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Helmut Müller-Enbergs

deutscher Politologe
Helmut Müller-Enbergs (2011)

Helmut Müller-Enbergs (* 1960 in Haltern) ist ein deutscher Politikwissenschaftler.

LebenBearbeiten

Müller-Enbergs war zunächst als Chemie­facharbeiter tätig. Von 1985 bis 1989 studierte er Politikwissenschaften, zunächst an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, dann am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin (FU). Von 1986 bis 1989 war er studentische Hilfskraft, anschließend wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschung der FU Berlin, zugleich von 1990 bis 1992 Pressesprecher der Fraktion Bündnis 90 im Landtag Brandenburg und dort wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stolpe-Untersuchungsausschuss.[1]

Seit 1992 war er wissenschaftlicher Referent beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Seine Forschungsschwerpunkte waren Geheimdienstforschung, Inoffizielle Mitarbeiter (IM), die Hauptverwaltung Aufklärung (HV A) des Ministerium für Staatssicherheit (MfS), Spionage und Nachrichtendienst­psychologie.[1] Von 2003 bis zu ihrer Auflösung 2005 leitete Müller-Enbergs die Forschungsgruppe Rosenholz. 2004 war er Referatsleiter für Öffentlichkeitsarbeit beim Verfassungsschutz Brandenburg.[2][3]

2007 wurde er an der TU Chemnitz bei Eckhard Jesse zum Dr. phil. promoviert.[1][4] 2007/08 war Müller-Enbergs als Gastwissenschaftler an der University of Michigan (USA). 2008/09 war er Gastprofessor an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Syddansk Universitet in Odense (Dänemark) und ist seit 2010 dort Honorarprofessor. 2011/12 hatte er eine Gastprofessur an der historischen Fakultät der Högskolan på Gotland in Visby (Schweden), seit 2012 ist er dort ebenfalls Honorarprofessor.[1][5]

Für das am 15. September 2015 veranstaltete wissenschaftliche Kolloquium zu Ehren von Wilfriede Otto organisierte er die Tagungsreferate.[6]

2018 wurde er Leiter der Spionageabwehr beim Verfassungsschutz Berlin[7] und dafür von seiner Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen beurlaubt.[8]

VeröffentlichungenBearbeiten

Müller-Enbergs war 1996 Mitverfasser des Behörden­gutachtens über Gregor Gysi für den Immunitätsausschuss des Deutschen Bundestages. Seine Veröffentlichung zusammen mit Cornelia Jabs im Deutschland Archiv enttarnte den West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras als SED-Mitglied und Stasi-IM „Otto Bohl“.[9][10] Obwohl der Leiter der Forschungsabteilung der Stasi-Unterlagenbehörde den Aufsatz schriftlich zum Druck freigegeben hatte, mahnte ihn die Behördenleitung daraufhin ab.[11] Müller-Enbergs klagte erfolgreich darauf, dass diese Abmahnung aus seiner Personalakte entfernt wird.[12]

2014 schrieb er ein Gutachten über Anetta Kahane in ihrer Tätigkeit als Stasi-IM "Victoria".[13]

MitgliedschaftenBearbeiten

Müller-Enberg war seit 2010 gewähltes Mitglied der Kommission zur Überprüfung der Abgeordneten des Landtags Brandenburg auf Kooperation mit dem MfS sowie der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Geschichte und Bewältigung von Folgen der SED-Diktatur und des Übergangs in einen demokratischen Rechtsstaat im Land Brandenburg. Er ist im Beirat der Vereinigung 17. Juni 1953.[14]

Fall DeulingBearbeiten

Im Herbst 2012 verweigerte die Behörde ihm den Rechtsbeistand im Prozess gegen Wolfgang Deuling und seine Ehefrau, zwei mutmaßliche DDR-Spione („IM Bob“ und „IM Petra“).[15] Das Vorgehen gegen ihn sorgte für öffentlichen Protest und für Solidarität bspw. durch Wissenschaftler und Journalisten.[16][17] Das Ehepaar Deuling hat Anfang 2013 seine Klage gegen die Nennung ihrer Klarnamen in der Behördenpublikation „Hauptverwaltung A; Aufgaben-Strukturen-Quellen“ gegen Müller-Enbergs als Autor zurückgezogen, nachdem sich das Gericht als unzuständig erklärt hatte und ein anderer Rechtsweg hätte beschritten werden müssen. Damit darf Müller-Enbergs das Ehepaar Deuling namentlich nennen, so wie die Abteilung HV A sie in Verbindung brachte, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen kurioserweise aber nicht. Wolfgang Deuling war Büroleiter und späterer persönlicher Referent von Hans-Jürgen Wischnewski.[18]

PrivatesBearbeiten

Müller-Enbergs ist mit Conny Müller-Enbergs verheiratet. Das Ehepaar hat zwei Söhne.[19]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d BStU Mitarbeiter – Dr. Helmut Müller-Enbergs. In: http://www.bstu.bund.de/. Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, 2010, abgerufen am 8. September 2011.
  2. Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur - Publikationen - Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung - Ausgabe 2010. In: bundesstiftung-aufarbeitung.de. Abgerufen am 3. September 2015.
  3. Verfassungsschutz macht Schule. Abgerufen am 13. September 2015.
  4. Helmut Müller-Enbergs: Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit Teil 3: Statistik. 1. Auflage. Ch. Links, Berlin 2008, ISBN 978-3-86153-441-9, S. 1024.
  5. Helmut Müller-Enbergs. Abgerufen am 27. Oktober 2015.
  6. Günter Benser, Stefan Bollinger, Wladislaw Hedeler, Thomas Klein, Helmut Müller-Enbergs, Petra Pau, Jörn Schütrumpf: Die DDR zweimal gelebt: Kolloquium in memoriam Wilfriede Otto (1933–2015), Berlin 2015.
  7. Pressemitteilung des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie e.V. (wdk) zum Kautschuktag 2018, abgerufen am 16. Dezember 2018.
  8. Helmut Müller-Enbergs auf der Webseite des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen
  9. Viele Stasi-Spitzel im Westen noch nicht enttarnt in Die Welt vom 24. Mai 2009
  10. Spitzenspion und Waffennarr. 18. Februar 2015. Abgerufen am 27. Oktober 2015.@1@2Vorlage:Toter Link/www.rbb-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  11. Sven Felix Kellerhoff: Birthlers Kleinkrieg. 21. Mai 2010. Abgerufen am 27. Oktober 2015.
  12. Keine Abmahnung gegen Kurras-Enttarner, Tagesspiegel, 1. Dezember 2010
  13. Helmut Müller-Enbergs: Zusammenfassende gutachterliche Stellungnahme zu Frau Anetta Kahane und die DDR-Staatsicherheit. Amadeu Antonio Stiftung, 26. November 2014, abgerufen am 25. November 2019.
  14. Vorstand. Abgerufen am 31. Dezember 2018.
  15. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.focus.deBehörde verweigert Stasi-Forscher Rechtsbeistand im Prozess gegen zwei mutmaßliche Ex-DDR-Spione. In: Focus 43/2012.
  16. Bundeszentrale für politische Bildung: Ein Röntgenbild der HV A. 2. August 2013. Abgerufen am 27. Oktober 2015.
  17. Markus Wehner: Stasi-Agenten bei der SPD – Für Verdienste um Volk und Vaterland in FAZ.net / F.A.S. vom 28. Oktober 2012
  18. Bücherverbrennung in Bonn, Stasi-Terror im Osten – Rezension von Wolfgang Kaes, 2013
  19. Tomas Kittan: Familie Müller-Enbergs: So kämpfen wir um Mutter Conny. 22. November 2015, abgerufen am 31. Dezember 2018.