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Hedda Zinner

deutsche Schriftstellerin, Schauspielerin, Kabarettistin, Rezitatorin, Journalistin und Rundfunkleiterin

LebenBearbeiten

 
Hedda Zinner (Mitte), 1966

Hedda Zinner, die unter ihrem Geburtsnamen und verschiedenen Pseudonymen (Elisabeth Frank, Hannchen Lobesam, Hedda) publizierte, wurde in Lemberg als Tochter eines Beamten geboren. Sie besuchte dort 1923 bis 1925 die Schauspielakademie. Engagements führten sie nach Stuttgart, Baden-Baden, Breslau und Zwickau. Sie heiratete 1928 den Schriftsteller und Journalisten Fritz Erpenbeck. Ab 1929 lebte sie in Berlin, wurde KPD-Mitglied, arbeitete als Schriftstellerin und Rezitatorin. Bei politischen Kundgebungen trug sie eigene Gedichte vor.

Ab 1930 publizierte sie politisch-satirische und gesellschaftskritische Gedichte u. a. in der Roten Fahne, der Arbeiterstimme, in der AIZ, im Weg der Frau, dem Magazin für Alle und der Welt am Abend. 1933 emigrierte sie zunächst nach Wien und dann nach Prag, wo sie das politische Kabarett „Studio 1934“ gründete und leitete; ab 1935 lebte sie mit ihrem Mann in Moskau in der Sowjetunion. Sie arbeitete als Hörspielautorin und Kommentatorin für Radio Moskau[3] und für verschiedene Literaturzeitschriften.

 
Grabstätte

1945 kehrte sie nach Berlin zurück, wo sie während der Teilung der Stadt im östlichen Teil Berlin-Pankow lebte. Sie wurde Spielleiterin im Hause des Rundfunks (seit 1946) und wirkte bis zu ihrem Tode 1994 als Schriftstellerin. Ihr Mann verstarb bereits 1975. Sie ist auf dem Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden in Berlin-Mitte bestattet. Ihr Sohn ist der Physiker, Philosoph und Schriftsteller John Erpenbeck, dessen Tochter Jenny Erpenbeck gleichfalls als Schriftstellerin tätig ist.

AuszeichnungenBearbeiten

WerkeBearbeiten

Zinners frühe Arbeiten waren satirisch-agitatorische Texte, die das Alltagsleben wie auch politische Tagesthemen aufgriffen. Im Zusammenhang mit den Arbeiten für das „Studio 1934“ wandte sie sich dem Drama zu; dabei behielt sie die politische Aktualität. Ihr Stück General Landt war eine Reaktion auf das westdeutsche Drama Des Teufels General, welches sie als verharmlosend empfand. Auf jeden Fall verdächtig thematisierte die Protestbewegung westdeutscher Wissenschaftler gegen den Atomkrieg. Weiterhin griff sie historische Themen auf (darunter Napoleonische Befreiungskriege, Frauenemanzipation und antifaschistischer Widerstand). Ihre Romantrilogie Ahnen und Erben trägt autobiographische Züge.[4]

  • Unter den Dächern. Gedichte, Moskau 1936.
  • Das ist geschehen, Gedichte, Moskau 1939.
  • Volkslieder und Volksdichtungen. Nachdichtungen, Kiew 1939.
  • Caféhaus Payer. Schauspiel, uraufgeführt 1945. Entstanden 1940/41. Übersetzt tschechisch und ungarisch.
  • Fern und nah. Gedichte, 1947.
  • Humanistisches Sonett. 1947.
  • Alltag eines nicht alltäglichen Landes. Berichte, Erzählungen und Gedichte, 1950.
  • Spiel ins Leben. Schauspiel, 1951. Übersetzt polnisch und slowenisch.
  • Der Mann mit dem Vogel. Komödie, 1952.
  • Glückliche Frauen und Kinder. Erzählungen, Berichte, Gedichte, 1953.
  • Der Teufelskreis. Drama, 1953. Übersetzt französisch, tschechisch, japanisch, chinesisch.
  • Wir fahren nach Moskau. Kinderbuch, 1953.
  • Nur eine Frau. Roman über Louise Otto-Peters, 1954. In BRD erschienen 1984.
  • Erste Anfänge. und Nie werde ich vergessen. Geschichten in: Hammer und Feder, 1955.
  • Lützower. Schauspiel, 1955.
  • General Landt. Schauspiel, uraufgeführt 1957. Entstanden 1950/51.
  • Das Urteil. Politische Revue. In: ndl 1958/59.
  • Was wäre wenn …? Komödie, 1959.
  • Auf jeden Fall verdächtig. Schauspiel, 1959.
  • Plautus im Nonnenkloster. Nacherzählung als Libretto, 1959.
  • Fischer in Niezow. Libretto, 1959.
  • Leistungskontrolle. Jugendstück, 1960.
  • Ravensbrücker Ballade. Tragödie, 1961.
  • Ein Amerikaner in Berlin. Posse, 1963.
  • Wenn die Liebe stirbt. Vier Novellen, 1965.
  • Elisabeth Trowe. Filmerzählung, 1969.
  • Ahnen und Erben. Romantrilogie.
    • Regina. 1968.
    • Die Schwestern. 1970.
    • Fini. 1973.
  • Wir sprechen aus, was ist. Studio 1934. In: Erlebte Geschichte, Band 2, 1972, hrsg. von Günter Albrecht.
  • Auf dem roten Teppich. Erfahrungen, Gedanken, Impressionen, 1978.
  • Katja. Roman, 1980. (BRD 1981)
  • Die Lösung. Roman, 1981.
  • Arrangement mit dem Tod. Roman, 1984. (BRD 1985)
  • Die große Ungeduld. Erzählung 1988.
  • Selbstbefragung. Erinnerungen 1989, ISBN 3-371-00195-4.

VerfilmungenBearbeiten

HörspieleBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Zinner, Hedda: In: Lexikon sozialistischer deutscher Literatur. Bibliographisches Institut, Leipzig 1964, S. 563–565.
  • Simone Barck: Hedda Zinner. In: Literatur der Deutschen Demokratischen Republik. Band 3. Volk und Wiisen, Berlin 1987, S. 530–547 und S. 639–643.
  • Uta Klaedtke, Martina Ölke: Erinnern und erfinden. DDR-Autorinnen und ‚jüdische Identität‘ (Hedda Zinner, Monika Maron, Barbara Honigmann). In: Ariane Huml (Hrsg.): Jüdische Intellektuelle im 20. Jahrhundert. Königshausen & Neumann, Würzburg, 2003. ISBN 3-8260-2310-2, S. 249–274.
  • Bernd-Rainer Barth, Peter Erler: Zinner, Hedda. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  • Jana Rahders: Kann man sein Leben lang die Wahrheit verleugnen? Das sozialistische Weltbild der DDR-Autorin Hedda Zinner. In: Siegfried Lokatis (Hrsg.): Vom Autor zur Zensurakte. Abenteuer im Leseland DDR. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2014, S. 73–80.

WeblinksBearbeiten

Einzelnachweise und AnmerkungenBearbeiten

  1. ЦИ́ННЕР (Zinner), Хедда, FEB
  2. Biographische Datenbanken - Zinner, Hedda, bundesstiftung-aufarbeitung.de
  3. Valentina Choschewa: „STIMME RUSSLANDS feiert 85. Jubiläum“. In: „Stimme Russlands, 28. Oktober 2014“. Abgerufen am 29. Oktober 2014.
  4. Gisela Brinker-Gabler, Karola Ludwig, Angela Wöffen: Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen 1800–1945. dtv München, 1986. ISBN 3-423-03282-0. S. 336 ff.