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Hermann von Trenkwald

österreichischer Kunsthistoriker

LebenBearbeiten

Hermann von Trenkwald, Sohn des Malers Josef Mathias von Trenkwald, besuchte das Theresianum bis zur Matura 1886. Er studierte zunächst Rechtswissenschaften, 1886/87 in Jena, von 1887 bis 1890 in Wien. Ab 1890 studierte er Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Geschichte an der Universität Wien, wo er 1894 promoviert wurde. Darauf war er zunächst als Volontär an den Berliner Museen tätig, von 1895 bis 1897 als Kustos des Kaiser Franz Josef-Museums für Kunst und Gewerbe in Troppau und von 1897 bis Anfang 1918 als Direktor des Kunstgewerbemuseums in Frankfurt am Main, unterbrochen durch den Kriegsdienst ab 1915. Im September 1918 wurde er Vizedirektor des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie in Wien, 1925 dessen Direktor. Aufgrund von Beanstandungen in einem Rechnungshofbericht wurde er 1927 vorzeitig pensioniert. Neben seiner Museumstätigkeit war er seit 1921 künstlerischer Leiter der Wiener Gobelin-Manufaktur. In seinem „Ruhestand“ eröffnete er eine „künstlerische Fachberatung“ in Wien und war im Kunsthandel tätig.

Thematisch beschäftigte er sich vor allem mit Textilien (Teppiche, Gobelins), Keramik und Glas.

Ab 1932 war er Mitglied der NSDAP, ab 1938 Mitglied der Kunstkommission der Vermögensverkehrsstelle, der zentralen „Arisierungsbehörde“ im besetzten Österreich.[1] Zwischen 1937 und 1941 verhandelte er um die letztendlich vergebliche Überführung des Testament Martin Luthers von Budapest nach Deutschland.[2]

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Ausstellung alter Goldschmiede-Arbeiten aus Frankfurter Privatbesitz und Kirchenschätzen. Kunstgewerbemuseum Frankfurt a. M. Juni – September 1914. Frankfurt 1914.
  • Gläser der Spätzeit (um 1790–1850). A. Schroll & Co., Wien 1923.
  • mit Friedrich Sarre: Altorientalische Teppiche. 2 Bände. Herausgegeben vom Österreichischen Museum für Kunst und Industrie. A. Schroll & Co., Wien 1926–1928.

LiteraturBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. In dieser Funktion verfasster er Mitte 1939 eine Denkschrift mit dem Titel „Verwertung des in nichtarischem Besitz befindlichen Kunst- und Kulturgutes“, in dem es heißt: „Den Juden ist das in ihrem Besitz befindliche Kunst- und Kulturgut, an dem ihre Rasse schaffend nie beteiligt war, zu entziehen und in arische Hände zu bringen. Die Überleitung in arischen Besitz erfolgt über den Kunsthandel.“ Zitiert bei Theodor Brückler (Hrsg.): Kunstraub, Kunstbergung und Restitution in Österreich 1938 bis heute. Böhlau, Wien – Köln – Weimar 1999, S. 190.
  2. Tibor Fabiny: Martin Luthers letzter Wille. Das Testament des Reformators und seine Geschichte. Corvina Kiadó, Budapest 1983, S. 53–61; Luthers Testament und seine Geschichte.