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GeographieBearbeiten

Hettensen liegt am Südostrand des Sollings östlich der Bramburg an der Schwülme, deren Quellen im Wald nordwestlich von Hettensen liegen. Die Nachbarorte sind Asche im Osten, Ellierode im Nordosten und Lödingsen im Süden. Die Stadt Hardegsen liegt etwa 4,5 km nordöstlich von Hettensen (Luftlinie).

 
Blick von Norden auf Hettensen und das obere Schwülmetal

NameBearbeiten

Die älteste überlieferte Namensform lautet Hiddenhusen, weitere überlieferte alte Formen sind Hatenhusen (als einzelne Ausnahme mit einem a als erstem Vokal), Hedenhosen und Heddenhusen. Es handelt sich also um einen der in dieser Gegend häufigen „-hausen“-Orte. Bei dem ersten Namensteil handelt es sich – wie meist bei Orten mit der Endung -hausen – um einen Personennamen, in diesem Fall wahrscheinlich Hiddo. Der Name ist durch Assimilation aus dem Kurznamen Hildo entstanden mit dem Grundwort hild(i) „Kampf“.[1]

GeschichteBearbeiten

Wie bei den meisten Orten ist der Zeitpunkt der Gründung von Hettensen nicht bekannt, nach der Namensgebung kann sie bereits im 8. oder 9. Jahrhundert erfolgt sein. Die erste urkundliche Erwähnung, die sich sicher auf Hettensen bezieht, steht in einer Stiftungsurkunde des Petersstiftes in Nörten aus dem Jahr 1055. Eine Urkunde des Kaisers Otto des Großen aus dem Jahr 952 mit der Erwähnung eines Ortes Hitdeshuson, auf die sich die Jubiläumsfeiern des Ortes berufen, könnte sich ebenso wie eine Urkunde mit der Erwähnung eines Ortes Hiddeshusi aus dem Jahre 953 auch auf eine Ortswüstung Hiddesen beziehen.[1] Der Ort Hettensen soll ursprünglich etwas weiter östlich des heutigen Dorfkerns unterhalb des heutigen Sportplatzes im Schwülmetal gelegen haben,[2] die heutige Ortslage ist jedoch weniger feucht und daher siedlungsfreundlicher. Im Bereich des Sportplatzes führte auch die ehemalige Hardegser Heerstraße in Nord-Süd-Richtung am Ort vorbei. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde an dem etwa 3,5 km vom Ort entfernten ehemaligen Vulkankegel Bramburg mit dem gewerblichen Abbau von Basalt begonnen. Damals wohnten in den 61 Wohnhäusern des Ortes, neben dem Wirtshaus Epelterenkrug und einer Mühle, 419 Einwohner.[3] Seitdem wurden viele Bewohner von Hettensen in den Basaltbrüchen beschäftigt, das Dorf blieb jedoch landwirtschaftlich geprägt. Seit dem 1. März 1974 ist Hettensen ein Ortsteil von Hardegsen.[4] Die Grundschule wurde nach der Eingemeindung aufgelöst.

PolitikBearbeiten

OrtsratBearbeiten

Der Ortsrat von Hettensen hat neun Mitglieder, davon gehören vier der Freien Wählergemeinschaft Hettensen (FWG) an, drei der SPD, eines der CDU und ein Mitglied ist parteilos. Ortsbürgermeister ist seit 2001 Rainer Glahe (FWG).

WappenBearbeiten

Das Wappen wurde der damals selbständigen Gemeinde Hettensen 1951 verliehen und zeigt zwei gekreuzte Schlägel über einer Weizenähre auf blauem Grund. Es symbolisiert damit die damaligen Haupterwerbsquellen der Bewohner: Die Landwirtschaft und die Arbeit in den Basaltbrüchen der Bramburg.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

VereinswesenBearbeiten

In Hettensen gibt es unter anderem folgende Vereine:

  • SV Grün-Weiß Hettensen 1920 e.V.
  • Freiwillige Feuerwehr Hettensen
  • Gemischter Chor Hettensen
  • Wanderfreunde Hettensen 1984 e.V.
  • Traditionsfeuerwehr Florentine e.V.

Außerdem existiert ein Ortsverband des Sozialverbands Deutschland, Feldmarks-, Jagd- und Forstgenossenschaften sowie Fördervereine für die Mehrzweckhalle und die Jugendbegegnungsstätte.

BauwerkeBearbeiten

KircheBearbeiten

 
Hettenser Kirche

Hettensen verfügte schon von alters her über ein eigenes Kirchengebäude, das jedoch nicht immer an derselben Stelle lag. Die heutige Kirche liegt auf einer Anhöhe westlich des Dorfzentrums und wurde 1793 als Fachwerkkirche errichtet, zeitgleich wurde der Friedhof am westlichen Dorfende eingerichtet. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde an die Westseite der Kirche eine Küsterwohnung und ein Gemeinderaum angebaut.

GutBearbeiten

Der Gutshof in Hettensen ist erst 1855 nördlich des Schwülmeübergangs entstanden und bekam 1860 den Status eines Ritterguts, nachdem das Gut in Gladebeck aufgelöst worden war. Das heute stark veränderte Herrenhaus wurde 1864 erbaut.[5] 1979 wurden die Wirtschaftsgebäude durch einen Großbrand großenteils zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Kirchenruine und Wüstung VredewoltBearbeiten

Lage: 51° 37′ 19,8″ N, 9° 45′ 9,1″ O

 
Kirchenruine Vredewolt

Etwa 2,6 Kilometer westnordwestlich von Hettensen liegt im Staatsforst Hardegsen im Quellgebiet der Schwülme die Ortswüstung Vredewolt, Freyenwalde, Friedenwald, Freudenwald oder Friwohle mit der Ruine der ehemaligen Dorfkirche. Der Ort wurde 1318 erstmals als Vredewolt erwähnt, der Zeitpunkt des Untergangs ist nicht dokumentiert. 1586 wird die Dorfschaft als wüst bezeichnet.[2] Von der Kirche sind noch drei Seiten des Kirchturmes bis etwa 12 Meter Höhe erhalten sowie der Schuttberg des Kirchenschiffs. Der Kirchturm maß etwa 6 mal 6 Meter und hatte unten eine Mauerstärke von etwas über einem Meter. Das Erdgeschoss des Turmes ist verschüttet, darüber sind an den Löchern und Mauerabsätzen für die ehemaligen Balkenlagen noch vier Geschosse sowie der Ansatz eines fünften Geschosses zu erkennen, so dass eine Gesamthöhe von etwa 18 bis 19 m angenommen werden kann. Der Turm besitzt statt Fenstern auf der West- und Südseite schmale Mauerschlitze, die den Wehrcharakter der Kirche verdeutlichen. Ein weiteres Indiz, das auf eine Wehrkirche hinweist, ist der tiefe, um die Kirche führende Graben. Die Gesamtlänge der Kirche betrug etwa 17 Meter. Das Kirchenschiff hatte die gleiche Breite wie der Turm und einen geraden Ostabschluss.[6] Die Wehrkirche war zusätzlich mit einem heute noch gut erkennbaren Graben umwehrt, der wahrscheinlich auf der Innenseite durch Palisaden oder eine ähnliche Befestigung verstärkt war. Innerhalb des Grabens befinden sich außer der Kirchenruine noch einige Hügel, an deren Stellen möglicherweise früher Gebäude gestanden haben. Das eigentliche Dorf lag außerhalb des Grabens um die Kirche herum und ist nur noch durch wenige Relikte wie z. B. Hohlwegspuren zu erkennen. Wann es genau wüst fiel, ist nicht bekannt, einige Angaben sprechen davon, dass es in den Fehden der Göttinger mit den Hardegsern (1466 bis 1486) zerstört wurde. Im Jahre 1354 bestand das Dorf noch, denn aus der Zeit ist eine beabsichtigte Verpfändung des Dorfes von den Herren von Rosdorf an die von Adelebsen schriftlich überliefert. Das Amtsregister von Hardegsen spricht im Jahre 1586 davon, dass die Hettenser den Wiesenzins von der wüsten Dorfschaft Freyenwalde entrichtet hätten. In den Kirchenbüchern von Ellierode in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist ebenfalls vermerkt, dass Friwohle zu dem Zeitpunkt nicht mehr existierte. Gegen die These der Aufgabe des Ortes zur Zeit der Städtefehde 1466–1486 spricht die Nennung der Kirche Fredewolt aus dem Jahre 1519. Unter Annahme der Existenz des Dorfes zu diesem Zeitpunkt lässt sich vermuten, dass der Ort durch den Braunschweiger Herzog Heinrich den Jüngeren am 3. August 1553 zerstört wurde. Seine Absicht bestand darin, in das Fürstentum Göttingen einzudringen und den Bewohnern den Treueid abzunehmen. Eine andere Betrachtungsweise geht von einem anderen Grund aus und greift auf das Beispiel der „Fehlsiedlungstheorie“ zurück. Danach wurde das Dorf aufgrund der schlechten Bodenbeschaffenheit von den Bewohnern aufgegeben. Die Böden bestehen vorwiegend aus Gestein, Lehm, Ton und Sand. Ackerbau war nur bedingt möglich, die Bauern waren daher auf Viehzucht angewiesen, was auf längere Zeit sich als unrentabel herausstellte.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Hettensen ist über die Landstraße L557 mit den Nachbarorten Ellierode und Lödingsen verbunden, zum Nachbarort Asche führt die Kreisstraße 434, die nördlich des Ortes auf die Landstraße nach Ellierode mündet. Es besteht eine Anbindung mit Linientaxis, Bussen und Anruf-Linientaxis der Linie 221 der Regionalbus Braunschweig an die Orte Lödingsen, Asche, Ellierode und Hardegsen. Der nächste Bahnhof befindet sich in Lödingsen.

LiteraturBearbeiten

R. Glahe: 1050 Jahre Hettensen – Materialien zur Geschichte; Uslar 2003

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b K. Casemir, F. Menzel und U. Ohainski: Die Ortsnamen des Landkreises Northeim. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2005, S. 188f. ISBN 3-89534-607-1
  2. a b C. Kämmerer, P. F. Lufen: Baudenkmale in Niedersachsen, Band 7.1: Landkreis Northeim, Südlicher Teil. (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). C. W. Niemeyer, Hameln 2002, S. 118f. ISBN 3-8271-8261-1
  3. Friedrich Wilhelm Harseim, C. Schlüter: Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover. Hrsg.: Friedrich Wilhelm Harseim, C. Schlüter. Schlütersche Hofbuchdruckerei, Hannover 1848, S. 76.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 214.
  5. Gustav Stölting, Börries Freiherr von Münchhausen: Die Rittergüter der Fürstentümer Calenberg, Göttingen und Grubenhagen, Hannover 1912.
  6. Erhard Kühlhorn: Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Blatt Moringen. Erläuterungsheft, Kommissionsverlag August Lax, Hildesheim 1976, S. 146ff. ISBN 3-7848-3624-0

WeblinksBearbeiten

  Commons: Hettensen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Hettensen – Reiseführer