgl. encyclocine.com
  11. auch El hijo del desierto. vgl. imdb.com, Gevinson S. 1567.
  12. vgl. Quellen zur Filmgeschichte bis 1945 kinematographie.de
  13. vgl. releaseinfo imdb.com